Rumänien



 

Rumänien ist ein mittelgroßer Staat, der in Südosteuropa liegt. Die Einwohnerzahl beträgt 22.526.096 (Stand: 1998) das entspricht Platz 13 in Europa und 43 weltweit. Geschlechterverteilung Männer 49 %, Frauen 51 %, davon leben 55 % in Städten und 45 % in Dörfern. 89,4 % der Einwohner sind Rumänen, 7,1 % sind Ungarn im Osten Siebenbürgens, 1,7 % Roma und Sinti, sowie 0,5 % Deutsche und 0,04 % Juden. Zwischen 1990 und 1996 sind fast 100.000 Deutsche von Rumänien nach Deutschland ausgewandert.

Die offizielle Sprache ist die romanische Sprache Rumänisch. Über 70 % aller Wörter kommen direkt aus der Lateinischen Sprache. Den ethnischen Minderheiten ist es erlaubt, ihre Muttersprache in den Schulen zu pflegen. Die meistgesprochene Fremdsprache ist Französisch gefolgt von Deutsch. In den letzten Jahren hat sich die englische Sprache durchgesetzt, besonders bei der jüngeren Generation.

Romania (1), das Sprach-, Siedlungs- und Kulturgebiet der romanischen Völker, ist die einzig verbliebene romanische Insel im osteuropäischen Raum, umgeben von slawischen und ungaro-finnischen Völkern.
Die meisten Rumänen sind orthodoxe Christen, gefolgt von Katholiken, Lutheranern, Kalvinisten usw. Eine Besonderheit sind die, unter der kommunistischen Regime verbotenen und verfolgten 'Greko-Katholiken'. Diese Christen benutzen die orthodoxen Riten und erkennen den Papst als Oberhaupt der Kirche an. Sie sind sozusagen eine Wiedervereinigung (?) zwischen westlichen Katholizismus und östlicher Orthodoxie.
Gegenwärtig haben alle Religionen in Rumänien die gleichen Rechte der Religionsausübung, so gibt es neben christlichen Kirchen, islamische Moscheen und jüdische Gotteshäuser, die Synagogen.

Archäologische Funde weisen nach, daß es im Gebiet des heutigen Rumänien bereits im Paliolitikum menschliche Bewohner gab. Die Rumänen, ursprünglich auch 'Walachen' genannt, sind Nachkommen der romanisierten 'Daker', vermischt mit slawischen Einwanderern.(2)
Der Dakerkönig Decebal (67-106) führte zwei Verteidigungskriege gegen das römische Imperium, unterlag jedoch und beging Selbstmord um nicht als Gefangener nach Rom verschleppt zu werden. In Rom kann man noch heute die 'Columna Traiana' (erbaut vom Imperator Traianus) besichtigen, die diese zwei Kriege zwischen Römern und Dakern darstellt

Im Mittelalter gab es in Rumänien drei Fürstentümer, Tara Romaneasca, Moldova und Transsilvania. Mihai Viteazu (Michael der Tapfere, 1593-1601) war der erste, der diese Fürstentümer vereinigte. Die Türken (Ottomanisches Imperium), die Habsburger (Österreich-Ungarische Monarchie) und die Russen haben immer versucht, durch Eroberung zu expandieren. Trotzdem sind die Rumänen niemals von der Landkarte verschwunden und haben immer ihre Religion und Sprache beibehalten.

Nach dem Ersten Weltkrieg 1918 entstand nahezu das Rumänien, wie wir es heute kennen. Daraufhin folgte ein zwanzigjähriger kultureller und wirtschaftlicher Aufschwung. Dies alles ging jedoch mit dem 2. Weltkrieg und dem darauf folgenden 'kalten Krieg' wieder verloren. Rumänien wurde von 1965 bis 1989 von Nicolae Ceausescu, einem kommunistischen Diktator regiert. Es war ein absurdes und totalitäres Regime, das sich nur mit dem Terror der Geheimpolizei (Securitate) an der Macht hielt.

Nach dem Fall der 'Berliner Mauer' im November 1989 folgte im Dezember desselben Jahres ein blutiger Machtputsch gegen das Ceuausescu Regime. Mit der Revolution gingen 45 Jahre Alleinherrschaft durch die Kommunistische Partei zu Ende.

Die rumänische Hauptstadt Bukarest (Bucuresti) ist die größte Stadt Rumäniens, die Wirtschaftshochburg und kultureller Mittelpunkt des Landes. In Bukarest leben über 2 Millionen Menschen auf einer Fläche von 228 Quadratkilometern. Vor der Zeit der kommunistischen Diktatur wurde es 'Klein Paris' genannt, wegen seiner nach französischem Muster errichteten Gebäude, eleganten Restaurants und Läden, wo man Waren aus aller Welt kaufen konnte. Unter Ceausescu wurden viele Gebäude des alten Bukarest abgerissen und Neubauten im sowjetischen Stil errichtet, so gibt es unzählige triste Plattenbauten neben 230 kleinen orthodoxen Kirchen. Trotz dieses tiefen Eingriffs in die Architektur ist der Charme noch heute zu spüren.

So gibt es heute in Bukarest Orte mit orientalischem Flair wie den großen Markt 'OBOR', wo es laut zugeht und eine große Warenpalette feilgeboten wird: von lebenden Hühnern und Gänsen über Fleisch, Obst und Gemüse, Würmern (für Angler) bis zu Möbeln oder geschmuggeltem Kaviar und Waren aus China. Im Stadtzentrum und im Napoleoner Bezirk sowie nahe dem Cotroceni Palast finden wir wunderbare Häuser mit viel Grün. Heute wird im modernen Stil mit viel Glas gebaut und die ganze Stadt pulsiert in der Erneuerung.

Bukarest ist eine sehr lebendige Stadt mit vielen Kinos, Theatern, Museen, Galerien, Universitäten, Bibliotheken, Buchhandlungen, Antiquitätenläden, Sportstadien, Restaurants, Kneipen und nicht zuletzt steht hier das größte Gebäude der Welt (nach dem Pentagon), der 'Palast des Parlaments'.

Der Weg vom Kommunismus, der viele Spuren hinterlassen hat, zurück in die Demokratie, ist schwer und langwierig. Die Bevölkerung Rumäniens ist zum überwiegenden Teil sehr arm, nur eine Minderheit konnte Reichtum erwerben. Zwischen diesen zwei Gesellschaftsklassen befindet sich die Intelligenz die nach der Revolution zum großen Teil nach Amerika und Westeuropa ausgewandert sind.(3)

 

(1) Romania (lat. romanus, dt. Rumänien)
(2) dtv Brockhaus Lexikon in 20 Bänden, Bd. 15, S. 284
(3) Zur besseren Lesbarkeit wurde weitgehend auf Quellenangaben verzichtet. Literatur bei der Autorin.

Copyright: Christina Mihu at Jadu-Berlin, bearb. von stielzchen, Juli 2000.


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