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Ein wenig Geschichte
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Madagaskar, die drittgrößte Insel der Welt, welche 975 (engl.) Meilen lang und durchschnittlich 250 Meilen breit ist und einen Flächeninhalt von nahezu 600 000 Kilometer aufweist, also England und Wales viermal an größe übertrifft, ist seltsamerweise noch 9 Jahre nach der Entdeckung des Seeweges nach Ostindien durch Vasco de Gama unbekannt geblieben, trotzdem sie nur durch den verhältnißmäßig schmalen Kanal von Mossambik vom Festlande Afrikas getrennt ist. Es erscheint dies nur dadurch erklärlich, daß die Flotten, welche seit 1497 alljährlich nach Indien fuhren, sich nur selten weit von der Küste weg ins offene Meer wagten, das ihnen noch unbekannt war und das man sich mit Gefahren aller Art erfüllt dachte. Schon zwei Jahrhunderte früher hatte zwar Marco Polo Nachrichten von einer Insel nach Europa gebracht, welche er "Madeigascar" nannte, aber seine Erzählung hatte keinen Glauben gefunden, und nicht einem Seefahrer fiel es ein, sich durch einen Vorstoß nach Osten von der Wahrheit derselben zu überzeugen. Ein Zufall führte endlich zur Entdeckung der reichen Insel. Während eines heftigen Sturmes wurde eine Flotte von 8 Schiffen unter dem Befehl von Fernand Suarez, der von Indien nach Portugal zurückfuhr, an die Küste eines großen unbekannten Landes verschlagen, welches, wie man später erfuhr, Madagaskar war. Einige Monate nach dieser zufälligen Entdeckung der Insel verschlug wieder ein Sturm ein Schiff ein an die Küste von Madagakar. Kapitän Ruy Pereira, dessen Fahrzeug zu der Flotte des Admirals Tristan d'Acunha gehörte, landete auf der Insel und war von der Fruchtbarkeit derselben so überrascht, daß er sofort nach Mossambik hinüberfuhr, wo er Tristan d'Acunha zu finden hoffte, und diesem Bericht erstattete. Der Admiral besuchte darauf die Insel, fuhr längs ihrer Westküste dahin und nahm dieselbe auf. Da Ruy de Pereira bereits die Ostküste aufgenommen hatte, konnte der Admiral bei seiner Heimkehr in Lissabon eine vollständige Kartenskizze der Insel vorlegen. Seine Berichte veranlaßten König Emmanuel im Jahre 1509, Lopez de Figueira nach der Insel zu schicken, da man auf derselben Gold und wertvolle Gewürze zu finden hoffte. Obwohl diese Expedition das Vorhandensein der erwarteten Schätze nicht nachwies, wurde noch eine zweite ausgesandt, welche erforschen sollte, in welcher Weise ein nutzbringender Handelsverkehr mit der Insel angeknüpft werden könne. Der HandelsverkehrPortugals mit Madagaskar blieb trotz der großen Hoffnungen , welche man anfangs gehegt hatte, unbedeutend und beschränkte sich auf den Einkauf von Sklaven, welche die an der Nordwestspitze der Insel ansässigen Araber lieferten. Missionäre, welche das Christentum unter den Eingeborenen zu vertreiben suchten, erzielten keine Erfolg und wurden schließlich erschlagen. Später versuchten die Holländer, sich auf der Insel festzusetzen, aber mit nicht besserem Erfolg. Erst im Jahre 1642 wurde die Erschleißung Madagaskars energischer in Angriff genommen. Ein Bürger von Dieppe namens Rigault erhielt vom Kardinal Riechelieu für zehn Jahre ein Privilegium, das ihn berechtigte, auf Madagaskar Faktoreien anzulegen und dort Handel zu treiben, doch mußte er sich verpflichten, alle Besitzerwerbungen im Namen des Königs von Frankreich vorzunehmen. Pronis und Foucquinbourg, die beiden kühnen Agenten der "Compagnie française de l'Orient", ergriffen darauf 1643 feierlich im Namen de Königs Besitz von der Insel und gründeten die erste Niederlassung Sainte Luce. Die Eingeborenen kamen ihnen freundlich entgegen, halfen ihnen selbst beim Bau des Forts und zeigten sich bereit, mit ihnen ein Bündnis zu schließen. Pronis wöre es leicht gewesen, den Einfluß der Kompagnie weit ins Land hinein auszudehnen, wenn er nur halbwegs seiner Aufgabe gewachsen war. Durch Parteinahme in den Kämpfen der Eingeborenen und durch rohe Gewaltakte wie die verräterische Gefangennahme mehrerer Angehörigen angesehener Familien, die er als Sklaven verkaufen ließ verfeindete er sich aber die Bevölkerung, welche die Fremden mit steigendem Mißtrauen zu betrachten begann. Als die Kompagnie erfuhr, wie schlecht Pronis sein Amt verwaltete, berief sie ihn sofort ab und ernannte 1648 Etienne de Flacourt zum Gouverneur, der alsbald nach seiner Ankunft die Niederlassung aus der von bösen Fiebern heimgesuchten Gegend nach einer felsigen Landzunge verlegte, auf der er das Fort Dauphin erbaute. Unter seiner Verwaltung wurde rasch das freundschaftliche Verhältnis mit den Eingeborenen wiederhergestellt, und seiner energie und Umsicht verdankte Frankreich ein erfreuliches Aufblühen und Wachstum der jungen Kolonie. Leider waren seine Nachfolger unfähige Leute, und die Tyrannei der Gouverneure im Verein mit der zelotischen Unduldsamkeit der Missionäre verursachte endlich einen allgemeinen Aufstand der Eingeborenen. Die Niederlassung wurde zerstört, die Franzosen vertrieben. Ludwig XIV. vereinigte zwar durch eine königliche Ordonnanz vom Jahre 1686 Madagaskar mit seinem Reiche, aber das war, wie Barbié du Bocage sagt, zwar genug, um die Ansprüche Frankreichs zu wahren, doch es brachte ihm keinen Nutzen. Unter Ludwig XV. wurden wieder Versuche gemacht, auf der Insel Fuß zu fassen, aber man beschränkte sich anfangs darauf, wiederholt den Ansprüchen der Krone Frankreichs Ausdruck zu verleihen und derselben das Handelsmonopol zu reservieren, und außer der im Jahre 1750 erfolgten Besetzung der Insel Sainte Marie war bis zum Ende der sechziger Jahre keine neue Erwerbung zu verzeichnen. Der 1769 zum Gouverneur Madagaskars ernannte Graf von mandave, der dort Handelsniederlassungen gründen sollte, vermochte seine Aufgabe nicht zu lösen. Da bot der französische Regierung der polnische und ungarische Magnat Graf Beniowski seine Dienste an, ein Abenteurer, der ein sehr bewegtes Leben hinter sich hatte. Er hatte im siebenjährigen Krieg als Leutnant auf österreichischer Seite gekämpft, dann Holland und England bereist, nach der Heimkehr nach Polen eine hervorragende Rolle in der Konföderation von Bar (1768) gespielt, und war dann von den Russen nach Kamtschatka verbannt worden. Die seemänischen Kenntnisse, welche er in Holland und England erworben, befähigten ihn, während der Überfahrt nach seinem Verbannungsorte das Schiff, auf dem er sich befand, vor dem Untergang zu bewahren, weshalb der Gouverneur Niloff ihm die Gefangenschaft erleichterte und ihm die Erziehung seiner Kinder anvertraute. Er gewinnt in dieser Stellung die Liebe der tochter des gouverneurs, heiratet sie, obwohl er daheim in Ungarn eine Frau hat, und erlangt durch diese Verbindung die Freiheit Diese benützt er, um mit anderen verbannten Polen einen Fluchtversuch zu planen. Mit 76 Gefangenen bemächtigt er sich im Jahre 1771 einer russischen Korvette und fährt mit dieser nach macao. Dort stirbt seine Frau, die er auf der Flucht mitgenommen hatte, er aber erreicht glücklich die französischen Besitzungen in Indien, von wo ihn ein Kriegsschiff nach Frankreich bringt. Ein Mann, der soviel erlebt, mußte am Hofe von Versailles Aufsehen erregen, und als er seine Dienste zur Kolonisierung Madagaskars anbot, wurden sie unbedenklich angenommen. Er kandete im Juni 1774 in der Bai von Antongil an der Ostküste, gründete die Faktorei Louisbourg, und nachdem er dieselbe befestigt, begann er die Verhandlungen mit den Eingeborenen, die rasch zur Errichtung einer Reihe von Faktoreien führten. In einer großen, von über 20 000 Personen besuchten Volksversammlung wurde feierlich ein Freundschaftsbündnis geschlossen, und Maurice Auguste Beniowski verließ darauf die von Fiebern heimgesuchte Küste und siedelte sich mehrere Meilen landeinwärts in einer gesunden Gegend an. Während seine französischen Mitarbeiter gegen ihn intriguierten und seine Pläne vielfach kreuzten, gewann Beniowski das Vertrauen und die Zuneigung der Eingeborenen in so hohem Grade, daß ihm am 16. September 1776 eine Deputation die Würde eines obersten Häuptlings anbot. Beniowski nahm die angebotene Würde an, und 3 Offiziere und 50 französische Soldaten erklärten sich bereit, bei ihm zu bleiben. Er legte sein Amt als Gouverneur nieder und betrachtete sich fortan als König der Insel. In einer großen Versammlung, in welcher alle Stämme der Insel vertreten waren, wurde ihm feierlich gehuldigt, und während die Männer ihm den Schwur der Treue leisteten, empfing seine aus Ungarn angekommene Gemahlin den gleichen Schwur von seiten der Frauen. Zwei Monate später berließ Beniowski sein Königreich und begab sich nach Frankreich, um sich dort wegen seines Vorgehens zu rechtfertigen. Die Regierung nahm seine Rechtfertigung scheinbar freundlich entgegen, verlieh ihm auch zum Lohn für die geleisteten Dienste einen Ehrendegen, aber seine Königswürde wollte sie nicht anerkennen und verweigerte ihm auch die Erteilung einer neuen Mission auf der Insel. Beniowski bemühte sich darauf vergebens, zuerst in Österreich, dann in England, um Geld und Mannschaft zu erlangen und sich die Rückkehr in sein Königreich zu ermöglichen. Was ihm in der alten Welt nicht gelang, glückte ihm in der neuen, wohin er sich auf den Rat Franklins begab. Kaufleute von Baltimore unterstützten ihn reichlich, und am 7. Juli 1785 landete er auf Nossi Bè, von wo er in einer Barke nach Madagaskar hinüberfuhr. Seine Untertanen bereiteten ihm einen begeisterten Empfang, und allgemein war die Lage gut für Beniowski. Da aber die Franzosen ihn nicht als König akzeptierten, sandten diese eine Expedition und Beniowski wurde am 23. Mai 1786 von diesen getötet. Danach mußten die Franzosen wieder mal das Land verlassen und 1787 wird Andrianmpoinimerina der erste echte König von Madagaskar (1787-1810), nachdem er das Land vereinigt hatte. Sein Sohn wurde der König (1810-1828) Radama I. |
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