Führung durch Lissabon
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Das Leben und Treiben in Lissabon (Lisbôa), ist äußerst anregend und bietet auf Schritt und Tritt Abwechslung. Die Bevölkerung ist kosmopolitisch gemischt; neben den eingeborenen Portugiesen sehen wie Afrikaner, Mulatten aus den portugiesischen Kolonien, Spanier, Brasilianer, Engländer, Franzosen, Deutsche usw. Die eigentliche Stadt besteht aus vier Stadtteilen, portugiesisch "hairros", der alten Stadt (Alfama) der am Tejo angebauten Neustadt (Rocio), der oberen Stadt ("bairro alto") und dem westlichen Viertel "Alcantara". In der Altstadt sind die Straßen noch eng und unregelmäßig; dieser Stadtteil ist nämlich von dem furchtbaren Erdbeben im Jahre 1755 verschont geblieben und konnte seine alte Bauart ungefähr beibehalten. Dort, wo dies Erdbeben, eines der schreckenreichsten in Europa, die Stadt verwüstete, sind seit der Katastrophe schöne und regelmäßiger gebaute Straßen erstanden. Die schönsten Plätze (Praças) des neuen Lissabon sind die Praça de Commercio, von öffentlichen Gebäuden und Arkaden umgeben, mit der Bronze Reiterstatue Josefs I. die Praça do Rocio, die mit dem vorgenannten Platze durch belebte Geschäftsstraßen verbunden ist der Marktplatz (Praça do Figueira) und der Canoes Platz, am Ausgang des verkehrsreichen Chiado. Den Samoes Platz schmückt das Standbild des berühmtesten portugiesischen Dichters, des Verfassers der "Luisiaden" (Lusiaden). Als belebte Plätze sind noch zu erwähnen: die Praças do Municipio und dos Romulares. Lissabon zeichnet sich durch geschmackvoll angelegte weite Avenuen und Promenaden aus. Man vermutet es nicht und ist davon desto angenehmer überrascht. Da ist vor allem die vornehme 80 m breite "Avenida de Liberdade" zu nennen, die sich im Norden der Stadt hinzieht. Mit ihren zwei breiten Fahrwegen, den Alleen und den Springbrunnen macht sie einen pompösen Eindruck. Hier empfangen wir auch historischen Unterricht an dem Monument, das zum Andenken an die Befreiung Portugals von der spanischen Herrschaft (im Jahre 1640) auf dieser Avenue errichtet worden. Eine sehr schöne Promenade fährt auch längs des Stromufers nach Belem, der südwestlichen Vorstadt. Was Lissabon sonst noch an öffentlichen Anlagen besitzt, das lernen wir in den Praças do Principe Real, S.Pedro de Alcantara, dem ausgedehnten Park Campo Grande, dem königlichen Park das Recessidades, dem botanischen Garten des polytechnischen Instituts, dem Estrellagarten, der Tapada da Ajuda und dem neu angelegten Avenida Park, der Fortsetzung der Avenida de Liberdade, kennen. Von interessanten Bauwerken, die einer Besichtigung zu empfehlen, sind in erster Reihe zu nennen: die königlichen Paläste Ajuda bei Belem und das Recessidades (ein ehemaliges Kloster) mit bemerkenswerten Kunstwerken, das Marine Arsenal, der Cortes Palast (früher Benediktinerkloster), das Stadthaus, die Börse; als Beweis endlich für altportugiesische Tatkraft (die einstmals Großes leistete) das imposante Bauwerk der in den Jahren 1713-32 hergestellten Wasserleitung, die das Wasser 18 lm weit von Bellas nach Lisbo führt und das Tal des Alcantara auf 35 Bogen überspannt. Charakteristisch ist die Torre de Belem, ein wuchtiger, 35 m hoher Turm in maurisch gotischem Stil. Von den zahlreichen Kirchen ist die älteste die Kathedrale Sé am Abhang des Kastellhügels in der Altstadt (mit interessanter gotischer Fassade) die sehenswerteste. Von neueren sind zu nennen: die Estrella mit schöner Marmorkuppel, die Jesuitenkirche S. Roque mit prächtigen Mosaiken, die Klosterkirche Vicente de Fora (die Begräbnisstätte der Dynastie Braganza), ferner außerhalb der Stadt die von Emanuel d. Gr. im Jahre 1500 begonnene Klosterkirche Belem, ein Gemisch von gotischem, maurischem und Renaissancestil, aber nicht unschön wirkend, etwas pomphaft. Ein prachtvoller Kreuzgang ziert den Bau, der die Grabmäler Emanuels, Johanns III. und anderer Herrscher umschließt. Die Industrie Lissabons ist nicht ganz unbeträchtlich und hat alten guten Ruf. In erster Reihe steht die Herstellung von Gold- und Silberwaren Filigranarbeiten schönster Art sind eine Spezialität, die dem Fremden sofort augenfällig wird. Blühende Gewerbe sind ferner: Spinnerei und Weberei in Baumwolle, Seide und Wolle. Auch Luxusartikel werden hier in großen Mengen fabriziert und exportiert. Zahlreiche Arbeiter beschäftigt das Marinearsenal und die königliche Seilfabrik. So hat ganz Lissabon auch seine Bedeutung als Handels- und Hafenstadt nicht verloren, wenn sie sich auch mit der im Mittelalter, wo der Seehandel Portugals blühte, nicht mehr vergleichen läßt. Die Bai von Lissabon bildet einen geräumigen und sicheren Hafen, der auch mit bequemen Kais versehen ist. An Vergnügungen bietet Lissabon seinen Fremden mancherlei Originelles und Amüsantes. Es hat 8 Theater S. Carlos (für die Oper) Donna Maria (für nationale Dramen) und auch Spezialitätenbühnen. Und last not least: genau wie im benachbarten Spanien eine Arena für Stiergefechte. Wer die schöne Umgebung Lissabons und Kleinode portugiesischer Architektur kennen lernen will, wird nicht verabsäumen dürfen, einen Ausflug nach Sintra zu unternehmen. Die Villen Cook (früher Kloster Monserrate), von prächtigem Park umgeben, Penha Verde und das eigenartige Korkkloster Santa Cruz, dessen in den Felsen gehauene Zellen mit Korkplatten belegt sind, vervollständigen die Reihe der Sehenswürdigkeiten von Sintra und Umgegend. Quelle: Reise um die Erde, 1905, Internationaler Welt Verlag, von rado jadu 2001 |
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