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Port Said   Sues   Aden

Entfernung in Seemeilen: Port Said -Sues  87, Sues - Aden 1308

Endlich, an einem Morgen, wenn die Fahrgäste wie jedesmal nach dem Heraustreten an Deck, das Meer mit den Gläsern absuchen, zeigt sich eine lange gelbe Linie am Horizont, die Küste von Afrika. Gleichzeitig bemerkt man, daß das klargrüne Meereswasser sich in eine gelbbraune Schmutzbrühe verwandelt hat. Wir haben das Müdungsgebiet des zweitgrößten Stromes der Erde erreicht. Der Ausfluß selbst ist zwar nicht sichtbar, denn die hauptsächlichsten Mündungen liegen bedeutend weiter im Westen, aber der berühmte Nilschlamm, der der Vater der Fruchtbarkeit Ägyptens seit vielen Tausenden von Jahren ist, wird nach allen Seiten weit in das Meer hinausgespült. Aus den fernen Schneegebirgen Abessiniens stammt die Ton- und Sandmasse, die durch die Schraube unseres Dampfers aufgewühlt wird. Denn der abessinische Quellfluß des Stromes, der Blaue Nil, ist es, der zur Regenzeit so gewaltig anschwillt, daß er alles, was er bewältigen kann, mit sich reißt und dem Tale zuführt. Sein andrer Bruder, der weiße Nil, ist dafür der längere der beiden Quellströme und auch der beständigere. Er bedingt, daß auch zur trockenen Jahreszeit und in der glühenden Wüste das Wasser des Flußbeckens nicht vollständig verdunstet.

Westlich vom Sueskanal rundet sich das Nildelta in das Meer vor, vom Westen drängt daher der Nilschlamm heran und der lange Damm, an dem wir jetzt vorbeifahren, ist hauptsächlich zum Schutz gegen den Schlamm erbaut worden. Überall geben Seezeichen das Fahrwasser an. Jetzt laufen uns auch von der östlichen Seite Molen entgegen, wir gleiten durch die Einfahrt in den Hafen von Port Said und damit auch in den weltberühmten Kanal, und stolz weist vom ragenden Denkmal der Erbauer des großen Werkes, Ferdinand v. Lesseps, auf dieses hin. Häuser erscheinen, ein gemauerter Kai grenzt das Wasser ab, der Hafen öffnet sich weit. Port Said ist erreicht.

Das Schiff hält hier einige Stunden, um Kohlen aufzunehmen, und den Fahrgästen ist es erlaubt, während dieses Vorganges auf dem Lande zu sein. Das ist ein Glück, das nur der recht zu schätzen weiß, der einmal während einer Kohlenaufnahme an Bord bleiben mußte. Der unaufhörliche Lärm, das, das Aufundabwandern der rußigen, unheimlichen Gestalten und vor allem der in alle Fugen und Ritzen dringende Kohlenstaub bringt schließlich auch den Geduldigsten zur Verzweiflung. Sehr angenehm ist überdies das Gefühl, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben und ordentlich ausschreiten zu können.

Manche, die den Aufenthalt auf dem Lande recht auskosten wollen, verzichten auch auf die Fahrt durch den Sueskanal und tauschen gegen sie einen Besuch von Kairo ein. Falls das Schiff früh am Tage in Port Said eintrifft, ist das auch ganz gut möglich, wenn auch, wegen der im ganzen acht- bis zehnstündigen Eisenbahnfahrt, während derer man durch Staub und Fliegen sehr belästigt wird, ziemlich anstrengend. In diesem Fall fährt man zunächst von Port Said nach Kairo, wo man den Nachmittag mit einer Wanderung durch die Muskistraße und in das arabische Viertel zubringt. Hat man noch Zeit, so kann man auch die herrliche Moschee des Sultan Hassan besuchen, oder eine der anderen Moscheen. Der Eindruck der prächtigen Bauten wird groß sein, denn wahrhaft erhaben wirkt der edle Stil in seiner Einfachheit und Größe, und das Innere der Moschee erhebt gerade durch das Fehlen jeden Schmuckes das Herz. Der hohe Raum predigt in ernster Sprache nur den Gedanken an den einen Gott, ohne durch irgend ein Beiwerk von diesem Höchsten abzulenken. Ein Besuch des Ägyptischen Museums wird bei der Kürze der Zeit nicht lohnen, da dieses Museum, das zu den größten der Welt gehört, nur bei öfteren und eingehenden Besuchen uns die Geschichte des uralten Ägyptervolkes, ihr Leben und ihre Kunst offenbart, dann freilich in einer Weise, die uns jene langen Zeiten fast miterleben läßt.

Kairo
Moschee in Kairo

Hingegen wird wohl jeder jene gewaltigen Bauwerke sehen wollen, die dort seit fast 5000 Jahren aus gelbem Wüstensand gen Himmel aufragen. Über die Nilbrücke geht es hinüber. Der blaue Strom ist von malerischen Segelbooten und anderen Schiffen belebt. Dann sieht man schon in der Ferne gigantische Dreiecke aufsteigen. Bald ist man an ihrem Fuße. Bergeshoch steigen die Pyramiden in die blaue Luft; zwar ist ihr Umriß verwittert und zerbröckelt, aber die Masse der Steine widerstand den Zerstörungen der Zeit und den Menschen. Und neben ihnen erhebt die Sphinx ihr Haupt aus dem Wüstensand. Noch heute ist ihr Antlitz schön, in tiefen Gedanken scheint sie weit in der Ferne zu blicken. Wenn sie erzählen könnte, was sie erlebte! Sie sah das alte Reich jener großen Könige, die die Pyramiden bauten, blühen und verfallen, sie sah die fremden Hirtenstämme der Hyksos das eingesessene Volk meistern, und ihr Antlitz leuchtete, als aus dem fernen Theben die Befreiung kam und ein Weltreich erstand, das weit über die Grenze des Nillandes seinen starken Arm bis nach Syrien ausstreckte. Die Bauwerke der ersten Hauptstadt Ägyptens, des alten Memphis und seiner Umgebung sind verfallen bis auf die großen und vielen kleinen Pyramiden, dazu einen einsamen Obelisk in der einst als Heiligtum des Sonnengottes weit berühmten Priesterstadt Heliopolis.

Amon
Beduinen

Im Süden aber stehen noch weite Tempelhallen der Hauptstadt des neuen Reiches, des hunderttorigen Theben. Hier wandelt der Fremdling zwischen den gewaltigen Mauern ferner Vorzeit, er tritt in das geheimnisvolle Innere wohlerhaltener Tempel, deren Wände ihm von der Geschichte des Volkes erzählen, und im Säulensaal des großen Amontempels erkennt er die Größe jener Zeit. Vom anderen Nilufer grüßen die Memnonkolosse; wahrlich, das sind Denkmäler, würdig der Macht des großen Königs Amenophis III., den sie darstellen.

Man kann bei der besprochenen Zwischentour nun die Nacht in Kairo bleiben und fährt dann in der ersten Morgenfrühe des nächsten Tages nach Sues, wo man auf den Dampfer wartet. Ein Boot bringt den Reisenden wieder an Bord. Die Fahrt des Dampfers durch den Kanal dauert mit dem Aufenthalt in Port Said und Sues etwa 24 Stunden.

Die meisten Fahrgäste werden aber auf die anstrengende und doch nur flüchtige Eindrücke gewährende Reise nach Kairo verzichten und den Aufenthalt des Dampfers nur zu einem Besuche von Port Said benutzen. Man klettert in die nächste an der Schiffbrücke haltende Barke hinunter und läßt sich nach langem Handeln um den Preis hinüberrudern. Schon das Hafenbild ist sehr belebt. Da liegen Schiffe aller Art, selbst Kriegsschiffe, andere kommen, und wieder andere sind bei der Abfahrt begriffen. Manche haben Kohlenboote längsseit genommen, und wie die Tonnen einer Baggermaschine wandern schwarze Gestalten, an denen das blitzende Weiße im Auge und die Zähne das einzige Helle sind, herüber und hinüber. Zwischen den großen Meerfahrten puffen kleine Dampfer umher, fahren Ruderboote eifrig ab und zu. Auf einer zwei Häfen trennenden Landzunge liegt mächtig und stolz das Gebäude der Kanalgesellschaft mit grünblauen Kuppeln.

Die Stadt Port Said mit etwa 60 000 Einwohnern verdankt ihre Gründung (1860) dem Sueskanal und hat unterdessen einen so bedeutenden Aufschwung genommen, das sie Alexandria, der um zwei Jahrtausende älteren Schwester, die einst als Leuchte in Kunst und Wissenschaft über die ganze gebildete Welt strahlte, gefährliche Konkurrenz macht. Schön ist Port Said freilich nicht. Gewissermaßen am Berührungspunkt dreier Welten gelegen, hat die Stadt von allen dreien ihren Charakter geerbt. Aber leider nur die schlechtesten Eigenschaften hat sie erhascht; es ist, als ob Europa, Asien und Afrika in Port Said ihren Schutt abgeladen haben und die Menschen und Waren, die sie selbst nicht brauchen konnten. Schon die hohen Häuser zu den Seiten der Straßen bieten keinen erfreulichen Anblick. Es sind öde Backsteinbauten mit rosarotem oder andersfarbigem Strich wie in den ärmeren Teilen italienischer Städte, verunziert durch Loggien aus Eisenkonstruktionen oder Holz. In den Straßen wimmelt es von Menschen aller Art, die zum großen Teil den Fremden mit irgend etwas belästigen. Alles mögliche wollen die Leute verkaufen, auch treten Zauberer auf, die Kunststücke vorführen wollen. Besonders beliebt ist es, kleine Hühner scheinbar zu köpfen und wieder lebendig zu machen oder auch nur verschwinden zu lassen. Alle diese Aufdringlichen haben offenbar keine gute Meinung vom reisenden Publikum, denn bei ihren Anpreisungen von Bildern, anderen Dingen und dem Zeigenwollen von Sehenswürdigkeiten spekulieren sie hauptsächlich auf die niedersten Instinkte.

Port Said
Frauen

Der Reisende lernt bald, daß es in diesem Gedränge zunächst heißt, sich durchzusetzen, und oft kann nur ein kräftiger Stoß mit Faust oder Stock Luft schaffen. Der erste Gang fast aller Besucher von Port Said führt zu dem Laden des Simon Arzt, wo man sich einen guten und preiswerten Tropenhelm und vielleicht noch etwas Anderes kauft, was für die Tropenrüstung dienlich scheint. Dann setzt man sich auf die Veranda eines Cafés, über welche das Straßenlebens ungeniert herüberflutet. Unter den Vorübergehenden sieht man aber wenig Originelles, nur die Araber in schmutzigen, aber malerischen Gewändern erfreuen das Auge, etwa noch schlanke Ägypter in langen Kaftanen mit dem roten Fes auf dem Kopf, am wenigsten Neger in angetragener europäischer Kleidung. Die hübsch gewachsenen munteren, braunen Knaben sind auf alle Fälle die Perle in dem Menschenschmuck von Port Said. Erfreulich und echt ist aber auch der arabische Kaffee, den man heiß wie die Hölle, schwarz wie der Teufel und süß wie die Sünde zu sich nimmt. Dazu ist der Trank sehr dickflüssig, und der Araber könnte obigen Eigenschaften noch hinzufügen: Dick wie meine Liebste. Denn ohne reichliche Fettmassen gibt es für ihn keine Schönheit.

Port Said hat also im ganzen nicht viel von den Reizen des Morgenlandes an sich, und das wenige, was man sieht, trägt einen häßlichen europäischen Firnis. Selbst ein Ausflug in das eigentliche arabische Viertel der Stadt bietet nicht entfernt so viel Malerisches, wie ähnliche Stadtteile von Sues oder Kairo. Verhüllte Frauen gibt es freilich auch in Port Said, und hier wie überall, ziehen sie zuerst die Aufmerksamkeit des Europäers auf sich. Schwarzen Gespenstern gleich gleiten sie durch die Straßen, die unförmige Gewandung vernichtet jeden Umriß. Den unteren und mittleren Teil des Gesichts bedeckt ein schwarzes Tuch; es ist an einem Rohrstückchen befestigt, das der Stirn anliegt und das Tuch etwas vom Gesicht abhält, so daß die Luft Zutritt erhält. Das ist nicht unhygienisch gedacht, aber die Kehrseite ist, daß der Stirnpflock die Augen der Unglücklichen zum Schielen zwingt und so den letzten Rest des Menschen entstellt, der noch sichtbar ist. Hübscher ist die türkische Tracht; diese besteht zwar ebenfalls aus einem schwarzen Überwurf mit Kapuze, hat aber einen weißen Gesichtsschleier aus Battist, der, an der Nasenwurzel beginnend, sich über das Gesicht zieht und dessen Formen anmutig hervortreten läßt. Geheimnisvoll schauen die großen, von dichtem Wimperkranz — einer charakteristischen Berühmtheit der Ägypter — umrandeten Augen unter den schwarzen zusammenlaufenden Brauen auf den Fremdling. Die Zurückhaltung der Frauen sticht angenehm von der Zudringlichkeit der Männer ab. Leider sind Frauen und Männer oft durch ein krankes oder blindes Auge entstellt. Der Name "ägyptische Augenkrankheit" ist nur zu sehr berechtigt, und die unzähligen Fliegen übertragen immer wieder die Krankheitsstoffe auf andere Personen.

Auch eine Moschee, die man besichtigen darf, enthält das arabische Viertel von Port Said. Man schlürft in großen Strohpantoffeln durch einen von schönen Säulen getragenen Raum, dessen Boden mit warmleuchtenden Gebetsteppichen belegt ist. In einem angrenzenden Hof läuft eine Rinne mit fließendem Wasser, das den Mohammedanern zu ihren religiösen Waschungen dient, und in einer Nebenhalle werden seidene Fahnen gezeigt, dazu ein alter Koran und ein Schwert, das Mohammed geführt haben soll.

Hat man Zeit, so kann man durch die geraden Straßen dem Meeresgestade zugehen, wo im Sommer Bäder eröffnet werden, zu jeder Zeit aber Muscheln und andere von der See ausgeworfene Tiere liegen. Auch einen größeren Platz enthält Port Said. Hier stehen prächtige Bäume, der Lebbach (Albizzia Lebbek) mit akazienartigem Laub, der Ssant (Acacia nilotica) mit langen rosenkranzförmigen Fruchthülsen und die schöne Flammenakazie (Poinciana pulcherrima) mit sehr fein gefiedertem, mimosenartigem Laub und prachtvoll orangeroten Blütentrauben. Und manches Tor wird wird malerisch umhüllt von dem roten Blütenmeer der Schlingpflanze Bougainvillea.

Alles in allem ist man aber nicht böse, wenn die Zeit des Aufenthalts vorüber ist und man sich wieder zu dem bereits heimatlich gewordenen Schiff hinüberrudern lassen kann. Hier ist noch das Deck voll von Händlern, die ganze Bazare ausgekramt haben. Bald aber müssen sie weichen, das Signal ertönt, und der Dampfer fährt in den eigentlichen Sueskanal hinein.

Mit Spannung sehen wir der etwa 100 m breiten nach kurzer Biegung schnurgeraden Wasserstraße entgegen, in die unser Schiff in langsamer Fahrt eintritt. Die Zeiten gleiten an unserem geistigen Auge vorüber; wir erinnern uns, wie schon 600 Jahre von Christus der Pharao Necho, der Besieger von Juda und Syrien, den Plan faßte, das Rote mit dem Mittelmeer zu verbinden. Freilich sollte der Kanal von Sues aus nur bis etwa zur Mitte des heutigen gehen, dann nach Westen sich wenden und bei der alten Stadt Bubastis in den Nil einmüden. Necho begann das Werk, ließ es aber bald wieder liegen. Erst hundert Jahre später wurde sein Kanal durchgeführt, aber von einem fremden Beherrscher Ägyptens, dem König Darius von Persien, dessen Vorgänger Kambyses das Nilland erobert hatte. Im Wechsel der Zeiten und der Fürsten, die über Ägypten herrschten, verfiel der Kanal, und nur zweimal noch wurde er geöffnet, unter dem römischen Kaiser Trajan und unter den Arabern. Seit dem achten Jahrhundert aber blieb die Wasserstraße Jahrhunderte lang gänzlich unbenutzbar, und nur die Weitblickenden in der Weltpolitik verloren den großen Gedanken der Verbindung beider Meere nie aus dem Auge. So schlug einer der Vielseitigsten der großen Deutschen, Leibniz, dem Sonnenkönig vor, sich durch Eröffnung eines die beiden Meere verbindenden Kanals ein dauerndes Denkmal zu sichern; zugleich dachte der Gelehrte dadurch die Eroberungslüste Ludwig XIV. von den kurbrandenburgischen Staaten und dem anderen Europa auf ein unschädliches Gebiet abzulenken. Leibniz redete aber umsonst, und erst der wahre Erbe der Königsmacht wie der weitschauenden Eroberungspläne des großen Ludwig, Napoleon I., versuchte den Kanal ins Werk zu setzen. Falsche Beobachtungen der Ingenieure, die für die Spiegel beider Meere einen beträchtlichen Höhenunterschied angaben, hinderten jedoch die Ausführung. Erst dem französischen Ingenieur Ferdinand von Lesseps blieb es vorbehalten, die Fehler zu berichtigen und den Kanal zu erbauen.

Begonnen wurde damit bei Port Said im Jahre 1859; der Kanal wurde alsdann unter dem Vizekönig Ismail von Ägypten mit verschwenderisch großartigen Festen am 16. November 1869 eingeweiht. Unser damaliger Kronprinz, der spätere Kaiser Friedrich III., nahm an den Feierlichkeiten teil, und von Frankreich war die Kaiserin Eugenie anwesend. Wer, der damals die liebenswürdige Unterhaltung zwischen den beiden schönen Erscheinungen beobachtete, hätte voraussagen können, daß nur ein Jahr später die stolze Franzosenkaiserin heimlich aus ihrer Hauptstadt entweichen, und daß in dem von Louis Philippe " à toutes les gloires de la France" geweihten französischen Königsschloß zu Versailles dieser selbe preußische Kronprinz der Kronprinz eines neuen, mächtigen deutschen Reiches werden würde.

Der etwa 9 m tiefe Kanal gehört einer Gesellschaft und zwar noch bis zum Jahre 1968, doch suchten die Aktionäre bereits um weitere Verlängerung ihrer Pacht nach, da sich die hineingesteckten Summen (380 Millionen Mark zur Anlage und etwa 30 Millionen jährliche Aufwendungen) wohl verzinsen. Die durchfahrenden Schiffe müssen für jede Tonne ihres Kubikinhalts fast 8 Franken zahlen, sowie 10 Franken für den Fahrgast. Ein Schiff von der Größe derer des Norddeutschen Lloyd (8-9 000 Tonnen) hat ungefähr 45 000 Mark zu zahlen. Freilich würde der der Umweg um Afrika herum an Kohlen und Zeitverlust weit mehr kosten. Ist doch die Strecke von Hamburg nach Bombay durch den Kanal um 5 000 Seemeilen kürzer als um das Kap herum, das sind 43% oder 24 Tage. Durch den Sueskanal verkehrten im Jahre 1910 4 533 Schiffe davon 2 778 englische, 635 deutsche, 259 holländische, 240 französische, 191 österreichische, 103 russische, 87 italienische, 72 japanische, 34 dänische, 26 spanische, 26 türkische, 25 schwedische, 20 norwegische, 14 griechische, 11 siamesische, 8 amerikanische, 2 ägyptische, 1 belgisches.

Wähend wir nun im Kanal langsam dahinfahren, lassen wir unsere Blicke über sein Ufer schweifen. Man sieht recht weit vom hochbordigen Schiff, während kleinen Dampfern die Dämme des Kanals den Fernblick verbieten. Im Westen läuft neben der Wasserstraße die Eisenbahnlinie her, die von Port Said nach Sues geht. Manch munterer Zug eilt an uns vorbei. Hinter dem Damm dehnt sich, so weit das Auge reicht, aber vielfach durch Inseln unterbrochen, der Mensalehsee aus. An einigen Stellen liegt es wie rosenroter zarter Schaum auf dem Wasser oder am Rande der Inseln. Scharen der reizenden hochbeinigen Flamingos sind es, die in dem seichten Wasser ihre Nahrung suchen. Auch Pelikane, Enten und Gänse kann uns manchmal unser Glas zeigen. Der Mensalehsee wird durch den Kanaldamm in schnurgerader Linie abgeschnitten; im Osten ist sein Bett trockengelegt worden. Hier sehen wir den gelben Sand der Wüste eine gleichförmige Ebene bedecken. Und nun endet auch im Westen das Wasser. Wir haben die uralte Verbindungsstraße zwischen Afrika und Asien erreicht. Auf diesem Wege unternahmen einst die Ägypter ihre Eroberungszüge nach Palästina und dem Osten, hier zogen aber auch ihre Feinde in das eigene blühende Land. Seit Jahrtausenden wanderten über el Kantara die Völker, denn alle jene wilden hamitischen Scharen mußten diesen Weg genommen haben, die heute als Nubier, Somal, Massai und andere Stämme Zentral- und Ostafrika bevölkern. Wenn die Steine erzählen könnten!

Die Kanalstation, die wir bisher passiert haben, sahen wenig anheimelnd aus. Ein kleines Haus, von einigen vertrockneten Dattelpalmen umgeben, und hie und da ein kleiner Gemüsegarten, das ist alles! An den Stationen liehen die Ausweichstellen für die Dampfer, die mit ihrem Gefolge — es fahren immer mehrere Schiffe in 500 m Abstand hintereinander — manchmal lange liegen müssen, bis ein von Sues angemeldetes Schiff vorüber ist. Denn die heimwärts Fahrenden Schiffe haben bei der Durchfahrt das Vorrecht. Daß an den Stationen überhaupt etwas wächst, verdankt man dem Süßwasser- oder Ismailijeh-Kanal, einer Wasserrinne, die die am Kanal gelegenen Orte mit Trinkwasser versorgt und dem Land eine Bewässerung ermöglicht. Dieser Graben verläßt bei Kairo den Nil und zieht sich durch das einst den Israeliten zur Verfügung gestellte Land Gosen nach Ismailia, von wo er einen Arm nach Sues, den Andern nach el Kantara schickt.

Der Dampfer läuft nun wieder in ein größeres Wasser ein, die Ballahseen; dann erheben sich die Ufer höher. Wir berühren eine Stelle, wo der Durchstich sehr schwierig war. Nun ist die Arbeit getan, aber daß immer wieder am Kanal gebaut und das Wasser vertieft werden muß, verraten die zahlreichen Baggermaschinen, denen wir begegnen. Der Sand, den sie ausbaggern, wird von Kamelen in Kisten in die Wüste geschleppt und hier ausgeschüttet. Welche Masse Sand immer wieder in den Kanal fallen, davon kann man sich im März einen Begriff machen, wenn der "Chamsinwind" von Westen her über das Land weht; dann ist der ganze Kanal in eine undurchdringliche Staubwolke gehüllt, und es bedarf äußerster Sorgfalt von seiten der Schiffsführer, ihre Fahrzeuge nicht auflaufen zu lassen. Ist das Wetter aber klar, so haben wir gerade an dieser Stelle schöne Fernsicht in die Wüste. Besonders abends ist der Ausblick prachtvoll. Leuchtend goldgelb geht die Sonne unter, im Osten nehmen einige ferne Bergrücken unendlich zartrosenfarbige Töne an, und noch lange leuchten die Wolken dem versunkenen Tagesgestirn nach. Von jetzt an bleibt uns die Pracht der Sonnenuntergänge treu, und jeden Abend erfreuen wir uns an dem wunderschönen Schauspiel. Dabei fällt uns auf, daß, während bei uns die Farben der Wolken vorwiegend rosa und rötlich sind, hier orange, gold und gelb vorherrschen.

El Kantara
Am Kanal

Die nächste Station el Gisr bezeichnet die größte Erhebung (16 m über dem Meer), die beim Kanalbau zu durchstechen war. 20 000 Arbeiter mußten damals hier zur Bewältigung der Sandmassen arbeiten. Das hohe Ufer verbietet uns den Fernblick, bis wir wieder in einen See, den Timsahsee einfahren. Timsah heißt Krokodil, aber die gewaltigen Panzerechsen gibt es in Ägypten längst nicht mehr. An dem schönen blauen See liegt die Stadt Ismailia, die früher Mittelpunkt für alle Bauten war und jetzt noch d Hauptsitz der Kanalverwaltung darstellt. Großartig ist die Stadt angelegt, breite gerade Straßen kreuzen sich, von schönen bäumen beschattet. Ansehnliche Bauten und grüne schattige Gärten erfreuen das Auge. Das Ganze wirkt viel vornehmer als Port Said, aber das Leben fehlt. Der Dampfer fährt an der Stadt vorbei, ohne zu halten; nur die mit der Bahn von Port Said und Sues kommenden Reisenden haben hier Aufenthalt, um dann von diesem Vereinigungspunkte der beiden Bahnen gemeinsam Kairo zuzueilen.

Am Ausgange des Timsahsees erblickt man die weiße Kuppel des Grabes eines Schichs. Dann kommt eine "Serapeum" genannte Station, in deren Nähe Darius einst Denkmäler aufstellen ließ, die an den glücklich vollendeten Kanalbau erinnern sollten. Von neuem nimmt uns ein breites Wasser auf, ja jetzt treten die Ufer weit zurück und wir glauben schon das Meer erreicht zu haben. Es sind aber erst die "Bitterseen", durch die die Kanalrinne, von zwei Leuchttürme bezeichnet, hindurchgeht. Vor dem Kanalbau lag hier eine große Bodensenkung fast trocken, und es muß ein eindrucksvoller Anblick gewesen sein, als durch den neuen Kanal das Wasser des Roten Meeres hereinbrach und mächtige Seen schuf. Nach dem Bittersee haben wir nur noch eine kurze Strecke durch das Land zu fahren, dann zeigt sich wieder Wasser, und diesmal ist es wirklich der Golf von Sues. Bald sehen wir denn auch die Hafeninsel der Stadt, mit dieser selbst durch einen langen Damm verbunden.

Der Suez Kanal

Sues liegt unvergleichlich malerisch. Das kräftige leuchtende Blau des Wassers kontrastiert wunderbar zu dem lichtgelben Wüstenstreifen und dem zartrötlichen Gebirge der gegenüberliegenden Sinaihalbinsel. Prachtvoll zerschlissen steigt hier das Gebirge auf und erhebt scharfe Spitzen zum lichtblauen Himmel. Ganz anders sind die Berge der afrikanischen Küste geformt. Flach geschichtet, tafelförmig, aber ebenfalls mit steilen Abfall, zieht sich der Dschebel Atakah (831 m) im Südwesten von Sues am Meer dahin. Das Wasser ist hier überall kristallklar, und an flachen Stellen sieht man bis auf den Grund, wo es wie ein Garten von farbigen Korallenstöcken blüht. Überhaupt ist der Golf von Sues wie das ganze Rote Meer berühmt durch seine schöne und interessante Tierwelt. Wer Zeit hat, am Gestade entlang zu gehen, wird eine Menge der hübschesten und seltsamsten Muscheln auflesen. Die beste Stelle zum Sammeln lieht südlich der sogenannten Mosesquellen, einer freundlichen kleinen Oase auf der Sinaihalbinsel, zu der man nach einer Bootfahrt in einem zweistündigen Eselritt gelangt.

Da an der Stadt Sues selbst das Wasser seicht ist und im nördlichsten Teil des Golfes der Boden zur Ebbe sogar trocken liegt, hat man den Kanal auf der östlichen Seite des Golfendes münden lassen. Hier wurde durch Aufschüttung des ausgebaggerten Grundes eine Insel geschaffen, die mit dem eigentlichen Sues durch einen langen Damm verbunden wurde. Zwei Häfen bekam die Insel, Port Tewfik und Port Ibrahim. Letzterer ist groß und durch starke Dämme geschützt. Außerdem steht auf dem künstlichen Boden ein Bahnhof für die Züge nach Sues und ferner ein Denkmal des Leutnants Waghorn. Waghorn war der Vorläufer von Lesseps, er verwendete sich - in englischen Diensten stehend, aber deutscher Herkunft - unermüdlich für das Kanalprojekt und eine direkte Verbindung nach Indien. Aber alles war vergeblich und 1850 starb Waghorn vergessen und verarmt in London.

Wer über den Damm, der wundervolle Aussichten bietet, nach der Stadt Sues geht, wird hier an Bauten nicht viel Bemerkenswertes finden. Es sind zwar mehrere Moscheen in der Stadt, und der Khediv hat sich im Norden einen Palast erbaut, aber das alles lohnt den Besuch kaum. Nur das morgenländische Leben ist hier unverfälschter als in Port Said, auch wird der Fremde weit weniger belästigt und kann das Straßenleben ungestört genießen. Dazu liegt Suez unvergleichlich viel schöner als seine Schwesterstadt am Nordende des Kanals. Die bergumschlossene Bucht mit ihrem blauen Wasser ist von einem unvergleichlichen, man möchte sagen intimen Reiz, und wohl tagelang kann man das wunderbare Farbenspiel des Meeres, der Berge und Wolken schauen, ohne es müde zu werden.

Der Wasserverkäufer
Die Stadt Sues

Der Dampfer hat in Sues nur kurzen Aufenthalt, denn als Handelsplatz kann die Stadt es nicht entfernt mit Port Said aufnehmen, wie sie ja auch viel kleiner ( 18 000 Einw.) und stiller ist. So beginnt bald wieder die Schraube des Schiffes, sich zu drehen und färbt das Wasser gelb. Schnell fliehen die Fische, die sich um das Schiff angesammelt hatten und unter denen vielleicht auch einige Haifische waren. Jetzt ertönt dis Signalklingel, und mit Volldampf fährt das Schiff dem Roten Meer zu.

Aber noch lange müssen wir im Golf von Sues dampfen, ehe das eigentliche Rote Meer erreicht ist. Zu beiden Seiten sehen wir deutlich die Ufer und hohe Berge. Auf der afrikanischen Küste erhebt sich der über 1750 m hohe Dschebel Gharib, und auf der Halbinsel wächst mächtiger und mächtiger das Sinaigebirge in die Höhe, dessen höchste Spitze bis auf 2602 m steigt. Wir können unser Auge von den prachtvollen Formen des gewaltigen Bergstockes nicht abwenden, und wohl verstehen wir es, daß das jüdische Volk einst glauben konnte, sein mächtiger Gott, der es aus Ägyptenland und der Knechtschaft geführt hatte, habe hier seinen Sitz aufgeschlagen. Einsam, fern vom Getriebe des Lebens steigt der Berg in die blaue Luft, zwei Meeresarme bespülen ihn, und auf der dritten Seite dehnt sich ein anderes Meer von Sand aus. Je tiefer die Sonne sinkt, um so lichter werden die Farben des Berges. Welch wunderbarer Gegensatz zwischen den starken schroffen Formen und den zarten Farbentönen! Zuletzt scheint der Berg sich ganz in rosenrote Wolken aufzulösen, und schließlich schwebt er wie lichter Duft über dem kräftig blauen Wasser.

Endlich haben wir die Spitze der Halbinsel, Ras Mohamed, erreicht. Hier vereinigen sich die Golfe von Sues und Akaba zum Roten Meer. Die Einfahrt ist der vielen Riffe und Klippen wegen nicht ungefährlich. Das östliche Ufer entschwindet unserem Blick, während das afrikanische noch lange sichtbar ist. Besonders wenn die Sonne den Horizont berührt, sticht es dunkel unter dem feurigen Ball ab, und die Schattenrisse schlanker Palmen erscheinen in der glutblitzenden Scheibe.

Mit Besorgnis sieht der Reisende der viertägigen Fahrt durch das Rote Meer entgegen, denn dieses Wasser steht in Verruf, die größte Hitze auszustrahlen, die man auf der Erde finden kann. In der Tat ist die Ansicht nicht unberechtigt und das Rote Meer ist ja auch geologisch nichts anders, als ein am Ende der "Tertiärzeit" in die Tiefe gesunkenes Stück der Wüste. So scheint es sich noch die ganze Hitze der arabisch-afrikanischen Sandfläche bewahrt zu haben und wenig hat die Wasserfüllung des stellenweise bis zu 3000 m tiefen Riesengrabes geändert. Besonders wenn der Wind mit dem Schiffe geht und den durch die Bewegung hervorgerufenen Zug aufhebt, lastet die Temperatur drückend auf dem Fahrgast, und die herrschende Feuchtigkeit der Luft tritt noch erschwerend hinzu. Meistens wechselt der Wind in der Mitte des Meeres, weht etwa die ersten zwei Tage entgegen, die andern zwei in gleicher Richtung. Die letzteren sind es dann, in denen Reisende, die wenig ertragen können, zur Verzweiflung kommen. Auch in der Nacht kühlt die Luft wenig ab, und einige schlafen dann auf Deck, was aber garnicht ungefährlich ist, da sich schon mancher dabei schwere Krankheiten geholt hat, ebenso wie auch das übertriebene Trinken kalter Getränke schadet. Ich selbst habe bei meinen Fahrten durch das Rote Meer (Oktober und März) die Hitze nicht so groß gefunden, daß sie den Genuß der Fahrt hätte verderben können. Hätte man angestrengt zu arbeiten, dann wäre die Sache schlimmer, aber da man sich weder geistig, noch körperlich anzustrengen braucht, ruhig auf dem langen Stuhl liegen oder sich gemütlich ergehen kann, ist die Hitze nicht der Rede wert. Nur die Nacht in der Kabine ist unangenehm; man kann wenig schlafen und ist morgens ganz naß. Etwas Luft bringen freilich die "Windsegeln" herein, das sind vor die Fenster gesteckte Halbrohre, die den Luftzug vom Schiffe in die Kabine führen. In der Reisezeit, von Oktober bis April, läßt es sich also im roten Meer schon aushalten. In den andern Monaten solle es freilich oft furchtbar werden und vorgekommen sein, daß der Kapitän das Schiff zurückdrehen und etwas gegen den Wind fahren ließ, um den vollständig erschlafften Fahrgästen eine Stunde der Erleichterung zu verschaffen.

Zur Beurteilung der Temperaturverhältnisse auf dem Roten Meer mögen einige Zahlen dienen. Der Botaniker Haberland hat in den vier Tagen seiner Durchfahrt folgende Grade gemessen (in Celsius):

 
7 Uhr Vorm.
2 Uhr Nachm.
9 Uhr Abend
  9. Oktober
23,0
25,5
26,7
10. Oktober
26,2
27,8
28,5
11. Oktober
29,5
31,5
30,6
12. Oktober
31,0
30,8
31,2

Ich selbst maß Anfang November um die Mittagszeit gar 33° C. im Schatten; auf der Rückfahrt im März war es hingegen bei scharfem Wind und bewegter See so frisch, daß ich über den Sommeranzug sogar noch einen Lodenmantel anzog.

Das Rote Meer hat wie alle südlichen Meere eine herrliche blaue Farbe, die oft ins Violette schillert. "Purpurne Meerflut", singt ja schon Homer, wobei man wissen muß, das der Purpur der Alten nicht rot, sondern violett war. Auf dem Roten Meer ist der violett-rötliche Schimmer der Oberfläche häufig, und es ist möglich, das hiervon der Name dieses Meeres herrührt, obgleich man auch im Indischen Ozean oft genau die gleiche Färbung beobachtet. Niedere Pflanzen, die man Algen nennt, sollen die violette Schattierung des Wassers hervorbringen.

Mancherlei Inseln unterbrechen die Fahrt. Bald nachdem man am Sinaigebirge vorbei ist, tauchen zwei schroffe Felsen aus brandendem Wasser auf, von denen einer von einem Leuchtturm gekrönt ist. Sie heißen "Die Brüder". Später fährt man an dem ebenfalls mit einem Leuchtturm versehenen "Dädalusriff" vorüber.

Am dritten Tage haben wir Ägypten hinter uns. Die afrikanische Küste zur rechten gehört jetzt dem Sudan, in dem neben der ägyptischen die englische Flagge weht. Port Sudan liegt dort am Gestade, der erfolgreiche Konkurrent von Suakim, durch eine Bahn mit Berber und damit auch Khartum verbunden. Weiter südlich folgt die italienische Kolonie Eritrea und deren Haupthafen Massaua (etwa 35 000 Einw.) mit aufblühendem Handel in Elfenbein, Gold, Kaffee usw. Dahinter droht das Hochland Abessinien mit seinen tapferen Kriegern. Im Osten haben wir in der Mitte der Fahrt die Höhe von Dschidda (etwa 20 000 Einw.), dem Hafenplatz der Zentrale des Islam, des heiligen Mekka. Gegen Ende der Fahrt tauchen wieder schroffe Felseninseln auf, die der Sebairgruppe angehören und von den Schiffern die "Zwölf Apostel" genannt werden. Zu ihnen gehört Dschebel Tair, der "Vogelfelsen" Ein Leuchtturm krönt den 245 m hohen vulkanischen Berg, er soll von der Witwe eines Kapitäns erbaut worden sein, dessen Schiff hier scheiterte, und heißt noch heute "Turm der Witwe" oder "Tränenfeuer". Früher suchte man Sträflinge als Leuchtturmwächter des Roten Meeres aus; sie konnten durch zehnjährige Dienstzeit ihre Strafe verbüßen, die sonst der Tod gewesen wäre. Und wahrlich, furchtbar muß es sein, auf dem vegetationslosen, sonnendurchglüten Felsen jahrelang auszuhalten. Die Leiden jenes Einsamen auf Salas y Gomes in Chamissos erschütternder Dichtung treten uns vor die Seele, wenn wir die grellroten Felsen betrachten.

Shufflespiel

Nun sehen wir auch wieder die arabische Küste, die Städte Hodeida und Mokka leuchten weiß zu uns herüber. Im Hintergrund von Mokka erheben sich meistens in Nebelschleier gehüllte hohe Berge. An ihren Abhängen, die gut bewässert sind, weil im Gegensatz zu den Wüsten und trockenen Küstenstrich oben Regen fällt, wächst der berühmte Kaffee. Dann passieren wie die größere englische Insel Perim und fahren durch das "Tränentor" (Bab el Mandeb) in den Indischen Ozean ein. Links beginnt nun englisches Gebiet, rechts liegt das aufblühende französische Somaliland mit der Stadt Djibouti. Der Dampfer wendet sich nach Osten, an wildzerrissenen, toten Bergspitzen von furchtbarer Öde geht es vorüber. Wie das Gestade der Vergessenheit liegt das Ufer da, kein Leben findet sich auf den Geröll- und Schutthalden, die aus dem zerklüfteten Felsengewirre des Dschebel Charas heraustreten. Endlich wird ein steiles Kap umfahren und die Reede von Aden nimmt den Dampfer auf.

Quelle: Ceylonfahrt von Dr. Konrad Guenther, Expedition von Hendschels Telegraph, M. Hendschel Frankfurt a.M.,1913, von rado jadu 2000




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