Libyen
 

 



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Tripolis: Ein Reisebericht von 1912

Republik in Nordafrika, (Sozialistische Libysch-Arabische Volks-Jamahiria) Besiedlung zu 90 % in der Küstenzone. Seit der arabischen Eroberung Nordafrikas gehört das Gebiet Libyens zur islamischen Staatenwelt.

Stammesgeschichte
Libyer - Volk in Nordafrika als westliche Nachbarn der Ägypter waren die 'Tehenu' rotbraun mit schwarzen Haaren und die 'Tuimah' hellhäutig und blond. Sie besaßen zahlreiche Rinder, Esel, Schafe, Ziegen und Hunde und betrieben intensiven Gartenbau. (1)
Heute setzt sich die Bevölkerung Libyens wie folgt zusammen: Libysche Araber und arabisierte Berber (89 % u. a. Tuareg, Nilosaharaner, Tubu) Minderheiten von Ägyptern, Schwarzafrikanern, sowie Flüchtlinge: 25 Tsd. Palästinenser, 2000 Somalis (zusammen 11 %).

Religion
Islam ist Staatsreligion - 97 % sunnitische Moslime (u.a. Reformorden der sunnitischen Senussi, Ibaditen); 40 Tsd. Katholiken, Kopten u. andere Minderheiten (3 %).

Kleidung und Kultur der Ureinwohner
Phallustasche, Straußenfedern im Haar, rückwärts ein Gehänge in Form eines Tierschwanzes, Brustschmuck aus gekreuzten Bändern, Bogen und Pfeilspitzen aus Feuerstein sowie bumerangähnliche Wurfhölzer. (2)
Libysche (numidische) Schrift: eine im Altertum seit dem 2. Jh. v. Chr. in ganz Nordafrika und in Südspanien (turdetanische Schrift) verbreitete Schrift. Sie besteht aus einfachen Zeichenformen, die wohl frei erfunden sind. Die Vokallosigkeit deutet auf das phönikische Vorbild hin. Es sind über 1000 Inschriften bekannt, darunter die punisch-numidische Bilingue des Massinissa und 15 Latein-numidische Grabinschriften. Die bisher vorgeschlagenen Interpretationen 'libyscher Inschriften' weichen z.T. erheblich voneinander ab. Die moderne Form der libyschen Schrift ist das Tifinagh (Schrift der Tuareg). (3)

Geschichte
Libysche Stämme erschienen gegen Mitte des 3. Jahrtausends und siedelten sich besonders längs des Niltales in den Oasen an. Um 1200 v. Chr. erfolgten starke Angriffe dieser Stämme gegen Ägypten. Die Pharaonen Merenptah und Ramses III wehrten die Angriffe ab und haben in Schrift und Bild darüber berichtet. Mit dem Schwinden der ägyptischen Reichsmacht wurde der Weg für die Einwanderung der Libyer ins Niltal frei. Seit 945 v. Chr. waren libysche Söldnerführer und ihre Nachkommen über 2 Jahrhunderte lang Könige Ägyptens. I(4)
Im griechischen Altertum war Libyen der Name für Nordafrika westlich von Ägypten und die Griechen, die den Namen Libyer später auf alle Berber übertrugen, verdrängten die Libyer ins Landesinnere. Während im Osten das griechische Kyrene (Cyrenaica (5)) entstand, gehörte der westliche Küstenstrich (Tripolis) zum karthagenischen Machtbereich, die dort lebenden Libyer wurden von den punischen Karthagern unterworfen. (6)

46 v. Chr. kam Tripolis zum Römischen Reich. 650 eroberten Araber das ganze Land. Im 16. Jh. wurde es ins Osmanische Reich eingegliedert und kam unter türkische Oberhoheit. Tripolis wurde später einer der Hauptsitze der nordafrikanischen Seeräuber und bildete bis 1835 einen von 'Deis' (Janitscharenherrscher) regierten Staat. (7)

Seit 1843 wirkte der Begründer der 'Senussi-Bruderschaft', Mohammed Ibn Ali Es-Senussi (1787-1859) als religiöser und politischer Erneuerer in der Cyrenaica. Sein Sohn Mohammed verlegte das Hauptquartier der Senussi 1895 in die Oase Kufra. Im Krieg gegen das Osmanische Reich (1911/12) gewann Italien die Herrschaft über die Cyrenaica und Tripolitanien (Frieden von Lausanne 1912), allerdings gelang es Italien nicht, sich überall in den gewonnenen Territorien durchzusetzen. Im Innern des Landes (Oasen) behaupteten Senussi ihre Stellung. Im Ersten Weltkrieg verlor Italien die Cyrenaica und Tripolitanien bis auf wenige Hafenplätze.(8)

Zwischen 1922 und 1932 konnte Italien den Widerstand der Senussi und tripolitanischen Nationalisten in mehreren Feldzügen niederwerfen. Der militärische Führer der Senussi, Omar El-Mukhtar (geb. 1862) wurde nach seiner Gefangennahme am 16.9.1931 in Bengasi hingerichtet. Das religiöse Oberhaupt der Senussi Idris (geb. 1890) den Italien 1920 als Emir der Cyrenaica anerkannt hatte, floh 1923 nach Ägypten. 1934 vereinigte Italien unter dem Gouverneur J. Balbo Tripolitanien, die Cyrenaica und den Fessan zur Kolonie Libyen (ital. Libia). (9)
Im Zweiten Weltkrieg operierte das deutsche Afrika-Korps seit 1941 in Libyen bis 1942 britische und freifranzösische Truppen das Land (Fessan) besetzten. In den Friedensverhandlungen von Paris verzichtete Italien 1947 auf Libyen. Am 24.12.1951 wurde Libyen zu einem föderativen Königreich unter Idris erklärt und erhielt die Unabhängigkeit auf Beschluß der Vereinten Nationen. (10)

Bündnisse: Im März 1953 wurde Libyen Mitglied der 'Arabischen Liga', ging einen Beistandspakt mit Großbritannien ein, der den britischen Truppen Stützpunkte sicherte. Die USA errichtete nahe Tripolis die Luftwaffenbasis Wheelus. Seit Dezember 1955 ist Libyen Mitglied der 'Vereinten Nationen' und wurde 1963 Gründungsmitglied der 'Organisation für Afrikanische Einheit' (OAU). (11)

König Idris ließ 1960 zum ersten Mal ein Parlament wählen und proklamierte am 26.4.63 Libyen zum Einheitsstaat. Politische Parteien bildeten sich nicht. Die Erschließung reicher Ölquellen seit 1959 machten das Land von der Finanzhilfe westlicher Industriestaaten unabhängiger.
Obwohl Idris seit 1967 das von Israel geschlagene Ägypten demonstrativ finanziell unterstützte, stürzte am 1.9.1969 eine Offiziersjunta den zur Kur im Ausland weilenden König. Libyen wurde Republik, ein 'Revolutionärer Kommandorat' unter Oberst Mahmoud El-Kadhafi (geb.1942) übernahm die Regierung. Die beschleunigte Räumung der britischen und amerikanischen Militärstützpunkte wurde vereinbart. (12)

Die Berber
Sammelname für die mit den semitischen Arabern in Nordafrika zusammenwohnenden hamitischen Stämme. Die 6 bis 7 Millionen Menschen umfassenden Stämme, sind die Reste von aus dem Ost-Mittelmeerraum eingewanderten europid.-mediterraner Volksgruppen. Ihr Wohngebiet reichte früher von der Oase Siwa bis zu den Kanarischen Inseln und von der Küste Nordwestafrikas bis zum nördlichen Westsudan. Die Berber, im Altertum als Mauren, Mauretanier, Gätuler, Numidier, Nasamonen, Libyer, Garamanten u.a. bekannt, wurden im siebenten, dann vor allem im 11. Jh. durch Einwanderungswellen ostmittelmeerischer Herkunft, vorwiegend europid.-orientalischer Rasse überflutet. Sie haben Kultur und Sprache in Volkstumsinseln, selten in geschlossenen Gebieten (besonders in Marokko und Algerien), bewahrt. Größere Völker und Stammeseinheiten bilden: 1) die ehemaligen - Guanchen auf den Kanarischen Inseln, 2) die marokkanischen Berber mit den drei Hauptgruppen der Shilh, Beraber und Rifkabylen (Tangerküste und Rif), 3) die eigentlichen Kabylen Algeriens, 4) die Berber der Matmata, der Insel Djerba in Tunesien, 5) die Beni Mzab, südlich von Algier am Nordrand der Wüste, 6) die Stämme der 'Tuareg' in der Sahara. (13)
Berbersprache, eine hamito-semitische Sprache, wird in vielen Sprachinseln in Nordwestafrika gesprochen. Die Berbersprache hat viele Fremdwörter, besonders aus dem Arabischen aufgenommen. Soweit überhaupt geschrieben wird geschieht es in arabischer Schrift; nur die Tuareg haben eigene Schriftzeichen, die bereits erwähnte Tifinahg bewahrt. (14)

Ein Staat im Zwielicht
Die USA, die Libyen ursprünglich des 'Staatsterrorismus' bezichtigt und als einen der "Schurkenstaaten" bezeichnet haben, revidierten im Juni '2000 ein wenig ihre 'Betonpolitik' und änderte diese Bezeichnung in "zu kritisierender Staat" ab. Ursache war ein Attentat auf eine amerikanische Verkehrsmaschine in Lockerbie (Schottland - 1988), bei dem im Dezember 270 Insassen starben. Der Terroranschlag soll im staatlichen Auftrag verübt (bzw. durch den libyschen Staat gedeckt) worden sein. Nachdem nach jahrelangem Streit, die libysche Staatsführung im März 1999 ihr Einverständnis zu einem Prozeß gegeben hat, und die mutmaßlichen Attentäter auslieferte, entschied der UNO-Generalsekretär die 1992 gegen Libyen verhängten Sanktionen schrittweise aufzuheben. Der UN-Sicherheitsrat befürwortet zuvor in einer am 27. Juli 1998 einstimmig angenommenen Resolution die Aussetzung der Sanktionen gegen Libyen, sobald die beiden des Lockerbie-Anschlags verdächtigen Libyer an die Niederlande überstellt worden sind. Nach Ende des Verfahrens, soll das gegen Libyen verhängte verschärfte Embargo aufgehoben werden. (15)

8. Weltwunder oder Umweltproblem?
Das 1984 begonnene Bewässerungsprojekt "Großer künstlicher Fluß", das aus riesigen unter der Sahara gelegenen Seen gespeist wird, versorgt seit 1993 die Küstenstadt Bengasi und seit 1996 die Hauptstadt Tripolis mit Wasser. Von al-Gaddafi als "achtes Weltwunder" bezeichnet, warnen Umweltexperten davor, daß das ebenfalls unter der Sahara lagernde Salzwasser die Brunnen verderben und uralte Oasen wie Kufra, Sabha und Ghadames verdorren könnten. Sollten die Experten recht behalten, dürfte Libyen und das Weltkulturerbe ein echtes Problem bekommen. (16)

Anmerkungen:
(1) Brockhaus Enzyklopädie in 20 Bd. F.A. Brockhaus, Wiesbaden 1970. Bd. 11, S. 428
(2) Brockhaus Enzyklopädie in 20 Bd. F.A. Brockhaus, Wiesbaden 1970. Bd. 11, S. 428
(3) nach: Brockhaus Enzyklopädie in 20 Bd. F.A. Brockhaus, Wiesbaden 1970. Bd. 11, S. 429

(4) Brockhaus Enzyklopädie in 20 Bd. F.A. Brockhaus, Wiesbaden 1970. Bd. 11, S. 428
(5) Die Cyrenaica: geschichtl. Landschaft in Ostlibyen reicht von der Großen Syrte nach Süden bis zur Grenze des Sudan, im Osten bis zur ägyptischen Grenze. Sie gliedert sich in:
a) dasBarka-Hochland, b) die Marmarika und c) die libysche Sahara (nach: Brockhaus Enzyklopädie in 20 Bd. F.A. Brockhaus, Wiesbaden 1970. Bd. 4, S. 234)

(6) Brockhaus Enzyklopädie in 20 Bd. F.A. Brockhaus, Wiesbaden 1970. Bd. 11, S. 428
(7) dtv Brockhaus Lexikon, Bd. 11, S. 43/44
(8) nach: Brockhaus Enzyklopädie in 20 Bd. F.A. Brockhaus, Wiesbaden 1970. Bd. 11, S. 428f

(9) nach: Brockhaus Enzyklopädie in 20 Bd. F.A. Brockhaus, Wiesbaden 1970. Bd. 11, S. 429
(10) nach: Brockhaus Enzyklopädie in 20 Bd. F.A. Brockhaus, Wiesbaden 1970. Bd. 11, S. 429
(11) nach: Brockhaus Enzyklopädie in 20 Bd. F.A. Brockhaus, Wiesbaden 1970. Bd. 11, S. 429
(12) nach: Brockhaus Enzyklopädie in 20 Bd. F.A. Brockhaus, Wiesbaden 1970. Bd. 11, S. 428
(13) nach: Brockhaus Enzyklopädie in 20 Bd. F.A. Brockhaus, Wiesbaden 1970. Bd. 2, S. 527f

(14) nach: Brockhaus Enzyklopädie in 20 Bd. F.A. Brockhaus, Wiesbaden 1970. Bd. 2, S. 528
(15) nach: Aktuell 2000. Harenberg Lexikon Verlag, Dortmund 1999, S. 633
(16) Der Fischer Weltalmanach 1999. Fischer Taschenbuch-Verlag, Frankfurt a. M. 1998, S.475

Copyrigh, stielzchen at Jadu-Berlin, Juni 2000


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