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"Im übrigen bin ich dafür, daß Karthago zerstört
werden muß", erklärte der römische Senator Cato
in jeder seiner zahlreichen Reden, ganz gleich, worum es ging. Obwohl
er 85 Jahre alt wurde, erlebte er es nicht mehr - erst drei Jahre nach
seinem Tod kamen die Römer seinem Wunsch nach und vernichteten
146 v. Chr. die Stadt, die das größte Hindernis auf ihrem
Weg zur Herrschaft über das Mittelmeer war.
Eine Niederlassung der Phönizier
Die Phönizier, an den Küsten Syriens zuhause, sind
ein altes Seefahrer- und Händlervolk gewesen. Sie haben das ganze
Mittelmeer befahren und überall Handelsniederlassungen angelegt.
Sie drangen durch die Straße von Gibraltar in den Atlantischen
Ozean und kamen die Küste Westeuropas entlang bis nach England,
wo es Zinn gab. Zinn benötigte man dringend für die Herstellung
von Bronze, die neben Eisen das meistgebrauchte Metall war. Um 800 v.
Chr. gründeten Phönizier in der Gegend des heutigen Tunis
die Stadt Karthago ( Neustadt ). Hier war der Ausgangspunkt des besten
Seeweges nach dem Westen, längs der nordafrikanischen Küste.
Die Stadt blühte rasch auf und wurde ungeheuer reich. Etwa um 600
beherrschte sie mit einer starken Kriegsflotte das ganze westliche Mittelmeer.
Im 5. Jahrhundert gelangte eine karthagische Expedition durch die Straße
von Gibraltar und entlang der afrikanischen Küste bis Kamerun.
Das Schiffstagebuch des Kapitäns Hanno ist in einer griechischen
Übersetzung erhalten geblieben. Es erzählt unter anderem von
einer Jagd auf wilde, am ganzen Körper behaarte Menschen, die "Gorillai",
wonach man die im 19. Jahrhundert entdeckten Menschenaffen Gorillas
nannte. Jahrhundertelang kämpfte Karthago mit den Griechen um den
Besitz Siziliens. Aber nachdem Rom seine Herrschaft auf Unteritalien
ausgedehnt hatte (275), wurde das Römische Reich der größte
und zuletzt tödliche Feind Karthagos.
Die Stadt und ihre Bewohner
Die Stadt hatte eine sehr günstige Lage auf einer Halbinsel,
die mit dem Festland nur durch eine schmale Landzunge verbunden war.
Gegen einen Angriff von der Landseite errichteten die Karthager drei
große Mauern hintereinander, jede etwa 5 Kilometer lang und alle
60 Meter mit Türmen gesichert. Die äußere Mauer war
etwa 2 Meter stark und 14 Meter hoch. In den Mauergewölben gab
es Kasernen für die Söldner des Heeres, Vorratslager und Stallungen
für Pferde und Kriegselefanten. Auf der Seeseite waren die Küsten
steil, hier genügten einfache Mauern.
In der Stadt hatte man eng und gelegentlich sehr hoch, bis zu sechs
Stockwerke gebaut. Sie soll im 3. Jahrhundert v. Chr. mehrere Hunderttausende
Einwohner gehabt haben. Im Zentrum war eine Anhöhe, Byrsa genannt,
noch einmal durch eine Mauer geschützt. Hier erhoben sich die Tempel
der Götter, des Sonnengottes Baal, der Mondgöttin Astarte
und des Heilgottes Eschmun. Menschenopfer waren nicht selten: Zu Beginn
einer kriegerischen Unternehmung, zum Dank für ein Sieg, zur Beschwörung
einer großen Gefahr.
Die Stadt besaß einen Kriegs- und Handelshafen. In der Mitte des
Kriegshafen lag eine kleine Insel, Kothon, auf der die Befehlszentrale
der Kriegsflotte untergebracht war. Beide Häfen waren von prachtvoll
gestalteten Mauern und Molen umgeben. Der Kriegshafen, über 300
Meter im Durchmesser, bot über 200 schiffen Platz. Die Herrschaft
über die Stadt lag bei der Aristokratie, die sich im Senat zu Beratungen
und Beschlüsse versammelte. Die Leitung der Staatsgeschäfte
wurde zwei Suffeten (Richtern) jeweils für ein Jahr übertragen.
In späterer Zeit erhielt auch das Volk größeren Anteil
an der Regierung. Das Heer und die Flottenbesatzungen bestanden zum
größten Teil aus Söldnern.
Die Punischen Kriege
Die Römer nannten die Karthager Punier (eine Wandlung
des Wortes Phönizier). In drei Kriegen, die Punischen Kriege genannt
(264-241, 218-201, 149-146), kämpften sie die Herrschaft der Karthager
über das westliche Mittelmeer nieder. Aber im 2. Punischen Krieg
hatte sie der geniale karthagische Feldheer Hannibal hart an den Rand
einer völligen Niederlage gebracht. Zuletzt hielt Karthago einer
dreijährigen Belagerung stand, und bei der Erstürmung wehrten
sich die Einwohner im Häuserkampf bis zum letzten Mann. Die Römer
zerstörten die Stadt bis auf den Grund; kein Stein blieb auf dem
anderen.
Das Römische Karhago
44 v. Chr. gründete Julius Cäsar Karthago neu als römische
Kolonie; doch erst Kaiser Augustus begann mit dem Aufbau. In der Kaiserzeit
wurde Karthago die reichste Stadt der römischen Provinz Africa
und nahm unter den Städten des Reiches zusammen mit dem ägyptischen
Alexandria die zweite Stelle nach Rom ein. Sie war berühmt durch
kunstreiches Gewerbe und hochstehende Bildung. Die Bischöfe von
Karthago spielten in der Geschichte der frühchristlichen Kirche
eine bedeutende Rolle. In Karthago ist der Kirchenvater Tertullian geboren.
439 n.Chr. wurde Karthago von den Wandalen unter König Geiserich
erobert und war fast ein Jahrhundert lang die Hauptstadt des Wandalenreiches.
533 eroberte Belisar, der Feldherr des Kaisers Justinian, die Stadt
für das oströmische Reich. 697 fiel Karthago in die Hand der
Araber, die damals ganz Nordafrika überrannten. Sie legten die
Stadt in Schutt und Asche und ließen sie veröden.
Quelle: Wissen, die große Bildungszeitschrift für die ganze
Familie, 1969, von rado jadu 2000
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