Der Kampf zwischen Bur und Brite
(Der dreijährige Krieg)

von General Chr. R. de Wet.
Deutsche Original-Ausgabe.
Mit Illustrationen, Kartenskizzen und dem Bildnis des Verfassers
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Neunundzwanzigstes Kapitel Konferenz mit der transvaalschen Regierung. Wir mußten am folgenden Morgen unsere Reise nach Transvaal fortsetzen, waren jedoch genötigt, außerhalb des feindlichen Gesichtskreises zu bleiben,. zu welchen Zweck wir zuerst etwas südlich und dann südöstlich zogen. Nach einigen Tagen erreichten wir das Dorf Vrede, wo uns Kommandant Marie Botha einige Bürger verschaffte, welche die Umgegend gut kannten und uns den Weg über die Eisenbahn zeigten. Wir gingen in der Richtung nördlich von Volksrust und kamen am zweiten Abend, nachdem wir Vrede verlassen hatten, an der Eisenbahn an einer Stelle an, wo wir gerade einem Wachposten in die Hände liefen. Er feuerte sofort auf uns. General de la Rey und ich beschlossen, nachdem die Bürger einige Schüsse abgegeben hatten, eine Strecke Weges in aller Stille zurückzugehen, dann umzuschwenken und an einer anderen Stelle den Übergang zu versuchen. Dies gelang uns auch, wir kamen unbemerkt hinüber. Als jedoch die vordersten noch kaum 70 Schritte weiter kamen, erschütterte eine furchtbare Dymanitexplosion die Luft, sie erfolgte kaum 30 Schritte von der Stelle, an der wir über die Bahn gegangen waren. Ob dies durch Elektrizität geschehen war oder ob die hintersten Pferde gerade auf einen Draht getreten waren, weiß ich nicht, wir kamen jedenfalls mit dem Schrecken davon. Am vierten Tag waren wir bei der transvaalschen Regierung. Sofort wurde eine Konferenz gehalten, die sich mit dem oben abgedruckten Briefe beschäftigte. Ich brauche kaum zu sagen, wie ich mich über das alles ärgerte, denn derartige Dinge erfuhren die Engländer stets. Die transvaalsche Regierung war jedoch wieder vollständig zur Besinnung gekommen, und dies ebensowohl infolge einer Antwort, welche sie auf das Telegramm, das sie ihrem Vorhaben gemäß an die Deputation abgeschickt hatte, erhielt, wie auch durch zwei - von General Kemp und von Kommandant Müller - kurz vorher gelieferte siegreiche Gefechte. Wir blieben hier zwei Tage, nachdem von beiden Regierungen beschlossen worden war,den Krieg mit allem Nachdruck weiter zu führen. Nachdem noch Dank- und Bußtage festgesetzt worden waren, reisten wir unter dem freundlichen Geleite von Kommandant Alberts von Standerton, der mir uns bis über die Natal-Tranvaalbahn ging, ab. Alberts war nicht nur ein tapferer, sondern auch ein sehr unterhaltender Mann, er erzählte uns unterwegs von seinen Erlebnissen während des Krieges, und ehe wir es merkten, waren wir bereits bei der Eisenbahn, die wir auch ohne Unfall überschritten, nachdem wir uns von Albers und seinen Bürgern verabschiedet hatten. Wir zogen weiter bis zum Hofe Zilverbank am Wasserfallfluß, von wo an ich keinen Führer mehr nötig hatte, da ich hier von 1880 - 1882 gewohnt hatte, also die Gegend genau kannte. Nach dem Frühstück am folgenden Morgen marschierten wir etwa 5 Meilen südlich von dem Hofe Hexrivier, der 3 Meilen nördlich von Vaalfluß lag, weiter. Hier sattelten wir ab, und nach einigen Stunden war der Augenblick gekommen, in welchem General de la Rey von uns scheiden mußte. Er wollte auf dem Wege zwischen Vereeniging- und Mejerton-Station über die Eisenbahn gehen, was für ihn ein kürzerer Weg nach seinen Kommandos war, als wenn er durch den Freistaat gegangen wäre. Wir nahmen herzlich voneinander Abschied, wußten wir ja nicht, ob wir uns überhaupt wiedersehen würden. Dann zog jeder seines Weges, fröhlich und guter Dinge, denn unser Herz war nicht nur durch die gemütlichen Stunden des Zusammenseins, sondern auch durch den Beschluß der beiden Regierungen, unter keinen Umständen, möge kommen, was da wolle, unsere Unabhängigkeit preiszugeben, erquickt worden. Ich ging über den Vaalfluß bis Villiersdorp, wo wir an diesem Abend und den folgenden Tag blieben. Dann trennte ich mich von Präsident Steijn, er wandte sich nach der Bezuidenhoutsdrift , und ich ging über Frankfort zu meinem Heilbronschen Kommandos. In Frankfort übernachtete ich mit Kommandant Roß und seinen Mannschaften, auch hier erlebte ich gemütliche Stunden. Bei den Heilbronschen verweilte ich nur einige Tage, denn ich hatte im Winburgschen Wichtiges zu tun, weshalb ich mich auch dorthin begab. Da die Kommandos nun so verteilt waren, daß beinahe jedes in seinem eigenen Distrikt tätig sein konnte, mußte ich viel häufiger zu Pferd steigen als früher. Nach einigen Tagen kam ich bei Kommandant Hasebroek und seinen Mannschaften an. Hier erhielt ich vom Präsidenten Steijn den Bericht, daß er in Reitz am 11. Juli 1901 mit einigen Leuten seiner Leibwache mit knapper Not der Gefangenschaft entronnen sei, während leider Kommandant Davel und sämtliche Mitglieder der Regierung mit Ausnahme des gerade abwesenden W. C. J. Brebner den Engländern in die Hände gefallen seien. Von Winburg aus besuchte ich den Assitent-Hauptkommmandanten Hattingh von Kroonstadschen Kommando, und dann suchte ich den Präsident Steijn auf, mit dem ich am 20. Juli 12 Meilen westlich von Reitz zusammentraf. Welche Freude war es für mich, den Präsidenten wohlbehalten zu sehen, aber wie bitter war unser Schmerz, so viele alte Freunde, wie General A. P Cronjé, Mitglied des ausführenden Rats, General J. B. Wessels, J. Bruin, Regierungssekretär, Kommandant Davel, Rocco des Villiers, Sekretär des ausführenden Rats, Gordon Fraser, Privatsekretär des Präsidenten, Mac. Hardig, Hilfssekretär, Pieter Steijn, Bruder des Präsidenten, Feldkornett van den Staff und die Mannschaft der Leibwache - entbehren zu müssen! Es war traurig, daß uns diese Männer gerade jetzt, wo der Krieg energisch fortgesetzt werden sollte, fehlen mußten, wiewohl wir an derartiges gewöhnt waren. Aber noch viel trauriger war es, daß Verrat im Spiel gewesen war: ein freistaatlicher Bürger, Steenekamp, hatten den Engländern, die den Handstreich ausführten, als Führer gedient. Die Regierung mußte ergänzt werden, und der Präsident vollzog folgende Ernennungen: An die Stelle von General A. P. Cronjé trat General C. H. Oliver als Mitglied des ausführenden Rats, an die von T. Bruin W. C. Brebner als Regierungssekretär, Johannes Theron wurde Sekretär des ausführenden Rats an Stelle von Rocco de Villiers, und für Gordon Fraser wurde B. J du Plessis Privatsekretär des Präsidenten. Der Präsident wollte in Zukunft nur 30 Bürger als Leibwache haben, zu deren Kommandant Hauptmann H. van Niekerk ernannt wurde. |
