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Ein Besuch in Kairo und Umgegend

Kairo

Kairo, eine Stadt von 1/2 Million Einwohner, ist ein echtes Bild orientalischen Lebens und Treibens. Alle Länder Europas haben ihre Vertreter hier. Man begegnet hier braune Ägypter und Mischlinge aus Ägyptern und Araber, eingewanderten Arabern und Türken, beturbanten Männern und verschleierten Frauen, reiche Beduinen Scheichs und Bettlern, koptische und griechische Priestern, dickbäuchigen Paschas und kohlschwarzen Negern (Afrikaner), Reitern auf Eseln und Kamelen, Kaufleuten und Prozessionen. Alles drängt und schiebt sich mit Geräusch vorwärts. Hier hört man das eigentümliche Gebrüll eines Kamels, das sich beschwert über seine Last, oder sich weigert niederzuknien, dort das Geschrei von ein halb duzend Eseln, zwischendurch das Gebell oder Geheul häßlicher, halbwilder Hunde. Jetzt schieben sich Wasserträger an einem vorbei, mit klappernden messingenen Trinkgefäßen in ihren Händen, einen Schlauch von Ziegenfell oder einen Krug auf dem Rücken und bieten Wasser an. Die Straßen meist ungepflastert, sind mit allerlei Unrat bedeckt.
Wagenmassen, einander hindernd und ausweichend, drängen nach vorne. Jetzt ruft ein Eselsjunge:"Achtung! dein Fuß! dein Rücken!" Sieh', da kommt ein Vorläufer in auffallender Kleidung, ein eleganter Bursche, 10 Meter einem staatlichen Wagen voraus. Kurz, es ist ein interessantes Schauspiel, das Treiben einer solchen Stadt; immer neue Bilder bieten sich, denen der Fremde, selbst wenn er ermüdet ist, am Abend noch Aufmerksamkeit zuwendet.

Schon länger war es mein Wunsch drei Punkte in Kairo zu besuchen. Ich nahm darum Rat mit meinen lieben Missionsfreunden Geschw. Bennings, um mit ihnen den Ausflug zu unternehmen, und wir beschlossen, mit dem ersten Zuge 1/2 6 Uhr vom Bahnhof Kaliub aufzubrechen. Aber o weh, wir alle verschliefen uns. Wohl waren wir um 5 Uhr zur Hand, aber zu spät, um noch frühstücken zu können und den 20 Minuten weiten Weg zum Bahnhof zu machen. Wir beschlossen, einen Zug später zu fahren, um 1/2 8, wo die Sonne schon heißer wurde. Es ist jetzt nämlich in Ägypten sehr heiß (Juli), weshalb Geschw. Bennings und ich auch einen Esel bestiegen. Die Missionslehrer von der holländischen Mission schlossen sich uns an. Nach dreiviertelstündiger Fahrt erreichten wir Kairo. Da wir drei Plätze zu besuchen hatten, war keine Zeit zu verlieren, zumal die heißen Mittagsstunden zum Ruhen nötigen. Auf dem Wege zur Straßenbahn, die nach der Zitadelle führt, hatten wir noch etliche kleine Geschäfte abzumachen, und nachdem dieselben erledigt waren, erreichten wir unsern Bahnzug. Jetz ging's bergan, höher und höher, bis plötzlich nach einer Fahrt von 10 Minuten die hohen Türme der Zitadelle vor uns auftauchten. Wir verließen unsern Zug, und nun galt's zu steigen. Die Sonne brannte schon heiß auf unsern Rücken.

Der Eingang zu dieser Festung, dessen oberer Teil eine Moschee bildet, ist weit. Gleich zu Anfang nahm uns ein Führer in Empfang. Der Riesenbau steht, was man gleich zu Anfang sieht, fest auf erhöhtem Felsen, im Osten von Kairo, und gewährt auf der höchsten Höhe, dem Plateau, einen herrlichen Ausblick. Der Aufstieg war bald geschehen, und wir erreichten nach einigen Windungen an den englischen und arabischen Soldatenwohnungen vorbei den Eingang der Moschee mit ihren zwei 750 Fuß hohen Minaretts. Hier standen zwei Wachen, die keinen Unheiligen,d. h. keinen Nicht-Muhammedaner, den Eintritt gestatteten, es sei den in Überschuhen, die sie gegen ein Trinkgeld herbeiholten und einem anzogen; andernfalls war man genötigt, seine Schuhe auszuziehen. In wie unangebrachter und unbehaglicher Weise trat uns hier das Wort des Herrn nahe: "Ziehe deine Schuhe aus, denn der Ort, da du stehest, ist heiliges Land." Natürlich war da nichts zu machen, wollten wir hinein. Einer unser Lehrer nahm seine Schuhe in die Hand und trat barfuß ein, und wir folgten ihm auf Überschuhen.

Der ziemlich große Vorhof hatte einen Fußboden von weißem Marmor, in der Mitte die bekannten Waschvorrichtungen für die Gebetsvorbereitungen. Zur Linken war der Eingang in den runden Turm. Die Kuppel, die eigentliche Moschee, ist dreimal so weit als unsere in Neukirchen, von 150 Fuß Höhe, mit allerlei Goldverzierungen, vornehmlich oben in den Gewölben, in denen in großer goldener nach unten leuchtender Schrift zu lesen war: "Es ist kein Gott, nur ein Gott, und Muhammed ist sein Gesandter." Der ganze Innenbau, gekrönt mit kolossalen Gewölben, bestand von oben bis unten aus leuchtend rotem und weißem Alabaster und hatten vier Galerien, die höchste 100 Fuß über dem Boden, welche nur für Frauen zugänglich ist. Es läßt sich denken, wie schön diese Moschee erleuchtet erscheinen muß.

Übrigens war das Ganze sehr schmutzig und baufällig. Ich sah noch nichts von derartigen arabischen Bauwerken, die nicht in ähnlicher Verfassung waren, und das gilt von fast allen Moscheen. Der Araber bringt es fertig, sein Leben lang nichts wieder an seinem neuen Hause zu machen, es verfällt mit ihm, mag er auch reich sein. Schmutzig ist auch arabisch. Aber das ist auch wahr: in Ägypten muß man viel Schmutz in den Kauf nehmen, wovon der arme Ägypter ein besonderes Lied zu singen weiß. Der Lehmboden hängt sich in den Wintermonaten an alles an und wird in die Häuser getragen, löst sich in den langen heißen Sommermonaten in Staub auf und füllt die Luft.

Doch wir kehren zur Moschee zurück. Beim Eintritt in dieselbe liegt rechter Hand Muhammed Ali in einem sarge von Gold und Silber, den uns unser Führer zeigen wollte, worauf wir aber verzichteten. Wir wünschen vielmehr, von dieser Höhe aus Kairo anzusehen und verließen deshalb die Moschee und gingen um den Turm herum auf die andere Seite des Plateaus nach dem Süden hin bis an der Rand der Mauer, von wo wir in einer Höhe von 500 Fuß einen ausnahmsweise weiten Überblick gewannen. Kairo liegt vollkommen eben, von Süden nach Norden im Halbkreis um die Zitadelle herum, in der uns gegenüber auf der andern Seite der Kuppel eine Reihe Kanonen aufgepflanzt sind, die Läufe über den Halbkreis hin gerichtet, sowohl schützend wie drohend, bereit, im Falle eines Stadtaufruhrs Salven zu senden. Der südliche Stadtteil Altkairo hat noch einen Überrest der Stadtmauer, nach der Sage von Josef erbaut, über die hin der damaligen Stadt Wasser zugeführt wurde. Weiter im Süden erblickten wir die große Löwenbrücke mit je zwei großen Löwen an den Ausgängen. Dieselbe führt über den Nil, der sich wie ein silberner Faden durchs Niltal zieht, jetzt aber sehr klein ist. Unser Auge streift vor allem Dingen die drei Wunderbauten der Pyramiden, etwa 1 1/2 Stunden entfernt. Nach Westen, Norden und Osten hin haben wir ein kleines Abbild vom eigentlichen Ägypten, abwechselnde Palmengruppen, Akazien, frische grüne Feldpartien, mit hohen Baumwollstauden, türkischem Weizen u dergl. während im fernen Süden öde Wüste dem Blick begegnet.

Unser Führer, der sich befleißigte, möglichst seine Kenntnis an den Mann zu bringen und zwar der Bakschisch (Trinkgeld) wegen, die er dafür beanspruchte, merkte mittlerweile, daß er nicht mit Touristen zu tun hatte. Meine Blicke schweiften über die große Stadt. Ich sah die vielen Moscheen, allemal gekennzeichnet durch die dünnen, spitzen Türme, es sind deren in Kairo 360. Ehe wir unsere Höhe verlassen muß ich von Muhammed Ali erzählen.. Muhammed Ali plante 1811 ein Feldzug gegen die Wahabiten. Die Mamelucken, Vornehme Kairos, machten einen Mordanschlag gegen seinen Sohn Toosoom Pascha, dem der Vater bereits das Regiment für die Zeit seiner Abwesenheit übergeben hatte. Sie wollten ihn in der Zitadelle überfallen und letztere an sich reißen. Muhammed Ali jedoch, der noch früh genug hiervon Kenntnis erlangte, lud alle Verbündeten zu einem Großen Abschiedsmahle auf sein Schloß ein. Nichts Böses ahnend erschienen 400. Als sie sich entfernen wollten, waren die großen Flügeltüren geschlossen und sie gefangen. Jetzt erfolgte ein grausames Morden; alle wurden niedergemacht, nur einer, Emin Bey entkam. Er setzte mit seinem Roß auf der Südseite über die Mauer gerade vor mir. Unser Führer zeigte uns die Stelle. Merkwürdigerweise gehorchte das treue Tier und stürzte sich mit seinem Herrn in die ungeheure Tiefe hinab, wobei er wundersamerweise am Leben blieb. Emin flüchtete in ein Lager der Arnauten im Tal, nicht weit von Kairo, welche seine Auslieferung dem Pascha verweigerten. Hierdurch gewann Emin Bey Zeit, sich ins Ausland zu retten. Die Soldaten, die die Aufrührer in der Zitadelle niedergemacht hatten, bekamen Erlaubnis, alle, die der Einladung nicht gefolgt waren, zu töten, ebenso deren Wohnungen zu plündern, wobei noch 1 200 Menschenleben umgekommen sein sollen.

Wir verlassen unsere Aussichtshöhe auf der Zitadelle und biegen rechts ab, dann links und steigen nachdem unser Führer eine besondere Türe aufgeschlossen, in einen dunkeln Gang hinab, wo zwei brennende Kerzen dicht üben den Boden hin Führerdienst tun. Es gilbt, den Josephsbrunnen zu sehen, den Joseph selbst hatte bauen lassen. Nach etlichen Windungen und unter etlichen Rutschen ist das seltsame Loch von 180 Fuß Tiefe und 20 Fuß Weite im Quadrat erreicht, das in der Mitte einen Verschlag mit einem Überrest einer alten Radwasservorrichtung hatte, um Wasser zu schöpfen. Nachdem wir uns auch vom Vorhandensein des Wassers überzeugt, hatten wir genug gesehen und eilten nach oben, wegkundig, ohne Kerzen zurück. Wir waren bald darauf abermals am ausgange der Zitadelle, überzeugt, das unsere Mühe sich gelohnt. Drüben wartete schon unser Bahnzug. Nach einer viertelstündigen Fahrt und einem dreiviertelstündigen Marsch saßen wir gemütlich am Mittagstisch in einem Kaffeehause, dankbar für Erfahrungen, Bewahrungen und den kühlen Schatten. Unsere Mahlzeit bestand aus Brötchen, Trauben und Feigen, letztere frisch vom Baume in der Größe von dicken Zwiebeln. Mann kann ihre Süßigkeit fast mit keiner andern Frucht vergleichen. Wir tranken etwas Wasser mit Eis hinzu und zwei Flaschen Limonade.
Nach einer Pause von einer Stunde brachen wir abermals auf. Noch galt's ja zwei besuche. Unser nächstes Ziel war das

Araberviertel,

das wir nach dreiviertelstündigem Traben erreichten. Es ist unmöglich, alles wiederzugeben, was sich hier unsern Blicken bot. Ich erzähle nur Einzelheiten. Das Araberviertel nimmt einen ordentlichen Teil der Stadt ein, und seine Bevölkerung besteht aus arabischen Handwerkern, einer Gesellschaft, die Aufmerksamkeit auf sich lenkt und den Araber als Araber zeigt. Wir beginnen mit den Gold- und Silberschmieden und biegen zu dem Zweck, nachdem wir eine große Hauptstraße des Viertels betreten, links in eine enge Gasse ein, wo diese Meister mit ihren Gehilfen und Lehrlingen ihre Waren verfertigen und feilbieten. Alles ist eifrig beschäftigt, und kaum wird Notiz von den Fremdlingen genommen, die man bald als sehlustige Neulinge und nicht als Käufer erkennt. Das Eigentümliche ist zunächst die Werkstatt selbst, die aus nichts anderem besteht als aus einem Teil der Straße selbst zwischen drei- bis vierstöckigen Häusern, oben mit einem allerdings sehr lückenreichen Bretterdach versehen, um die Insassen vor Regen und Sonne zu schützen. Man meint tatsächlich, die ganze Stellage müsse jeden Augenblick herunterfallen. Das Ganze ist nur angelehnt und angehängt, eins das andere haltend, und so geht's zuguterletzt und bleibt oben.

Doch wir gehen unten fort. Kaum können wir hindurch, so eng ist alles. Die Straße ist an beiden Seiten durch Vortische eingeengt, die an beiden Seiten 2-4 Fuß breit in dieselbe hineinragen und fast von der gleichen Höhe sind. Auf dieser Vor - oder Ladentischen, die nur eine mannsbreite Straße frei lassen, finden wir unsere Handwerker Gesellschaft und ihre Waren. So hat man beim Hindurchgehen alles in nächster Nähe. Laden reiht sich am Laden, ohne Grenze; jeder stellt sie durch seine Waren her. Man denkt sich dieses immerhin friedliche Zusammenleben! Hier kauft man, zugleich 20 - 40 Nachbarverkäufer sehend. Keiner muckt. Daß wir hier nur mit schwerem Gold und Silber zu tun haben, also mit echter Ware, darf nicht vergessen werden. Es ist dies ein allbekannter Ruhm der Ägypter, den sie sich auch heute nicht durch Pfuschen verderben. Was hier geboten wird, ist einfach großartig! Zudem, arbeitet hier nur das Auge, die Hand, das Geschick, die Ausdauer, ohne irgend welche Mithilfe von Maschinen, und zwar mit äußerst primitivem Werkzeug. Ich bin überzeugt, viele nehmen abends ihr Werkstatteinrichtung im Taschentuch mit nach Hause und bringen sie in demselben am nächsten Morgen wieder. Was sie verfertigen, sind außer allerlei arabische Zieraten und Hausgegenständen vornehmlich Schmucksachen: Finger-, Hand - und Fußgelenk-, Hals - und Ohrenschmuck. Letzterer besteht aus einem Gebimmel von vielen Kettchen, Ringen und Plättchen in Gold, hochteuer. Gelenkringe sind ebenso teuer und meistenteils massiv. In einer sochen Gasse stecken Millionen. Und wie einfach sind die Leute. Sie lassen sich ihr Essen bringen und verzehren es währenddem sie arbeiten oder handeln. Alles machen sie hockend. Wir tun noch einen Blick in etliche der Glaskästchen, welche blinkende Waren mit eingelegten Diamanten enthalten, und gehen dann weiter.

Hier sehen wir einen Goldschmelzer. Der Ziegel ist feuerrot, und der Schmelzer mit den Zangen in nächster Nähe. Aber wie heiß, wie eng und wie klein ist's in dem Raum! Schmelzer, Junge und Ziegel füllen ihn fast aus. Tut nichts, Platz genug für Araber. Das Gold läuft; es fesselt beide; der Schmelzer denkt an die Goldprozente. Ihm fast gegenüber sehen wir einen bleichen Jungen vermittelst eines Hebels, den er hebt und senkt, einen Blasebalg handhaben, um dem Feuer, das wir aber nicht sehen konnten, Wind zuzuführen. Wie blaß er aussieht! sagte Schw. Bennings. Aber er hebt und senkt seinen Hebel dennoch; es muß "gewonnen" werden, der Meister sieht's.

Wir gehen langsam hindurch, einzeln hintereinander, an hunderten von Werkstätten vorbei. Wie merkwürdig diese Leute; echte Ware stellen sie her. Ist die Stunde zum Gebet da, sind sie auch da; das Werkzeug wird niedergelegt, die Käufer bekommen keine Ware mehr; sie fallen nieder, sie beten. Es sind echte Leute, echte Araber.

Wir gehen ganz hindurch und biegen zur Rechten in eine andere Gasse ein. Hier gibt es nun alle möglichen Arten von Steinen, vom feinsten Achat bis zu den hochfeinsten Edelsteinen. Alles blitzt vor Klarheit und Echtheit in den 1 1/2 Quadratfuß großen Glaskästchen, an denen wir langsam vorüberziehen. Und wer unterdessen den Wert dieser Gasse mit den zerfallenden Dächern da oben ausrechnen will, mag's tun!

Diese Gasse ist nicht so lang, und wir sind bald am Ende und biegen in eine dritte ein. Hier sollte man Frauenhände erwarten, denn man sieht hier nur Stikkereien. Aber wir sind hier in einer Welt, wo es keine Frauen zu geben scheint, wenigstens erscheinen sie selten und auch dann nur eingewickelt, d.h. verschleiert. Diese Stickerei in Gold, Silber und schwerer Seide ist auch charakteristisch als Araberkunst. Die Seidenarbeit, welche kostbare Tisch - und kleine Decken liefert mit allerlei Figuren und Farben, ist Maschinenarbeit, wie wir sehen; die Handarbeit, die meist große und teure Sachen liefert, ist ungemein kunstvoll, unter großer Mühe und Sorgfalt hergestellt. Dessen geachtet konnte ich mich nicht dafür begeistern, denn die Arbeit ist trotz aller darauf verwandten Mühe steif.

Das Interessanteste haben wir gesehen, biegen aber noch einmal links in eine Gasse. Es sind Graveure, die wir hier sehen. In allerlei Gefäße und häusliche Gegenstände von Messing, besonders auch in große runde Familienschüsseln für größere Mahlzeiten graben sie allerlei Bilder und Figuren ein, besonders Koransprüche. Die Arbeit ist sehr mühsam und fordert viel Kunstgeschick, wird aber auch sehr teuer bezahlt. Wir sahen eine Viertelstunde weiter unter an dem eine Truhe mit Untergestell, auch eine Produktion dieser Gasse, in einem Werte von 2 400 Mk. Es ist fast unbegreiflich, mit welchen Geldsummen diese Leute umgehen. Ich sah selbst einen alten Greis, dazu noch mit der linken Hand, diese Graveurkunst verrichten

Unser Schlußgang sei der Schusterzunft gewidmet. Hier ist alles rot. Die Gasse ist kurz und weit, und angefüllt mit roten Araberschuhen.

Unsere Zeit drängte, und wollten wir unserm Vornehmen treu bleiben und der arabischen Universität noch einen Besuch machen, so durften wir uns nicht mehr aufhalten. Für mich vor allem galt es, diese Gelegenheit zu benutzen, von dem ich eine ganz verkehrte Vorstellung hatte. Was ist diese

Universität in Kairo?

Nichts anderes als eine hürdenartige erweiterte Moschee, in deren Anbauten 25 000 und mehr Menschen studieren. Die Moschee liegt ebenfalls im Araberviertel. Von außen ist wenig zu sehen, da sie vielfach von Häusern umgeben ist. Sie hat sechs Eingänge, drei im Süden, einen im Norden, einen im Osten und einen im Westen. Letztere ist der Haupteingang; er liegt an der Front, die 30 Meter lang ist. Sie hat eine Höhe von 10-12 Meter, und ist einfach ohne Verzierung aufgeführt. Der westliche Eingang ist ein doppelter Bogeneingang mit einer langen Überschrift; in derselben ist auch die Jahreszahl der Erbauung der Moschee, 969, angegeben. Wir treten ein, doch abermals mit der Pflicht, durch Anziehen von Filzschuhen, den Boden als heilig anzuerkennen.


Der Eingang bietet nichts als nackte Wände, oben offen, etwa 25 Fuß breit und 50 lang. Zu beiden Seiten waren schmale Eingänge, die zu kleineren Moscheewohnungen der Barbiere führten, die den Studenten die Schädel rasieren. An die Portallänge sind gleich zwei Minaretts ( Gebetsrufer Türme) angebaut, zwischen denen wir durch einen zweiten kleinen Eingang in den großen Moscheehof, den Vorhof, gelangten und somit in den großen sich weiter ausdehnenden Hinterbau (75-80 Meter Länge mit den Außenmauern). Die Länge des Vorhofs beträgt 40-50 Meter, die Breite 38-40; er ist an drei Seiten, im Osten, Süden und Norden, mit Säulengängen umgeben von je sechs Meter Breite, mit je 9 Bogen im Süden und Norden; hinter ihnen liegen große Hallen, vom Säulengange aus zugänglich durch große Türen, die aber alle verschlossen waren bis auf zwei, durch die wir eintraten und Einblick gewannen. Eine Halle war für die Türken, eine andere für die Perser bestimmt. In diesen Hallen, in denen teilweise die Schüler Wohnung finden, werden außerdem, wie wir sahen, in Schränken Manuskripte derselben aufbewahrt. Jetzt waren die Zöglinge alle in Ferien. Hallen wie Säulengänge waren mit Strohmatten belegt. Drüben am Ende des Säulenganges, an der Südseite, kamen wir an einer Anzahl Jungen vorbei, die um ihren Lehrer hockten und Privatstudien trieben, d.h. jeder lernte so laut, daß er seinen Nachbar übertönte; um uns kümmerte sich im Grunde niemand. Als wir uns aber weiter näherten, versuchte der Lehrer, ein alter Onkel, Änderungen zu treffen und klopfte energisch auf den Boden, was man aber nicht verstand, wenigstens fuhren die Jungen fort, weiter zu lärmen. Die Art und Weise, wie hier der Lehrer Schule hielt und die Schüler lernten, ist wohl in allen muhammedanischen Ländern dieselbe.

Im Osten, wo das nach Mekka gerichtete Heiligtum liegt, zählt der Säulengang 15 Bogen, mit ebenso vielen Türen; sie führen zur eigentlichen Moschee, waren jedoch alle verschlossen bis auf die mittlere, durch die wir in das Heiligtum vordrangen. Was sich mir jetzt bot, hatte ich nicht erwartet, nämlich eine kolossale Fläche, die sich vor uns über 3 000 Quadratmeter groß ausdehnte. Die ganze Moschee Länge ist 75-80 Meter und die Breite etwa 40-50 Meter! Im äußersten Osten hatte man den 4 Divisionen oder Sekten der muhammedanischen Glaubensarmee Gebetsnischen angewiesen, je eine für die Hanasiten, Malakiten, Schasiten und Hanbaliten. Die Decke, 20 Fuß über dem Boden, auf rot angestrichenen Tragbalken ruhend, wie die eines einfachen Wohnhauses in Lamu, wird von 388 Säulen aus Marmor und Granit gestützt, die willkürlich arrangiert sind. Die Halle ist im ganzen eine düstere Erscheinung. Licht wird nur von oben zugeführt, doch fleißig für frische Luft gesorgt. Der Boden war mit Strohmatten belegt, recht reinlich, auf denen sich alt und jung, gruppenweise auf der ungeheuren Fläche verteilt, die Zeit vertrieb. Ich wunderte mich über die große Einfachheit. Nichts war in dem ganzem Raum zu sehen als glatte Wände und wahllos zusammengeschleppte Säulen. Kein Spruch aus dem Koran, nichts Schriftliches, außer etliche Worten, die verwischt über einer Säule standen. In der Mitte waren zwei Kanzeln angebracht, eine größer als die andere, ganz einfach, 12 Fuß über dem Boden, zu denen eine einfache Treppe hinaufführte. Sonst kein Stuhl, kein Tisch, alles, alles ist da auf den Boden angewiesen. Solch ein Saal macht einen merkwürdigen Eindruck. Die vielen Säulen waren mit dicken Eisenstangen durch den ganzen Raum hin verbunden.

Das wäre mit wenigen Worten eine Beschreibung der Universität nach außen hin, der berühmten Hochschule des Islam, wo man auf dem Boden lehrt, lernt, ißt, ruht, sich die Zeit vertreibt und schläft. Doch damit sind wir nicht zufrieden, wir müssen noch ein wenig mehr wissen, nämlich: Wer sind die Lehrer? die Schüler? Was wird gelehrt? gelernt? Was wird aus den Schülern, wenn sie fertig sind? Ich will diese Fragen kurz beantworten. Die Lehrer sind Scheichs, im ganzen 157: ein Nathir d.h. Aufseher, 6 Examinatoren und 150 Lehrer. Scheich bedeutet:alt, ein Alter. Es hat auch die Bedeutung von Ehre und Würde; doch ist die eigentliche Bedeutung von Scheich erstens Lehrer der Sprache, d.h. des Arabischen, zweitens Lehrer der Wissenschaft. Ersteres kann einer schon mit zwanzig Jahren sein, letzteres nicht unter 40. Der Lehrfächer sind mancherlei, doch dreht sich's meist um den Koran und die arabische Sprache. Ich gebe sie, wie sie Scheich Ali von der holländischen Mission heute nachmittag Br. Bennings und mir mitteilte, einzeln wieder. Scheich Ali ist ein sehr zuverlässiger Mann und war zudem sieben Jahre Zögling der Universität. 1) Koran,Hauptlehren, 2) Kommentare, 3) kleine arabische Grammatik, 4) große Grammatik, 5)Einführung in die Religion, 6) Sprache im besonderen, Alt - und Neuarabisch, 7) Lektionen, 8) Aussprache, 9) Konversation, 10) Bilder -und Figurensprache, 11) Schönsprache, 12) Handschrift, 13) Diktat, 14) Wissenschaft der Sprache im allgemeinen und besonderen, 15) Verteidigungslehre gegen die Christenlehre, 16) Rechnen, 17) Geschichte des Islam, etwas über europäische Geschichte, 18) Geographie, 19) die Religion, d.h. die Religion Gottes, das ist der Islam, 20) die Propheten, 21) das Wesen Gottes. Ich habe mich sehr gewundert über die Fülle dieses Lehrstoffes; wie gründlicher behandelt wird, darüber habe ich kein Urteil. Der Nathir bekommt eine hohes Gehalt, die 6 Examinatoren je 5-6 Pfund, die 150 Lehrer je 2-5 Pfund monatlich. Die 6 Examinatoren sind auch Aufseher über das Innere der Moschee, die 150 lehren nur. Es gibt unter diesen Lehrern Reiche und auch Arme. Letztere bekommen außer dem Salär noch Brot, und sie schlafen zum Teil in er Moschee. Die Reichen haben außerhalb eigne Wohnungen. Die Lehrer sind zum Teil verheiratet, zum Teil unverheiratet.

Diese Universität heißt : "die blühende", "Versammlungshaus der Blüte." Die Studenten, 15 000 gegenwärtig, werden vom 12-15 Lebensjahre an aufgenommen, - eine aus allen muhammedanischen Ländern zusammengewürfelte Schar. 15 Jahre sind nötig, um die Fächer alle zu erfassen, während welcher Zeit die 6 Examina stattfinden, zu denen alle verpflichtet sind. D.h. Schüler können austreten, wenn ihre Lebenstellung dazu nötig, oder aber, wenn sich einer zu einem Berufe eines Handwerkers oder Kaufmanns u. dgl. entschließt. Die Studenten können bis zum 50. Lebensjahre in der Anstalt bleiben, und dieser Umstand erklärt uns den Zuwachs resp. diese ungeheure Schülerzahl, die vor zwanzig Jahren nur stark die Hälfte betrug. Die Schüler erhalten alle freien Unterricht, werden außerdem von der Anstalt mit Brot versorgt, von Weizenmehl, in Wasser gebacken, bleischwer, doch schmackhaft; sie bekommen aber kein Taschengeld. Das Brot, das sie verzehren, beträgt an Wert täglich 120 Pfund Sterling. Das Einkommen der Universität wird durch große und kleine Vereine in Ägypten aufgebracht, die zahlreich im Lande vertreten sind, und an deren Spitze die Reichsten aus dem Volke stehen, allen voran der Landes Unterkönig, der Khedive.

Sind die Schüler fertig, so werden sie entlassen, nicht ausgesandt, als Missionare, wie vielfach angenommen wird, sondern ihrem Beruf, ihrer beliebigen Stellung überlassen, und die Anstalt übernimmt von da ab keinerlei Verpflichtung mehr. Propaganda zu machen ist nicht der Zweck dieser Hochschule, sondern den Islam zu stählen in dem Gläubigen. Noch diese Jahr hat der Türkische Sultan um 20 Zöglinge gebeten, bekam aber nicht einen, außer einem, der (wohl auf des Sultans Wunsch) nach dem Sudan entlassen wurde, und auch der als Scheich in eine Moschee. Natürlich sind alle Entlassene (von denen die meisten wohl Moscheevorsteher werden), wenn sie ausgehalten haben, als Gelehrte der höchsten Gelehrtenschule hoch angesehen in ihrer Heimat und haben als solche selbstverständlich Einfluß in ihrer Umgebung. Viele angehende Scheichs verlassen auch die Universität und den Beruf eines Theologen und treten in den Staatsdienst ein.

Ich eile zum Schlusse meine Erzählung und teile noch kurz ein wenig mit über den vierten Punkt, die Pyramiden.

Schon als Kinder wurden wir in der Schule mit diesen eigentümlichen Grabmälern bekannt gemacht, auch daß sie das älteste Kunstwerk von Menschenhänden auf Gottes Erdboden sind, und wir bewundern sie notwendigerweise, wenn wir von ihrer Form lesen, von ihrer weite und Höhe. Ganz anders noch ist es, sie zu sehen, was mir kürzlich vergönnt war, wie zu Anfang bemerkt. Und ich möchte denn auch dieses Gesehene wie meine Eindrücke davon meinen teuren Freunden vor allem wiedergeben. Es war im April, als Geschw. Spillenaar und ich mit dem zweiten Zuge von Kaliub schon früh Kairo erreichten. Da es damals noch kühle Tage gab, indem der ägyptische Winter noch mit der Sonnenwende stritt, warteten wir einen kühlen Morgen ab. Aber o weh, wir hatten dadurch etwas eingebüßt, wie sich herausstellte, nämlich den aufstieg auf die Pyramide, der als Hauptgenuß mit in unsern Ausflug eingeschlossen war, wenigstens für mich. Wohl waren wir dankbar für den kühlen, wenigstens verhältnismäßig kühlen Tag, aber nach unserer Ankunft war es uns klar, daß es für eine Umschau auf der Höhe nicht hell genug war. Vielleicht hätten wir den aufstieg nun auch sowieso nicht gemacht, denn er ist nicht billig.

Da die Pyramide ein gutes Ende von Kairo liegen, benutzen wir zu unserm Weiterkommen die Straßenbahn, die uns zuletzt nach Altkairo, ans rechte Nilufer brachte. Altkairo wäre wert, daß man davon erzählte, doch wünschte ich, mit meinen freunden bald die Pyramiden zu erreichen, und sage nur, daß mich der Nil, der so stark wie der Rhein ist, und an Altkairo vorüberfließt, sehr interessiert. Ich schaute dem treiben und Spielen auf demselben als Neuling mit ganzem Interesse zu. Bald kam von drüben ein Dampfer zum Übersetzen der Passagiere.

Die Pyramiden schienen schon ganz nahe zu liegen, aber obschon man die Umrisse deutlich erkannte, war die Nähe doch nur Täuschung, durch den kolossalen Umfang und die Höhe hervorgerufen. Der Dampfer setzte, vom Strome mit fortgerissen, schräg über. Drüben warteten wir eine viertelstunde unter schattigen Akazien, bis der Extra-Pyramidenzug zum abgehen pfiff. Näher und näher kamen wir den sonderbaren Steinhaufen, die immer höher und dicker wurden. Schon meinte ich, alles genau den Umrissen nach zu sehen, die Farbe der Steine, deren Größe und Fugen, die mir aber immer noch als große Ziegel vorkamen. Die Gegend wurde immer öder, und endlich sahen wir halblinks vor uns nur noch eine Sandwüste und mitten darin die Pyramiden. Halbrechts näherte sich uns ein großes schloßartiges Gebäude, das für die Gäste gebaut ist. Der Zug hielt, wir waren da. Gleich waren eine Anzahl dienstbarer Geister zur Hand, die uns schon von ferne als Pyramidengäste erkannt, um Führer zu spielen. In der Verlängerung des Zuges gingen wir unter schattigen Akazien geradeaus, das Schloß zur Rechten, auf die Pyramiden zu.

Br. Spillenaar, des Vulgärarabischen vollständig mächtig, fertigte die zudringliche Führergesellschaft in gebührender Weise ab, guckte mich dabei lächelnd an und sagte: Br. Heyer, hören sie mal, der spricht Deutsch. "Ja, ich spreche Deutsch, meldete sich unterdessen ein langer Beduine, indem er näher auf mich zu trat. Ja mein Herr, auch Englisch, Französisch, Italienisch, Griechisch, kolossal!" Ich guckte ihn von der Seite etwas ungläubig an, musterte seine Riesenlänge und schaute hinüber zu den Pyramiden. "Schönes Gesicht, mein Herr, nicht so viel, billig, 4 Mark ganz oben. Schönes Gesicht bei Nacht. Ja mein Herr, ich kann Deutsch," fuhr der sprachkundige fort, während ich mich von seinem kolossalen Deutsch überzeugte und ein rechtmäßiges Urteil über seine riesigen Sprachkenntnisse gewann. In Begleitung von etlichen fremden Nordländern und allerlei diensteifrigen Halbwüchsigen, die Besitzer unseres Handgepäcks zu werden suchten, des Bakschisch wegen, und dreier Kamele, von Beduine geführt, bogen wir halblinks hinüber, bis wir zuletzt auf breitem Wege die Riesenbauten völlig erreicht hatten. Wir hielten an der größten, an der Ostseite, von wo auch der Aufstieg erfolgt, weil da der Verputz am meisten abgefallen ist und somit die Steine in großen Treppenstufen bloßgelegt sind, wodurch der Aufstieg ermöglicht wird.

Der erste Eindruck ist der des Kolossalen; der zweite, man ist plötzlich in eine Sandwüste versetzt, in öde Menschenleere, wo diese Bauten wie hingezaubert erscheinen, oder wie aus dem Sande emporgeschossen. Wir setzten uns unten am Fuße der Pyramide auf einen der Riesenquadersteine nieder. Frau Spillenaar breitete auf einem zweiten nebenan eine Serviette aus und richtete einen Mittagstisch zu, für dessen Speisen sie von Kaliub aus vorzüglich, wie mütterlich gesorgt hatte. Nach kurzem Gebet und kräftigem Imbiß und abermaligen Dankgebet hielten wir auf Kamelen Rundschau. Leider konnte Frau Spillenaar es da oben nicht aushalten; der Blick in die Tiefe machte sie schwindeln, sie nahm darum mit einem Esel fürlieb. Die drei Pyramiden liegen nahe beieinander, an Höhe und Umfang aber sehr verschieden. In einer sollen acht und der andern etliche bestattet sein. Wir besuchten einen noch gut erhaltenen Tempel westlich von der großen Pyramide, dessen Eingang etwas nach unten führt, von dem bekannten 100 Fuß langen Steinbilde, der Sphinx, bewacht, und überzeugten uns von der Größe der Alabastersteine im Innern desselben, die 6-10 Fuß lang und länger waren.

Doch wir wanderten nun zurück zu unserer größten Pyramide. Der Aufstieg, den wir also leider nicht unternehmen konnten, ist mit Hilfe von drei Beduinen in einer halben Stunde geschehen. Zwei derselben ziehen, und einer schiebt. Schon manche wagten ihn tollkühn allein und stürzten hinab und fanden eine schrecklichen Tod. Mit Hilfe von Beduinen ist Gefahr ziemlich ausgeschlossen; dafür sorgen die Beduine, aber auch für einen leeren Geldbeutel. Mr. Summers sagte mir, daß ein Aufstieg ein Pfund koste. Und es mag so sein, obschon der festgesetzte Preis nur 4 Mk. ist. Die Sache ist die: Europäer haben alle viel Geld; damit rechnen die drei, und zwar in meisterhafte Weise. Kaum hat der Aufstieg begonnen, so wird gepaust, und zwar der Riesenarbeit wegen, die die drei haben. Schon gleich sind sie müde, und nun sehen sie den Touristen kläglich an, fast erschöpft, stellen ihm ihre Armut vor und seinem Reichtum. Der gute Mann wird empfänglich, holt das Portemonnaie heraus, in das jene Einsicht nehmen. Nun ist's ganz vorbei, d.h. für die drei alles gewonnen. Jetzt wird riesig geklagt, gejammert, alle Augenblicke gepaust, und bei jeder Pause ein Bakschisch herausgedrükt, und oben angekommen ist der gute Mann ein Pfund leichter. Oben muß die Aussicht herrlich sein, wie man mir erzählt hat. Das Plateau, etliche Mtr (4-6?) groß, gibt auf dem Riesenunterbau Sicherheitsgefühl. Der Abstieg hat wieder seine Pausen mit Bakschisch , und ein tarifmäßiger Auf - und Abstieg von 4 Mk. ist nur, wenn man leeren Geldbeutel mitnahm, möglich.

Es gibt nun dieser Pyramiden in Ägypten eine ganze Anzahl. Man sieht auch von diesen dreien nach Süden hin in einer Entfernung von etlichen Stunden vier weitere. Sie sind die ältesten Bauwerke der Welt, und ihr Entstehen fällt so ziemlich in eine Zeit. Die größte von allen, die es gibt, ist die größte von diesen dreien; sie wird nach dem Namen ihres Erbauers die Pyramide des Cheops genannt. Ein schottischer Astrologe hat bewiesen, daß, als Vater Abraham durch Syrien wandelte, König Cheops sie gebaut hat, und selbst Sem soll noch gelebt haben, als der König sie zu bauen begann, der mit der Königin in ihr sein Grab fand. Ihre Höhe beträgt 450 Fuß, sie hat einen Flächeninhalt von 55 000 Quadrat Meter und enthält 2 1/2 Millionen Kubikmtr. Steine, mit denen man eine Mauer um ganz Frankreich bauen könnte von 90 cm, Höhe und 70 cm Dicke. Wollte man das Mauerwerk fortschaffen, so wäre dazu eine Flotte von 55 000, der größten Schiffe erforderlich.

Diese Pyramide, hohl gedacht, nähme den Dom von Straßburg in sich auf, und so viel noch außerdem, daß 6 Kirchen Deutschlands Platz genug darin fänden. Ich mag den Dom von Köln mit seinen hohen Türmen und vielen Türmchen wie seinem Wunderbau von innen vergessen, ebenso St. Pauls Kathedrale in London mit ihrer Wunderorgel, auch die St. Peterskirche in Rom mit ihren vielen sehenswürdigen Bildern, Denkmälern und Malereien mitsamt den unberechenbaren Goldschätzen im Innern; auch das denkwürdige Kolosseum mit seinen Schreckenstaten und selbst den 5 000 Fuß hohe Vesuv mit dem Brüllen eines unvergleichlichen Donners in der Nähe des Kraters, wo ich oben am Rande desselben stand und in den Rauchqualm hinabblickte; ich sage, das alles mag meinem Gedächtnis entschwinden, aber nicht Cheops Pyramide, dieser wunderbare Steinhaufen! Wie kommt das? Nun, es ist eine eigne Sache um diese Totenwohnungen; solch einen Entschluß zu fassen und den auszuführen. Wir wissen, daß die Ägypter an eine Rückkehr der Seele zum Leibe glaubten, nach dem Absterben desselben, wenn auch erst nach langen, vielleicht Tausenden von Jahren, was uns ja auch das Einbalsamieren der Leiber erklärt. Aber warum einen solchen Riesenbau für den kleinen Leib? Der Vergleich ist unvereinbar! Man sagt, daß 2 000 000 Menschen an der Pyramide des Cheops sollen gearbeitet haben. Daß solche Leute Ruhm suchten in solchen Taten für die Nachwelt, ist ja klar. Wie die schweren Quader, Stein auf Stein, zu dieser Höhe gelangten in damaliger Zeit, und zwar in dieser Genauigkeit, muß man anstaunen. Noch im zwölften Jahrhundert, schreibt ein Ingenieur, sollen die Fugen so geschlossen haben, daß keine Nadel zwischen durch ging, nur durch eine Kalkschicht von Papierdicke verbunden

Quelle: Der Missions und Heidenbote 1898, Jadu 2000.

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