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Republik in Nordafrika, (Sozialistische Libysch-Arabische
Volks-Jamahiria) Besiedlung zu 90 % in der Küstenzone. Seit der
arabischen Eroberung Nordafrikas gehört das Gebiet Libyens zur islamischen
Staatenwelt.
Stammesgeschichte
Libyer - Volk in Nordafrika als westliche Nachbarn der Ägypter
waren die 'Tehenu' rotbraun mit schwarzen Haaren und die 'Tuimah'
hellhäutig und blond. Sie besaßen zahlreiche Rinder, Esel,
Schafe, Ziegen und Hunde und betrieben intensiven Gartenbau. (1)
Heute setzt sich die Bevölkerung Libyens wie folgt zusammen: Libysche
Araber und arabisierte Berber (89 % u. a. Tuareg, Nilosaharaner, Tubu)
Minderheiten von Ägyptern, Schwarzafrikanern, sowie Flüchtlinge:
25 Tsd. Palästinenser, 2000 Somalis (zusammen 11 %).
Religion
Islam ist Staatsreligion - 97 % sunnitische Moslime (u.a. Reformorden
der sunnitischen Senussi, Ibaditen); 40 Tsd. Katholiken, Kopten u. andere
Minderheiten (3 %).
Kleidung und Kultur der Ureinwohner
Phallustasche, Straußenfedern im Haar, rückwärts ein Gehänge
in Form eines Tierschwanzes, Brustschmuck aus gekreuzten Bändern,
Bogen und Pfeilspitzen aus Feuerstein sowie bumerangähnliche Wurfhölzer.
(2)
Libysche (numidische) Schrift: eine im Altertum seit dem
2. Jh. v. Chr. in ganz Nordafrika und in Südspanien (turdetanische
Schrift) verbreitete Schrift. Sie besteht aus einfachen Zeichenformen,
die wohl frei erfunden sind. Die Vokallosigkeit deutet auf das phönikische
Vorbild hin. Es sind über 1000 Inschriften bekannt, darunter die
punisch-numidische Bilingue des Massinissa und 15 Latein-numidische Grabinschriften.
Die bisher vorgeschlagenen Interpretationen 'libyscher Inschriften' weichen
z.T. erheblich voneinander ab. Die moderne Form der libyschen Schrift
ist das Tifinagh (Schrift der Tuareg). (3)
Geschichte
Libysche Stämme erschienen gegen Mitte des 3. Jahrtausends und siedelten
sich besonders längs des Niltales in den Oasen an. Um 1200 v. Chr.
erfolgten starke Angriffe dieser Stämme gegen Ägypten. Die Pharaonen
Merenptah und Ramses III wehrten die Angriffe ab und haben
in Schrift und Bild darüber berichtet. Mit dem Schwinden der ägyptischen
Reichsmacht wurde der Weg für die Einwanderung der Libyer ins Niltal
frei. Seit 945 v. Chr. waren libysche Söldnerführer und ihre
Nachkommen über 2 Jahrhunderte lang Könige Ägyptens. I(4)
Im griechischen Altertum war Libyen der Name für Nordafrika westlich
von Ägypten und die Griechen, die den Namen Libyer später auf
alle Berber übertrugen, verdrängten die Libyer ins Landesinnere.
Während im Osten das griechische Kyrene (Cyrenaica (5))
entstand, gehörte der westliche Küstenstrich (Tripolis) zum
karthagenischen Machtbereich, die dort lebenden Libyer wurden von den
punischen Karthagern unterworfen. (6)
46 v. Chr. kam Tripolis zum Römischen Reich. 650
eroberten Araber das ganze Land. Im 16. Jh. wurde es ins Osmanische Reich
eingegliedert und kam unter türkische Oberhoheit. Tripolis wurde
später einer der Hauptsitze der nordafrikanischen Seeräuber
und bildete bis 1835 einen von 'Deis' (Janitscharenherrscher) regierten
Staat. (7)
Seit 1843 wirkte der Begründer der 'Senussi-Bruderschaft',
Mohammed Ibn Ali Es-Senussi (1787-1859) als religiöser und
politischer Erneuerer in der Cyrenaica. Sein Sohn Mohammed verlegte
das Hauptquartier der Senussi 1895 in die Oase Kufra. Im Krieg gegen das
Osmanische Reich (1911/12) gewann Italien die Herrschaft über die
Cyrenaica und Tripolitanien (Frieden von Lausanne 1912), allerdings gelang
es Italien nicht, sich überall in den gewonnenen Territorien durchzusetzen.
Im Innern des Landes (Oasen) behaupteten Senussi ihre Stellung. Im Ersten
Weltkrieg verlor Italien die Cyrenaica und Tripolitanien bis auf wenige
Hafenplätze.(8)
Zwischen 1922 und 1932 konnte Italien den Widerstand der
Senussi und tripolitanischen Nationalisten in mehreren Feldzügen
niederwerfen. Der militärische Führer der Senussi, Omar El-Mukhtar
(geb. 1862) wurde nach seiner Gefangennahme am 16.9.1931 in Bengasi hingerichtet.
Das religiöse Oberhaupt der Senussi Idris (geb. 1890) den
Italien 1920 als Emir der Cyrenaica anerkannt hatte, floh 1923 nach Ägypten.
1934 vereinigte Italien unter dem Gouverneur J. Balbo Tripolitanien,
die Cyrenaica und den Fessan zur Kolonie Libyen (ital. Libia). (9)
Im Zweiten Weltkrieg operierte das deutsche Afrika-Korps seit 1941 in
Libyen bis 1942 britische und freifranzösische Truppen das Land (Fessan)
besetzten. In den Friedensverhandlungen von Paris verzichtete Italien
1947 auf Libyen. Am 24.12.1951 wurde Libyen zu einem föderativen
Königreich unter Idris erklärt und erhielt die Unabhängigkeit
auf Beschluß der Vereinten Nationen. (10)
Bündnisse: Im März 1953 wurde Libyen
Mitglied der 'Arabischen Liga', ging einen Beistandspakt mit Großbritannien
ein, der den britischen Truppen Stützpunkte sicherte. Die USA errichtete
nahe Tripolis die Luftwaffenbasis Wheelus. Seit Dezember 1955 ist Libyen
Mitglied der 'Vereinten Nationen' und wurde 1963 Gründungsmitglied
der 'Organisation für Afrikanische Einheit' (OAU). (11)
König Idris ließ 1960 zum ersten Mal
ein Parlament wählen und proklamierte am 26.4.63 Libyen zum Einheitsstaat.
Politische Parteien bildeten sich nicht. Die Erschließung reicher
Ölquellen seit 1959 machten das Land von der Finanzhilfe westlicher
Industriestaaten unabhängiger.
Obwohl Idris seit 1967 das von Israel geschlagene Ägypten
demonstrativ finanziell unterstützte, stürzte am 1.9.1969 eine
Offiziersjunta den zur Kur im Ausland weilenden König. Libyen wurde
Republik, ein 'Revolutionärer Kommandorat' unter Oberst Mahmoud
El-Kadhafi (geb.1942) übernahm die Regierung. Die beschleunigte
Räumung der britischen und amerikanischen Militärstützpunkte
wurde vereinbart. (12)
Die Berber
Sammelname für die mit den semitischen Arabern in Nordafrika zusammenwohnenden
hamitischen Stämme. Die 6 bis 7 Millionen Menschen umfassenden Stämme,
sind die Reste von aus dem Ost-Mittelmeerraum eingewanderten europid.-mediterraner
Volksgruppen. Ihr Wohngebiet reichte früher von der Oase Siwa bis
zu den Kanarischen Inseln und von der Küste Nordwestafrikas bis zum
nördlichen Westsudan. Die Berber, im Altertum als Mauren, Mauretanier,
Gätuler, Numidier, Nasamonen, Libyer, Garamanten u.a. bekannt, wurden
im siebenten, dann vor allem im 11. Jh. durch Einwanderungswellen ostmittelmeerischer
Herkunft, vorwiegend europid.-orientalischer Rasse überflutet. Sie
haben Kultur und Sprache in Volkstumsinseln, selten in geschlossenen Gebieten
(besonders in Marokko und Algerien), bewahrt. Größere Völker
und Stammeseinheiten bilden: 1) die ehemaligen - Guanchen auf den Kanarischen
Inseln, 2) die marokkanischen Berber mit den drei Hauptgruppen der Shilh,
Beraber und Rifkabylen (Tangerküste und Rif), 3) die eigentlichen
Kabylen Algeriens, 4) die Berber der Matmata, der Insel Djerba in Tunesien,
5) die Beni Mzab, südlich von Algier am Nordrand der Wüste,
6) die Stämme der 'Tuareg' in der Sahara. (13)
Berbersprache, eine hamito-semitische Sprache, wird in vielen Sprachinseln
in Nordwestafrika gesprochen. Die Berbersprache hat viele Fremdwörter,
besonders aus dem Arabischen aufgenommen. Soweit überhaupt geschrieben
wird geschieht es in arabischer Schrift; nur die Tuareg haben eigene Schriftzeichen,
die bereits erwähnte Tifinahg bewahrt. (14)
Ein Staat im Zwielicht
Die USA, die Libyen ursprünglich des 'Staatsterrorismus' bezichtigt
und als einen der "Schurkenstaaten" bezeichnet haben,
revidierten im Juni '2000 ein wenig ihre 'Betonpolitik' und änderte
diese Bezeichnung in "zu kritisierender Staat" ab. Ursache
war ein Attentat auf eine amerikanische Verkehrsmaschine in Lockerbie
(Schottland - 1988), bei dem im Dezember 270 Insassen starben.
Der Terroranschlag soll im staatlichen Auftrag verübt (bzw.
durch den libyschen Staat gedeckt) worden sein. Nachdem nach jahrelangem
Streit, die libysche Staatsführung im März 1999 ihr Einverständnis
zu einem Prozeß gegeben hat, und die mutmaßlichen Attentäter
auslieferte, entschied der UNO-Generalsekretär die 1992 gegen Libyen
verhängten Sanktionen schrittweise aufzuheben. Der UN-Sicherheitsrat
befürwortet zuvor in einer am 27. Juli 1998 einstimmig angenommenen
Resolution die Aussetzung der Sanktionen gegen Libyen, sobald die beiden
des Lockerbie-Anschlags verdächtigen Libyer an die Niederlande überstellt
worden sind. Nach Ende des Verfahrens, soll das gegen Libyen verhängte
verschärfte Embargo aufgehoben werden. (15)
8. Weltwunder oder Umweltproblem?
Das 1984 begonnene Bewässerungsprojekt "Großer
künstlicher Fluß", das aus riesigen unter der Sahara
gelegenen Seen gespeist wird, versorgt seit 1993 die Küstenstadt
Bengasi und seit 1996 die Hauptstadt Tripolis mit Wasser. Von al-Gaddafi
als "achtes Weltwunder" bezeichnet, warnen Umweltexperten davor,
daß das ebenfalls unter der Sahara lagernde Salzwasser die Brunnen
verderben und uralte Oasen wie Kufra, Sabha und Ghadames
verdorren könnten. Sollten die Experten recht behalten, dürfte
Libyen und das Weltkulturerbe ein echtes Problem bekommen. (16)
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Anmerkungen:
(1) Brockhaus Enzyklopädie in 20 Bd. F.A. Brockhaus,
Wiesbaden 1970. Bd. 11, S. 428
(2) Brockhaus Enzyklopädie in 20 Bd. F.A. Brockhaus, Wiesbaden 1970.
Bd. 11, S. 428
(3) nach: Brockhaus Enzyklopädie in 20 Bd. F.A. Brockhaus, Wiesbaden
1970. Bd. 11, S. 429
(4) Brockhaus Enzyklopädie in 20 Bd. F.A. Brockhaus,
Wiesbaden 1970. Bd. 11, S. 428
(5) Die Cyrenaica: geschichtl. Landschaft in Ostlibyen reicht von der
Großen Syrte nach Süden bis zur Grenze des Sudan, im Osten
bis zur ägyptischen Grenze. Sie gliedert sich in:
a) dasBarka-Hochland, b) die Marmarika und c) die libysche Sahara (nach:
Brockhaus Enzyklopädie in 20 Bd. F.A. Brockhaus, Wiesbaden 1970.
Bd. 4, S. 234)
(6) Brockhaus Enzyklopädie in 20 Bd. F.A. Brockhaus,
Wiesbaden 1970. Bd. 11, S. 428
(7) dtv Brockhaus Lexikon, Bd. 11, S. 43/44
(8) nach: Brockhaus Enzyklopädie in 20 Bd. F.A. Brockhaus, Wiesbaden
1970. Bd. 11, S. 428f
(9) nach: Brockhaus Enzyklopädie in 20 Bd. F.A. Brockhaus,
Wiesbaden 1970. Bd. 11, S. 429
(10) nach: Brockhaus Enzyklopädie in 20 Bd. F.A. Brockhaus,
Wiesbaden 1970. Bd. 11, S. 429
(11) nach: Brockhaus Enzyklopädie in 20 Bd. F.A. Brockhaus,
Wiesbaden 1970. Bd. 11, S. 429
(12) nach: Brockhaus Enzyklopädie in 20 Bd. F.A. Brockhaus,
Wiesbaden 1970. Bd. 11, S. 428
(13) nach: Brockhaus Enzyklopädie in 20 Bd. F.A. Brockhaus, Wiesbaden
1970. Bd. 2, S. 527f
(14) nach: Brockhaus Enzyklopädie in
20 Bd. F.A. Brockhaus, Wiesbaden 1970. Bd. 2, S. 528
(15) nach: Aktuell 2000. Harenberg Lexikon Verlag, Dortmund 1999, S. 633
(16) Der Fischer Weltalmanach 1999. Fischer Taschenbuch-Verlag, Frankfurt
a. M. 1998, S.475
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