| Auch auf der Seite: Zeittafel bis 1911 | |
![]() |
Neuere Geschichte Chinas (2)
|
Die Mandschu-Dynastie (1821-1894) Vom Opiumkriege bis zu den Pekinger Verträgen Bis zur Regierung des Kaisers Hsuan Tsung (Tao Kwang; 1821-1850) war China wohl mit Fremden überhaupt, aber, wenn man die verschiedenen Gesandtschaften der Portugiesen, Spanier, Holländer, Russen und Engländer abrechnet, mit den Mächten jenseit der Meere weder in freundliche noch im feindliche Berührung gekommen. Die Fremden, die China besuchten, waren entweder unruhiges Raubgesindel gewesen, die Gewalt übten und Gewalt zu leiden hatten, oder Kaufleute, die des Gewinnes wegen sich viel von den Beamten und dem Volke Chinas gefallen lassen mußten. Die Tatsache, daß die Kaufleute, die sich in Kanton, dem einzigen seit langer Zeit dem Handel geöffneten Hafen, aufhielten, nicht durch Regierungsbeamte, sondern durch Kaufleute, und auch die Engländer nur durch die Agenten der Ostindischen Gesellschaft vertreten wurden, erhöhte die Mißachtung der Chinesen, da auch dem chinesischen Kaufmanne die niedrigste Stelle unter den Bewohnern angewiesen wird. Als das Monopol der Ostindischen Gesellschaft für den Handel in China 1834 ablief und die englische Regierung an die Stelle der Gesellschaft trat, war es klar, daß der bestehende Zustand der Rechtlosigkeit der Fremden nicht fortdauern konnte. Der Versuch der Chinesen, den Opiumhandel zu verhindern, war der Vorwand, nicht die Veranlassung zu Englands erstem Kriege, der 1840 ausbrach und nach nicht unrühmlichen Widerstand der Chinesen 1842 zum Frieden vom Nanking führte; seitdem sind die Fremden in China aus dem Zustand der Duldung in den eines rechtlich anerkannten Schutzes getreten. Zugleich wurden dem fremden Handel fünf Häfen: Kanton, Amoy, Futschau, Ningpo und Schanhai, geöffnet und die schon 1841 erworbene Insel Hongkong förmlich an England abgetreten. Verträge mit Frankreich und den Vereinigten Staaten folgten 1844; in Verbindung mit dem französischen wurden Zugeständnisse in Ausübung der christlichen Religion erlangt. Hatte somit der Ausgang des ersten Kampfes mit einer europäischen Macht dem Ansehen der Dynastie erheblichen Schaden zugefügt, so war die Regierung Tao kwangs auch sonst nicht besonders glücklich; Aufstände auf Formosa, auf Hainan, der Miao tsze, der nur mit Mühe unterdrückt wurde, und Dschihangirs in Turkistan (1825-28), der China ebenfalls große Anstrengungen auferlegte, trugen dazu bei, die finanzielle Lage der Regierung und damit des Landes zu verschlechtern. Dies und daneben wohl auch eine gewisse patriotische Entrüstung über die Schwäche der Regierung den Fremden gegenüber, dazu Klanstreitigkeiten in Kwangsi haben unter Tao kwangs Nachfolger Wen Tsung (Hsien feng oder Hsien fung; 1850-61) den Aufstand der langhaarigen Empörer (Tschang mao oder Taiping, nach der Devise ihres späteren Kaisers) hervorgerufen. Der Aufstand brach 1850 unter Führung eines gewissen Hung Tsiu tsuen aus, der kurze Zeit in Kanton den Unterricht eines amerikanischen Missionars Roberts genossen hatte und sich für den jüngeren Sohn Gottes und Bruder Christi erklärte. In raschem Siegeslaufe zog er von Kwangsi bis an den Jangtsze, eroberte im März 1853 Nanking und erklärte sich dort zum Kaiser. Bereits im Mai setzte ein Teil der Taiping über den Jangtsze und marschierte nach Norden. Nach wechselnden Kämpfen bemächtigte er sich Tsinhais am Kaiserkanal, wo ihn bald kaiserliche Truppen, zu denen ein Aufgebot von Mongolen gestoßen war, belagerten. Im April 1854 näherte sich ein Entsatzheer der Taiping; es erreichte seinen Zweck, wurde jedoch trotz einzelner Erfolge über die Kaiserlichen im Mai über den Hoangho zurückgedrängt. Mit dem Mißlingen dieses Vorstoßes war das Schicksal des Aufstandes im großen entschieden. Die Züge der Taiping-Heere waren nur noch Plünderungen; und das Ende wäre wohl früher eingetreten, wäre nicht die Regierung in Schwierigkeiten mit den Fremden gekommen. Chinas Versuche, die Ausführung der Verträge zu umgehen, und besonders die Nichtzulassung der Fremden in die Stadt Kanton veranlaßten 1857 einen zweiten Krieg Englands gegen China; Frankreich, das sich über die Ermordung eines Missionars zu beklagen hatte, schloß sich an. Die Einnahme der Takuforts und die Besetzung von Tientsin führten zu Verhandlungen und dem Abschlusse von Verträgen (im Juni 1858), durch die weitere Häfen geöffnet und fremde Vertreter zeitweilig in Peking zugelassen wurden. Als aber die Gesandten Englands und Frankreichs im Juni 1859 vor Taku erschienen, um sich zur Ratifikation der Verträge nach Peking zu begeben, wurde ihnen die Zulassung verweigert und ein Versuch, sie zu erzwingen, mit großem Verluste zurückgewiesen. So kam es zu einem dritten Krieg Englands und Frankreichs gegen China. Am 20. August 1860 wurden die Takuforts genommen, am 18. September die Chinesen bei Tschang kia wan, am 21. bei Pa li kiao durch Cousin de Montauban ("Graf von Palikao") geschlagen und am 13. Oktober Peking besetzt. Nachdem am 18. Oktober das kaiserliche Lustschloß Juen ming juen zur Strafe für die verräterische Gefangennahme und grausame Behandlung der englischen Parlamentäre von den Engländern zerstört worden war, wurden am 24. und 25. Oktober die neuen Verträge in Peking unterzeichnet, in denen die dauernde Anwesenheit fremder Vertreter in der Hauptstadt zugestanden wurde. Die verbündeten Truppen räumten Peking, behielten aber bis zur Ausführung der Abkommen Tientsin, die Takuforts, Schanghai und Kanton besetzt. |
|
|
Kanal in Kanton Karte der Gegend von Kanton |
|
|
Hien fung war bei der Annäherung der Verbündeten nach Jehol geflohen und starb dort am 22. August 1861. Als seine Witwe und die Mutter seines einzigen Sohnes im September nach Peking zurückkehrten, stürzten sie im Vereine mit zwei Brüdern des verstorbenen Kaisers, den Prinzen von Kung (gestorben Ende April 1898) und Tschun, den angeblich vom Kaiser eingesetzten Regentschaftsrat und machten sich selbst zu Regentinnen; die Mutter des jungen Kaisers Mu Tsung (Tung tschi; 1862-75) ist die später oft genannte (westliche) Kaiserinmutter Tsze hsi, aus dem Klan Jehonala, die, 1851 als Konkubine niederen Ranges in den Palast aufgenommen, nach der Geburt ihres Sohnes zur Konkubine ersten Ranges und dann zur (zweiten) Kaiserin ernannt worden war. Bei Übernahme der Regierung fanden die Regentinnen das Reich in Aufständen zerrissen. Noch residierte der Taipingkaiser in Nanking; seit 1860 verheerten die Nienfei, berittene Räuber, den Norden des Reiches; in Jünnan, wo 1856 ein mohammedanischer Aufstand ausbrach, gab es unter Sultan Sulaiman ibn-i Abd ur-Rachman in Talifu ein selbständiges Reich; in Chinesisch-Turkistan und Ili herrschte Jakub Khan, während Kansu und Schensi fast ganz in den Händen mohammedanischer Empörer waren. Nach harten Kämpfen, an denen in der Umgebung von Schanghai die Amerikaner Ward und Burgevine und der englische Major Ch. G. Gordon als Führer der "immer siegreichen (chinesischen) Armee" und in und bei Ninpo der Kommandant des englischen Kriegsschiffes "Encounter" Roderich Dew und die französischen Marineoffiziere Le Brethon, Tardif und Giquel beteiligt waren, fiel Nanking 1864, nachdem der Taipingkaiser kurz vorher durch Selbstmord geendet hatte, und ein Jahr später waren die letzten Haufen der "langhaarigen" Empörer besiegt; 1868 sah das Ende des Nienfei-Aufstandes; 1872 fiel Talifu und ein Jahr später die letzte Feste der dortigen Aufständischen, und 1878 war nach dem am 31. Mai 1877 erfolgten Tode Jakub Khans der Aufstand in Turkistan durch Tso Tsung tang unterdrückt, nachdem er 1873 schon in dem eigentlichen China beendet gewesen war. Ili (Kuldscha), das die Russen während der Unruhen in diesen Gebieten besetzt und 1879 in dem zu Livadia mit Tschung Hau (oder Hou) abgeschlossenen Vertrag zugesprochen erhalten hatten, wurde durch den Petersburger Vertrag des Marquis Tseng gegen eine Entschädigung und Grenzregelung China zurückgegeben. Leider erlaubten schwierige Auseinandersetzungen mit dem Auslande der chinesischen Regierung nicht, ihr Augenmerk ausschließlich auf die inneren Verhältnisse zu lenken. Japan bemächtigte sich 1880 der an China tributpflichtigen Liukiu-Inseln. Das französische Vorgehen in Tongking und Anam führte 1883-85 zu Feindseligkeiten zwischen Frankreich und China, die mit der Anerkennung des französischen Protektorats über diese bisher China tributpflichtigen Länder endigten, und 1886 besetzte England das in ähnlichen Beziehungen zu China stehende Burma. Tiefer berührten chinesische Verhältnisse Zerwürfnisse mit Japan. Das ebenfalls China tributpflichtige Korea hatte mit Japan 1876 einen Vertrag abschließen müssen, der einige Häfen des Landes dem japanischen Handel öffnete. Auf das Zureden Chinas erfolgte 1882 der Abschluß weiterer Verträge mit dem Auslande; doch schon im Juni dieses Jahres brach ein hauptsächlich gegen die Japaner gerichteter Aufstand aus, den die Chinesen unterdrückten. Die mit den Japanern verbündeten Radikalen erhoben sich 1884 in Söul; und wieder wandte sich das Volk schließlich gegen die Japaner. Diese ebenfalls von China geschlichteten Unruhen hatten weitere Verhandlungen zwischen ihm und Japan zur Folge; 1885 kamen beide Mächte darin überein, ihre Truppen aus Korea zurückzuziehen und, falls ein Einschreiten später dort notwendig werden sollte, den anderen Teil rechtzeitig zu benachrichtigen: ein Abkommen, das für einige Jahre die beiderseitigen Beziehungen besserte. Das Jahr 1891 brachte eine der von Zeit zu Zeit wiederkehrenden, gegen eingeborene Christen und fremde Missionare gerichtete Bewegungen, diesmal im Jangtszetal; angeblich von einer geheimen Gesellschaft, der Kolao hui, angestiftet, nahm sie bald größere Ausdehnung an. Durch das vereinte Vorgehen der fremden Gesandtschaften wurde die Bewegung schließlich unterdrückt; aber die Gelegenheit, die chinesische Regierung von dem Ernst und der Einigkeit der fremden Mächte zu überzeugen, wurde leider nicht benutzt: der Keim zu weiteren, sich aus der Fremden- und Missionarfrage ergebenden Schwierigkeiten war damit gelegt. |
|
|
Ji-Sin,Prinz von Kung |
J Jung, Marquis Tseng |
Tschung Hou |
Li Hung Tschang |