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Geschichte des alten Ägyptens (Einleitung)
Geographie des alten Ägyptens, Schrift und Sprache seiner Bewohner
(Dr. Johannes Dümichen)
Zweites Kapitel (3)
4.Gau (xxx124) "Us"der Gau des Götterszepters Us"
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Nach dem als Hauptgottheit in der Metropolis dieses Gaues verehrten Amon-Ra, welchem die Griechen ihren Zeus gegenüberstellten, wurde Diospolis von ihnen die altägyptische Amonstadt genannt, und zwar mit dem Zusatz "die große", zum Unterschied von zwei anderen im 7. oberägyptischen und 17. unterägyptischen Gau gelegenen Städten gleichen Namens. Die in den griechisch-römischen Namenslisten als Diospolites, Peri-Thebas, Patyrites und Hermonthytes aufgeführten Gaue repräsentieren das Gebiet des altägyptischen 4. Gaues Us. (Man wolle einsehen das im Vorhergehenden Gesagte über die zeitweise stattgehabte Verschiedenheit in der Gaueinteilung.) Der vorher eine lange
Strecke, mit geringer Neiguung nach Westen, fast direkt nach Norden
fließende Strom nimmt, hinter Erment umbiegend, nun eine nordöstliche
Richtung an. Die ihn begleitenden Höhenzüge folgen zwar dieser
Biegung, die östliche Bergkette jedoch beschreibt einen weiten
Bogen, der, südlich ausgehend etwa von dem Dorfe Kafr el Melayeh,
gegenüber von Erment, mit seinem nördlichen Ende erst bei
El Haschaschieh (20 Kilometer stromabwärts) sich wieder dem Nil
nähert. Dergestalt lassen die das Niltal auf beiden Seiten einfassenden
Gebirge hier eine ausnahmsweise breite und ringsum geschützte Ebene
sich ausdehnen, die in vorhistorischer Zeit von dem Erzeuger des ägyptischen
Landes mit Kulturboden überdeckt, den alten Beherrschern Ägyptens
als der sehr geeignete Platz erschien, um dort ihre, wie zu erwarten
stand, allmählich immer größere Ausdehnung erheischende
Residenz aufzuschlagen. Während zu Anfang des alten Reiches das
unterägyptische Memphis die Residenz der ägyptischen
Könige gewesen, wurde später die Provinzialhauptstadt des
4. oberägyptischen Gaues, die Amonstadt Theben, zur Residenz
der Pharaonen erhoben. Dorthin hatten sich Ägyptens legitime Herrscher
vor den mehrere Jahrhunderte im Delta gebietenden fremdländischen
Hyksos zurückgezogen. Nach langen und schweren Kämpfen
war es den Ägyptern endlich gelungen, sich von dem drückenden
Joche jener Fremdherrschaft zu befreien und die von Asien her gekommenen
Eroberer auch aus ihrem letzten und festesten Halte, der Stadt Auaris
im Delta, wieder hinauszutreiben. Von Theben war die Schilderhebung
zur Befreiung des Landes ausgegangen, von Theben her war die Errettung
aus schmachvoller Knechtschaft gekommen, von Theben aus hatten die nach
Oberägypten zurückgedrängten Pharaonen ihr von den Vätern
ihnen überkommenes Erbe wieder zurückerobert, und sie, die
Wiege der Wiedergeburt ägyptischer Herrschaft, wurde nun sehr bald
eine der gewaltigsten Städte, wurde jene weltberühmte Stadt
des Altertums, von der Homer preisend sang: Es gibt wohl wohl keinen Fleck auf der Erde, wo wir eine solche Menge von Überresten großartiger Bauwerke des Altertums an einem Platze vereinigt finden wie hier. Nach den Berichten der griechischen und römischen Schriftsteller war Theben eine Stadt von kolossalem Umfange; noch in römischer Zeit hatte sie, wie uns gemeldet wird, eine Längenausdehnung von 2 deutschen Meilen (80 Stadien), aber auch damals schon nicht mehr aus aneinander hängenden Häuserreihen bestehend, sondern aus vereinzelten, durch Feldfluren und Gartenanlagen voneinander getrennten Stadtvierteln (xxx125), die um die Haupttempelgruppen der alten Stadt sich gruppierten. Durch den Nil in zwei Hälften geteilt, mit dem Hauptstadtteile auf der Ostseite, bedeckten die Tempel und Königspaläste, die Häuser der Lebenden und die Wohnungen der Toten hier einst einen Flächenraum, dessen Grenzen sich heute noch annähernd bestimmen lassen durch die hervorragendsten Denkmälergruppen, welche auf beiden Seiten des Stromes erhalten geblieben. Es sind dies die nach den in ihrer Nähe liegenden, teils bewohnten, teils aber auch, wie Medinet-Abu, gegenwärtig nicht mehr bewohnten Dörfern genannten Tempel von Karnak, Medamut und Luqsor auf der Ostseite, das Sethosheiligtum von Qurnah, der Terrassentempel von Der el bah'eri, das Ramesseum bei Schech-abd-el-Qurnah, die Reste des Amenophistempels mit den beiden kolossalen Sitzbildern des Königs, von denen das nördliche die sogenannte Memnonssäule, und die Tempel von Der-el-dineh und Medinet-Abu auf der Westseite, hinter denen dann, in dem die thebanische Ebene auf dieser Seite einfassenden Gebirge die Nekropolis von Drah-abu'l-neggah und die im Assasif, die Gräber von Schech-abd-el-Qurnah und Qurnet-Murai sich befinden. Am Südende der ausgedehnten Nekropolis haben die Gräber der Königinnen ihren Platz, während in dem nördlichen Teile des im weiten Bogen sich hinziehenden Totenfeldes, am meisten nach Westen vorgeschoben, versteckt in den Schluchten der libyschen Bergkette, in dem Biban-el-Moluk genannten Tale die Grüfte der Könige angelegt sind, jene gewaltigen unterirdischen Treppenhallen, Säle und Korridore, welche, was räumliche Ausdehnung, Großartigkeit der Anlage und Aufwand der Ausschmückung der Wandflächen betrifft, unter allen Mausoleen der Erde wohl nicht ihres Gleichen haben. Die also über die weite Ebene verstreuten Denkmälergruppen überblickend und die Entfernung der Endpunkte ins Auge fassend, kommen wir zu dem Schluß, daß die alte Thebae in ihrer Blütezeit einen Umfang von wenigstens 6deutschen Meilen gehabt haben muß, eine Ausdehnung also, wie sie nur wenige unserer heutigen größten Städte aufweisen können. Mehr noch wie die übrigen Provinzhauptstädte hatte auch die gegen Ende des alten Reiches (also etwa 2000 v. Chr.) zur Residenz der Pharaonen erhobene Metropolis des 4. oberägyptischen Gaues eine Menge von Namen, die teils das gesamte, über beide Stromufer sich verteilende Stadtgebiet, teils nur die Ost- oder nur die Westseite derStadt, teils aber auch nur verschiedene Bezirke in der östlichen oder westlichen Stadthälfte bezeichnen. Unter den zur Bezeichnung der Gesamtstadt in den Inschriften uns begegnenden Namen ist einer der am häufigsten vorkommenden derjenige, welcher, wie dies bei allen Provinzialhauptstädten der Fall war, durch das für den betreffenden Gau gewählten Abzeichen gebildet ward, also anstatt "Gau des Götterszepters Us" wird gesagt: (xxx126) "Stadt des Götterszepters Us", nicht selten noch mit einem ehrenden Zusatze wie: "die große, die starke, die mächtige, die siegreiche, die Herrin des Siegesschwertes, die Gebieterin aller Gaustädte", oder mit Rücksicht auf den nach dem Mythus hier geborenen Osiris und den als obersten Schutzgott hier verehrten Amon, dem die Griechen ihren Zeus gegenüberstellten, auch: "Us, die Geburtsstätte des Osiris, des Herrn der Ewigkeit" (ein anderer Name für Osiris) und "die geheimnisvolle des Amon, die mit dem Throne des Amon" oder auch "das Glanzauge des Amon-Ra, des Herrn der Götter" genannt. Ein anderer, ebenfalls nicht selten auftretender Name für die Gesamtstadt ist: (xxx127) Nu d.h. "die Stadt", zuweilen noch mit Hinzufügung des Adjektivums (xxx128) a "groß" nu-a "die große Stadt" oder auch (xxx129) Nu-amon "die Amonstadt" genannt. Sie, die nach dem Mythus die Geburtsstadt des Osiris und der Begäbnisplatz des Gottes Horus, des Ahnherrn der ägyptischen Könige, sie, die Hauptkultstätte des Amon, des obersten der Götter, die Wiege der Wiedergeburt ägyptischer Herschaft und seitdem die Residenz der göttlich verehrten Pharaonen, war für die Ägypter und Ausländer die Stadt par excellence, und so sind es denn auch diese Namen nu "die Stadt", nu-a "die große Stadt" und nu-amon "die Amonsstadt", denen sich die Bibel wie die assyrischen Keilschriften ausschließlich zur Bezeichnung der oberägyptischen Pharaonenresidenz bedienen. Der in der 25. Dynastie um 700 v. Chr. über Aethiopien und einen Teil Ägyptens herrschende König (xxx130) Taharku, der Thirhakah der Bibel, in den Keilschriften Tarkuu und von den griechischen Schriftstellern Tearko, Etearchus, Tarakus und Tarkus genannt, welcher sich damals von assyrischen Satrapen *1 verwalteten Unterägyptens bemächtigen wollte, setzt sich in den Besitz von Memphis, entflieht aber von dort nach einer gegen die Assyrer verlorenen Schlacht nach Theben, und bis dorthin von den Assyrern verfolgt, zieht er sich nach Äthiopien zurück. Die hierüber Aufschluß erteilende Stelle eines längeren Keilschrifttextes lautet nach der von unserem um die assyrische Forschung so hochverdienten Landsmann Oppert gegebenen Übersetzung folgendermaßen: "Tarkuu, der Fürst von Musur (Ägypten) und Kusch (Äthiopien) verachtete die Götter und richtete auf die Besitznahme Ägyptens seine Stärke. Die Vorschriften des großen Gottes Assur, meines Herrn, verachtete er. Er vertraute auf seine eigene Stärke, und die Verträge, welche der Vater, der mich gezeugt, gemacht hatte, beobachtete er nicht. Von Kusch (hieroglyphisch xxx135) Kusch "Äthiopien") kam er daher und zog ein in Mempi (hieroglypisch xxx136 men-nofer d.h. "die herrliche Niederlassung", welcher Name unter Abwerfung des finalen r in der Volkssprache zu monufi wurde, woraus das assyrische Mempi, das griechische Memphis und das koptische (xxx137) entstanden) und nahm sich zum Eigentum diese Stadt." Botschaft über diese Begegbenheiten nach Ninive, aufbruch eines assyrischen Heeres, ankunft desselben in Ägypten, Schlacht mit Tarkuu, die für den Äthiopenkönig unglücklich ausfällt, worauf derselbe nach Theben entflieht. Die hierauf bezügliche Stelle des Keilschriftberichtes lautet: "Aus Mempi, der Stadt seiner Herrschaft, der Stätte seiner Verehrung, entfloh er, aufbrechend zu Schiffe, um seine Seele zu retten. Sein Zelt ließ er im Stich, und allein davoneilend, gelangte er nach Ni' (xxx138 hieroglyphisch xxx139 oder xxx140)." Der assyrische Großkönig läßt durch seine Truppen ihm nachsetzen, der König Tarkuu jedoch entkommt nach Äthiopien. "Die obersten der Satrapen der Städte jenseits des Stromes", fährt der assyrische Bericht fort, "die Könige Ägyptens, meine treuen Diener und ihre Soldaten und ihre Schiffe sammelte ich, um zu vertreiben Tarkuu aus Ägypten und Äthiopien. Meine Streitkräfte vom ehedem vermehrte ich und schickte sie nach Theben (ni'), der Stadt der Herrschaft des Tarkuu, des Königs von Ku-u-s'i (xxx141 Kusch xxx142 "Äthiopien". Sie legten zurück den Marsch in einem Monat und 10 Tagen. Tarkuu, als er von dem Nahen meines Heeres Kunde erhalten hatte, verließ Theben (ni'), die Stadt seiner Herrschaft, und zog stromaufwärts." Wiederholt wird so in den Keilschriften, wo von der oberägyptischen Pharaoresidenz die Rede ist ist, der mit der hieroglyphischen Schreibung nu oder nu-a im Einklang stehende Name ni' gebraucht, und in gleicher Weise bedient sich die heilige Schrift an allen den Stellen, wo sie von jener Stadt spricht, dieses altägyptischen Namens unter der Schreibung xxx143 No oder xxx144 No-amon. So ruft der Prophet Jeremias (K.46,12) aus: "Der Herr Zebaoth, der Gott Israels, spricht: Siehe, ich will streng verfahren gegen den Amon von No (hieroglyphisch xxx145 Amon em nu) und gegen den Pharao (hieroglyphisch xxx146 per-a d.h."das Großhaus", eine Bezeichnung für den ägyptischen König, aus welcher die biblische Benennung Pharao entstanden) und gegen Unterägypten und seine Götter und Könige." Daß in dieser Stelle nach dem Amon von No und dem Pharao noch einmal Ägypten, was hier speziell Unterägypten bedeutet, und dessen Götter und Könige genannt werden, beweist uns, daß der Ausspruch des Propheten auf eine Zeit sich bezieht, in der Ägypten nicht ein unter den Szepter eines einzigen Herrschers stehendes Reich war. Wir werden im Verlaufe unseres Werkes mehrfach solchen Epochen der geteilten Herrschaft begegnen. Eine andere Stelle in bezug auf die Erwähnung von No findet sich in Ezechiel 30, 14, wo Jehovah durch den Mund des Propheten ausruft: "Ich will Pathros wüste legen und ein Feuer zu Zoan anzünden. Über No will ich das Recht ergehen lassen und meinen Grimm ausschütten über Sin, welches ist eine Festung Mizraims (auch hier wird Unterägypten mit Mizraim gemeint) und die Menge zu No will ich ausrotten. Ein Feuer will ich anzünden in Unterägypten, und Sin (die schon außerhalb des Delta gelegene Grenzfestung) soll angst und bange werden. No (die Pharaonenresidenz in Oberägypten) soll zerissen und Noph (d.i. Memphis, die Hauptstadt Unterägyptens) soll täglich geängstigt werden. Die junge Mannschaft zu On und Phibeset soll durchs Schwert fallen und die Weiber gefangen fortgeführt werden. Thachpanhes (diese Stadt, wie die beiden vorher genannten, gleichfalls im Delta gelegen) soll einen finsteren Tag haben, wenn ich das Joch Unterägyptens schlagen werde, auf daß die Hoffart ihrer Macht darinnen ein Ende habe; sie wird mit Wolken bedeckt werden, und ihre Töchter werden gefangen fortgeführt werden, und ich will über Unterägypten das Recht ergehen lassen, damit man erfahre, daß ich der Herr sei." Wir können nicht umhin in diesem der Geographie des alten Ägyptens gewidmeten Abschnitt zur Erklärung der in obiger Bibelstelle angeführten Namen altägyptischer Distrikte und Städte ein paar Worte zu sagen. Das zu Anfang erwähnte Pathros ist das Pa-tu-ru-s'i der Keilschiften, das hieroglypphische (xxx147) Pa-to-res d.h. "das Südland", die altägyptische Bezeichnung für Oberägypten, zum Unterschied von pa-to-mehe "das Nordland", ta-athu "das Sumpfland" und pa-to-mera (griechisch xxx148) "Land der Überschwemmung, Kanalland", drei Bezeichnungen für Unterägypten. Dieses Paturusi der Keilschriften und Pathros der Bibel, welches die LXX durch (xxx149) wiedergeben, kann sich nur auf die oben erwähnte altägyptische Bezeichnung für Oberägypten beziehen und nicht, wie Hr. Oppert geneigt ist anzunehmen *2, auf den von Plinius und anderen Paryrites und Phatyrites, in einem griechischen Papyrus einmal (xxx150) genannten genannten oberägyptischen Distrikt, der wie Brugsch überzeugend nachgewiesen, kein anderer ist, als das in den Edfuer Ackervermessungsurkunde mehrfach erwähnte Gebiet:pa-tosch en Hathor d.h. "der Gau der Hathorwohnung", ein zu einer bestimmten Zeit von dem 4. oberägyptischen Gau abgetrenntes autonomes Gebiet auf der Westseite von Theben. Dieser kleine oberägyptische Distrikt kann nicht gemeint sein, wenn bei Ezechiel es heißt: "Ich will Pathros wüste legen", und ebenso, wenn einer der assyrischen Großkönige in einer Inschrift in Scherif-Chan sich nennt: Sar sarre Musur Paturus'i Kus'i, was nur heißen kann: "König der Könige Unterägyptens, Oberägyptens und Äthiopiens". Der Verwüstung von Pathros oder Oberägyptens stellt der Prophet das Verbrennen von Zoan gegenüber. Es ist diese außer bei Ezechiel noch in Jesaias 19,11. 13, 30, 4, Num. 13, 23 und Ps. 78, 12. 43 erwähnte Stadt, deren Namen durch die LXX durch (xxx151) wiedergeben, das Si'nu und Sa'nu der Keilschriften, das hieroglyphische (xxx152) tani, koptisch (xxx153), heute San; sie war eine der bedeutendsten Deltastädte im alten Ägypten, die Hauptstadt des 14. unterägyptischen Gaues, gelegen auf der Ostseite des nach ihr benannten Tanitischen Nilarmes. Den Namen der Stadt Sin, welche die heilige Schrift als eine Festung Unterägyptens bezeichntete, übertragen hier die LXX fälschlich durch Sais, während Hieron. richtig Pelusium hat. Nach einer Mitteilung von Revillont bei J. de Rougé identifiziert ein in griechisch, koptisch und arabisch abgefaßtes Städteverzeichnis das griechische Pelusion mit dem koptischen (xxx154). das heutige Faramah. Der biblische Name Sin scheint sich in dem des benachbarten Dorfes Tine erhalten zu haben, nach welchem heute die ganze Gegend die Ebenen von Tine heißt. Einen an den griechischen Namen Pelusion anklingenden haben die ägyptischen Inschriften nicht aufzuweisen. Es ist die später Pelusion genannte Stadt wohl identisch mit der altägyptischen berühmten Hyksosfestung )xxx155) Ha-uar, auch tema en ha-uar "die Festung von Ha-uar" genannt, d.i. Auaris, Abaris, Avaris, bei den Schutthügeln von Tell-el-Her, aus welcher Stadt die fremdländischen Eroberer, als aus ihrem letzten festen Sitze, nach langen schweren Kämpfen endlich glücklich von König Aahmes um 1700 v. Chr. vertrieben wurden. In der Kaiserzeit finden wir Pelusium-Auaris als Hauptstadt eines besonderen autonomen Distriktes mit eigenen Gaumünzen. Ihr altägyptischer Name, den sie neben oder nach Ha-uar in der späteren Zeit geführt, muß in einem jener Städtenamen stecken, die am Schlusse einer "Geogr. Inschr. I Taf. 64-66 von mir mitgeteilten Gauliste des Edfutempels als die später eingefügten autonomen Distrikte Ober- und Unterägyptens aufgeführt sind. Zuerst die von Oberägypten, 14 an der Zahl, beginnend mit dem Gau Nub "Ombites" und endend mit Tu-sat "Gau des zerschnittenen, des ausgehöhlten Berges", ein vom 16. oberägyptischen Gau abgetrennter Bezirk, mit der Hauptstadt Pacht "Wohnung der Göttin Pacht" (Speos Artemidos), dann folgen die eingeschobenen Gaue Unterägyptens, gleichfalls 14. Taf. 66 Nr. 35-43 sind in der Richtung von Süden nach Norden die neun am östlichen Deltarande sich hinziehenden Distrikte gegeben, beginnend im Süden mit Pa-hapi "Nilopolis" (ein unterhalb Cheran-Babylon südlich von dem 13. unterägyptischen Gau, dem Heliopolites abgetrennter Bezirk) und endend jenseits der nordöstlichen Deltaseen in der äußersten Nordostecke, schon außerhalb des eigentlichen Ägyptens, mit Hesp-anbu "dem Distrikte der Festungsmauern", welchen altägyptischen Namen Brugsch sehr ansprechend mit dem die gleiche Bedeutung habenden biblischen Schur und der dasselbe ausdrückenden Benennung (xxx156) und gerrhum der Griechen und Römer identifiziert. Diesem Anbu-Schur-Gerrhum steht nun in der Liste voran ein Distrikt mit der Hauptstadt Ha-snot'em d.h. "die Wohnung derangenehmen Ruhe", welche Brugsch für identisch hält mit einer anderen, mehrfach erwähnten und als am Meer liegend angegebenen Stadt Not'em "die angenehme", was sehr wohl die nur abgekürzte Benennung derselben Stadt sein kann. Diesen Distrikt hält Brugsch für den Pelusischen. In Anbetracht der Aufeinanderfolge der einzelnen Distrikte würde dies auch der Lage nach ganz zutreffen, da, dem Gau Ha-snot'em voranstehend, also südlich von ihm gelegen, in der Liste eine Stadt Sam-hut aufgeführt wird, d.i. das heutige Tell-es-Semut, das alte Magdolon, im Süden von Pelusium-Ha-snot'em-Auaris und nordöstlich von Daphnae (Tell-Defenneh) gelegen, welche letztere Stadt unter ihrem Gauhauptstadtnamen (xxx156) Chenes dem Sam-hut (Tell-es-Semhut) in der Liste vorangestellt ist, was abermals mit der Lage übereinstimmt. Dieses Chenes ist, wie ich glaube, in der bekannten Stelle Jesaias 30, 4 gemeint, wo der Prophet ausruft: "Deine Fürsten waren in Zoan, und ihren Boten gingen nach (xxx157 Chanes)". Eine oberägyptische Provinzialstadt, die Stadt Chinensu (heracleopolis magna), die Hauptstadt des 20. oberägyptischen Gaues, wie allgemein angenommen wird, ist meines Dafürhaltens in jener Stelle nicht gemeint wie ebensowenig in der von Oppert interpretierten Keilschrifturkunde, in dem dort nach Unter- und Oberägypten geordneten Verzeichnis der Satrapenstädte die inmitten von unterägyptischen Städten hinter Athrybis (Hauptstadt des 10. unterägyptischen Gaues) genannte Stadt Hininsi das oberägyptische Chenesu (Heracleopolis magna) bezeichnen kann, auch dort ist das unterägyptische Daphnae gemeint. Nicht irrtümlich, sondern durchaus korrekt, und im Einklang mit dem Namen des später als 22. eingeschobenen unterägyptischen Gaues Chenes, gibt der Chaldäer den Namen der von Jesaias (xxx158 Chanes) genannten Stadt durch (xxx159 Daphnae) wieder. Auf die 9 am östlichen Deltarande eingeschobenen Distrikte folgen in der genannten Listenun noch 3 des mittleren Delta, und zwar, mit der Hauptstadt Scheten, der Gau Hor-ab-t "der östliche Horusgau", aus welchem Namen, mit Vorsetzung des männlichen Artikel pa, der Pharbaethites der griechischen Listen entstanden, ein von dem 11. unterägyptischen Gau Ka-hebs, den ich hierher verlege, später als selbständig abgetrennter Bezirk, dessen Name sich noch deutlich erhalten hat in dem des Dorfes Hor-bet westlich von Abu-Kebir, in der heutigen Provinz Dachelieh. Dann kommt, noch in derselben Provinz Dachelieh gelegen, nach Westen hin der Gau Ro-nefer "der herrlichen Kanalmündung", an welchen der Gau Hebi "der der Festfeier" sich anschließt, mit der Hauptstadt Pa-hebi, deren Name in dem des ein wenig nordöstlich von dem Dorfe Samanudi, dem alten Sebenytos gelegenen Dorfwe Bahbeit steckt. Hinter diesen 3 Gauen des inneren Delta werden dann als Schutz der gesammten 14 eingeschobenen autonomen Bezirke Unterägyptens die beiden im nordwestlichen Delta gelegenen angeführt, nämlich der Gau (xxx160) die Aussprache nicht beigeschrieben. Da das Zeichen polyphon, so ist es fraglich, ob athu oder cheb zu lesen, in voller Schreibung (xxx161) cheb, die Bedeutung würde in beiden Fällen so ziemlich auf dasselbe hinauskommen: "der Sumpfgau" oder "Gau des Melilotos". Er umfaßt wohl die ganze nordwestliche Sumpf- und Seelandschaft am See Edko und Burullos, welche später wieder in den Nomos Metelites und Buticus getrennt wurde und die im alten Ägypten vor ihrer Abzweigung in besondere, selbständige Distrikte dem Sebennytischen (12), Choitischen (6) und nördlich Saitischen Gau (5) zugeteilt war. Die nach sicheren Angaben an der Sebennytischen Nilmündung gelegene Stadt Buto mit der benachbarten Insel Chemmis haben wir dieser Seelandschaft des nordwestlichen Delta zuzuweisen, doch den 19. unterägyptischen Gau Am-pehu "den hinteren Gau des Kindes" (d.i. der junge Horus), so genannt zum Unterschied von dem in alter Zeit wahrscheinlich mit ihm vereint gewesenen 18. Gau Am-chent "dem vorderen Gau des Kindes", mit der Hauptstadt Bubastis, heute Tell-Basta, am östlichen Deltarande, diesen 19. Gau vermag ich nicht mit Brugsch an den See Burullos zu verlegen, sondern die Inschriften scheinen mir für seine Lage im Osten des Delta zu sprechen. Gleichfalls aber im Westen des Delta gelegen, folgt nun in jener Liste als 14. und letzter der eingeschobenen Deltagaue der Distrikt Hut, mit dem Kulte des Horus, daher denselben Namen führend wie die oberägyptische Horusstadt Apollinopolis magna. Als Hauptstadt dieses Gaues wird angeben Temi-en Hor "die Festung des Horus", deren Name sich deutlich erhalten hat in dem des Dorfes Damanhur, etwa 30 Kilometer östlich von Sais (Sa el haggar) und 25 Kilometer westlich von den Ufern des Mensalesees. Sein Gebiet scheint sich bis zu den Mareotischen und Kanobischen Gewässern hin ausgedehnt zu haben, da die zur Erläuterung beigebene Inschrift erwähnt, daß dasselbe "voll sei von Inseln". Zwei noch nicht veröffentlichte Gaulisten Unterägyptens, die ich im Denderatempel kopiert habe, führen neben dem 19. Gau mit der Hauptstadt Am-pehu oder Smat, welchen Gau ich, wie bemerkt, in das östliche Delta glaube verlegen zu müssen, noch einen Gau mit der Hauptstadt (xxx162) Pi-tep auf, und dieser würde der Gau mit der Stadt Buto sein. ihm folgt in jenen Listen ein Gau des Horus, als dessen Hauptstadt xxx163) Puka genannt wird, das ist, wie aus der griechischen Übersetzung des Dekrets von Kanopus hervorgeht, die Stadt Kanopus. Der Schutzgott dieses Gaues war derselbe wie der des im 11. Gau eingeschobenen Distriktes Hor-ab-t, nämlich ein Hormaa "Horus der Seher", und auch wie dort lag hier eine (xxx164) Scheti und (xxx165) Schet genannte Stadt, in der wir wohl die von Strabo in jene Gegend verlegte Stadt Schedia wieder erkennen dürfen, in bezug auf welche er III 439 sagt, daß die Stadt Momemphis zur rechten Hand des Reisenden liege, wenn er von Schedia aufbrechendm stromaufwärts nach Memphis fahre und daß der Kanal von Schedia ein Seitenarm des nach Kanopus führenden sei. Aus allen diesen Angaben scheint mir hervorzugehen, daß der im nordöstlichen Delta später eingeschobene Horusgau mit den Städten Schedia und Kanopus, dessen Gebiet früher dem Saitischen Gau zugeteilt gewesen, identisch ist mit dem Horusgau Hut der anderen Liste, als dessen Hauptstadt Teminhor (Damanhur) genannt wird, und daß dieser Gau dem Menelaites des Strabo entspricht. *3 Die vorerwähnten neun am östlichen Deltarande eingeschobenen autonomen Distrikte werden in einer: Geographischen Inschriften I Taf. XIII-XV von mir veröffentlichten Gauliste aus Edfu in drei Gaue zusammengefaßt, die den üblichen 20 unterägyptischen Gauen angefügt sind, als 21. An "der Gau des Fisches An", der Phagroriopolites, umfassend das ganze Gebiet im Osten und Nordosten von Heliopolites (dem 13. Gau) bis zum Wadi-Tumilat, 22. Chenes, die Gegend von Daphnae, südwärts bis zum Wadi-Tumilat reichend, wohl den Heroopolites noch mit umfassend, und 23. Atf-het' "der Gau des weißen Atefbaumes", als dessen Hauptstadt in der anderen Liste angegeben wird *1 Die altägyptische Schreibung für diesen
hohen Beamtentitel war, wie Brugsch zuerst hierauf aufmerksam
gemacht hat, (xxx131) ser-a-en-am,
d.h. "Großfürst über das Volk" oder auch nur:
ser en am "der über
das Volk Gebietende", wie in der großen Pianchiinschrift
die von den Assyrern eingesetzten Satrapen der unterägyptischen
Städte genannt werden. Die Ligatur (xxx132) konnte ma
und am gelesen werden;
meines Dafürhaltens hatte sie hier nicht, wie Brugsch will,
die Aussprache ma sondern
am. Unter dem Am,
über welcher der Ser gebietet, haben wir hier nicht ein
besonderes Volk, etwa die sogenannten Amu
"Asiaten", zu verstehen, sondern ganz allgemein das Volk,
die Untertanen durchaus entsprechend dem hebräischen (xxx133)
am "populus,
natio, cives, vulgus". Bereits in den Inschriften des alten
Reiches werden die untergebenden Leute aus den Ortschaften, aus den
Domänen des vornehmen Ägypters als (xxx134) am bezeichnet.
In bezug hierauf hat hat kürzlich der in der altägyptischen
Literatur so bewanderte Herr Maspero in einer von seinen lehrreichen,
der Interpretation besonders schwieriger Texte gewidmeten Abhandlungen
eine Reihe überzeugender Beispiele angeführt. (Melanges
d'Archeologie Nr. 10, p. 146) |