Das Bild stellt einen Massenlauf dar, am dritten Tage der fünftägigen Festfeier in der Mitte des vierten Jahrhunderts v. Chr. Die etwa 190 m lange Laufbahn, das Stadion, ist von stufenförmigen Sitzreihen für die Zuschauer umgeben. Soeben endet der letzte der Rundläufe, welche die Wettkämpfer auszuführen haben; die ganze Haltung der Zuschauer zeigt eine fieberhafte Erregung. Die Wettläufer sind dicht vor dem Ziel; sie tragen den Erzhelm, den Rundschild, den Brustpanzer und eherne Beinschienen. Einer ist vor dem Ziel erschöpft zusammengesunken.

Dem Sieger aber jauchzt ganz Griechenland zu, denn aus allen Landschaften sind die Zuschauer herbeigeströmt: rechts der einfach gekleidet Spartaner und der ernste Philosoph aus Tarent in kunstvoll übergeworfnem Mantel; vor ihnen der den Mantel schwenkende Jüngling aus Milet und der sitzende Arkadische Landmann mit dem ärmellosen Gewande aus Schaffell; noch weiter links der vornehme junge Thebaner im feinwollenen buntumrandeten Leibrock nebst dem altern Freunde und Reisegefährten, dem die Kürbisflache an der Seite hängt.

Heute erhält der Sieger nur die Palme, übermorgen aber schmückt ihm der Obmann der Kampfrichter im heiligen Tempelhaine des olympischen Zeus ( in der Altis) mit dem Kranze von Blättern des heiligen Ölbaumes, dem höchsten Preise, der ein Grieche erringen kann. - Von der Altis ist auf dem Bilde nur der Nordostwinkel zu erkennen; er ist durch die Schatzhäuser am Fuße des Kronionhügels und die lange Echohalle hinter den jenseitigen Zuschauern begrenzt.

Quelle: Geschichtsbilder, J.C.Andrä, Voigtländer Verlag, 1908, von rado jadu 2000.