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Mohammed war nicht nur einer der großen Religionsstifter der
Weltgeschichte, sondern auch als Beherrscher weiter Teile Arabiens einer
der großen militärischen Organisatoren. Er starb 632 n. Chr.
und hinterließ seinem Volk eine starke Armee, die inm Stande war
andere Völker zu unterwerfen und sie zu der neuen Religion zu bekehren.
Noch im gleichen Jahr begann der arabische Vormarsch.
Das Ursprungsland der neuen Religion war die halbinsel Arabien. Nachdem
die auseinanderstrebenden Stämme dort den Islam aufgenommen hatten
und praktisch geeinigt waren, gingen Mohammeds Anhänger daran, die
umliegenden Länder zu erobern. Zuerst stießen sie nach Syrien
(635) und Palästina (637) vor, Länder, die der oströmische
Kaiser gerade den Persern entrissen hatte, und besetzten Antiochia, Damaskus
und Jerusalem. Wenig später wurden die Perser unterworfen, und die
Araber drangen an der Nordküste Afrikas weiter nach Westen vor. 642
eroberten sie Ägypten, 697 hatten sie Karthago erreicht. 711 überquerten
sie bei Gibralter das Mittelmeer und fielen in Spanien ein. Dort unterwarfen
die Araber das Westgotenreich und überschritten bereits nach wenigen
Jahren die Pyrenäen. Erst 732 wurde ihr Vormarsch aufgehalten. Karl
Martell schlug sie bei Tours und Poitiers in Westfrankreich. 827 eroberten
die Araber Sizilien und waren damit Herren des Mittelmeers.
So hatten sie in zwei Jahrhunderten ein Reich gewonnen., das größer
war als das alte Römische Reich.
Ein kluges , tolerantes Volk
Im Unterschied zu den unzivilisierten Stämmen der Völkerwanderung,
die einige Jahrhunderte zuvor West- und Südeuropa erobert hatten,
waren die Araber ein recht hochentwickeltes Volk. Daher achteten sie die
Kultur der von ihnen unterworfenen Völker und waren darüber
hinaus bestrebt, sich die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Besiegten
anzueignen und sie zu nutzen. So hatten sie von den Griechen viele Kenntnisse,
besonders in der Mathematik erworben, vor allem durch die Universität
von Alexandria in Ägypten, und viele griechische Weke wurden ins
arabische übersetzt. Auf diesem Umweg kehrten die griechische Kultur
nun nach Westeuropa zurück, nachdem sie durch die Völkerwanderung
verdrängt worden war.
Die Araber herrschten in Sizilien von 827 bis 1091. Diese Zeit war für
Sizilien eine ausgesprochene Blütezeit. Palermo entfaltete sich zu
einer großen, schönen Stadt mit über 300. 000 Einwohnern
und wurde zu einem wichtigen Handelszentrum mit großen Basaren (Märkten),
wo die Araber die Waren verkauften, die sie aus Afrika, Indien, Rußland,
China und sogar aus Sumatra mitgebracht hatten. Hier wie in anderen arabischen
Zentren entwickelte sich bereits ein blühendes Bankwesen. In den
Läden boten Waffenschiede, Töpfer, Schneider und viele andere
Handwerker ihre Waren an. Kaufleute aus Griechenland, Persien, Syrien
und dem großen Afrika kamen nach Palermo, um dort ihre Geschäfte
abzuwickeln. Der Emir (soviel wie Statthalter) ließ eine Moschee
und einen prächtigen Palast errichten. Außerhalb er Stadt bauten
sich die wohlhabenden Kaufleute ihre Häuser. Von dieser Kulturellen
Blüte Siziliens unter den Arabern zehrten die folgenden Jahrhunderte
normannischer, staufischer und französischer Herrschaft.
Anders als die Volksstämme, die Europa nach dem Zusammenbruch des
Römischen Reiches überflutet hatten, konnten die Araber ihre
Sprache und natürlich ihre Religion beibehalten und bewahren. Sie
verfolgten die Christen nicht, doch sie waren der Meinung, das Christentum
sei zwar gut, aber unvollständig. Gesellschaftliche und finanzielle
Vorteile veranlaßten viele Christen mit der Zeit, zum Islam überzutreten.
(Islam bedeutet soviel wie >>Unterwerfung unter den Willen Gottes<<.)
Moscheen und Paläste
Eine arabische Kirche nennt man Moschee. Sie hat gewöhnlich einen
quadratischen Grundriß und enthält mehrere Räume. Im Hauptraum
befindet sich der Mihrab, die Gebetsnische, der die Kibla, die Richtung
nach Mekka anzeigt. Vor dem Mihrab versammeln sich die Gläubigen,
um zu Allah (Gott) zu beten. Jede Moschee hat eine große Kuppel
und oft noch weitere kleine Kuppeln, und einen Minarett, einen Turm, von
dem aus der Muezzin, der Gebetsrufer, die Gebetsstunden ausruft.
Bilder von Menschen und Tieren in den Moscheen verbietet der Koran, das
Heilige Buch der Mohammedaner. Dafür ist die ornamentale Ausstattung
sehr reichhaltig.
Die Araber legten großartige Paläste an. Es waren in der Frühzeit
geschlossene, regelmäßige Anlagen mit großem Mittelhof,
später weitläufige Komplexe mit verteilten Bauten. Der Hof war
meist mit Bogengängen umgeben. Die Bogen hatten die Form von Hufeisen
oder Halbmonden. Diese Halbmondform hatte die Sichel des zunehmenden Mondes
als Ursprung, die in der Nacht des 15. Juli 622 am Himmel stand, als Mohammed
vor seinen Verfolgern von Mekka nach Medina floh. Bekannt als Hedschra,
d. h. Bruch (mit der alten Stammesorganisation), ist dieses Ereignis zum
Beginn der neuen arabischen Zeitrechnung geworden.
Landwirte und Handwerker
Auch in der Landwirtschaft haben die Araber Hervorragendes geleistet.
In Sizilien und Spanien legten sie große Bewässerungsanlagen
an und verwandelten die trockene Erde in fruchtbares Land. Sie führten
Apfelsinen, Baumwolle, Maulbeerbäume, Zuckerrohr und Dattelpalmen
in Sizilien ein. Die bei uns kaum bekannte Logan-Beere, eine Kreuzung
aus Himbeere und Brombeere, wurde ebenfalls von den Arabern angebaut.
Wie in Syrien, Ägypten und Marokko entwickelten die Araber in Sizilien
und Spanien neue Handwerkszweige. Die in der syrischen Stadt Damaskus
hergestellten "Damast"-Stoffe waren berühmt für ihre
Muster und die Schönheit ihrer Farben. Unter der Anleitung arabischer
Weber lernten auch die Spanier und Sizilianer diese Stoffe zu weben. Man
verwendete sie als Wandbespannungen und Möbelbezüge, die feineren
Seidendamaste für festliche Kleidung. Auch Schwerter, "Damaszenerklingen",
und Luxusgegenstände aus Silber und Bronze, gehämmert und mit
anderen Material eingelegt, zum Beispiel Vasen, Teller, Schmuckkästchen,
brachten die Araber nach Europa.
Kleidung, Waffen und Schiffe
der Araber
Die arabischen Schwerter waren gerade oder gebogen. Oft war ihre Klinge
fein mit Gold und Silber verziert und die Schwertscheide mit kostbaren
Edelsteinen besetzt. Soldaten waren mit Schwert und langer Lanze bewaffnet,
an der ein Pferdeschweif befestigt war. Dazu trugen sie einen kleinen
Rundschild.
Die Männer trugen einen Kaftan, einen weiten Wollmantel, und lange,
enganliegende Hosen, auf dem Kopf einen Turban.
Wörter, die aus dem arabischen
Stammen
Mit den neuen Kenntnissen und Fertigkeiten, die die Araber nach Europa
brachten, drangen zahlreiche neue, aus dem Arabischen entlehnte Wörter
in die Sprachen Europas ein. Die meisten übernommenen Wörter
stammen aus Handel, Landwirtschaft, Schiffahrt und Astronomie, also aus
den Bereichen, in denen die Araber zu Lehrmeistern der europäischen
Völker wurden.
Besondere Fähigkeiten entwickelten die Araber in der Mathematik und
Astronomie. Das Ziffernsystem, das wir tagtäglich benutzen, wurde
von den Arabern eingeführt und hat damals die umständlichen
römischen Zahlen verdrängt.
Die Araber waren auch große Geschichtenerzähler. Die berühmte
Sammlung "Märchen aus Tausend und einer Nacht" stammt zum
größten Teil aus Arabien.
Die Ausbreitung des Islams
| Wichtige Ereignisse |
| |
|
| 570 |
Mohammed wird in Mekka geboren |
| 622 |
Mohammed flieht nach Medina |
| 632 |
Mohammeds Tod |
| 637 |
Die Araber erobern Jerusalem |
| 711 |
Die Araber fallen in Spanien ein |
| 732 |
Karl Martell schlägt die Araber bei Tours und Poitiers |
Quelle: © Wissen Verlag Stuttgart/ Zürich 1969; Jadu 2000
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