Die Sui-Dynastie (581 oder 589-617 oder 619)
Wen Ti oder
Kao Tsu (581-604) ließ eine Vermessung des Reiches vornehmen und
richtete insofern eine neue Verwaltung ein, als er die einzelnen Verwaltungsbezirke
voneinander abhängig machte. Er beschützte die Literatur und
den Handel und machte einen vergeblichen Versuch, das indische Kastenwesen
in China einzuführen. Ein gegen Korea zu Wasser und zu Lande unternommener
Feldzug mißlang vollständig. 604 wurde er, angeblich von
seinem Sohn Kwang, ermordet, der ihm als (Sui) Jang Ti (605-617) nachfolgte.
Tschangan in Schensi, Lojang in Honan und Tschiangtu (Jangschou) in
Kiangsi waren die drei Hauptstädte des Reiches. Jang Ti war ein
prachtliebender Fürst, der die Finanzen des Reiches durch prachtvolle
Bauten, kostspielige Reisen und unglückliche Feldzüge gegen
Korea ruinierte. Bereits 613 standen in verschiedenen Teilen des Reiches
"Kaiser" neuer kleiner Staaten auf. Li Jüan, Herzog von
Tang, oder richtiger sein Sohn, Li Schi min, setzte 617 gegen den Kaiser
Jang Ti, der sich immer wüsteren Ausschweifungen hingegeben hatte,
Kung Ti I. (Jo) auf den Thron und nach ihm Kung Ti II. (Tung), der 619
ermordet wurde. Li Schi min machte darauf seinen Vater zum ersten Kaiser
der Tang-Dynastie unter dem Namen Kao Tsu.
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Die Tang-Dynastie (618-907)
Die Regierung
Kao Tsus (618-626) war fast ganz mit Kämpfen gegen die mehr als 20
Usurpatoren angefüllt, die entweder noch aus der Zeit der Sui-Dynastie
her bestanden oder sich unter der neuen Regierung an verschiedenen Stellen
des Landes erhoben und sich zu unabhängigen Königen (Wangs)
oder Kaisern erklärten. Der letzte dieser "Königlein",
Schi tu, der sich bereits 617 zum Herrscher von Liang gemacht hatte, wurde
erst 628 besiegt. Damit war die Tang-Dynastie im ganzen Reich anerkannt.
Kao Tsu, der
Regierung müde, dankte 626 ab, und sein Sohn Li Schi min herrschte
nun unter dem Namen Tai Tsung* (627-649). Unter ihm, einem der bedeutendsten
Herrscher, war überall Ruhe. Die noch an der Südküste vorhandenen
freien Stämme wurden dem chinesischen Reich einverleibt, dessen Grenzen
im Westen bis an das Kaspische Meer reichten. Im heutigen chinesischen
Turkistan wurden vier Statthaltereien errichtet, und noch über die
äußerste, Kaschgar, hinaus, erkannten viele Stämme die
Oberhoheit Chinas an, die in der Errichtung von 16 Befehlshaberstellen
ihren Ausdruck fand. Chinesischer Einfluß reichte bis nach Sogdiana,
Khoraßan und Nepal; 643 schickte der griechische Kaiser Theodosios
eine Gesandtschaft nach Tschangan. Kao Tsu und sein Sohn taten viel für
die Literatur und Bildung des chinesischen Volkes: sie richteten Schulen
und Prüfungen ein, und Tai Tsung verfaßte ein Gesetzbuch für
seine Beamten. Gegen Ende seiner Regierung unternahm er einen Zug gegen
Korea, den erst sein Sohn glücklich zu Ende führte.
Kao Tsung
(650-683) war ein schwacher Wollüstling, in dessen Leben und nach
dessen Tode seine Gemahlin Wu Hau, die Kaiserin Wu, eine große Rolle
spielte. Ursprünglich eine der niedrigeren Beischläferinnen
Tai Tsungs, zog sie sich nach dessen Tod (649) in ein buddhistisches Nonnenkloster
zurück. Als Kao Tsung unter den Einfluß einer seiner Palastdamen
zu geraten schien, erinnerte sich seine Gemahlin der früheren Geliebten
ihres Schwiegervaters und zog sie an den Hof. Hier nahm Wu Tschao (ihr
ursprünglicher Name) bereits 654 den ersten Platz ein. Bald gelang
es ihr auch, die echte Kaiserin zu verdrängen und ganz zu verderben,
und 674 wußte sie die Ernennung ihres Neffen Wu Tschengtsze zum
Herzog von Tschau durchzusetzen, während ihr Gemahl (seit 655) und
sie den Titel Kaiser und Kaiserin des Himmels annahmen. Nach den Tode
des Kaisers (683) setzte sie zuerst zwei Söhne, Tschung Tsung und
Jui Tsung, auf den Thron, übernahm aber noch in demselben Jahre selbst
die Regierung. Von 684-705 hat sie mit großer Grausamkeit und Willkür,
aber mit solchem Erfolg geherrscht, daß sie, von dem aus der Verbannung
herbeigeholten Tschung Tsung abgesetzt, bis zu ihrem kurz danach erfolgten
Tode mit Auszeichnung behandelt wurde. Sie ist am besten unter dem Namen
Wu Tse tien bekannt.
Tschung Tsung,
der während seiner langen Verbannungen seine geistigen Fähigkeiten
fast ganz eingebüßt hatte, war ein Spielball in den Händen
seiner ehrgeizigen und wollüstigen Gemahlin, der Kaiserin Wei Hou,
die ihn 710 vergiftete und seinen Sohn Tschung Mao auf den Thron setzte;
auch dieser wurde nach kurzer Zeit entfernt und durch den ebenfalls wieder
aus der Verbannung geholten Jui Tsung (710-712) ersetzt. Dessen Sohn Lung
tschi erhob sich darauf, erstürmte den Palast, tötete die Kaiserin
Wei und wurde von seinem Vater als Kaiser anerkannt.
Unter Hsüan
Tsung (auch Tang Ming Huang; 712-756) herrschte am Hof und im Reiche die
größte Unordnung. Der Kaiser lag vollständig in den Banden
seiner Geliebten Jang Kwei Fei (Kwei Fei ist der nächste Titel nach
dem der Kaiserin), deren drei Schwestern er ebenfalls in seinen Harem
aufgenommen hatte; sie und ihre Verwandten überhäufte er mit
Gunstbezeigungen. Unter seinen männlichen Günstlingen nahm An
Lüh schan, ein Tatar, der ursprünglich A la schan hieß,
die erste Stelle ein; an die Spitze eines großen, gegen die Turk-
und tatarischen Stämme bestimmten Heeres gestellt, erklärte
er sich 755 für unabhängig und wandte sich gegen die Hauptstadt.
Auf der Flucht wurde der Kaiser von seinen empörten Soldaten gezwungen,
Jang Kwei Fei durch seinen Lieblingseunuchen (und Minister) Kao Li tsze
erdrosseln zu lassen, während die Soldaten einen Bruder und eine
Schwester der Geliebten öffentlich hinrichteten. Dieser Zwischenfall
hat zu einigen der schönsten chinesischen volkstümlichen Balladen
Veranlassung gegeben.
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Su Tsung (756-762)
war ein schwacher Fürst, der ganz in den Händen einer seiner
Geliebten, Tschang Liang ti, war, die durch den Einfluß eines Eunuchen,
Li Fu kuo, zur Kaiserin erhoben wurde. Als die beiden sich entzweiten,
benutzte Li den Tod des Kaisers, um auch die Kaiserin ermorden zu lassen.
Unter Tai Tsung (763-779) erfreute er sich anfänglich ebenfalls großen
Einflusses, wurde aber dann mit anderen Eunuchen hingerichtet. Ein Aufstand
der Grenzvölker, der von unzufriedenen Chinesen angestiftet worden
war, wurde 765 besonders durch die Bemühungen des Generals Kwo tsze
i unterdrückt, der schon unter dem vorigen Kaiser eine hervorragende
militärische Rolle gespielt hatte.
Te Tsung (780-805),
dem es nicht an Willen, wohl aber an Ausdauer und Kraft fehlte, seine
Absichten durchzuführen, versuchte in die Verwaltung des Reiches
verschiedene Änderungen einzuführen, namentlich die Macht der
Statthalter der Provinzen (in jedem der zehn Tao gab es oft mehrere),
die sich teilweise zu erblichen Herren der Gebiete gemacht hatten, zu
brechen; aber er mußte flüchten und konnte erst nach längeren
Kämpfen wieder in seine Hauptstadt zurückkehren. Auch in anderen
Reformen war er nicht glücklicher; der Versuch des Ministers Jang
Jen, die Grundsteuer, die Fronarbeit und die Entrichtung von Naturalabgaben
aufzuheben und durch eine halbjährlich zu entrichtende Geldsteuer
zu ersetzen, endete 781 mit der Hinrichtung des Reformators. In den letzten
Regierungsjahren des Kaisers herrschte die größte Unordnung
in allen Zweigen der Verwaltung, und die Ämter wurden den Meistbietenden
zugesprochen.
Von dieser
Zeit an geht es mit der Tang-Dynastie abwärts; die Herrscher stehen
entweder ganz unter dem Einflusse taoistischer Schwindler oder sind in
den Händen der Eunuchen, die verschiedene von ihnen absetzen oder
ermorden. Die Versuche der Statthalter, sich selbstständig zu machen,
führen zu immer neuen Aufständen, die nur mit Mühe unterdrückt
werden. 880 bemächtigte sich Huang Tschao der Hauptstadt Tschangan
und erklärte sich zum Kaiser; erst 884 wurde er, und nur mit Hilfe
von tatarischen Grenztruppen, besiegt; Tschu Tschüan tschung, einer
der Anhänger Huang Tschaos, der zu den Kaiserlichen übergegangen
war und ein Kommando im Heer erhalten hatte, begann eine große Rolle
zu spielen. Die Eunuchen, die viele Prinzen des kaiserlichen Hauses ermordeten,
versuchten den Kaiser Tschao Tsung zu entführen; Tschu führte
ihn wieder nach Tschangan zurück, wo er ihn 904 ermordete und seinen
Sohn Tschao hsüan Ti auf den Thron setzte. Nachdem Tschu alle Beamten
und Prinzen, von denen er Widerstand gegen seine Pläne befürchten
konnte, aus dem Wege geräumt hatte, setzte er 907 den Kaiser ab.
Damit hatte die Tang-Dynastie ihr Ende erreicht, und Tschu Tschüan
tschung ward als Tai Tsu der erste Herrscher der späteren (Hou-)
Liang-Dynastie.
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Die fünf Dynastien
Schon vor
dem Falle der Tang-Dynastie hatten sich an verschiedenen Stellen des Reiches
unabhängige Staaten gebildet. Zu diesen kamen später andere,
in denen sich Anhänger der Tang-Dynastie erfolgreich gegen die Usurpatoren
der Hou-Liang-Dynastie und der nachfolgenden verteidigten. Häufig
bezeichnen die Chinesen dies Zeitalter der "späteren fünf
Dynastien" auch als das der "zehn Staaten"; von diesen
lagen (Tschien) Schu in Sz'tschwan, Wu in Kiangsu, Min in Fukien, Wu Jüe
in Tschekiang, Nan Han in Kwangtung (Kanton), Tschu in Hunan, Tsching
nan in Hupei. Außerdem bestanden Tschi in Schensi und Kansu und
Jen in Tschili (Peking) als besondere Staaten. Im Norden und Westen hatten
sich zwei tatarische Stämme, die Khitan (Liao) und die Hsia, weiterer
Gebiete bemächtigt und bildeten, die ersteren seit 937, die anderen
seit 1031, eigene Reiche.
Von den fünf
Dynastien herrschte als erste die spätere (Hou-) Liang-Dynastie (907-923),
die tatsächlich nur in Honan und Schantung Geltung hatte; ihr zweiter
Kaiser, Mo Ti, erlag einem Usurpator aus dem Fürstentum Tsin, Li
Tsun hsü, von Turkabstammung. Dieser gründete 923 als Tschuang
Tsung die spätere (Hou-) Tang-Dynastie, die bereits 936 nach einer
unrühmlichen Regierung von vier Kaisern zu Ende ging, deren letzter,
Fei Ti, von den Khitan belagert, sich in Lojang mit seinem Palast verbrannte.
Die von den Khitan eingesetzte spätere (Hou-) Tsin-Dynastie, die
ihnen tributpflichtig war, wurde auch durch sie zerstört; 946 eroberten
sie die Hauptstadt Kai feng fu in Honan und führten den Kaiser Tschu
Ti gefangen weg. Nach kurzem Interregnum bestieg Liu Kao als Kao Tsu,
erster Kaiser der späteren (Hou-) Han-Dynastie, 947 den Thron; es
gelang ihm, die Khitan zum Abzug zu bewegen. Aber schon sein Sohn Jin
Ti erlag 950 dem General Kuo Wei, der, von seinen Soldaten zum Kaiser
ausgerufen, als Tai Tsu, erster Kaiser der späteren (Hou-) Tschan-Dynastie,
951 den Thron bestieg. Doch schon sein Enkel Kung Ti wird von den durch
sein Heer zum Kaiser gemachten General Tschao Kwang jin** 960 entthront
Diese Kämpfe
haben sich fast ausschließlich im Tale des Hoangho abgespielt; in
den südlichen und westlichen Teilen Chinas herrschte damals verhältnismäßig
Ruhe.
*Nach moderner Transkription: Tai-tsung
** Nach moderner Transkription: Tschao Kangyin
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