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Japanische Pilger

Japan hat seinen heiligen Berg; es ist der 3745 Meter hohe vulkanische Kegel des Fujijama. Viele haben ihn gewiß im Bild gesehen, denn er schmückt recht häufig japanische Fächer, Vasen, Teller u. dgl. Der Fujijama ist ein vielbesuchter Berg, und alljährlich sollen über 30 000 Japaner zu seinem Gipfel emporklimmen. Das tun sie aber nicht aus Lust am Bergsteigen, sondern als Buße, denn wer nach ihrem Glauben den Fujijama besteigt, dem werden seine Sünden vergeben.

Es gibt in Japan sogar Pilgervereine, die kleine Beiträge sammeln, um alljährlich einer Anzahl unbemittelter Leute die Wallfahrt zu ermöglichen. Daran nehmen aber nur die Männer teil, denn Frauen ist die Besteigung des Berges verboten. Die Tracht der Wallfahrer veranschaulicht das Bild. Sie tragen alle helle Jacken, ebensolche Hosen, weiße Strümpfe und dazu Strohsandalen. Ihre Häupter werden von riesigen Strohhüten beschattet.

Zu der Ausrüstung gehören noch Strohmatten, die zusammengerollt, an Bändern über der Schulter getragen werden, Rosenkränze und kleine Schellen, die die Pilger in der Linken halten, und mit denen sie auf ihrem Zug fortwährend klingeln. Beim Besteigen des Berggipfels kommt noch ein mächtiger Bergstock hinzu. Herbergen und Schutzhütten sind um den Berg verstreut und am Kratergipfel, der 1707 zum letztenmal Feuer und Lava gespien hat und noch heute leichte Rauchwolken ausstößt, erheben sich Tempel und Kapellen.

Oben angelangt begrüßen die Pilger, Rosenkränze aneinanderreibend und Gebete murmelnd, die aufgehende Sonne. Die Priester verkaufen verschiedene Andenken an den Berg, Kleinigkeiten, die gern mitgenommen werden, denn sie gelten als Amulette gegen verschiedenes Unheil und als Glücksbringer. Sie werden dann unten im Land gern von Leuten gekauft, die keine Zeit oder keine Mittel hatten, die Wallfahrt mitzumachen. Aber nicht zu dem heiligen Berg allein pilgern die Japaner, sondern auch zu verschiedenen Tempeln im Lande. Vor allem drängen sich die Pilgerscharen nach Nikko, der berühmten Tempelstadt, wo seit dem Anfang des siebzehnten Jahrhunderts der große Herrscher Iynyasu, "Hoheit des ersten Ranges, Licht des Ostens, erhabene Verkörperung Buddhas", ruht. Hierher pflegt auch der Mikado zu pilgern, und über den Gebirgsfluß, der von dem Grabtempel schäumt, ist für ihn eine besondere Brücke aus rotlackierten Balken gebaut, die für gewöhnliche Sterbliche gesperrt bleibt.

Fuji    Bilder



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