Unter kurbrandenburgischer Flagge
| Deutsche Kolonialerfahrungen vor zweihundert Jahren. Nach dem Tagebuch des Chirurgen Johann Peter Oettinger unter Mitwirkung des Kaiserlichen Vizeadmiral z. D. von Henk herausgegeben von Hauptmann a. D. Paul Oettinger. |
|
Die Preußenflagge in Afrika
|
Die Preußenflagge in Afrika *
|
"Leb' wohl, Jan Cuny,
fort von hier,
|
Da blitze Feuerrohr von
Bord,
|
|
Heißt mich mein König
fahren,
|
Die Feste ward beschossen,
|
|
Hier diese Flagge lass'
ich dir,
|
Jan Cuny rief von Süd
und Nord
|
|
Sie sollst du treu bewahren!
|
Herbei die Stammgenossen,
|
|
Sie ist der Ehre Unterpfand,
|
Aschantineger, Mann und
Weib,
|
|
Gib sie in keines andern
Hand,
|
Mir bunt und rot bemaltem
Leib,
|
|
Bis einst ich wiederkehre!"
|
Den Federschmuck im Haare.
|
|
|
|
|
Zum schwarzen Häuptling
sprach's am Strand,
|
Die Negerstämme allzumal
|
|
Die Flagge hoch erhoben,
|
Von der Guineaküste,
|
|
Von Friedrichsburg der
Kommandant:
|
Vom Goldland bis zum Senegal
|
|
"Willst du mir das
geloben?"
|
Und von der Usabwüste,
|
|
Jan Cuny nickt: "Versteh',
versteh'!
|
Sie kamen all' mit Kriegsgesang,
|
|
Das Preußenschiff
stach in die See,
|
Mit Keulen, Spieß
und Bumerang
|
|
Grüßt mit Valet
die Flagge.
|
Zum Schutz der Preußenflagge.
|
|
|
|
|
Nun steigen Sonn' und Sternenpracht
|
Nun wogt der Kampf mit
Sturmgewalt
|
|
Am Himmel auf und nieder,
|
Herüber und hinüber,
|
|
Jan Cuny hält die
Flaggenwacht:
|
Die Bresche klafft im Mauernspalt,
|
|
Wann kehrt der Preuße
wieder?
|
Die Flagge weht darüber,
|
|
Am Strand sich Wog' auf
Woge bricht,
|
Jan Cluny ließ den
Felsenpfad
|
|
Ein preußisch Segel
zeigt sich nicht,
|
Vom Flaggenturm zum Meergestad
|
|
Jan Cuny harrt vergebens.
|
Mit Feindesschädeln
pflastern.**
|
|
|
|
|
Doch fremde Männer
kamen an,
|
So währte sieben Jahre
durch
|
|
Die sich vernehmen ließen:
|
Ein Ringen ohnegleichen,
|
|
"Komm her zu uns,
du schwarzer Mann,
|
Dann lag in Trümmern
Friedricgsburg,
|
|
Und laß uns Freundschaft
schließen;
|
Den Graben füllten
Leichen,
|
|
Das Land ging durch Vertrag
und Kauf
|
Und noch ein Kampf, und
Sturm auf Sturm
|
|
An Holland über, nimm
uns auf
|
Jan Cluny holt vom letzten
Turm
|
|
Und gib heraus die Flagge!"
|
Herab die Preußenflagge:
|
|
|
|
|
Drauf jener: "Bleibt
der Küste fern,
|
Die Flagge soll gerettet
sein,
|
|
Sie kann euch wenig nützen;
|
Ob alle schier ermatten,
|
|
Dies Land bleibt treu dem
alten Herrn,
|
Er hüllt den schwarzen
Leib hinein,
|
|
Der wird uns wohl beschützen;
|
Schritt in den Waldesschatten
|
|
Die Flagge geb' ich nimmermehr,
|
Und barg die Flagge fleckenlos
|
|
Sie ist der Preußen
Hort und Ehr'
|
In seines Urwalds tiefsten
Schoß,
|
|
Und soll auch ihnen bleiben!"
|
Bis Preußen wiederkehre.
|
|
Nun ward sie wieder auferweckt
|
|
Und strahlt vom Fels zum
Meere;
|
|
Die Flagge grüß'
ich, den sie deckt,
|
|
Alldeutschlands Macht und
Ehre,
|
|
Und wo sie weht, ist deutsch
das Land
|
|
Von Kolberg bis zum Kongostrand
|
|
Gott sei mit unsrer Flagge!
|
|
Fedor von Köppen
|
Ein deutscher Kolonisator: Der große Kurfürst.
| * Historische Episode aus der Zeit der kurbrandenburgischen Kolonie in Afrika. Als unter der Regierung Friedrich Wilhelms I. die afrikanische Kolonie aufgegeben wurde, blieb der Negerhäuptling Jan Cluny dem Gelübde treu, das er dem preußischen Könige ablegte. |
| ** Historisch |
©
Copyright 2001 - 2003 by JADU