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Die Alhambra
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In Granada ist das köstlichste und wertvollste Denkmal maurischer Baukunst in Europa. Man darf wohl sagen daß kein Bauwerk der Welt so sehr vom Lichte der Poesie verklärt und so viel bewundert worden ist, wie diese maurische Königsburg, "die rote", wie ihre Bezeichnung im Arabischen lautet. Ein Teil der Bauanlagen stammt aus dem 9. Jahrhundert; über vier Jahrhunderte wurde an dem Bau der Königsveste gearbeitet und die Innendekoration sogar erst im 15. Jahrhundert vollendet. Es haben also beinahe alle maurischen Dynasten an dem Aufbau der Alhambra gewirkt, und tragisch ist es, daß mit dem Augenblick, in dem dieser Bau nun in der Tat fertig war und die Macht- und Kunstfülle des maurischen Königtums sich vor der Welt offenbaren konnte, die maurische Herrschaftszeit ihr Ende erreicht hatte. Und das herrliche Bauwerk entging dem Schicksal nicht, von den erobernden Spaniern, die alles Islamitische mit Stumpf und Stil ausrotten wollten, zum größten Teil zerstört zu werden. Ja, Kaiser Karl V. trug sich mit dem kunstbarbarischen Plan, alles niederzureißen und an Stelle des Maurenpalastes einen Königspalast in schwerem Renaissancestil aufzurichten. Zum Glück für die Kunst blieb der furchtbare Plan in seinen Anfängen stecken. Dieser unvollendet gebliebene Palast begrenzt die "Torre de la Vela" ("Turm der Wache"), von der man ein herrlichen Ausblick auf Stadt und Umgebung hat. Es sind Rudimente, die den Gesamteindruck nicht stören und es ist erfreulicherweise von dem Ganzen der Alhambra noch so viel vorhanden, daß wir uns alles im Geiste rekonstruieren können. Auch die Umgebung ist heute noch würdig. Der Bau, hoch oben über der Stadt thronend, jenseits des Darro, ist von Gärten und Parkanlagen umgeben. Auf der Anhöhe, die ihn trägt, befinden sich die zwei distinguiertesten Hotels Granadas (darunter das sehr bekannte, nach einer Bauspezialität der Alhambra "siete suelos" "sieben Schwellen" benannte), denn die verständigen Touristen kommen ja doch nur der Alhambra willen nach Granada und sind des sehr zufrieden, daß sie die Hauptsehenswürdigkeit so in der Nähe haben. Um zwei offene Höfe, die mit Bassins, Fontainen und Säulenhallen geschmückt sind, gruppiert sich das Bauwerk in seiner Totalität. Das ist der durchgehende Gedanke der ganze Anlage. Nach außen ist die Alhambra durch hohe einfache Mauermassen abgeschlossen, durch die vier Tore ins Innere führen. Diese Tore sind reich dekoriert, so besonders das "Tor der Gerechtigkeit", durch das man auf den "Platz der Zysternen" gelangt. Nun betritt man zunächst den sogenannten "Myrtenhof", der von einer Säulenhalle eingefaßt wird. Und nun erschließt sich uns die ganze Reihe von zumeist wohlerhaltenen Sälen und Baderäumen, die uns eine Vorstellung von dem Luxus und dem Kunstsinn geben, womit diese wehrhaften Königshallen geschmückt wurden: Der Saal der Gesandten, der des Gerichts, der der beiden Schwestern, die Halle der Abencerragen und endlich der am meisten genannte und berühmteste dieser Räume, der "Löwenhof", nach der auf zwölf Löwen von schwarzem Marmor ruhende Fontaine benannt, übrigens ein Beweis, daß in der maurischen Architektur auf ihren Höhepunkt auch abendländische Einflüsse schon herrschend waren, denn eine figürliche Darstellung von Mensch und Tier ist nach dem Koran ausdrücklich untersagt. Bis zum Jahre 1845 diente die Alhambra als Festung und Staatsgefängnis (sic transit gloria mundi), andauernde Reklamationen von Kunstfreunden auch außerhalb Spaniens brachten endlich die spanische Regierung dazu, diese gloriosen Baureste einer kunstsinnigen Zeit in fachgemäßen Schutz zu nehmen und, wo es nötig war, restaurieren zu lassen. Quelle: Reise um die Erde, Internationaler welt Verlag 1905, von rado jadu 2000 |

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