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Das Christentum und die Fremden in Japan

Der geschichtliche Verlauf der Beziehungen Japans zum Christentum

In den Schluß der traurigen Asikagazeit fällt die erste Berührung zwischen Europäern und Japanern. Das erste Jahr (zwischen 1530 und 1545) steht nicht fest; auch über die Namen der ersten Besucher besteht keine Übereinstimmung. Gewöhnlich nimmt man 1543 an; das schlösse allerdings, wenn Fernand Mendez Pinto, der "Vater der Lügen", der es dennoch verdient, daß man sich ernstlich mit ihm beschäftige, seine Abenteuer in zeitlicher Reihenfolge erzählt hat, ihn von der beanspruchten Ehre aus, einer der drei ersten Fremden in Japan gewesen zu sein. Jedenfalls haben aber diese ersten Besucher zu den Abenteurern gehört, die damals auf eigene Faust oder als Genossen chinesischer Freibeuter die ostasiatischen Meere und Küsten unsicher machten. Bald nach der Entdeckung Japans und den ersten Berichten über die guten Aussichten, die sich dem fremden Handel dort böten, muß ein ziemlich starker Zusammenfluß von Fremden stattgefunden haben.

Nach nach dem Kaufmann kam der Missionar. Franziskus Xavier traf 1549 in Kagosima ein und ging, da er dort keine freundliche Aufnahme fand, weil der Fürst (König, wie es in den Berichten heißt) von Satzuma über das Ausbleiben der portugiesischen Schiffe während des letzten Jahres erzürnt war, nach Nagato und Bungo und von dort aus nach Kioto, wo er wegen der Unruhen ebenfalls wenig Erfolg hatte. Er verließ Japan 1551, um nach Indien zurückzukehren und dort Missionare für Japan zu werben, starb aber auf dem Wege dorthin. An Arbeitern sollte es indessen auf dem neuen Felde nicht lange fehlen. Bereits 1564 bestanden sieben Kirchen und Kapellen in den Vorstädten von Kioto und eine Menge kleiner christlicher Gemeinden in Südwesten von Japan, besonders auf der Insel Kiuschiu. Bis 1581 war die Zahl der Kirchen in Japan auf mehr als 200 und die der eingeborenen Christen auf 150 000 gestiegen; und bis zu dem im nächsten Jahr erfolgten Tode Nobunagas, der die Christen offen begünstigte, vielleicht um in ihnen ein Gegengewicht gegen die ihm feindliche buddhistische Priesterschaft zu finden, ging das Bekehrungswerk ohne Störungen weiter. Die christlichen Fürsten von Bungo, Arima und Omura auf Kiuschiu sandten 1583 eine aus vier jungen Edlen bestehende Gesandtschaft an den Papst, angeblich um sich zu Vasallen des Heiligen Stuhls zu erklären; 1591 kehrte diese nach Japan zurück, nachdem sie von Sixtus V. und König Philipp II. empfangen worden war, und brachte 17 jesuitische Missionare mit. Im Jahre 1587 hatte sich aber bereits die erste Wolke über dem Haupte der fremden Glaubensboten zusammengezogen in der Form eines Verbannungsbefehls, den vermutlich der Wunsch Taikosammas, sich in den Kampf um die Oberherrschaft die Unterstützung der Buddhisten zu sichern, veranlaßt hatte. Die Jesuiten, die es in Ostasien stets verstanden haben, den ihnen und ihrem Werke drohenden Gefahren durch scheinbaren äußeren Gehorsam auszuweichen, schlossen ihre Kirchen und hörten auf, öffentlich zu predigen; die Bekehrungen nahmen aber ununterbrochen und ungestört ihren Fortgang mit solchem Erfolge, daß sich in den drei folgenden Jahren 30 000 Japaner taufen ließen. Taikosamma (Hidejochi) schien anfänglich mit der äußeren Unterwerfung unter seinen Willen zufriedengestellt; vielleicht mochte er auch fürchten, bei zu scharfen Vorgehen des aus dem Handel mit dem Ausland entspringenden Vorteile verlustig zu gehen oder die christlichen Fürsten auf Kiuschiu zum Abfalle von seiner Sache zu treiben. Aber das Auftreten der spanischen Bettelmönche, die in großer Menge von den Philippinen herüberkamen und seinen Befehlen Trotz boten, indem sie ihre geistlichen Gewänder trugen und öffentlich predigten, führte zu weiteren Maßregeln. Das Ausweisungsdekret wurde erneuert, einige Kirchen und den Missionaren gehörende Häuser wurden zerstört und endlich 1596 sechs Franziskaner, drei Jesuiten und siebzehn japanische Christen nach Nagasaki gebracht und dort gekreuzigt.

Aber auch diesmal schien die Gefahr infolge des klugen Verhaltens der Jesuiten vorübergehen zu sollen. Nach Taikosammas Tode zeigte sich Ijejas, der mächtigste der um die Herrschaft kämpfenden Führer, anfänglich den Missionaren nicht abgeneigt; er versuchte sogar die spanischen Mönche zur Herstellung direkter Handelsbeziehungen zwischen seinem Erblande, dem Kwanto (Gebiet um Jedo,) und den Philippinen zu benutzen. Bald aber mußte auch er Stellung gegen die fremden Missionare und die einheimischen Christen nehmen. Was ihn dazu veranlaßte, war wohl deren Benehmen selbst. Einerseits fuhren die spanischen Bettelmönche fort, den Befehlen der Regierung offen Trotz zu bieten und auch ihre Bekehrten dazu aufzustacheln; andererseits gab an vielen Stellen die Unbotmäßigkeit der letzteren zu ernsten Bedenken Veranlassung. Während der Blüte des Bekehrungswerkes waren in manchen der von christlichen Fürsten beherrschten Gebieten, besonders auf Kiuschiu, wenn nicht auf Anraten, so doch mit der Billigung der Missionare, wie aus ihren Berichten klar hervorgeht, grausame Buddhistenverfolgungen ins Werk gesetzt worden. In Omura wurden z.B. nach der erfolgten Bekehrung des Fürsten alle Tempel und Götzenbilder im Lande durch Truppen zerstört; in Amak'sa ließ der Fürst 1577 seinen Untertanen nur die Wahl zwischen Bekehrung oder Auswanderung, und auch in manchen anderen Gebieten wurde, wer sich weigerte, die neue Lehre anzunehmen, gleich welchen Standes, von Haus und Hof vertrieben. Als infolge der Siege von Taikosamma und Ijejas' gerade im Süden, wo sich ihre hauptsächlichsten Gegner befanden, vielfach eine neue Einteilung und Besetzung der Fürstentümer stattgefunden hatte und die heidnischen Fürsten nunmehr begannen, ihre christlichen Untertanen, wie einst ihre Vorgänger die heidnischen, zu verfolgen, zeigte sich namentlich unter der bäuerlichen Bevölkerung ein Geist der Auflehnung und des Widerstandes, wie man ihn auf Japan in diesen Klassen nicht gewohnt war; dies rief neue Maßregeln gegen Missionare und Christen, ja bald gegen alle Fremden hervor. Im Jahre 1606 wurde das Christentum verboten und 1613, vielleicht infolge einer 1611 auf der goldreichen Insel Sado, wohin Tausende von eingeborenen Christen zur Strafarbeit verbannt worden waren, angeblich entdeckten Verschwörung, für staatsgefährlich erklärt, die Zerstörung aller Kirchen sowie die Ausweisung aller Missionare angeordnet und ausgeführt. Im Jahre 1614 wurden 22 Franziskaner, Dominikaner und Augustiner, 117 Jesuiten und einige hundert japanischer Priester und Katecheten mit Gewalt an Bord von drei Dschunken gebracht und fortgeschickt, so daß die in Japan lebenden 600 000 (nach japanischen Quellen 2 Millionen) eingeborenen Christen auf einen Schlag ihre Seelsorger verloren. Der Sieg des Ijejas über Hidejori, den Sohn Taikosammas, in der Schlacht von Sekigahara, in der die christlichen Fürsten auf der Seite des Besiegten gestanden hatten, verschlechterte die Lage der Christen noch mehr.

Vor allem Dingen aber veranlaßten die fortwährend wiederkehrenden Versuche fremder Priester, heimlich Eingang in das Land u erlangen, die japanische Regierung zu immer schärferem Vorgehen. Hidetada, der Sohn und seit 1616 (oder 1605) Nachfolgerdes Ijejas, verhängte 1617 nun auch gegen fremde, in Japan gefundene Priester die Todesstrafe, die bisher nur einmal (1596) gegen sie zur Anwendung gebracht worden war. Der fremde Handel wurde 1617 auf Hirado und Nagasaki beschränkt, 1621 allen Japanern verboten, das Land verlassen, und 1624 wurden alle Fremden, mit Ausnahme der Holländer und Chinesen, des Landes verwiesen; ein Maßregel, die indessen erst 15 Jahre später ganz ausgeführt wurde. Inzwischen ging die Verfolgung gegen die eingeborenen Christen ihren Weg. Tausende wurden gekreuzigt, verbannt, ertränkt oder sonst zu Tode gemartert, ohne daß jedoch, wie es sich nach mehr als 200 Jahren herausstellt, das Christentum ganz ausgerottet worden wäre.

Im Dezember 1637 brach auf Kiuschiu ein Aufstand aus, der, wenn auch nur mittelbar mit dem Christentume zusammenhängend, die Verfolgung erneuerte und verschärfte. Es handelte sich in erster Linie wohl um eine Erhebung der durch die Auferlegung immer neuer Steuern und sonstiger Bedrückung zur Verzweiflung gebrachten Bauern von Arima, denen sich aber bald alle Christen der Umgegend anschlossen. Die Aufständischen trugen nach zeitgenössischen holländischen Berichten leinene Kleider, waren kahl geschoren, verwüsteten die heidnischen Tempel und hatten als Feldgeschrei Sankt Jago gewählt. Sie setzten sich nach vergeblicher Bestürmung eines Schlosses des Fürsten von Amak'sa auf der Halbinsel Simabara fest und verteidigten sich dort heldenmütig gegen die Fürsten von Arima und Amak'sa und die Regierungstruppen, bis sie nach heftigen Kämpfen am 16./17. April 1638 der Übermacht unterlagen 17 000 Köpfe sollen als Siegeszeichen aufgesteckt worden sein, und von den angeblichen 35 000 Aufständischen sind wohl nur wenige mit dem Leben davongekommen. Am 25 April wurden die Vorsteher der portugiesischen Faktoreien gefangen gesetzt, da man ihnen wohl eine Mitschuld an dem Aufstand zuschrieb. Am 22. August wurde den portugiesischen Galeotten unter Androhung der Todesstrafe die Fahrt nach Japan verboten, und am 2. September wurden die letzten Portugiesen mit ihren beiden bis dahin gefangenen gehaltenen Vorstehern ausgewiesen. Am 11. Mai 1641 erhielten die Holländer, die letzten Fremden in Japan, den Befehl, nach Nagasaki überzusiedeln, wohin auch die Chinesen geschickt wurden. So endete für den Augenblick nach kaum hundert Jahren die erste Berührung der Japaner mit Europa und dem Christentum.

Die Ursachen für das schnelle Heimischwerden und den schnellen Niedergang des Christentums in Japan

Die Schnelligkeit der anfänglichen Erfolge der religiösen und der Handelsbeziehungen erklären die in Japan seit der zweiten Hälfte des 16. Jh. bis 1615 herrschenden inneren Zustände. Das Land war von Zwistigkeiten und Kämpfen zerrissen, in denen der materielle Wohlstand der mittleren und unteren Klassen der Bevölkerung zugrunde gegangen war. Die beiden einheimischen Religionen brachten keinen Trost: der Schintoismus war längst eine Mythe geworden und hatte nie einen Halt an Herz oder Gemüt des Volkes besessen; auch der Buddhismus hatte seine belebende Kraft eingebüßt und sie durch die Lehre ersetzt, daß nur Gebete und Priester Hilfe und Errettung von den Gefahren der Seelenwanderung bringen könnten. Außerdem beteiligten sich die Priester an den politischen Tagesfragen zu lebhaft, um ein Ohr und ein Herz für die Leiden des kleinen Mannes haben zu können. Daher fanden die christlichen Missionare bald zahlreichen Zulauf; sie versprachen den Armen und Elenden sofort nach dem Tode die Freuden des Paradieses, die die Buddhisten erst nach langen Prüfungen in Aussicht stellten, und durch die Pracht des Gottesdienstes, zahlreiche Zeremonien und Mysterien, an denen die Bekehrten selbst Anteil nehmen durften, schlugen sie die Gegner auf ihrem eigenen Felde.

Wesentlich für den ersten Erfolg war es wohl auch, daß die Einleitung der Beziehungen in den Händen der Jesuiten lag, während ein großer Teil der Schuld am Zusammenbruche der Bekehrungswerkes auf die Bettelorden fällt. Durch die Bulle vom 28 Januar 1585 hatte Papst Gregor XIII. den Jesuiten das ausschließliche Recht zugesprochen, Missionare nach Japan zu entsenden. Klemens VIII. erteilte am 12. Dezember 1600 den Bettelorden dasselbe Recht, vorausgesetzt, daß sie sich in Portugal einschifften und über Goa nach Japan gingen; und am 11. Juni 1608 hatte Papst Paul V. dies Recht auch auf die Bettelmönche ausgedehnt, die sich über die Philippinen nach Japan begeben würden. Die Mitglieder der Bettelorden hatten aber in den meisten Fällen überhaupt nicht auf die Erteilung der nachgesuchten Erlaubnis gewartet, sondern waren auch ohne sie nach Japan gegangen, obgleich darauf die "excommunicatio major ipso incurrenda" stand. Dies Verfahren gab in mehr als einer Beziehung nicht nur zu unziemlichen Streitigkeiten zwischen den Missionaren selbst Veranlassung, sondern es untergrub auch ihr Ansehen in den Augen unfreundlich gesinnter Japaner. Außerdem war die Art, wie die Bettelorden bei ihrem Bekehrungswerk verfuhren, sehr verschieden von der der Jesuiten: während die letzteren sich den Anschauungen, Wünschen und Befehlen der japanischen Machthaber so weit wie möglich anpaßten, legten die Franziskaner, Dominikaner und Augustiner ersichtlich Wert darauf, ihnen trotzig entgegenzutreten und für den zu erreichenden Zweck auch keine Äußerlichkeit zu opfern.

Zu gleicher Zeit bestand zwischen Portugiesen und Spaniern ein politischer Gegensatz, den die Vereinigung der beiden Königreiche (1580) eher vermehrt als vermindert hatte. Seit der ersten Berührung der Fremden mit Japan war Portugals Macht und damit das Ansehen seiner Sendlinge sehr zurückgegangen; der Aufstand der spanischen Niederlande, die Kriege zwischen England und Holland, der Niedergang der spanischen Macht unter Philipp II. und III. erlaubten den japanischen Machthabern, im 17. Jh. zu wagen, wozu sie im 16. Jh. nicht imstande gewesen waren. Außerdem war das Betragen der fremden Kauf- und Seeleute nicht derart, ihren Zuneigung oder Achtung der Japaner zu erwerben. Zwar brachte der fremde Handel auch den Fürsten des Landes reichlichen Gewinn; aber er war zugleich eine fortwährende Quelle der Eifersucht und Besorgnis unter ihnen, da jeder von ihnen der größten Anteil an sich zu reißen suchte. Nachdem eine starke Zentralgewalt, das Schogunat des Ijejas, hergestellt worden war, versuchte diese natürlich, sich den Handels ganz zu bemächtigen und ihre bisherigen Nebenbuhler und jetzigen Untertanen davon auszuschließen. Die Haltung der verschiedenen in Japan anwesenden Nationalitäten: Portugiesen, Spanier, Holländer und Engländer, die sich bei den Japanern gegenseitig anschuldigten und verleumdeten, die Klagen, die sie bei ihnen wegen weggenommener Güter und Schiffe vorbrachten, schadeten ebenfalls ihrem Ansehen. Auch die fortwährenden Händel unter den in Japan anwesenden Fremden, wie ihre Überhebung den Eingeborenen gegenüber, lassen die Abneigung erklärlich erscheinen, die unter den stolzen Japanern im Laufe der Jahre gegen sie entstand.

Gleichzeitig gab der Sklavenhandel, den alle Fremden, besonders die Portugiesen, in Japan trieben, den Japanern Vorwand und Grund zur Unzufriedenheit. Die inneren Kriege und der Zug gegen Korea, wie die Verarmung der niederen Klassen hatten so viel Ware auf den Markt geworfen, daß, wie Bischof Cerqueira erzählt, sich selbst die malaiischen und schwarzen Diener der portugiesischen Kaufleute japanische oder koreanische Sklaven kaufen konnten, um sie nachher in Macao wieder zu verkaufen. Dieser Handel in Menschenfleisch, den die Behörden in Macao wie die geistlichen Behörden (Bischof Cerqueira 1598 und eine Vorgänger vor ihm) vergeblich zu unterdrücken versucht hatten, bilden unzweifelhaft eine der berechtigtsten Beschwerden der Japaner, die bereits 1621 die Ausfuhr von gemieteten oder gekauften Japanern ohne besondere Erlaubnis untersagten und später unter den härtesten Strafen ganz verboten.

Die Art des Vorgehens der Japaner gegen die Fremden

So kam es, daß, als die bis dahin in Japan unbekannte Aufsässigkeit der Landbevölkerung die Machthaber mit Besorgnis erfüllte und diese hinter den religiösen Zwecken der Missionare politische Absichten vermuteten, der von jenen gefaßte und ausgeführte Beschluß, mit dem Christentum auch den Verkehr mit den Fremden zu vernichten, im Land ungeteilten Beifall fand. Die Regierung hatte außerdem im Laufe der Jahre durch eine Anzahl von Maßregeln die Fremden in den Augen der Bevölkerung herabzusetzen und ihres Einflusses zu berauben gewußt. Es wurde 1635 den Portugiesen verboten, sich Sonnenschirme von Japanern nachtragen zu lassen oder mehr als eine Kleinigkeit Almosen zu geben; gleichzeitig wurde ihnen befohlen, bei dem Betreten eines Rathauses (soll sicher Rasthauses heißen, R.B.) ihre Schuhe auszuziehen; in demselben Jahre wurde ihnen, mit Ausnahme ihrer Vorsteher, verboten, Waffen zu tragen, und sie mußten ihre alten Diener entlassen und neue annehmen. Die Holländer durften sich nur innerhalb ihrer Häuser von japanischen Dienern bedienen lassen. Ein holländischer Bootsmann wurde 1638 enthauptet. Alle mit Holländern oder Engländern lebenden japanischen Frauen wurden 1639 ausgewiesen, und den Japanerinnen wurde verboten, mit Holländern eheliche Verbindungen einzugehen; 1640 wurde ein Bottelier von den Japanern wegen Ehebruchs mit einer Japanerin hingerichtet. Auf dem Schiffe "Die Gracht" hatte man zwei weiße Kaninchen nicht auf die Liste gesetzt, die alle lebenden Tiere aufzählen mußte: der Kapitän ward seines Amtes enthoben. Die holländische Faktorei in Kirado ward nach Kirchengerätschaften untersucht und den Holländern befohlen, alle Gebäude niederzureißen, an deren Giebeln sich eine Jahreszahl befände.

Der kaiserliche Befehl lautete: "Seine Kaiserliche Majestät (d.h. der Schogun) haben sichere Nachricht, daß ihr ebenso wie die Portugiesen Christen seid. Ihr feiert den Sonntag, ihr schreibt das Datum von Christi Geburt an die Dächer und Giebel eurer Häuser, ihr habt die zehn Gebote, das Vaterunser, das Kredo, den Kelch und die Verteilung von Brot, die Bibel, das Testament, Moses, die Propheten und die Apostel, in Summa, ein Werk. Die Hauptsache bleibt; die Verschiedenheit zwischen beiden halten wir für gering. Daß ihr Christen seid, ist lange vorher bekannt gewesen; aber wir meinten, daß es ein anderer Christus sei. Worauf Seine Majestät Euch durch mich befehlen läßt" usw.

Und 1641 erfolgte der Befehl, daß die Toten der Holländer nicht mehr begraben, sondern 4-5 Meilen von der Küste im Meer versenkt werden sollten. Am 29. August wird dieser Befehl zum erstenmal ausgeführt, "weil eine Christenleiche nicht der Erde wert sei". Im nächsten Jahr ward auch der frühere Begräbnisplatz der Holländer in Hirado zerstört. Wenn man den Holländern und Chinesen trotzdem gestattete, in Nagasaki zu bleiben, so geschah dies, weil man ohne sie gewisse Waren, deren man bedurfte, nicht hätte erhalten können, und weil man auf sie angewiesen war, um von etwaigen Anschlägen der anderen Mächte gegen Japan rechtzeitig unterrichtet zu werden. Im übrigen wurden die Angehörigen beider Nationen wenig besser als wie Gefangene behandelt.

Die Lage seit der Wiedereröffnung Japans

Als Japan 1854-58 dem fremden Handelsverkehr geöffnet worden war, fanden die katholischen Missionare, die auch diesmal den Kaufmann auf dem Fuße folgten, bei Nagasaki, namentlich im Dorf Urakami, Überreste der früheren christlichen Gemeinden, die man durch die lange und grausame Verfolgung ganz ausgerottet glaubte. Unvorsichtigkeiten der Missionare lenkten auch die Aufmerksamkeit der japanischen Regierung auf den Fall; 1867 wurden 78 dieser eingeborenen Christen verhaftet, und man versuchte, sie durch Drohungen zur Abschwörung ihres Glaubens zu veranlassen. Den Bemühungen der fremden Vertreter,besonders des französischen Gesandten M. Roches, gelang es, die Freilassung der Leute gegen das Versprechen zu erlangen, daß die Missionare außerhalb der Niederlassungen von aller Proselytenmacherei Abstand nehmen würden. Kaum war aber der Mikado 1868 zur Regierung gelangt, als die Verfolgung gegen diese Leute und ihre Glaubensgenossen wieder aufgenommen und die Verbote gegen die schlechte Sekte der Christen erneuert wurden. Über 4000 eingeborene Christen wurden verhaftet und trotz allen Einschreitens der fremden Vertreter in kleinen Gruppen an verschiedene Landesfürsten zur Strafarbeit verteilt. Erst 1873 erreichte man ihre Freilassung und setzte die Aufhebung der Verbote gegen die christliche Lehre durch. Seit dieser Zeit ist der Tätigkeit der Missionare innerhalb der allen Fremden zum freien Verkehre zugewiesenen Grenzen kein Hindernis in den Weg gelegt worden. Deren Bemühungen scheitern aber hauptsächlich an dem stark entwickelten Nationalgefühle der Japaner; unzweifelhaft ist außerdem in weiten Kreisen eine Abneigung gegen den Missionar vorhanden, der oft nur als ein politischer Agent seines Heimatlandes angesehen wird. Namentlich ist die Überstellung von Gott, Jesus, dem Papste, der Kirche und der Bibel über den Mikado der Hebel, womit das japanische Selbstbewußtsein, auch als Neuschintoismus, verletzt wird. Jedenfalls hat sich dieser nach Gefühl und Bekenntnis der einzelnen mehr oder weniger ausgesprochene "Japano-Zentrismus" bis jetzt als das größte Hindernis für die Ausbreitung des Christentums erwiesen; ihm sind die verschiedenen erfolgreichen Versuche auch japanischer Christen zuzuschreiben, sich von dem Einfluß fremder Missionsgesellschaften und der Verbindung mit ihnen frei zu machen. Will man an eine Christianisierung Japans glauben, so wird man sie daher auf japanischer Grundlage suchen müssen.