Johann von Bethencourt (1339 - 1425).
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Etwa im Jahre 1339 wurde in Grafschaft Eu, in der Normandie, Johann von Bethencourt, Baron von Saint Martin le Gaillard, geboren. Dieser Johann von Bethencourt stammt aus einem guten Hause, und da er sich im Kriege und auf dem Meere ausgezeichnet hatte, erhielt er eine Stelle als Kämmerer Karl's VI. Ihn beseelte aber eine große Neigung zu neuen Entdeckung, und da ihm, vorzüglich als der König im Wahnsinn verfiel, der Dienst am Hofe lästig ward und er sich auch im eigenen Hause nicht glücklich fühlte, so beschloß er, sein Vaterland zu verlassen und sich durch irgend eine abenteuerliche Eroberung einen Namen zu machen. Eine günstige Gelegenheit bot sich ihm durch Folgendes. Nahe der Küste Afrikas befindet sich eine Inselgruppe mit dem Namen der Canarischen Inseln, welche früher die Inseln der Glückseligkeit hießen. Juba, ein Sohn des Königs Numidias, sollte sie, der Sage nach, schon gegen das Jahr 776 der römischen Zeitrechnung nach besucht und erforscht haben. Im Mittelalter landeten, wie man aus Überlieferungen weiß, Araber, Genuesen, Portugiesen, Spanier und Biscayenser an dieser interessanten Inselgruppe. Im Jahre 1393 ging ein spanischer Senor, Almonaster, der Befehlshaber einer spanischen Flottenabteilung, hier ans Land, durchstreifte Lancerote, eine der Canarien, und brachte außer einer Anzahl Gefangener eine menge Naturerzeugnisse als Belege für die große Fruchtbarkeit des Archipels mit heim. Diese Tatsachen trieben den normannischen Ritter zur Ausführungen seiner Pläne. Die Eroberung der Canarien schwebte ihm vor den Augen und nebenbei wollte er als frommer Christ die Bewohner der Insel zum katholischen Glauben bekehren. Er war ein kühner, intelligenter, geschickter und an Hilfsquellen reicher Mann. So verließ er denn sein Hotel de Grainville la Teinturère in Caux und begab sich nach La Rochelle. Dort traf er mit dem umherirrenden Ritter Gadiser de La Salle zusammen, der ebenfalls auf Abenteuer auszog. Johann von Bethencourt teilte Gadiser seine Absichten mit. Gadiser machte ihm den Vorschlag, sein Glück in Verbindung mit ihm zu versuchen. Zwischen Beiden wurden "ungeheuer viel schöne Worte" gewechselt und die Sache endgültig beschlossen. Inzwischen hatte Johann von Bethencourt seine Armee gesammelt. Er besaß gute Schiffe mit ausreichender Mannschaft und Proviant. Gadiser und er gingen unter Segel und kamen, nachdem sie bei der Insel Ré durch widrige Winde und noch mehr durch wiederholte Zwistigkeiten unter den Leuten längere Zeit aufgehalten worden waren, in den Hafen von Vivero, an der Küste von Galice, und später nach Corogne. Hier blieb Johann von Bethencourt mit seinen Biedermännern volle acht Tage. Die Franzosen hatten einige Streitigkeiten mit einem gewissen Grafen von Schottland, der ihren Anordnungen nicht Folge leisten wollte., doch ging Alles noch mit einem bloßen Wortwechsel ab. Der Baron stach wieder in See, schiffte um Cap Finistère, folgte der portugiesischen Küste bis Cap Saint Vincent und gelangte nach dem Hafen von Cadix, in dem er ziemlich lange Halt machte. Daselbst entstanden auch einige Zänkereien mit genuesischen Kaufleuten, welche ihn beschuldigten, sich unrechtmäßiger Weise ein Schiff angeeignet zu haben, in Folge dessen er sich sogar nach Sevilla begeben mußte, wo der König ihm jedoch volle Gerechtigkeit widerfahren ließ und ihn von der Anklage freisprach. Johann von Bethencourt kam also nach Cadix zurück und traf dort einen Teil seiner Mannschaft in heller Empörung an. Viele Matrosen wollten, erschreckt durch die Gefahren der Expedition, die Fahrt nicht weiter fortsetzen. Der französische Ritter behielt nur die Mutigen bei sich und ließ die anderen ihres Weges ziehen, dann setzte er sofort Segel bei und steuerte auf das hohe Meer hinaus. Drei Tage lang wurde das Schiff des Barons durch Windstillen zurückgehalten; als sich das Wetter dann geändert hatte, erreichte er eine der kleineren Inseln der Gruppe der Canarien, nämlich Graciosa, und endlich eine bedeutendere Insel, Namens Lancerote, deren Länge vierundvierzig und deren Breite sechzehn Kilometer beträgt, die also ungefähr die Größe und nahezu die Form der Insel Rhodus hat. Lancerote ist reich an Weideplätzen und fruchtbarem Ackerlande, das sehr viel Gerste erzeugt. Wasserkünste und Cisternen liefern ihr reichliches gutes Wasser. Die Farbpflanze Orseille wächst hier im Überfluß. Die Einwohner der Insel, welche fast nackt zu gehen pflegen, sind groß und schön gewachsen, und ihre Frauen, welche Lederüberröcke tragen, die bis zur Erde reichen, sehr schön und ehrbar. Johann von Bethencourt wollte sich, bevor er mit seinem Eroberungsprojecte offen hervortrat, wenigstens der Ergebenheit einer Anzahl der Bewohner versichern. Er kannte jedoch das Land nicht und die Sache bot unerwartete Schwierigkeiten. Er zog sich also einstweilen in den Schutz einer kleinen, mehr in den Norden gelegenen Insel zurück, versammelte dort seinen Kriegsrat und legte diesem die Frage vor, was zu beginnen sei? Die allgemeine Meinung sprach sich bei dieser Gelegenheit dahin aus, daß man durch List oder Entführung sich einiger Landbewohner bemächtigen müsse. Das Glück begünstigte den kühnen Rittersmann. Der König der Insel, Guardarsia, setzte sich mit ihm in Verbindung und schwor ihm Gehorsam als Freund, doch nicht als Untertan. Johann von Bethencourt ließ darauf hin ein Castell oder richtiger ein Fort im südwestlichen Teile der Insel erbauen, besetzte es mit einigen Leuten unter dem Befehl Berthin von Berneval's, eines Mannes von erprobtem Eifer, und brach mit dem Reste seiner Truppen auf, um die Insel Erbanie, d.i. das heutige Fortaventura, zu erobern. Gadiser riet zu einer nächtlichen Landung, welche man auch unternahm; dann stellte er sich an die Spitze einer kleinen Abteilung und durchstreifte acht Tage lang die ganze Insel, ohne einen Eingeborenen zu Gesicht zu bekommen, da sich diese alle in die Gebirge geflüchtet hatten. Gadiser mußte wegen Mangels an Nahrungsmitteln zurückkehren und wandte sich nach der Insel Lobos, zwischen Lancerote und Fortaventura. Dort empörte sich aber sein erster Schiffsführer gegen ihn und er kam nur mit Mühe nach dem Fort der Insel Lancerote zurück. Johann von Bethencourt faßte nun den Entschluß, zunächst nach Spanien zu gehen, um Proviant und neue Mannschaft zu sammeln, denn auf seine jetzige Mannschaft konnte er sich nicht allzu sehr verlassen. Er übergab also das Obercommando der Insel an Gadiser; dann nahm er feierlich von Allen Abschied und segelte auf einem Schiff Gadiser's nach Spanien. Man erinnert sich, das Johann von Bethencourt vorher Berthin von Berneval zum Commandanten des Forts auf der Insel Lancerote ernannt hatte. Dieser Berneval war ein persönlicher Feind Gadiser's. Der normannische Ritter war kaum abgereist, als Berneval schon seine Leute zum Ungehorsam aufreizte, und es gelang ihm auch, einen Teil derselben auf seine Seite zu bringen, darunter vorzüglich die Gascogner, welche sich in Folge dessen gegen den Gouverneur empörten. Ohne jeden Verdacht derartiger Machinationen seitens Berneval's hatte sich dieser mit seinem Freunde Remonnet von Leveden und mehreren Anderen zur Jagd auf Seebären nach der Insel Lobos begeben. Der genannte Remonnet war nach Lancerote zurückgegangen, um neue Lebensmittel zu besorgen, fand aber zu seinem Erstaunen daselbst Berneval nicht mehr vor, der mit seinen Complicen die Insel verlassen hatte und nach einem Hafen der Insel Graciosa entwichen war, wo ein durch seine Versprechungen betörter Schiffspatron ihm sein Fahrzeug überlassen hatte. Von Graciosa aus kehrte der Verräter Berneval nach Lancerote zurück und setzte seinen Schurkereien damit die Krone auf, daß er ein Bündniß mit dem König der Canarischen Inseln abzuschließen suchte. Der König, dem es gar nicht in den Sinn kam, daß ein Officier des Herrn von Bethencourt, auf den dieser volles Vertrauen setzte, ihn betrügen könnte, lieferte sich mit achtzig Leuten Berneval ahnungslos aus. Letzterer ließ Alle, als sie eingeschifft waren, in Fesseln legen und nach dem Hafen von Graciosa überführen. Als der König sich so schädlich hintergangen sah, sprengte er seine Fesseln und die von Dreien seiner Leute, denen es glückte, mit ihm zu entfliehen, ihre unglücklichen Gefährten blieben aber gefangen und wurden von Berneval spanischen Seeräubern übergeben, die sie zum Verkauf in fremde Länder mit fortnahmen. Zu dieser Infamie fügte aber auch Berneval noch weitere. Auf sein geheiß bemächtigten sich seine Leute des Fahrzeuges, das Gadiser zur Einnahme von Nahrungsmitteln nach Lancerote gesendet hatte. Remonnet wollte gegen die Verräter ankämpfen, doch befand er sich mit den Seinen einer zu großen Übermacht gegenüber. Ihre vereinten Bitten verhinderten nicht einmal Berneval's Bande und diesen selbst, die Lebensmittel Vorräte, Werkzeuge, Waffen, welche Johann von Bethencourt in Lancerote aufgespeichert hatte, zu berauben und unbrauchbar zu machen. An rohen Beschimpfungen des Gouverneurs fehlte es natürlich nicht und Berneval rief: "Ich wünsche, das Gadiser erfahre, daß ich ihn töten würde, wenn er noch so jung wäre wie ich, da das jedoch nicht der Fall ist, werde ich es unterlassen. Wenn es mir aber einmal wieder einfallen sollte, werde ich ihn auf der Insel Lobos ins Meer tauchen, da mag er Seebären jagen, so viel er will." Inzwischen kamen Gadiser und seine zehn Begleiter wegen Mangels an Speise und Trank in Gefahr, auf Lobos elend umzukommen. Glücklicher Weise hatten sich die beiden Caplane des Forts von Lancerote nach dem Hafen von Graciosa begeben, wo sie einen Schiffspatron für sich gewannen, der über den Verrat Berneval's selbst aufgebracht war. Dieser Mann gab ihnen einen seiner Leute, Namens Ximenes mit, der nach dem Fort von Lancerote zurückging. Dort fand sich ein zerbrechlicher Nachen, den Ximenes mit Lebensmittel belud; dann bestieg er denselben in Gesellschaft von vier Getreuen Gadiser's und wagte sich damit auf's Meer, um die Insel Lobos zu erreichen, wobei er den vier Stunden langen Weg, "durch die gefährlichste Stelle, welche das Meer hier als als Passage bot", zurücklegte. Gadiser und die Seinen litten inzwischen furchtbar an Hunger und Durst. Ximenes traf gerade rechtzeitig ein, um sie vom Tode zu erretten. Als Gadiser von Berneval's Verräterei hörte, schiffte er sich auf demselben kleinen Nachen ein, um nach dem Fort von Lancerote zurückzukehren. Er war auf's Höchste erzürnt über Berneval's Auftreten gegenüber den armen Canariesern, denen Herr von Bethencourt und er selbst Schutz versprochen hatten. Niemals hätte er geglaubt, daß jener Mann, den man sonst für den verläßlichsten unter Allen hielt, solche Schurkenstreiche, solch' heimlicher Verräterei fähig wäre. Was begann aber Berneval selbst in dieser Zeit? Nachdem er seinem Vorgesetzten verraten, verriet er nicht minder seine eigenen Genossen, die ihn bei der Durchführung seiner Schändlichkeiten beigestanden hatten; er ließ Zehn von ihnen an's Land setzen, ging unter Segel in der Absicht, Johann von Bethencourt in Spanien aufzusuchen und seine nachträgliche Zustimmung zu den von ihm getroffenen Maßnahmen einzuholen, indem er ihm das Vorgefallene in seiner Weise herzustellen gedachte. Natürlich lag es in seinem Interesse, sich unbequemer Zeugen zu entledigen, und so ließ er diese einfach zurück. Diese Unglücklichen hatten zuerst den Gedanken, die Großmut des Gouverneurs anzurufen; sie vertrauten sich deshalb ihrem Caplane, der sie in jenem Vorsatze bestärkte. Die armen Leuten fürchteten sich aber vor der Rache Gadiser's, bemächtigten sich eines Schiffes und entflohen in einem Augenblicke der Verzweiflung nach dem Lande der Mauren. Das Fahrzeug strandete an der Küste der Berberei. Zehn seiner Insassen kamen dabei im Wasser um, die Anderen fielen den Heiden in die Hände und wurden als Sklaven verkauft. Zur Zeit, als die erzählten Ereignisse sich auf der Insel Lancerote abspielten, langte Johann von Bethencourt mit Gadiser's Schiffe in Cadix an. Er ergriff zunächst strenge Maßregeln gegen seine murrende. Widerspenstige Mannschaft und ließ zehn der Rädelsführer in Fesseln legen. Dann sandte er sein Schiff nach Sevilla, wo sich König Heinrich III. damals aufhielt; das Fahrzeug ging jedoch zum großen Nachteil Gadiser's im Guadalquivir zu Grunde. Als Johann von Bethencourt sich in Sevilla befand, empfing er dort den Besuch eines gewissen Francisco Calve, der so schnell als möglich von den Canarien gekommen war und sich anbot, mit neuen Provisionen und Waffen für den Gouverneur dahin zurückzukehren. Baron von Bethencourt wollte hierüber jedoch nicht eher eine Entschließung fassen, als bis er den König selbst gesprochen hätte. Inzwischen langte auch Berneval mit seinen tätigsten Spießgesellen an und brachte einige Canarier mit, um diese als Sklaven zu verkaufen. Der Verräter hoffte seine Schändlichkeiten in einem solchen Lichte hinzustellen, daß ihm gar noch ein Dank für seine Maßregeln zum Teil würde, wenn es ihm gelang, Johann von Bethencourt zu täuschen; er hatte aber ohne einen gewissen Courtille gerechnet, der auf Gadiser's Seite stand, und sich gleichzeitig mit ihm einfand. Dieser wackere Soldat brachte die Betrügereien Berneval's an den Tag und auf seine Aussagen hin wurde der Verbrecher im Gefängniß zu Cadix in Fesseln gelegt. Courtille teilte auch das Nötige über die Lage der an Bord befindlichen Canarier mit. Der normannische Ritter konnte zwar Sevilla nicht selbst in den Augenblick verlassen, da er eine Audienz beim Könige haben sollte, doch gab er gemessenen Befehl, die Insulaner mit aller Rücksicht zu behandeln. Während dieser Verhandlungen war jedoch das Schiff, welches sie trug, schon nach Aragon geführt und die armen Leute wirklich als Sklaven verkauft worden. Johann von Bethencourt hatte es nun erreicht, sich dem Könige von Castilien persönlich vorzustellen, und sagte, nachdem er den vorläufigen Erfolg seines kühnen Zuges geschildert, Folgendes: "Ich komme, Sire, um Sie um Unterstützung anzugehen und mir gleichzeitig die Genehmigung auszuwirken, die Bewohner der Länder, welche man die Canarischen Inseln nennt, zum christlichen Glauben zu bekehren, Sie als König und Herrn der genannten Gebiete nebst Umgebung ausrufen zu lassen, da Sie ja doch der nächst interessierte König sind, und zu bitten, daß Sie geruhen mögen, mich als Lehenspflichtigen anzuerkennen." Sehr erfreut nahm der König das Anerbieten des normannischen Ritters an. Er belehnte ihn mit stellvertretender höchster Gewalt auf den Canarischen Inseln und bewilligte ihm unter Anderem den fünften Teil der von jenen Inseln nach Spanien kommenden Waren. Außerdem machte er ihm ein Geschenk von 20.000 Maravedis (etwa 12.000 Mark = 6 000 fl.), um alle für den Gouverneur Gadiser nötigen Ausrüstungs- Gegenstände, Lebensmittel u.s.w. einzukaufen, und verlieh ihm überdies das Recht, auf den Canarien selbst Geld zu prägen. Leider wurden diese 20.000 Maravedis einem unzuverlässigen Mann übergeben, der nach Frankreich entfloh und das Geschenk des Königs von Castilien raubte. Als Ersatz erhielt Johann von Bethencourt von Heinrich III. ein wohlausgerüstetes Fahrzeug mit vierundzwanzig Mann Besatzung und reicher Ladung an Nahrungsmitteln, Waffen und Werkzeugen aller Art. Johann von Bethencourt schrieb unter dem Ausdruck des wärmsten Dankes für die Freigebigkeit des Königs an Gadiser, was ihm hier auszurichten gelungen sei, gab seiner Erregung und "Verblüffung" Ausdruck über Berneval's Schurkenstreiche, da er gerade diesen für ganz zuverlässig gehalten hatte, und meldete ihm die nahe bevorstehende Abfahrt des vom Könige von Castilien geschenkten Schiffes. Während dieser Zeit wurde aber die Insel Lancerote der Schauplatz sehr ernster Ereignisse. Der König Guardarsia, tief entrüstet über das Verfahren des Verräters Berneval ihm gegenüber, hatte sich erhoben, und es waren in Folge dessen mehrere Leute Gadiser's von den Canariern umgebracht worden. Gadiser war im Begriff, die Bestrafung der Schuldigen zu fordern, als ein Verwandter des Königs, der Eingeborene Ache, ihm dem Vorschlag machte, sich Guardarsia's zu bemächtigen und ihn zu seinem Gunsten zu enttrohnen. Dieser Ache war nichts als ein Betrüger, der, nachdem er seinen König verraten, auch die Normannen hintergehen und sie wieder aus dem Lande treiben wollte. Da Gadiser diese schlechten Absichten nicht erkannte und den Tod seiner Leute rächen wollte, nahm er den Vorschlag Ache's an, und kurze Zeit darauf, am Tage der heiligen Katharina, wurde der König überfallen, nach dem Fort geschleppt und in Ketten gelegt. Wenige Tage später aberüberfiel der nun zum König ausgerufene Ache die Leute Gadiser's und verwundete mehrere tödlich. Schon in der folgenden Nacht jedoch gelang es Guardasia nochmals, zu entkommen, und nun brachte er ache in seine Gewalt und ließ ihn ohne Umstände zu Tode steinigen und verbrennen. Der über die Gewaltszenen, welche sich fast täglich auf der Insel abspielten, aufgebrachte Gouverneur beschloß jetzt, alle männlichen Bewohner des Landes zu töten und nur die Frauen und Kinder zu schonen, um diese taufen zu lassen. Ungefähr zu eben dieser Zeit traf indeß das von Johann von Bethencourt abgesandte Schiff ein, wodurch Gadiser von anderen Dingen in Anspruch genommen wurde. Johann von Bethencourt teilt Gadiser offiziell mit, daß er ein Lehensverhältniß der Canarischen Inseln mit dem Gouverneur verabredet habe, worüber der Gouverneur keineswegs erfreut war, da auch er ein Anrecht auf die erwähnten Inseln zu haben glaubte. Er verheimlichte jedoch seine Mißstimmung und nahm die neuen Ankömmlinge so gut wie möglich auf. Die Löschung der Ladung an Lebensmitteln und Waffen ging sofort vor sich, dann aber schiffte sich Gadiser auf jenem Fahrzeuge ein, um die benachbarten Inseln näher in Augenschein zu nehmen. Ihn begleitete Remonnet und mehrere Andere, auch nahm er verschiedene Eingeborene mit, die ihm als Führer dienen sollten. Ohne Unfall kam Gadiser bei der Insel Fortaventura an. Einige Tage nach der Landung brach er mit dreißig Mann Bedeckung auf, um das Land selbst kennen zu lernen. Sehr bald aber verließ ihn ein großer Teil seiner Mannschaft und nur dreizehn Leute, darunter zwei Bogenschützen, hielten noch zu ihm. Gadiser unterbrach jedoch deshalb seinen Zug nicht. Nach Durchwartung eines ziemlich bedeutenden Wasserlaufes, kam er in ein prächtiges, von achthundert Palmen beschattetes kleines Tal. Hier wurde Rast gemacht und dann zog die Gesellschaft in der Nähe einer lang gestreckten Küste weiter. Da zeigten sich gegen hundert Eingeborene, welche die wenigen Portugiesen umzingelten und sie zu vernichten drohten. Gadiser hielt jedoch nebst seinen Leuten tapfer stand, so daß es ihnen gelang, ihre Feinde in die Flucht zu schlagen, und sie gegen Abend ihr Schiff wieder erreichen konnten, wobei sie vier Frauen als Gefangene mitführten. Am folgenden Tage verließ Gadiser Fortaventura und ankerte bei Gran Canaria in einem Hafen zwischen Teldez und Argannez. Fünfhundert Eingeborene sammelten sich um ihn, ohne feindselige Haltung zu zeigen; sie tauschten vielmehr gegen Angelhaken und Eisenwaren ihre Landesprodukte aus, wie z.B. Feigen und Drachenblut, eine vom Drachenblutbaume herstammende harzige Substanz mit balsamischen, höchst angenehmen Geruche. Die Canarier bewahrten den fremden gegenüber jedoch eine vorsichtige Zurückhaltung, denn sie erinnerten sich noch der schonungslosen Behandlung, die sie zwanzig Jahre früher von Lopez und dessen Leuten bei Gelegenheit eines Einfalls derselben in ihre Insel erfahren hatten und gestatteten deshalb Gadiser auch nicht, an's Land zu gehen. Der Gouverneur mußte also wieder in See gehen, ohne Gran Canaria näher untersucht zu haben, und begab sich nun nach der Eiseninsel (Hierro oder Ferro); hier berührte er indeß kaum die Küste und ging mit seinem Schiffe noch nach der Insel Gomera, auf der er die Feuer der Eingebornen leuchten sah. Mit Tagesanbruch wollten einige von GAdiser's Leuten an's Land gehen; die wegen ihrer Kampfgeschicklichkeit und Unerschrockenheit gar nicht zu verachtenden Gomeriten aber drangen auf die Castilianer ein, welche in aller Eile sich wieder an Bord zurückziehen mußten. Sehr enttäuscht durch den Empfang der wilden Canarier, beschloß Gadiser, sein Heil noch einmal auf der Eiseninsel zu versuchen. Er lichtete also die Anker und kam noch bei Tage vor jener Insel an. Hier konnte er, ohne Widerstand zu finden, landen und verweilte auch zweiundzwanzig Tage lang an derselben Stelle. Im Innern bot diese Insel eine wahrhaft herrlichen Anblick durch mehr als hunderttausend Pinien. Klare und wasserreiche Bäche bewässerte die Landschaft. Wachteln gab es im Überfluß und Schweine, Ziegen und Schafe traf man in großer Menge an. Von diesem gastfreundlichen Lande aus zogen die Eroberer nach der Insel Palma und ankerten daselbst in einem Hafen zur rechten Hand eines bedeutenden Flusses. Diese Insel lag am weitesten in den Atlantischen Ozean hinaus. Bedeckt mit Pinien und Drachenbäumen, bewässert von schönen Flüssen und geschmückt mit einer saftigen Grasdecke schien sie für jede Art Kultur geeignet; ihre großen, kräftigen und wohlgebauten Bewohner zeichneten sich durch hübsche Gesichtszüge und auffallend weißen Teint aus. Gadiser verweilte hier nicht lange; seine Matrosen versorgten sich mit Wasser für die Rückfahrt, und nachdem man binnen zwei Tagen und zwei Nächten längs der übrigen Inseln des Archipels hingesegelt war, ohne dabei an's Land zu gehen, kamen Alle nach dem Fort von Lancerote zurück. Drei Monate lang hatte ihre Abwesenheit gedauert. Während dieser Zeit hatten ihre Gefährten, welche im fortwährenden Streite mit den Eingebornen standen, eine große Anzahl Gefangene gemacht und tagtäglich trafen viele der nun entmutigten Canarier ein, um sich auf Gnade und Ungnade zu ergeben und sich taufen zu lassen. Erfreut über diese Erfolge, sandte Gadiser einen seiner Edelleute nach Spanien, um Johann von Bethencourt über die jetzigen Verhältnisse dieser canarischen Kolonie Bericht zu erstatten. Quelle: Collection Verne; Die Entdeckung der Erde; © A. Hartleben's Verlag; sykr jadu 2002 |
Jean
de Bethencourt, conquerant des Canaris
Descendants
of Jean de Bethencourt
Gadifer
De La Salle
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