zurück

Kamerun

Aus deutschen Kolonien

Buea

Ehe wir Deutschen nach Kamerun kamen, war Buea ein im Urwald verstecktes Räuberdorf; allmählich wächst es sich jetzt zu einem schmucken Städtchen aus, das mit Viktoria durch einen 15 m breiten Regierungsweg und eine Telephonleitung und mit Duala durch einen Telegraphen verbunden ist. Ja, man kann Buea bereits mit der Eisenbahn erreichen, da die "Westafrikanische Pflanzungsgesellschaft Viktoria" eine Bahn von der Küste ins Gebirge hinauf gebaut hat, die die einzelnen bebauten Landstücke verbindet und vorläufig in der Nähe von Buea, in Soppo, endet. Freilich ist es nur eine Feldbahn, aber doch ein kostspieliges Unternehmen.

Hier oben in Buea, in einer Höhe von 960 m, herrscht ein gesundes Klima. Das Fieber der Tiefebene und des Urwaldes wagt sich nicht hinauf. Hier gedeihen Spargel, Gurken, Rettich, Radieschen und Erdbeeren; selbst Kartoffeln werden angebaut. Das ist unten in Viktoria und Duala nicht möglich. In den Gärten von Buea blühen Rosen und Veilchen; Palmen und Ananas kommen nicht mehr fort, da die Nächte zu kühl sind. Neben den Gebäuden der Weißen stehen auf zugewiesenem Gebiet die Hütten der Bakwiri. Alle Häuser überragt das prächtige Gouvernementsgebäude. Der Gouverneur, der oberste Beamte der Kolonie, hatte früher seinen Wohnsitz in Duala; um aber ihn und seine Verwaltungsbeamten längere Zeit arbeitsfähig zu erhalten, ist seine Residenz nach dem gesunden Buea verlegt worden. Weiter hat die deutsche Regierung hier oben ein Erholungsheim gebaut und eine Sennerei eingerichtet.

Diese zählt ungefähr 60 Allgäuer (bayerische) Kühe, ebensoviel Schweine und einige Ziegen. Wer in Viktoria oder in anderen Orten am Fuße des Lobagebirges erkrankt, wird in einer Sänfte nach Buea gebracht, woselbst er im Erholungsheim bei kühler Luft, frischer Milch und gutem Gemüse bald wieder zu Kräften kommt. Buea hat auch noch ein Vorwerk, auf dem verschiedene Viezuchtversuche angestellt werden; zur Veredelung des Viehs der Eingeborenen werden sogar einzelne größere Exemplare an Häuptlinge abgegeben. Das Vieh wird ausschließlich durch Weidegang ernährt.

Auch die Missionen haben sich im Lobagebirge unter dem Bakwirivolke niedergelassen; in Buea wirkt die Baseler, in Soppo die Baptistenmission. Diese letzte hat in Soppo neben dem Missionshause noch ein Seminar errichtet, wo fähige, schwarze Jünglinge zu Hilfsprediger herangebildet werden. Ferner unterrichtet man die Schüler in verschiedenen Handwerken. Auch die Regierung hat in Biea eine Handwerkslehrstätte gegründet, in der etwa 40 Lehrlinge die Bautischlerei und die Möbelbauerei erlernen. In Engelberg und Mapanja unterhalb Bueas arbeitet die katholische Mission.

Quelle: Emil Sembritzki, Deutschtum im Ausland in den Kolonien, 1925 Verlag Quelle und Meyer, Jadu 2000

webmaster