Der Bewaffnung und den Bewegungen der Truppen, denen Befehle
durch Signale erteilt werden, wird große Aufmerksamkeit geschenkt.
Mit ein, zwei, drei oder vier Pferden nebeneinander bespannte offene und
bedeckte zweirädrige Wagen sind im Gebrauch; für den Krieg dienen
meistens mit zwei Pferden bespannte Wagen, die drei Personen tragen: den
Wagenlenker, einen Lanzenträger und einen Bogenschützen; der Kaiser
zieht mit 10 000 Wagen ins Feld. Reiterei scheint in den ältesten Zeiten
nicht verwendet worden sein; aber schon im 2. Jh. n. Chr. finden sich Abbildungen
von Reiterkämpfen. Die Waffen sind Spieß, Hellebarde, Schwert,
Keule und Axt, Bogen und Pfeile sowie Armbrüste; Schutzwaffen scheinen
ein kleiner Schild und ursprünglich wohl aus Leder gefertigte Harnische
gewesen sein, denen bald Ketten- und Plattenpanzer folgen.
Auch in den Künsten
des Friedens hatten die Chinesen tausend Jahre vor der christlichen Zeitrechnung
schon bedeutende Fortschritte gemacht. Die Bronzegefäße, angeblich
aus der Hsia-, Tschang- und der Tschau-Dynastie, von denen einzelne wohl
bis auf die heutige Zeit erhalten sind (im Po ku tu lu, dessen erste Ausgabe
1119-26 entstand, und im Si tsing Kan kien, dem auf Befehl des Kaisers
Kien lung 1759 herausgegebenen Werk über seine Sammlung von Altertümern,
befinden sich zahlreiche Abbildungen davon), zeigen vortreffliche Arbeit
und reiche, oft Tiergeschlinge darstellende Ornamente; auch größere
und kleinere Glocken und Schellen finden sich vielfach. Schöne Nephritarbeiten,
besonders Opfergefäße, Teller und Endstücke für Wagendeichseln,
sind ebenfalls in großer Anzahl vorhanden. Die Seidenweberei muß
weit vorgeschritten gewesen sein, und die Aufmerksamkeit, die ihr auch
an Höfen des Kaisers und der Fürsten entgegengebracht wurde,
hat ihre Entwicklung sicherlich vorteilhaft beeinflußt. Über
Töpferei ist wenig bekannt. Aus dem 2. und 3. Jh. v. Chr. liegen
bestimmte Beweise für die Herstellung tönerner Gefäße,
auch zur Mitgabe in Gräber, und namentlich Dachziegel vor; aber zweifellos
wurde irdene Ware schon viel früher anfertigt. Porzellan dagegen
stammt erst aus dem 6. und 7. Jh. unserer Zeitrechnung.
Über die Erfindung
der Schriftzeichen ist nichts Bestimmtes bekannt. Aus dem wohl dem 12.
Jh. v. Chr. entstammenden Tschau li geht hervor, daß in jedem neunten
Jahre die Geschichtsschreiber der verschiedenen Fürstentümer
zur Vergleichung der Aussprachen und Schriftzeichen in der Reichshauptstadt
zusammenkamen. Nach einem Lexikographen des 12. Jh. n. Chr., Tai tung,
haben die ersten kraftvollen Fürsten der Tschau-Dynastie in dieser
Beziehung Ordnung und Einheit geschaffen; und in der aus dem 5. Jh. v.
Chr. stammenden "Unveränderlichen Mitte" wird erwähnt,
daß es nur dem Kaiser gebühre, die Gebräuche anzuordnen,
die Maße festzusetzen und die Zeichen zu bestimmen: jetzt hätten
durch das ganze Reich alle Wagen Räder von derselben Form, und alle
Schrift werde mit denselben Zeichen geschrieben.
Durch Riemchen zusammengehaltene Täfelchen aus Bambus
dienten bis nach Kungs Zeiten zum Schreiben; in diese wurden die Zeichen
zuerst eingeschnitten, später mit einer lackähnlichen Flüssigkeit
aufgemalt. Die Erfindung oder wenigstens Verallgemeinerung des Haarpinsels
stammt erst aus der Zeit nach 220 v. Chr. Später kamen Seide und
andere billigere Stoffe zur Verwendung. Papier aus Baumrinde, Hanf und
alten Netzen stammt von 105 n. Chr., solches aus Lumpen erst aus dem 4.
bis 5. Jh. n. Chr.; indessen ist auch Seide nachweisbar noch bis 418 n.
Chr. benutzt worden.
Von ganz besonderem Interesse
für unsere Kenntnis der alten Kultur der Chinesen sind die in Schantung
an verschiedenen Orten noch vorhandenen Überreste der inneren Beläge
von Grabkammern. Die beiden hauptsächlichsten Fundstellen befinden
sich am Wu tsze schan und am Hiao tang schan, aber auch in Honan und Sz'schwan
sind ähnliche Grabstellen gefunden worden. Sie stammen aus dem 2.
Jh. n. Chr., hauptsächlich von 147-169 und 125-137; doch kann es
nach literarischen Angaben keinem Zweifel unterliegen, daß bereits
im 2. Jh. v. Chr. die Kunst, flache Reliefs darzustellen, in China weit
verbreitet gewesen ist. Die auf den inneren Belägen der vorerwähnten
Grabkammern dargestellten Szenen, deren Kenntnis uns namentlich Edouard
Chavannes vermittelt hat, sind fast ausschließlich den klassischen
Werken entnommen; aber sie geben in ihrer Mannigfaltigkeit, bei der Darstellung
von Wagen, Reitern, Kampf, Jagd und Fischfang, kaiserlichen Empfängen
und feierlichen Aufzügen mit Elefanten, Kamelen und Affen ein charakteristisches
Bild von Altchina.
Einige Abbildungen von Palästen mit reichem äußeren Schmucke
finden eine vervollständigende Erklärung in einem von Wang Wenkao
in der zweiten Hälfte des 2. Jh. n. Chr. verfaßten Gedicht
über den "Palast der übernatürlichen Klarheit",
den König Kung, Sohn des Kaisers King (154-140 v. Chr.), in der zweiten
Hälfte des 2. Jh. v. Chr. zu Lu in Schantung hatte errichten lassen.
Wang beschreibt ihn:
"Ganz oben befinden sich in großer Anzahl Barbaren
auf den oberen Balken; sie scheinen die Regeln des Anstandes zu beobachten,
indem sie niederknien, und sie sehen sich einer den anderen an; Sie haben
große Köpfe und den stieren Blick des Geiers; sie haben ungeheure
Köpfe mit tiefliegenden Augenhöhlen und machen die Augen weit
auf; sie machen den Eindruck von Leuten, die sich an einem gefährlichen
Platz befinden und Furcht haben; von Schrecken ergriffen, runzeln sie
die Augenbrauen und sind voller Unruhe. Göttliche Wesen sind ganz
oben auf dem First; eine Frau aus Nephrit sieht das Fenster an und blickt
nach unten. Plötzlich wird der Blick getrübt durch die Menge
der Geräusche und Formen, als wenn Dämonen und Geister dort
wären. Man hat alle Arten und Menge der Wesen dargestellt, die im
Himmel und auf der Erde sind, die verschiedensten Gegenstände, die
merkwürdigsten Wunder, die Götter der Berge, die Geister der
Meere. Man hat ihre Bilder dargestellt. Mit roten und blauen Farben hat
man die tausend Figuren und die zehntausend Verwandlungen dargestellt.
Jedes Ding hat seinen Platz und seine Art; dank der Farbe sieht jedes
seiner Gattung ähnlich, durch die Kunst hat man ihr Wesen ausgedrückt.
Oben geht man zurück bis zu der großen Trennung (der beiden
Elemente aus dem Chaos) und bis zum Anfang des ältesten Altertums;
da sind die fünf Drachen mit zwei Flügeln, Dschen hoang mit
seinen neun Köpfen, Fu hi mit seinem schuppenbedeckten Körper;
Niu kwa und sein Oberkörper, der in eine Schlange ausläuft.
Das Chaos ist groß und unförmig; sein Aussehen ist roh und
unbearbeitet. Und hier erscheinen, glänzend von Licht, Hoang ti,
Tang und Jü; sie haben den Wagen hien und den Hut nien; ihre Mäntel
und ihre Kleider sind verschiedene Kleidungsstücke. Unten kommt man
zu den drei Dynastien (den Hsia, Jü und Tschau); hier sind die kaiserlichen
Lieblingsfrauen und die Häupter der Aufstände, die treuen Untertanen
und die frommen Söhne, die hervorragenden Männer und die tugendhaften
Frauen; die Weisen und die Dummen, die Sieger und die Besiegten; es gibt
niemand, der nicht vorhanden wäre. Die bösen Beispiele sind
da, um die Welt vom Schlechten abzuwenden, die guten, um die Nachwelt
zu lehren."
Die auf den Tafeln der
Grabkammern abgebildeten Paläste zeigen Vögel (Pfauen, Fasanen,
Trappen, Eulen, Reiher, Krähen) und spielende Affen, auch einen auf
einen Hasen stoßenden Falken auf den Firsten der Dächer und
auf den breiten, dachförmigen Bedeckungen anscheinend freistehender
Säulen; andere Tafeln enthalten Darstellungen fabelhafter Wesen aus
der mythischen Zeit sowie Bilder der alten Kaiser und Helden, die den
von Wang beschriebenen ähneln.
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