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Der Kampf zwischen Bur und Brite

(Der dreijährige Krieg)

von General Chr. R. de Wet.
Deutsche Original-Ausgabe.

Mit Illustrationen, Kartenskizzen und dem Bildnis des Verfassers

Drittes Kapitel

Ladysmith wird belagert

Gefecht am 3. November. Bullers Ankunft.

Am 1. November wurde ein großer Kriegsrat von den Vertretern des Oranjefreistaates und der südafrikanischen Republik gehalten, in dem beschlossen wurde, Ladysmith zu belagern. Auch wurde verabredet, ein Pferdekommando in der Richtung von Estcourt auszusenden; dieses ging auch später unter dem stellvertretenden General Louis Botha ab, nahm am 15. November einen gepanzerten Zug weg, wobei 100 englische Soldaten gefangen wurden, und kehrte nach weiteren unbedeutenden Zusammenstößen mit dem Feind unter seinem Anführer wieder zurück.

Ich will aber den Ereignissen nicht vorgreifen.

In der Nacht vom 1. auf den 2. November zog General A. P. Cronjé mit den Bürgern von Heilbron und Teilen der Kommmandos von Winburg und Harrysmith, sowie mit 2 Kruppkanonen, in westlicher Richtung von Ladysmith, um im Süden und Südwesten dieses Dorfes Stellung zu nehmen.

Am folgenden Tag fand mit den Engländern ein kleines Scharmützel statt; diese zogen sich aber eilends nach Ladysmith zurück.

Der 3. November war Zeuge eines bedeutenden Ereignisses. An diesem Tage setzten sich die Engländer mit zwei Batterien 15-Pfünder und 12-Pfünder Armstrong-Geschützen von Ladysmith aus, in südwestlicher Richtung, in Bewegung. Es waren einige Regimenter Infanterie und nach meiner Schätzung 1000-1500 Mann berittene Truppen. Die Engländer stellten ihre Stücke in solcher Entfernung auf, daß es für uns unmöglich war, sie aus unseren Stellungen mit den Mausergewehren zu erreichen; wir konnten auch nicht daran denken, uns der feindlichen Artillerie zu nähern, weil wir dies nur nach dem Überschreiten einer offenen, nirgends Deckung gewährenden Ebene gekonnt hätten. Eines unserer Geschütze, das unmittelbar vor dem Feinde aufgestellt war, begann zu feuern, aber es wurde, nachdem es ein paar Schüsse abgegeben hatte, von der englischen Artillerie, wie bei Rietfontein, rasch zum Schweigen gebracht.

Die englische Infanterie und Reiterei schien wenig Lust zu haben, uns anzugreifen, und dasselbe war auch bei uns der Fall. Doch machten die Engländer einen Versuch, indem sich ihre Infanterie unter dem Feuer der Zwölfpfünder zu nähern suchte. Sie rückten ein paarmal vorwärts, sorgten aber, daß sie nicht in den Bereich unserer Mauser kamen; taten sie dies, dann mußten sie sich jedesmal mit Verlust zurückziehen.

Unser zweites Geschütz stand auf einem Tafelkop, östlich von der Stelle, wo das Gefecht stattfand. Dieses leistete gute Dienste, denn so oft die berittenen Truppen den Versuch machten, unsere Stellungen in östlicher Richtung zu umgehen, wurden sie jedesmal so heftig beschossen, daß sie ihr Vorhaben aufgeben mußten.

Ebensowenig aber konnte der Feind seine Artillerie weiter nach Osten und näher an den Tafelkop vorschieben, weil sie hier in die Gefahr kam, von uns genommen zu werden. Dennoch machte er den Versuch, einige Stücke zwischen uns und dem Plattrand, der nördlich vor dem Tafelkop lag, zu bringen, um uns von der Seite her beschießen zu können, allein unser Geschütz auf dem Tafelkop setzte den Truppen und den Artilleristen derart zu, daß sie die Stellung nicht halten konnten.

Für uns war es, wie bereits gesagt, unmöglich, einen Sturm zu wagen; denn rückten wir aus unseren Stellungen heraus, so waren wir dem Feuer der schweren Geschütze ausgesetzt, und hätten wir einen Ausfall in südlicher Richtung gemacht, dann wären wir in den Bereich der Geschütze, welche die Engländer auf dem Plattrand hatten, und somit in ein Kreuzfeuer gekommen.

Es war ein für uns durchaus unbefriedigendes Gefecht. Weder wir noch der Feind konnten etwas ausrichten, und wie es in solchen Fällen meistens geht, es trat fast nur die Artillerie in Tätigkeit. Der Kanonendonner dauerte denn auch von morgens 10 Uhr bis nachmittags 5 Uhr, um welche Zeit die Engländer nach Ladysmith zurückkehrten.

Wir verloren 1 Toten und 6 Verwundete, unter den letzteren befand sich Marthinus Els, Feldkornett von Heilbron. Daß auch die Engländer Verluste erlitten hatten, konnten wir deutlich sehen, bedeutend können sie aber nach meiner Schätzung nicht gewesen sein. Von da an bis zu dem Zeitpunkt, in welchem ich Natal verließ, fanden ab und zu kleine Scharmützel statt, sowohl bei den Transvaalern wie bei den Freistaatern, aber irgend etwas von Bedeutung fiel nicht vor. Es war in dieser Zeit (in der Nacht vom 7. auf 8. Dezember), daß das größte Geschütz der Transvaaler, Long-Tom, das auf Bulwana stand, von den Engländern mittels Dynamits so stark beschädigt wurde, daß es eine Zeitlang außer Dienst gestellt werden mußte. Wir alle mußten anerkennen, daß die Engländer in dieser Nacht ein kühnes Heldenstück verrichtet hatten, wir konnten denn auch den Anführern jener tapferen Schar unsere Bewunderung nicht versagen. Wären wir auf der Hut gewesen, dann wäre es dieser Schar schlecht ergangen, dies war eben leider nicht der Fall, aber dieser Unfall lehrte uns wenigstens, in Zukunft wachsamer zu sein. Die transvaalschen Anführer traten von da an mit größerer Strenge auf, und ihre gemessenen Befehle übten sowohl auf die Kommandos wie auf die Artillerie einen heilsamen Einfluß aus.

Bereits im Anfang November war General Sir Redvers Buller in Kapstadt gelandet, und gegen die Mitte dieses Monats wurde die Proklamation erwartet, aus der wir vernehmen sollten, daß er den Oberbefehl über das englische Heer, das zwischen Estcourt und Colenso sich gelagert hatte, übernommen habe. Diese englischen Lager wurden durch die fortwährend über den Ozean kommenden Verstärkungen täglich größer und nahmen bald gewaltige Dimensionen an.

Jedermann hegte große Erwartungen von Sir Redvers Buller, dem die Buren durch Verdrehung seines Namens einen eigentümlichen Beinamen gaben. Er war auch nicht lange in Natal, als er sein Glück versuchte. Ich will übrigens über das, was er tat, und über seine Mißerfolge hier nichts sagen, da ich am 9. Dezember Natal verließ, also über ihn aus persönlicher Erfahrung nicht sprechen kann. Aber, was auch seine eigenen Landleute gegen ihn vorgebracht haben mögen, so viel steht fest, daß er unter allen englischen Befehlshabern in diesem Krieg gegen die stärksten Positionen in Südafrika zu operieren hatte - und dies will etwas sagen.