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Der Kampf zwischen Bur und Brite

(Der dreijährige Krieg)

von General Chr. R. de Wet.
Deutsche Original-Ausgabe.

Mit Illustrationen, Kartenskizzen und dem Bildnis des Verfassers

Erstes Kapitel

Wie ich als gewöhnlicher Bürger auf Kommando gehe. Modderspruit

Im Monat September des Jahres 1899 wurde den Bürgern des Oranjefreistaates mitgeteilt, daß sie sich, laut Kommandogesetz, bereit halten sollten, binnen kurzem zum Dienst aufkommandiert zu werden.

Zunächst möchte ich über denjenigen Teil des Kommandogesetzes, der vom "Aufkommandiert werden" handelt, einige Worte sagen. Jeder Bürger zwischen dem 16. und 60. Lebensjahre muß jeden Augenblick bereit sein, für sein Land die Waffen zu ergreifen. Zu diesem Zweck ist bestimmt, daß jeder, sobald er aufgerufen wird, mit Reitpferd, Sattel und Zaum, Gewehr und dreißig Patronen oder einem halben Pfund Pulver, dreißig Kugeln und dreißig Zündhütchen, sowie mit Mundvorrat für acht Tage, versehen sein muß. Die Wahl zwischen Patronen und Pulver, Kugeln und Zündhütchen stammt noch aus der Zeit, in welcher dieses Gesetz erlassen wurde, denn damals gab es nur wenige Bürger, welche Gewehre besaßen, die mit Patronen geladen wurden, die sogenannten Hinterlader. Hinsichtlich des Mundvorrates enthielt das Gesetz über Qualität und Quantität keine Bestimmungen, aber es war ein stehender Brauch, eine Art ungeschriebenes Gesetz bei den Bürgern geworden, daß dieser Mundvorrat aus Fleisch, das in Streifen geschnitten, gesalzen, gepfeffert und getrocknet war oder aus Wurst und Brot im Form des Burenzwiebacks bestehen sollte. Auch betreffs der Quantität bestanden keine besonderen Vorschriften. Jeder Bürger hatte sich, nach eigenem Ermessen, auf acht Tage mit Eßvorräten zu versehen.

Nachdem den Bürgern angesagt worden war, sich bereit zu halten, dauerte es auch nicht lange mehr, bis sie zum aktiven Dienst aufgerufen wurden. Dies geschah am 2. Oktober 1899. An diesem Tage erschienen die Feldkornetts oder ihre Stellvertreter überall an den bestimmten Plätzen, und die Bürger wurden jetzt aufkommandiert. Unter diesen befand auch ich mich. Ich ging als gewöhnlicher Bürger nach dem Ort, wo ich mich stellen mußte, und nahm meine drei Söhne Kootie, Isak und Christian mit.

Am folgenden Tage kamen die Mannschaften des Bezirks Krom Ellenboog, Distrikt Heilbron, wozu ich gehörte, auf dem Burenhof Elandslaagte zusammen. Der Feldkornett dieses Bezirks war Marthinus Els und der Kommandant des ganzen Kommandos Lucas Steenekamp. Es wurde bald bekannt, daß die Kriegskommission angeordnet hatte, daß unser Kommando mit den Mannschaften von Vrede, Harrismith und mit Teilen der Kommandos von Bethlehem, Winburg und Kroonstad so rasch als möglich nach der Grenze von Natal marschieren sollte. Wir gehorchten diesem Befehl uns kamen nach sechs Tagen in Harrismith an.

Und nun begann das Kommandoleben!

Die ersten Tage, während deren die Bürger für sich selbst zu sorgen hatten, waren bald um, und die Regierung hatte jetzt die Pflicht, uns das Nötige zu liefern. In letzterer Hinsicht sei hier beiläufig bemerkt, daß es bei unserem Kommando ganz anders zuging als im britischen Heere. Die englischen Truppen erhielten täglich ihre Ration, jeder Soldat bekam qualitativ und quantitativ genau dasselbe wie sein Kamerad, bei uns war dies - ausgenommen wenn Mehl, Kaffee, Zucker und dergleichen verteilt wurde - anders. Während z.B. der Soldat seine Ration Fleisch gar erhielt - "Büchsenkost", wie die Buren sich ausdrückten -, bekam der Bürger sein Stück Fleisch roh und mußte selbst für Brennmaterial sorgen, um es zuzubereiten.

Ich glaube, daß es die Leser interessieren wird, wenn ich erzähle, auf welche Weise die Bürger zu ihrer Fleischration kamen. Das Rind oder Schaf, von dem das Fleisch kam, wurde erschossen oder geschlachtet, dann wurde es zerlegt, und der verantwortliche Fleischkorporal hatte die Aufgabe, die verschiedenen Stücke zu verteilen. Da aber diese in der Qualität sehr verschieden ausfielen, war Unparteilichkeit die erste Pflicht des Fleischkorporals. Dies wußte er auch recht gut, und um jeden Vorwurf zu vermeiden, hatte er die Gewohnheit, den Bürgern den Rücken zu kehren, das erste beste Stück Fleisch, das vor ihm lag, in die Hand zu nehmen und es dem Bürger zu geben, dessen Namen von der Liste abgelesen wurde. Mit diesem Stück mußte der letztere zufrieden sein, aber häufig war er es eben nicht, und dann kam es zum Wortwechsel; dem Fleischkorporal, der überzeugt war, daß er nach besten Wissen und Gewissen ausgeteilt hatte, lief wohl die Galle über, und er suchte einen solchen Bürger in eindringlicher Weise den Standpunkt klar zu machen. Aber bald wurde es anders. Wenn der Fleischkorporal einige Wochen lang seines Amtes gewaltet und dabei Erfahrungen gesammelt und seine Menschenkenntnis bereichert hatte, antwortete er gar nicht mehr auf die von den Bürgern gemachten Ausstellungen, und diese kamen allmählich zur Einsicht, daß sie nicht immer recht hatten, ja daß in verhältnismäßig kurzer Zeit alle lernten, verträglich und zufrieden zu sein.

Der Bürger mußte also sein Fleisch selbst zubereiten, indem er es kochte oder briet. Letzteres geschah mittels eines hölzernen Spießes, der die Form einer Gabel hatte, und aus einem Ast, den man vom nächsten Baume gehauen hatte, gemacht war. Oft wurde diese Gabel aus glatten Umzäunungsdraht mit zwei bis vier Spitzen verfertigt. Es gehörte aber keine geringe Fertigkeit dazu, die fetten und mageren Fleischstücke auf dem Spieß so aneinander zu reihen, daß, wie man zu sagen pflegte, ein "buntes Gespann" *1) entstand, das man dann über das Feuer halten und braten konnte. *2)

Von dem Mehl, welches den Bürgern geliefert wurde, machten sie Kuchen; diese wurden in kochenden Fett gebacken*3) und "Sturmjäger", häufig auch "Magenbomben" (stormjagers und maagbommen) genannt.

Wir unterschieden uns in unserer Lebensweise also von den Gegnern. Aber als die britische Verwaltung später des Fleisch umsonst erhielt, indem uns unser Vieh weggenommen wurde, bekam auch der englische Soldat rohes Fleisch und war nicht mehr ausschließlich auf Büchsenfleisch angewiesen. Er schlachtete gerade so wie wir das Vieh und - vergeudete das Fleisch, was wir nie taten. Auf seinen Lagerplätzen blieben oft große Stücke halb verzehrter Ochsen, Schafe, Schweine oder Geflügel liegen.

Aber darüber ist jetzt nicht weiter zu reden; ich wende mich einem anderen Punkte zu und will noch einiges über die Art und Weise sagen, wie die Engländer mit dem Eigentum der Bürger umgingen. Es mag anderen Federn überlassen werden, zu schildern, wie der Brite unseren Besitz raubte, wie er unser Vieh in sinnloser Weise hinmordete und wie er unsere Bauernhöfe verwüstete - ich selbst werde mich auf das beschränken, was ich während dieses langen und ungleichen Kampfes mit eigenen Augen gesehen habe. Es wird in dieser Hinsicht sehr vieles zu berichten sein, worüber der Leser staunen und sich verwundert fragen wird, ob so etwas überhaupt möglich sei? Und darauf habe ich nur eine Antwort: Es ist so, mag es nun Entsetzen erregen oder nicht, und weil es so ist, darum schreibe ich es nieder, darum kann ich auch nicht anders schreiben. *4)

Habe ich auf der einen Seite von der Geduld des Lesers ziemlich viel verlangt, so werden ihm auf der anderen Seite die hier gemachten Mitteilungen über die Bewaffnung und Ernährung der Bürger und über die Art und Weise, wie sie auf kommandiert werden, sicher nicht unwillkommen gewesen sein. Nunmehr gehe ich aber zur Darstellung dessen über, was ich selbst gesehen und erlebt habe und des Anteils, den ich an den Ereignissen dieses zwischen Bur und Briten geführten Riesenkampfes genommen habe.

***

Wie bereits erwähnt wurde, war ich aufkommantiert worden und hatte mit dem Heilbronschen Kommando auf dem Wege nach den südöstlichen Grenzen Harrismith erreicht. Während unseres Aufenthaltes daselbst kamen die verschiedenen Führer, den Bestimmungen des Kommandogesetzes gemäß, zusammen, um einen Hauptkommandanten zu wählen. An dieser Zusammenkunft nahmen die folgenden Kommandanten teil: Steenekamp (Heilbron), Anthonie Lombard (Vrede), C. J. de Villiers (Harrismith), Hans Naudé (Bethlehem), Marthinus Prinsloo (Winburg) und C. Nel (Kroonstad); sie wählten Herrn Marthinus Prinsloo zum Hauptkommandanten, während die Bürger von Winsburg Herrn Theunissen als ihren Kommandanten anstellten. Letztgenannter Offizier hat diese Stelle mit Ehren bekleidet, bis er in Gefangenschaft geriet, nachdem er noch einen kühnen Angriff auf Paardeberg geleitet hatte, um den General Cronjé zu entsetzen.

Von Harrismith zog das Heilbronsche Kommando weiter, machte etwa sechs Meilen vor der Natal-Freistaat-Grenze Halt und bezog nicht weit vom Bezuidenhoutspaß im Drachengebirge ein Lager. Diese großartige Gebirgsmasse, welche die Grenze zwischen Bur und Brite bildet, ist eine fortlaufende Kette gewaltiger Berge, welche auf freistaatlichem Gebiet sich allmählich und sanft erheben, die aber, vom Gipfel ab nach Natal zu, äußerst steil abfallen.

Am Tage nach der Wahl des Hauptkommandanten schickte mich der Kommandant Steenekamp mit einer Patrouille bis dicht an die Grenze. Als ich abends, nachdem ich von den Engländern, die, wie man weiß, kurz dem Ausbruch des Krieges sich unmittelbar von den Grenzen weg aus dem Staube gemacht hatten, nichts gesehen und vernommen hatte, in das Lager zurückkam, erfuhr ich, daß die Bürger mich während meiner Abwesenheit zum stellvertretenden Kommandanten*5) unter Kommandant Steenekamp gewählt hatten. Am Nachmittag desselben Tages - 11. Oktober 1899 - um 5 Uhr war die Zeit für das von der südafrikanischen Republik gestellte Ultimatum, in welchem England aufgefordert wurde, seine Truppen von den Grenzen zurückzuziehen, abgelaufen, England hatte dies nicht getan, und so standen wir auf dem Kriegsfuße. Noch an demselben Tage wurde das Kriegsgesetz von den Regierungen der beiden Republiken verkündet und der Befehl zur Besetzung der Pässe im Drachengebirge gegeben. Zu diesem Zweck erhielt Kommandant Steenekamp vom Hauptkommandanten Prinsloo die Weisung, noch in der auf diesen Tag folgenden Nacht nach dem Bezuidenhoutspaß zu marschieren. Östlich davon mußten die Kommandos die anderen Pässe der Reihe nach besetzen, und zwar das Kommando von Vrede den Bothapaß, die von Harrismith und Winburg den Van Reenenpaß und dasjenige von Kroonstad den Tintwaspaß, während auf der westlichen Seite das Kommando von Bethlehem den Oliviershoekpaß zu besetzen hatte. Da Kommandant Steenekamp an diesem Abend sehr unpäßlich war und deshalb sich nicht an die Spitze der Bürger stellen konnte, beauftragte er mich, mit 600 Mann den Befehl auszuführen. Wiewohl ich nur eine Strecke von 6 Meilen zurückzulegen hatte, kostete es mich dennoch ungeheuere Anstrengung, um alles in Ordnung zu bringen. Der Grund lag in dem Mangel an Disziplin, im eigentlichen Sinne des Worts, bei den Bürgern. Im Laufe des Krieges wurde es in dieser Hinsicht allerdings bedeutend besser, aber doch wurde sie, so lange die Feindseligkeiten dauerten, niemals in der richtigen Weise zur Geltung gebracht. Wenn ich nun sagte, daß ich mit dieser Schwierigkeit zu kämpfen hatte, so will ich damit keineswegs behaupten, daß die Bürger widerwillig und zuchtlos waren, ich meine damit nur, daß sie nicht daran gewöhnt waren, sich etwas befehlen zu lassen, so daß es eine Riesenarbeit war, alles gehörig zu regeln.

In verhältnismäßig kurzer Zeit waren jedoch die Vorbereitungen getroffen worden, und wir setzten uns in Bewegung. Was uns unmittelbar bevorstand, konnte niemand wissen; der Feind konnte in dem Passe sein, wenn wir ankamen,. denn wiewohl ich an diesem Tage mich mit einer Patrouille dahin begeben hatte, hatte ich die Grenze doch nicht überschreiten dürfen. Ich konnte also nichts Sicheres darüber wissen, ob der Feind auf den Abhängen des Gebirges gewesen war und uns jetzt irgendwo in vorteilhaften Stellungen erwartete. Aber alles lief glücklich ab. Es fiel nichts vor, als wir in den Paß kamen, und als die Sonne am folgenden Morgen aufging, war alles, soweit die Blicke reichten, still und ruhig.

Ich erstattete darüber dem Kommandanten Steenekamp Bericht, der, wiewohl noch unpäßlich, am Abend mit dem Rest des Kommandos selbst eintraf. Er brachte die Neuigkeit mit, daß es bereits zu einem Treffen mit den Engländern gekommen sei und daß General de la Rey einen gepanzerten Zug in Kraaipan angegriffen und genommen habe.

Einige Tage später berief Hauptkommandant Marthinus Prinsloo einen Kriegsrat nach dem Van Reenepaß, und da Steenekamp wegen fortdauernder Krankheit diesem nicht beiwohnen konnte, ging ich an seiner Stelle dahin. Hier wurde beschlossen, daß eine Streitmacht von 2000 Bürgern aus den verschiedenen Kommandos unter dem Befehl des Kommandanten C. J. de Villiers (Harrismith) als stellvertretenden "Fechtgenerals" in Natal einrücken sollte, während die übrigen zur Bewachung der Pässe auf dem Drachengebirge zu bleiben hätten.

Erläuternd muß hier bemerkt werden, daß man im Oranjefreistaat eine Fechtgeneral gesetzlich nicht kennt, aber kurz vor Ausbruch des Krieges hatte der Volksrat die Erlaubnis gegeben, daß der Präsident einen solchen Offizier anstellen konnte, wie in derselben Sitzung ihm auch das Recht verliehen wurde, aus militärischen Rücksichten jedes Gesetz zu suspendieren.

Kommandant Steenekamp war seines leidenden Zustandes wegen immer noch nicht imstande, den Zug nach Natal mitzumachen, ich erhielt deshalb als stellvertretender Kommandant der Heilbronschen den Befehl, mit 500 Mann zu marschieren.

Der Zweck unseres Marsches war, wie sich alsbald deutlich zeigte, die in Dundee und Elandslaagte stehenden Engländer abzuschneiden. Wir hätten gemeinschaftlich mit den Transvaalern, die aus der Richtung von Volksrust herankamen und mit einem Teil der Vredeschen Bürger - alle unter dem Befehl von General Kock - operieren sollen.

Aber wir erreichten unser Ziel nicht, denn wir kamen nicht zeitig genug zwischen Elandslaagte und Ladysmith an. Welchem Umstande dies zuzuschreiben ist, weiß ich nicht. Daß grobe Nachlässigkeit im Spiele war, unterliegt gar keinem Zweifel; ob aber die Befehlshaber der Südafrikanischen Republik oder Hauptkommandant Prinsloo oder der Fechtgeneral de Villiers schuld daran waren, kann ich nicht entscheiden, da ich damals nur stellvertretender Kommandant war, der keine Befehle zu geben, sondern diese nur auszuführen hatte. Wie dem aber auch sein möge, als ich am 23. Oktober mit Tagesanbruch die Eisenbahn nach Dundee, etwa 12 Meilen nördlich von Ladysmith, zerstörte, sah ich, wie die Engländer nach Ladysmith zurückgeworfen worden waren. Es war dies die Flucht des Oberst Yule, von der in englischen Kreisen so viel Rühmens gemacht wurde. Hätten wir uns nur etwas mehr beeilt, dann wären wir diesen fliehenden Engländern in den Weg gekommen und eines glänzenden Erfolges sicher gewesen.

Diese Engländer vereinigten sich dann mit der Besatzung von Ladysmith, und wir mußten jetzt gegenwärtig sein, von ihrer vereinigten Streitmacht angegriffen zu werden, ehe die Transvaaler, die noch in Dundee oder in der Nähe dieses Distrikts waren, zu uns stoßen konnten. Und so geschah es auch.

Am folgenden Morgen, 24. Oktober, um 8 Uhr, setzten sich die Engländer von Ladysmith aus in Bewegung, und das Gefecht bei Modderspruit oder Rietfontein begann. Nach dem Scharmützel, das am 18. Oktober zwischen den Harrismithschen und den Karabiniers bei Bester-Stadion, wo Jonson, ein Bürger aus Harrismith, als erstes Opfer in unserem Freiheitskrieg fiel, stattgefunden hatte, war dies das erste Treffen, an dem die Freistaatler teilnahmen.

Unsere Stellung war sehr ausgedehnt; wir hatten die Kopjes westlich von der Ladysmith-Dundee-Eisenbahn, die einen großen Halbkreis bildeten, besetzt, unser einziges Geschütz wurde auf unserem westlichen Flügel an einem hohen Kop postiert. Wir waren nicht über 1000 Mann stark, da die anderen als Nachhut in Bester-Stadion zurückblieben.

Mit drei Batterien rückten die Engländer gegen uns vor; ihre Geschütze befanden sich in ziemlicher Entfernung hinter den Truppen und beschossen uns bereits auf einen Abstand von etwa 4000 Meter. Unser Geschütz gab ein paar Schüsse ab, wurde aber bald zum Schweigen gebracht und mußte aus seiner Stellung entfernt werden, so daß wir während des ganzen Gefechtes auf das Kleingewehrfeuer angewiesen waren.

Alsbald begannen die Engländer mit ihrer Umgehungstaktik. Diese hatte zwar keinen Erfolg, aber sie zwangen uns doch, unsere Kommandos auseinander zu ziehen, so daß wir nirgends unsere Kräfte konzentrieren konnten.

Indessen drangen die englischen Truppen, die den Angriff auszuführen hatten, vor. Sie hatten den Vorteil, daß sie in dem zerklüfteten Gelände in gedeckter Stellung sich uns nähern konnten. Als aber die Deckung für sie aufhörte, wurde ein so gut unterhaltenes und furchtbares Feuer auf sie gerichtet, daß sie nicht weiter als auf 200 Schritte herankamen. Bei Kommandant Nel und den Kroonstadschen Bürgern auf dem westlichen Flügel ging es am heißesten zu, in meiner mehr östlichen Stellung etwas ruhiger, aber sämtliche Bürger, wo sie auch stehen mochten, kämpften tapfer. Jede Stellung wurde gehalten, und wiewohl fortwährend Tote und Verwundete hinsanken, dachte während des ganzen Tages keiner ans Weichen.

Unser auf die Engländer gerichtetes Kleingewehrfeuer dauerte bis etwa 3 Uhr nachmittags. Der Feind mochte eingesehen haben, daß er uns aus unseren Stellungen nicht vertreiben konnte, und zog sich deshalb nach Ladysmith zurück. Bald darauf konnten wir über das Schlachtfeld gehen; wir sahen nur wenige Tote und Verwundete, die meisten waren während des Gefechtes weggetragen worden, wie die auf dem hohen Kop stehenden Bürger deutlich gesehen hatten.

Wir zählten 11 Tote und 21 Verwundete, von denen noch zwei später starben, ein Verlust, der uns sehr zu Herzen ging, aber es war doch erhebend und ermutigend, daß kein Offizier und kein Bürger sich dadurch niederschlagen ließ.

Gerade als das Gefecht begann, erschien A. P. Cronjé. Er war vom Präsidenten als Fechtgeneral angestellt worden und übernahm jetzt von General C. J. de Villiers den Oberbefehl. Man darf ruhig sagen, daß er sich während des Gefechtes ausgezeichnet hielt, und ich stimmte ihm unbedingt bei, wenn er unsere Streitkräfte für zu schwach hielt, um die Engländer auf ihrem Rückzuge zu verfolgen.

Als alles vorbei war, konnte ich meine Stellung verlassen und ihm als alten Freund und Kollegen im Volksrat die Hand drücken. Es freute mich, ihn als Fechtgeneral begrüßen zu können - er war ja der Sohn eines tapferen Offiziers, der in den Basutokriegen von 1865 und 1866 gekämpft hatte. Freilich hatte er das Alter von 66 Jahren erreicht, welches für einen Mann, der den großen körperlichen Anforderungen genügen will, die an einen Fechtgeneral gestellt werden, entschieden zu hoch ist.

Fortsetzung: 2. Kapitel Nicholsons Nek


*1) Ein Gespann Ochsen von verschiedenen Farben wird ein "buntes Gespann" genannt. Daher das hier gebrauchte Bild.
*2) = Schaschlik. R.B.
*3) = fritieren. R.B.
*4) Nicht umsonst gelten die beiden Kriege um 1900 - der Burenkrieg und der amerikanisch-spanische Krieg um Kuba - als die ersten imperialistischen Kriege. R.B.
*5) Ein stellvertretender Kommandant hat, solange der Kommandant selbst im Lager und gesund ist, keinerlei Obliegenheiten.