Die ältere Geschichte Chinas (1) Tschau*-Dynastie (1122-249 v.Chr.) Die Vorfahren der Tschau haben ursprünglich in der Nähe des jetzigen Pintschau am mittleren Laufe des Tsching-Flusses gesessen, eines linken Nebenflusses des Wei, der sich selbst wieder in den Hoangho ergießt. Von den Ti-Barbaren bedrängt, die er weder durch Geschenke noch durch Tributzahlungen hatte gewinnen können, hatte sich der erste Herzog von Tschau, Tan fu, 1327 v. Chr. südlich auf dem halben Wege zwischen Tsching und Wei, auf den Tschi-Bergen (Tschi schan), niedergelassen. Sein Sohn Wen wang verlegte dann die Residenz noch weiter südlich auf das rechte Ufer des Wei an den Feng, in die Gegend des heutigen Singanfu in Schensi. Die Annahme, daß Volk und Dynastie der Tschau tatarischen Ursprungs gewesen seien, hat manches für sich, so besonders das in ihrer Zeit zu beobachtende Eindringen schamanischer Einflüsse in die Staatsreligion. Hexen und Zauberer nehmen unter den Tschau eine amtliche Stellung ein; sie sind die ständigen Begleiter der Fürsten, und es geschieht kaum etwas in Staat oder Familie, ohne daß sie nicht vorher befragt worden wären. Ebenso dürften Menschenopfer (bei Begräbnissen), die im Schiking, im Li ki, bei Meng tsze erwähnt werden und bis in die Anfänge der Mandschu-Dynastie (Mitte des 17. Jh.) vorkommen, auf tatarische Einflüsse zurückzuführen sein. Die Schicksale der Tschau bis 600 v. Chr. Die Schaffung einer großen Anzahl von Lehensstaaten durch den ersten (Wu wang) und zweiten Herrscher der Dynastie (Tscheng wang) läßt sich vielleicht auf das doppelte Bedürfnis zurückzuführen, einerseits durch Belehnung von Verwandten und Dienen die eigene Macht zu stärken, andererseits sich Freunde unter den vorhandenen Großen zu erwerben, So werden neben 15 Brüdern des ersten Herrschers auch den Nachkommen der ersten fünf Kaiser, anderer Herrscher und verdienter Staatsmänner Lehen, im ganzen 55, verliehen; außerdem aber besteht noch oder wird geschaffen eine große Anzahl (angeblich bis 1800) von kleineren und größeren Reichsunmittelbaren. Die Größe der Lehen wurde nach dem Range der Beliehenen geregelt und scheint zwischen 100 Li für Fürsten und Grafen und 50 für einfache Edle geschwankt haben. Von den größeren Lehen, von denen 125 mit Namen erhalten sind, lagen Tschi, Lu, Tsao in Schantung, Jen in Tschili beim heutigen Peking, Tsin, von denen sich später Tschao, Han und We abzweigten, in Schansi, alle nördlich vom Hoangho; südlich davon in Honan: Tschen, Tscheng (zuerst in Schensi), Sung, Tsai, Wei; in Schensi, westlich von dem großen Bogen des Hoangho: Tschin (Tsin); am mittleren Jang tsze in Hukuang; Tschu; endlich Wu im heutigen Kiangsu und Jue in Tschekiang. Die Schaffung dieser Lehensstaaten legte aber auch den Grund zum Untergange der Dynastie; denn mit dem Niedergange der kaiserlichen Gewalt wuchs die Macht der großen Territorialherren, die zuerst ihren Ausdruck in Familienzwistigkeiten innerhalb der Fürstentümer selbst, dann in Kämpfen zwischen den verschiedenen Lehensstaaten fand. Das erste Zeichen in dem Wechsel der Beziehungen zwischen Kaiser und Fürsten war ein Aufstand in Lu und die Thronbesteigung Tsis, des Mörders seines Bruders (1039), ohne daß der Kaiser Tschao wang eingegriffen hätte. Mu wang (1001-946) spielt eine große Rolle in der späteren taoistischen Literatur; vermutlich auf Grund eines tatsächlich von ihm ausgeführten Kriegszuges gegen einen Stamm der Dschung wird erzählt, daß er der Si Wang mu, der westlichen königlichen Mutter, die im Kwenlun ihren Wohnsitz gehabt haben soll, einen Besuch abgestattet habe, den die Bambusbücher mit vielen Einzelheiten phantasievoll schildern. Li wang (878-827) wurde842 wegen seines schlechten Lebenswandels von Volke verjagt, während seine Minister die Regierung weiterführten. Sein Sohn Hsüan wang (827-782) unternahm eine Anzahl von Feldzügen, besonders gegen die während der Regierung seines Vaters von China abgefallenen Grenzvölker, und unterwarf sie wieder. Mit seinem Sohne Ju wang (781-771) beginnt die "geschichtliche" Zeit. In seine Regierung fällt die Erzählung von schönen Mädchen von Pao, Pao sze, das, von dem Fürsten des kleinen Vasallenstaates Pao, den er bekriegen wollte, als Geschenk übersandt, es bald verstand, ihn vollständig in seine Fesseln zu schlagen. Die chinesischen Geschichtsschreiber erzählen, daß er, um seiner Geliebten ein Lächeln abzulocken, eines Tages die Signalfeuer habe anzünden lassen, die bestimmt gewesen seien, die Truppen der Lehensstaaten zur Hilfe herbeizurufen. Die genarrt zu sehen, habe sie wirklich lachen gemacht; als aber einige Jahre später wirklich ein Einfall der Dschung stattgefunden habe, seien die Fürsten trotz des gegebenen Zeichens nicht herbeigeeilt, und der Kaiser sei mit seiner Geliebten von den Feinden erschlagen worden. Sein Sohn und Nachfolger Ping wang (770-720) verlegte die Residenz nach der schon von Tscheng wang, Wu wangs Sohn (1115), gegründeten östlichen Hauptstadt** Tung tu in Lo jang. Mit ihm beginnt das Zeitalter der Tung Tschau, d.h. der östlichen Tschau. Die weitere Geschichte Chinas ist mehr die der Kämpfe zwischen den verschiedenen Lehensstaaten als die des kaiserlichen Hauses, innerhalb dessen viel Unordnung herrschte. Im Original erscheinen hier jetzt die Kapitel über den Konfuzianismus in der Tschau-Zeit (siehe Seite "Konfuzianismus") Der Ausgang der Tschau (600-249) Außer den Kämpfen zwischen den Fürsten des Reiches wurde die Macht des Kaisertums durch Familienzwistigkeiten und oft mit Aufstand und Mord verbundene Erbfolgestreitigkeiten so geschwächt, daß es überhaupt nicht mehr imstande war, in die fortwährenden Kämpfe zwischen den Vasallen des Reiches einzugreifen. Die Ergebnisse der Kämpfe, die mit dem 5. Jh. v. Chr. begannen und 221 v. Chr. endigten, läßt die nachstehende, aus den Arendtschen Tabellen geschöpfte Übersicht erkennen. Sung erobert Tsao 487; von Tschi erobert 286 (Tschi von
Tschin erobert 221).
* nach moderner Transkription: Tschou |
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Zeittafel ausgewählter
Daten
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vor 1100 Schlacht von Muye: die Tschou unter Wu
wang besiegen den letzten Herrscher der Schang |
613-591 Zhuang wang (!) von Chu. Ohne Wahl seit
597 Reichsfürst |
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