Der Kampf zwischen Bur und Brite
(Der dreijährige Krieg)

von General Chr. R. de Wet.
Deutsche Original-Ausgabe.
Mit Illustrationen, Kartenskizzen und dem Bildnis des Verfassers
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Neunzehntes Kapitel Ich kehre mit geringen Streitkräften in den Freistaat zurück Hier am Krokodilfluß äußerte Präsident Steijn den Wunsch, mit den Mitgliedern der Regierung den Präsidenten der Südafrikanischen Republik, der sich damals in Machadodorp befand, zu besuchen. Das war gar keine so leichte Sache, denn um Machadodorp zu erreichen, mußte man einen großen Teil Transvaals durchqueren, wo an manchen Plätzen Wassermangel herrschte und das Land teilweise eine Einöde war, während anderswo uns feindlich gesinnte Kaffern wohnten. Der Weg führte nämlich durch das Boschveld. Man war auch vor den Engländern nicht ganz sicher, denn der Präsident mußte die Pietersburgbahn, die in den Händen des Feindes war, überschreiten. Aber der Präsident bestand auf seinem Willen. Ich beschloß, ihn nicht zu begleiten, sondern mit 200 Reitern direkt nach den Oranjefreistaat zurückzukehren. Ich nahm mir vor, überall auf den Bauernhöfen bekannt machen zu lassen, daß ich mich zurückziehe, um die Aufmerksamkeit der Engländer vom Lager abzulenken. Ich rief die Kommandanten zusammen und teilte ihnen meinen Plan mit. Sie erklärten sich damit einverstanden, und Komm. Steenekamp wurde zum Assistent-Hauptkommandanten gewählt, um das Lager nach dem Boschveld zu führen. Am 14. August verließ Präsident Steijn das Lager, um sich nach Machadodorp zu begeben. Ich selbst ging drei Tage später weg. Ich nahm General Philip Botha und Komm. Prinsloo mit 200 Mann mit mir, ebenso den Hauptmann Scheepers mit seinen aus 30 Mann bestehenden Kundschafterkorps. Mit meinem Stabe zählten wir insgesamt 240 Mann. So trennten sich denn nun unsere Wege, der Präsident begab sich zur Regierung der Südafrikanischen Republik, das Lager zog nach Norden, und ich ging nach dem Freistaat zurück. Ich mußte jetzt über die Magaliesberge. Die nächsten Pässe, durch welche ich ziehen konnte, waren Olifantsnek und Kommandonek; aber erster lag zu weit westlich, und letzterer war wahrscheinlich bereits von den Engländern besetzt. Ich beschloß deshalb, einen zwischen beiden Pässen über das Gebirge führenden Fußpfad zu benützen. Am 18. August kamen wir an einen Hof, auf welchem Deutsche wohnten - die Eltern und Schwestern Penzhorns, des Sekretärs von General Piet Cronjé; sie nahmen uns freundlich auf und bewirteten und mit der größten Gastfreundschaft. An demselben Tage zogen wir von hier weiter und entdeckten bald ein großes feindliches Lager auf dem Wege von Rustenburg und Pretoria zwischen Kommandonek und dem Krokodilflusse. Es war von der Stelle, von der aus wir es sahen, etwa 6 Meilen südwestlich entfernt, während ein anderes großes Lager 7 Meilen von uns in nordwestlicher Richtung lag. Der Feind konnte uns deutlich sehen, denn es war ringsum offenes, nur hier und da von kleinen Waldflächen unterbrochenes Feld. Wir ritten in der Richtung des Wolhuterskop, der in unmittelbarer Nähe der Magaliesberge lag, weiter. Ich dachte, hier die große Straße von Rustenburg nach Pretoria gewinnen zu können, von der der Fußpfad über den Magaliesberg dann noch 8 oder 9 Meilen entfernt war. Wir kamen bis etwa 2 Meilen östlich von Wolhuterskop, als wir plötzlich zwei englische Kundschafter vor uns sahen. Wir nahmen den einen gefangen, und er erzählte uns, daß direkt vor uns bedeutende englische Streitkräfte anrücken. Was sollte nun geschehen? Den Fußpfad konnten wir nicht benützen, denn hier versperrten uns die eben genannten Streitkräfte den Weg, im Norden und Westen standen ebenfalls, wie ich bemerkt hatte, englische Truppen, und vor uns lag die Kette der Magaliesberge. Wir befanden uns also sozusagen zwischen vier Feuern. Dabei machte mir noch die furchtbare Ermüdung unserer Pferde Sorge. Ich konnte mir zwar denken, daß dies auch bei den Engländern der Fall war, ich konnte aber nicht wissen, ob sie nicht frische Pferde aus Pretoria bekommen hatten, denn sie hatten die Wahl unter den besten Pferden in jedem Lager. Es war dies einer der Augenblicke, in dem ein Mann seine Geistesgegenwart nicht verlieren darf, wenn er nicht selbst verloren sein soll. Während ich über unsere Lage nachdachte, setzten sich aus dem Lager westlich von uns auf dem Wege zwischen Wolhuterskop und dem Magaliesberg, etwa 2 Meilen von uns, Truppen in Bewegung: der eine entwischte Kundschafter konnte jetzt bei ihnen sein, rasches Handeln war also vonnöten. Ich beschloß nun, das Magaliesgebirge ohne Weg oder Fußpfad zu ersteigen! In der Nähe war eine Kaffernhütte, ich ritt
dahin. Bei uns war ein Korporal, Adrian Matthysen, ein Bürger
aus dem Distrikt Bethlehem, der manchmal in der trockensten Weise einen
passenden Witz machen konnte. Er blickte an dem 2000 Fuß hohen
Gebirges hinauf und seufzte: Wir stiegen bergauf, ohne, wie ich glaube, von den Engländern bemerkt zu werden, durch ein Stück Wald, der für uns, um bei einem biblischen Vergleich zu bleiben, eine Rauchsäule war, die uns vor dem Feinde verhüllte. Wir kamen an eine Schlucht und stiegen in südwestlicher Richtung in ihr empor, immer außerhalb des Gesichtskreises der Engländer, bis wir etwas mehr als die Hälfte des Gebirges erklettert hatten. Jetzt mußten wir in südlicher Richtung aus der Schlucht gehen, um, unter den Augen des Feindes, den Aufstieg zu vollenden. Es war jetzt so steil, daß das Reiten unmöglich wurde. Die Bürger mußten ihre Pferde am Zügel führen und hatten die größte Mühe, sich und ihre Tiere auf den Beinen zu halten. Häufig geschah es, daß ein Bürger fiel und rückwärts unter sein Pferd glitt. Es wurde immer mühseliger, bis wir beinahe oben an eine große Granitplatte kamen, die so glatt war wie Eis. Menschen und Tiere strauchelten und fielen hier noch häufiger als bisher. Wir waren, wie ich sagte, im Gesichtskreis des Feindes, und wiewohl die Lee-Metfords uns nichts mehr anhaben konnten, waren wir vor groben Geschütz doch nicht sicher. Ich hörte, wie einzelne Bürger jammerten und sagten: "Wenn der Feind jetzt die Kanonen auf uns richtet, was soll dann aus uns werden?" Ich erwiderte, daß dies allein möglich wäre, wenn die Engländer Haubitzen hätten, aber die Art Geschütze war nicht nach ihrem Geschmack, wenigstens nicht bei den Kolonnen, die uns verfolgt hatten. Aber nichts geschah! Die Engländer beschossen uns nicht, und sie rückten uns auch nicht nach. Korporal Mattysen wird wohl gedacht haben, daß sie vorsichtiger gewesen sind als Pharao. Wir erreichten den Gipfel des Berges - halbtot vor Erschöpfung. Ich habe viele Berge erstiegen: Majubas rauhe Felswände hatte ich erklommen, ich bin die steilen Abhänge von Nicholsons Nek hinaufgekrochen, aber noch nie war ich so müde geworden wie jetzt. Dennoch fand ich in der Tiefe meines Herzens eine gewisse Genugtuung, und alle die Mühseligkeiten, die wir zu ertragen gehabt hatten, wurden uns reichlich durch das herrliche Panorama vergütet, das sich jetzt im Süden vor uns ausbreitete. Es war eine hügelige Gegend zwischen dem Gebirge, auf dem wir standen und Witwatersrand. Durch eine Schlucht konnten wir weithin sehen, aber wohin wir auch die Blicke lenkten, vom Feinde sahen wir keine Spur. Da es zu spät war, um abzusatteln, begannen wir nach kurzer Ruhepause den Abstieg, um einen Bauernhof zu erreichen, wo ich einige Schafe und Ochsen für meine Mannschaften zu bekommen hoffte, denn diese waren nicht nur entsetzlich müde, sondern hatten auch argen Hunger. Es ging jetzt natürlich rascher als bergauf, aber doch nicht ohne Hindernis, denn der Berg fiel steil ab, und es dauerte noch 1 1/2 Stunden, bis wir unten bei einer Burenwohnung ankamen. Man kann sich denken, wie es den Bürgern zu Mute war, als sie beim Abendessen saßen und ihren müden Gliedern Ruhe gönnen konnten. Wir fanden am folgenden Morgen hier auch reichliches Futter für die Pferde, denn damals war es bei den Engländern noch nicht üblich, alles, was sie fanden, zu verbrennen, wenigstens führten sie damals auf den Burenhöfen dieses höllische Zerstörungswerk noch nicht aus. Ich war jetzt auch hinsichtlich des Lagers beruhigt, da die Aufmerksamkeit der Engländer nunmehr von ihm wohl abgelenkt war. Ich behielt auch recht, denn nach einigen Tagen vernahm ich, daß sie das Lager nicht hatten verfolgen können, weil ihre Zugochsen und Pferde so ermattet und erschöpft waren, daß sie haufenweise wegstarben. Zugleich hörte ich aber auch, daß es rasch bei ihnen bekannt geworden war, daß de Wet sich wieder auf dem Wege nach dem Freistaate befinde, wo er sich wieder an Eisenbahnen und Telegraphen vergreifen würde, und daß Präsident Steijn das Lager verlassen hatte und auf dem Wege nach Machadodorp war. Es war der 18. August 1900, als wir auf dem oben genannten Bauernhof unseren Bissen Brot in Ruhe essen konnten und daß unsere Pferde so viel Futter bekamen, als sie Lust hatten. Vorläufig waren wir von schwerer Sorge befreit. Am Nachmittag zogen wir über den Krokodilfluß und verweilten dann etwas bei einem Ladengeschäft unterhalb Witwatersrand, welches die Engländer noch verschont hatten, wiewohl es beinahe keine Vorräte mehr hatte. Auch hier fanden wir reichlich Futter für unsere Pferde. Da mir gemeldet worden war, daß starke englische Streitkräfte von Olifantsnek nach Krügersdorp zogen, marschierte ich in der Nacht weiter. Es waren dieselben Streitkräfte, die in der vorigen Woche vor unserem Lager gestanden hatten, als wir an Venstersdorp vorbeikamen. Ich wollte, ehe es am folgenden Tag hell wurde, den Weg, den sie zu machen hatten - es war derselbe, den Jameson bei seinem Einfall in die Südafrikanische Republik eingeschlagen hatte - hinter mir haben. Dies gelang mir auch; ich hörte nichts mehr von ihnen und ging ruhig in der Richtung von Gatsrand weiter. Ich kreuzte die Krügersdorp-Potchefstroombahn, 8 - 10 Meilen nördlich von Bank-Station. Die Eisenbahn war hier noch nicht überall bewacht, nur bei den Bahnhöfen standen kleine Garnisonen, und so konnte man die Bahn selbst bei Tag überschreiten. Ich bedauerte unendlich, keine einzige Dynamitpatrone oder ein passende Gerät bei mir zu haben, womit ich die Schienen hätte unbrauchbar machen konnte. Es tat mit immer leid, wenn ich eine Eisenbahn sah und sie nicht beschädigen konnte, denn mein Grundsatz war, keine Bahn zu überschreiten, ohne die Kommunikation des Feindes zu stören. Wir kamen auf den Bauernhof von Wolfaard, der mit Cronjé gefangen genommen war. Hier traf ich Danie Theron mit seinen 80 Mann. Er war zwischen dem Mooifluß und Venstersdorp seitwärts ausgewichen, und seine Pferde hatten sich, wiewohl sie noch schwach waren, doch etwas ausgeruht. Ich befahl ihm, nach einigen Tagen wieder bei mir zu erscheinen, um mir an die Hand zu gehen, bis meine Kommandos zurück sein konnten. Denn meine Absicht war nicht, größere Operationen zu machen, wozu meine Streitmacht zu schwach war, ich mußte mich vorderhand darauf beschränken, die Verbindung des Feindes durch Zerstörung der Eisenbahnen und Telegraphen zu unterbrechen. Mit der Haupteisenbahnlinie des Freistaates verhielt es sich natürlich anders, als mit der Krügersdorpschen, über die wir hierher gekommen waren. Da sie für Lord Roberts die wertvollste Verbindungslinie bildete, war auch für ihre ausreichende Bewachung gesorgt worden. In der Nacht des 21. August kamen wir an die Van Vurensschlucht. Was war es für uns ein Hochgefühl, am Morgen von hier aus die verschiedenen Koppen südlich vom Vaalfluß wie alte Bekannte wieder zu erblicken! "Dort ist der Freistaat", hörte ich von verschiedenen Seiten rufen, als es hell wurde. Sie freuten sich wie die Kinder, das Land wieder zu sehen, das nach ihrem Glauben das beste und schönste Land der Erde ist. Ich schickte General Botha von hier weg, um die Bürger von Vrede und Harrismith, die zu Hause geblieben waren, zu sammeln und mir zuzuführen. Wir blieben hier nur so lange, als es für die Pferde nötig war, und zogen dann weiter. Noch an demselben Abend kamen wir an den Bauernhof Rhenosterpoort, wo unser Lager über eine Woche gestanden hatte, ehe wir den Vaalfluß überschritten. Der Besitzer des Hofes war der alte Jan Botha. Nein! es ist kaum möglich , daß er zur Familie von Paul Botha in Kroonstad gehört, denn er und seine Familie (worunter sein Sohn Jan, ein ausgezeichneter Feldkornett) waren echte Afrikaner. Aber es war doch so, Paul Botha war mit ihm verwandt, aber welche Unterschiede nach Herz und Charakter, wie es in diesem Kriege leider zwischen den Mitgliedern einer und derselben Familie der Fall gewesen ist. Die einen taten alles für ihr Land, während andere, die denselben Namen tragen, alles taten, was im ihrem Kräften stand, um Land und Volk ins Verderben zu stürzen. Aber in diesem Hause wurde kein derartiger Mißton gehört, auch die zwei älteren Brüder Bothas, Philipp und Hekkie, standen mit Leib und Seele auf unserer Seite. In Potchefstroom waren augenblicklich keine Engländer. Ich ritt dahin, und hier wurde das bekannte Portrait von mir aufgenommen, das überall verbreitet ist und auf welchem ich mit einem Mausergewehr dasitze. Ich erwähne dies nur wegen der besonderen Bewandtnis, die es mit dem Gewehr hat. Es ist die folgende: Als der Feind hier nach Pretoria durchzog, blieb eine Garnison in Potchefstroom zurück, und viele Bürger lieferten ihre Waffen aus. Sie wurden auf einen Haufen geworfen und verbrannt. Als die Garnison das Dorf verlassen hatte, kamen die Bürger wieder zurück, und unter diesen befanden sich einige, welche neue Schäfte für die verbrannten Gewehre machten. "Diese Gewehr", sagte man, indem man mir eines zeigte, "ist das zweihundertste, welches von dem Haufen genommen und wieder hergestellt worden ist." Dies machte einen solchen Eindruck auf mich, daß ich es in die Hand nahm und mich mit ihm photographieren ließ. Ich bedauere nur, daß ich die Namen dieser kunstreichen trefflichen Bürger nicht kenne, aber sie verdienen, in unsere Geschichte verzeichnet zu werden. Nachdem ich mich hier wieder mit Dynamit versehen hatte, begab ich mich zu meinem Kommando zurück und zog bei Nacht in aller Stille bis zum Rhenosterkop. Von hier aus schickte ich den Feldkornett Nicolaas Serfontein vom Bethlehem-Kommando in der Richtung von Reitz und Lindley, um die Kaffern, die, wie ich vernommen hatte, gegen unsere Frauen ungeheuer frech geworden waren, zur Ordnung zu rufen. Der Rest des Bethlehem-Kommandos unter Komm. Prinsloo und Feldkornett du Preez mußte bei mir bleiben, um die Kommandos, die sich aus den Roodenbergen geflüchtet hatten und sich unter Befehl des General Fourie irgendwo im Süden des Staates befinden mußten, mir wieder zuzuführen. Scheepers ließ ich hier, um jede Nacht die Eisenbahn zu zerstören. Ich zog in dieser Nacht weiter bis zum Hof von Welman, südwestlich von Kroonstad. Hier wurde mir gemeldet, daß die Kommandos des General Fourie in der Nähe von Ladybrand ständen. Ich ließ ihn und Richter Hertzog zu mir bitten, um mit ihnen zu besprechen, wie man die Bürger in den südlichen und südwestlichen Distrikten des Staats wieder unter die Waffen bringen könne. Komm. Michal Prinsloo überbrachte mit einigen Meldereitern diese Aufforderung dem General Fourie. Als ersterer bei Nacht über die Eisenbahn ging, ließ er vor und hinter einem vorbeifahrenden Zug die Schienen in die Luft sprengen, so daß dieser weder vor- noch rückwärts konnte und in Prinsloos Hände fiel; man entnahm ihm, was man wollte, und verbrannte ihn dann. Ich selbst blieb in der Nähe des Hofes von Komm. Nel. Hier kam eine der wunderbarsten Rettungen vor, wie sie in die göttliche Vorsehung mir in diesem Kriege bald in dieser, bald in jener Weise zu teil werden ließ. Am dritten Abend gegen Sonnenuntergang kam ein ein Hottentotte zu mir. Er sagte, daß sein Herr, dessen Familie etwa 12 Meilen vom Hofe des Komm. Nel entfernt wohnte, die Waffen niedergelegt habe und daß er bei der Frau eines so schlechten Herrn nicht länger im Dienst bleiben könne. Er fragte, ob er nicht mein Reitknecht werden könne. Während der noch sprach, bekam ich Besuch von Landdrost Bosman aus Bothaville. "Gut", sagte ich zu dem Hottentotten, "wir werden noch darüber sprechen." Ich wollte ihn nämlich noch weiter ausfragen. Ich ging dann mit dem Landdrost ins Haus und hatte viele Schreibereien zu erledigen, worauf ich mich, nachdem letzterer die Rückreise nach Bothaville angetreten, um 11 Uhr zur Ruhe legte. Ich lag im Bette, aber plötzlich fiel mir der Hottentotte ein, und eine große Unruhe bemächtigte sich meiner. Ich stand auf und ging nach dem Hause, wo mein Kaffer schlief. Ich weckte ihn und fragte ihn nach den Hottentotten. "Er ist weg", antworte er, "um seine Sachen zu holen und dann mit dem Baas mitzugehen." Ich witterte sogleich Unrat, weckte die Mannschaften, ließ satteln und ging mit meinem Stab noch in der Nacht bis zum Hofe Schoemans am Vaalfluß, östlich von Bothaville. Aber am folgenden Morgen vor Tagesanbruch stürmten mehr als 200 Engländer die Wohnung des Kommandanten Nel, um mich zu fangen. Vom Hofe Schoemans ging ich nach dem Rhenosterfluß und traf hier mit Scheepers zusammen, er meldete mir, daß er in vier oder fünf Nächten die Eisenbahn an verschiedenen Stellen zerstört habe. Hier erhielt ich die traurige Nachricht, daß der unvergeßliche, tapfere, treue Danie Theron in einem Gefecht am Gatsrand gefallen sei. Danie Theron war nicht mehr! Die Lücke, die er gelassen, wird nicht so leicht ausgefüllt werden. Es gibt zwar ebenso tapfere und sympathische Menschen in der Welt wie er, aber wo soll man einen zweiten Mann finden, der alle Tugenden so wie er in sich vereinigte? Er war tapfer, in allen Kriegslisten erfahren und ein äußerst energischer Mann. Erhielt er einen Befehl oder hatte er sich etwas vorgenommen, dann konnte es biegen oder brechen, aber ausgeführt wurde es. Allen, auch den strengsten Anforderungen, die man an einen tüchtigen Soldaten stellen kann, ist Danie Theron in jeder Hinsicht geworden. Einer seiner Leutnants, Jan Theron, wurde zu seinem Nachfolger gewählt. Von hier zog ich mit Scheepers nach der Eisenbahn, wo ich eine aus hölzernen Eisenbahnschwellen gemachte Notbrücke verbrannte und den größten Teil der Schienen mit Dynamit unbrauchbar machte. Ich besuchte dann einige Höfe in der Nähe, und nach einigen Tagen kam Komm. Prinsloo zu mir. Mit ihm ging ich wieder an die Eisenbahn, um das Zerstörungswerk an derselben Stelle in größerem Maßstab zu verrichten. Dabei wurde in folgender Weise verfahren: An 25 Stellen wurde ein Dynamitschuß niedergelegt, daneben stand ein Mann mit einer Lunte, mit der den Schuß anzünden mußte, sobald er das mit einer Pfeife gegebene Signal hörte. Alle mußten in demselben Augenblick anzünden, und jeder hatte sich so rasch als möglich zu entfernen, um nicht durch die umherfliegenden Eisenstücke verletzt zu werden. Wenn das Zeichen gehört wurde, nahm jeder ein Zündholz, um die Lunte anzuzünden. Als die englischen Soldaten, die nicht weit davon an einer anderen Stelle der Eisenbahn die Wache hielten, die kleinen Lichter sahen, beschossen sie die Bürger, welche die Lunten anstecken mußten, so heftig, daß diese alle auf Pferd sprangen und davonjagten. Nur 5 Schüsse explodierten. Ich wartete einen Augenblick. Alles wurde wieder still. "Was?" sagte ich. "Die Schüsse müssen alle losgehen." Als wir wieder an die Eisenbahn gekommen waren, mußten wir im Dunkel die Stellen suchen, die mit Dynamit geladen waren, und wieder lautete der Befehl, daß jeder seine Lunte anstecken müsse, sobald das Zeichen mit der Pfeife gegeben würde. Wieder wurde ein Fehler gemacht. Ein Bürger hatte seine Lunte angesteckt, ehe das Zeichen gegeben wurde, und dies verursachte einen solchen Schaden, daß die anderen wieder sich schleunigst aus dem Staube machten. Ich und zwei Leute meines Stabes legten uns dann platt auf den Boden, bis der Schuß explodierte, und dann holte ich die Bürger wieder herbei. Diesmal ging es gut. Alle Schüsse explodierten. Ich verbrannte auch die aufs neue erbaute Brücke, zog dann nach Rietspruit, wo wir absattelten, und von da weiter nach Rhenosterpoort. |
