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Die ältere Geschichte Chinas (4)
Die frühere westliche Han-Dynastie nach Wu Ti (86 v. Chr.-8 n. Chr.)
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Von Tschao Ti bis Ju tsze Jing Wu Ti, der seine gesetzmäßige Gemahlin und den Thronerben wegen angeblicher Verschwörung gegen sich hatte hinrichten lassen, ernannte den Sohn einer seiner Beischläferinnen zu seinem Nachfolger, nachdem er dessen Mutter zum Selbstmorde gezwungen hatte, um sie zu verhindern, eine zweite Lü hau zu werden. Von den späteren Kaisern dieser Dynastie: Tschao Ti (86-74), Hsüan Ti (73-49), Jüan Ti (48-33), Tscheng Ti (32-7), Ali Ti (6-1 v. Chr.), Ping Ti (1-5 n. Chr.) und J tsze Jing (6-8 n. Chr.), ist wenig zu sagen. Familien-, Nachfolge- und Haremsstreitigkeiten, die oft zu Aufständen führten, füllten die Zeit aus im Inneren; nach außen scheint dagegen der Einfluß Chinas zu wachsen: wenigstens stellten sich Gesandtschaften der Hiung nu häufiger und regelmäßiger bei Hofe ein. Die Mutter des Kaisers Tscheng Ti gehörte der Mang-Familie an, deren Mitglieder sich allmählich ganz der Gewalt bemächtigten, bis Wang Mang 8 n. Chr. den sechsjährigen letzten Vertreter der westlichen Han absetzte und sich als Kaiser unter der Bezeichnung "Hsin" (Neue Dynastie) ausrufen ließ. Das Wirken der westlichen Han auf den Gebieten der Literatur und Baukunst Die Bemühungen der Kaiser aus der früheren Han-Dynastie um die Wiedererweckung der chinesischen Literatur scheinen von Erfolg gewesen sein: von den klassischen Werken allein befanden sich 294 Sammlungen (Stücke, Teile?) des I king, 412 des Schu king, 416 Bände des Schi king, 555 Sammlungen des Li Ki, 165 des Buches über Musik, 948 über Geschichte, 229 des Lun Jü, 836 der rechtgläubigen Gelehrten und anderes mehr in der kaiserlichen Bibliothek. In gleicher Weise taten die Kaiser, namentlich Wu Ti, viel, um das Interesse an der Literatur zu beleben und zu erhalten. Aber auch auf anderen Gebieten darf man das Zeitalter der westlichen Han als besonders glänzend bezeichnen; selbst wen man den Beschreibungen, welche die chinesischen Berichterstatter von den Palästen und Gärten der Kaiser dieser Zeit geben, recht viel abzieht, bleibt immer noch genug zum Staunen übrig. War schon unter der Tschin-Dynastie in Bauten Großes geleistet worden, so übertrafen sie die Han-Kaiser, und besonders Wu Ti, bei weitem. Kaiser Kao Tsu ließ zu Anfang des 2. Jh. v. Chr. in Tschangan eine Palaststadt anlegen, die 65 Li (ungefähr 33 km) Umfang, 12 Tore und 16 Brücken besessen hat und von einem 35 Fuß hohem Erdwall umgeben gewesen sein soll. Die Stadt bestand bis 582 n. Chr. und wurde dann von dem Kaiser Wen Ti der Sui-Dynastie verlassen, der nach Singanfu übersiedelte; der Erdwall besteht zum Teil noch. In dieser Stadt lag ein Palast der Kaiserin Tschao Jang, der früher als Tschao Fei jen (Tschao, die fliegende Schwalbe) bekannten Tänzerin, die Kaiser Tscheng Ti 18 v. Chr. in seinen Harem aufnahm und 16 v. Chr. zu seiner Gemahlin machte; die inneren Gemächer seien, so erzählte man, zinnoberrot bemalt, die Decken rot lackiert, die einzelnen Teile der Wände mit kupfernen, vergoldeten Klammern zusammengehalten und die Treppen aus Marmor gewesen. Auf den Balken wären Drachen und Schlangen geschnitzt und die Wände mit Perlen, Edelsteinen und den (blauen) Federn des Königsfisches sowie mit goldenen Ampeln geschmückt. Alle Vorhänge hätten aus Perlen und die Fenster und Türflügel aus Glas bestanden. Ein großer, von Wu ti gebauter Palast soll verschiedene, über 500 Fuß hohe Gebäude enthalten haben, die durch brückenartige Hochbauten so verbunden waren, daß er über Stadtmauer und Stadtgraben von einem zum anderen fahren konnte. Auf den Dächern der Paläste, Tempel und Tore befanden sich große kupferne, zum Teil vergoldete Standbilder von Männern, Phönixen (als Wetterfahnen ?) und Ungeheuern; auch sonst wird von bronzenen und steinernen Figuren von Menschen, Einhörnern und anderen Tieren, astronomischen Instrumenten, großen Glocken berichtet und von einem aus Stein gehauenen, 30 Fuß langen Walfisch in einem künstlichen See, den der Kaiser für die Übungen seiner Soldaten und zu Lustfahrten für die Frauen seines Harems hatte herstellen lassen. Die Zeit des Usurpators Wang Mang und der Anarchie (9-24 n. Chr.) Wang Mang, ein Neffe der Gemahlin des Kaisers Jüan Ti, war 6 v. Chr. zum Generalissimus ernannt worden. Beim Tode des Kaisers Ali Ti 1 v. Chr. übertrug ihm die als Regentin eingesetzte Witwe die Regierung, und im folgenden Jahr erhielt er den Titel als Herzog-Protektor des Hauses Han. 3 n. Chr. vermählte er seine Tochter mit dem unmündigen Kaiser Ping Ti, und nachdem er 5 n. Chr. diesen vergiftet hatte, veranlaßte er sie, die kinderlos war, einen zweijährigen Ururenkel des Kaisers Hsüan Ti an Kindes Statt anzunehmen. 8 n. Chr. setzte er ihn ab und erklärte sich selbst zum Kaiser. Als solcher griff er auf die alte Bodenverteilung der Tschau in neun Felder zurück und schaffte die Sklaverei ab; die da durch erregte Unzufriedenheit wurde durch einen großen Kriegszug gegen die Hiung nu und die deswegen erhöhten Steuern noch vermehrt. Ein 19 n. Chr. ausgebrochener Aufstand wurde unterdrückt; ein neuer, an dessen Spitze zwei Abkömmlinge des Han-Hauses, Liu Hüan und Liu hsiu, standen, war erfolgreicher. Wang Mang wurde nach verschiedenen Niederlagen 23 von seinen eigenen Truppen ermordet. Die spätere, östliche Han-Dynastie (25-220 n. Chr.) Unter den Aufständischen und anderen Prätendenten brachen Streitigkeiten und Kämpfe aus; Liu Hüan, der sich nach dem Tode Wang Mangs zum Kaiser erklärt hatte (nach anderen regierte er für den Prinzen von Huai Jang, den er zum Kaiser gemacht hätte), dankte zwei Jahre später zugunsten Liu hsius ab. Dieser, ein Nachkomme des Kaisers Han Tsching Ti (156-141), trat 25 n. Chr. als erster Kaiser der späteren, östlichen Han-Dynastie die Regierung an. Ein großer Teil der Regierungszeit dieses "Schi Tsu" (oder Kwang Wu Ti; 25-58) war mit Kämpfen gegen die anderen Thronprätendenten angefüllt; erst 37 wurde Lu fang, der letzte der inneren Gegner, besiegt, später (41) ein Einfall des Herrschers von Kotschinchina siegreich zurückgewiesen. Die zweite Hälfte der Regierung dieses Kaisers scheint so friedlich gewesen zu sein, daß der Kaiser seiner Dankbarkeit dafür durch feierliche Opfer auf dem Taischan, einem der fünf heiligen Berge in Schantung Ausdruck gab. Unter seinem Sohn Ming Ti (58-75) fand, besonders auf Veranlassung seines jüngeren Bruders Jing, der Buddhismus Eingang in China. |
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Von den Kaisern dieser Dynastie ist wenig zu berichten; die meisten von ihnen: Schang Ti (106), An Ti (107-125), Tschung Ti (145), Tschi Ti (146), Huang Ti (147-167), Ling Ti (168-189) und Schao Ti (189), bestiegen den Thron als Kinder unter der Regentschaft ihrer Mütter, was natürlich Haremsränken Vorschub leistete. Als die Eunuchen 189 den jungen Kaiser Schao Ti und seinen Bruder aus der Hauptstadt entführten, eilte ihnen der General Jüan Schao nach und rottete sie, angeblich, vollständig aus. Innere Streitigkeiten und Kämpfe gegen die Hiung nu, wie gegen die Man und anderen Grenzvölker gaben ehrgeizigen Soldaten Gelegenheit, Macht und Einfluß auf die Regierung zu gewinnen, die sie im eigenen Interesse mißbrauchten, so daß die zweite Hälfte der Regierungszeit der Dynastie fast ganz mit Handlungen usurpierender Minister und Erhebungen gegen diese ausgefüllt ist. Während der ersten Zeit der Dynastie geschah viel für die Literatur: 175 wurden die festgestellten Texte der fünf Klassiker in Stein gehauen und zu Lojang in Honan, der Residenz (die erste Han-Dynastie hatte in Tschangan Hof gehalten), aufgestellt. Mit Hsien Ti (189-220) endete die spätere Han-Dynastie. Aber schon lange vor seiner Absetzung hatte die Empörung der Aufrührer mit den "gelben Turbanen" und das Entstehen der drei Reiche Schu (westliches Südchina) unter Liu Pei, We (Wei; Nordchina) unter Tsao Tsao und Wu (östliches Südchina) unter Sun Tschüan seiner Herrschaft ein tatsächliches Ende bereitet. Im Original erscheinen hier jetzt die Kapitel über den Buddhismus und dem Islam (siehe Seite "Buddhismus/Islam") |
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Zeittafel ausgewählter Daten der Han-Zeit 206 Bauernführer Liu
Bang erobert Xiangyang. Gründung der Westlichen Han-Dynastie
(bis 8 n. Chr.) |