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Eine Elefantenjagd

(Aus Georg Escherich: "Quer durch den Urwald von Kamerun")

Auf allen Seiten hören wir jetzt Elefanten, die bei der Äsung hin und her ziehen und unter ihren wuchtigen Tritten das auf dem Boden liegende Dürrholz zusammenkrachen. Einer scheint auf uns zuzugehen. Dann hält er wieder, um sich an den Blättern des Unterholzes gütlich zu tun. Der Wind steht gut. Also versuchen wir es und pürschen auf 30 bis 40 Schritte heran. Wir, das heißt ich und Motunde. Die übrigen hatten auf die weitere Begleitung verzichtet und sich hinter die Brettwurzeln eines gewaltigen Baumwollbaumes zurückgezogen. Die Sache scheint demnach ernst zu werden. Nur der treue furchtlose Motunde mit seinem Haumesser als einzige Waffe steht noch hinter mir, zitternd vor Jagdleidenschaft. Gegen Sicht durch herabhängendes Lianengewirr gedeckt, will ich noch ein paar Schritte heran und dann die Sache abwarten. Ab und zu vermag ich die Umrisse des mächtigen Tieres zu erkennen. Ab und zu sehe ich für einen Augenblick den Rüssel nach dem Astwerk greifen, dann die riesigen Ohren in ununterbrochener Bewegung. Aber immer noch nicht kann ich das Elfenbein erkennen. Ich habe noch keine Erfahrung und weiß nicht, was ich vor mir habe. Bulle oder Kuh? Nur das eine weiß ich, daß der vor uns stehende Elefant weit stärker als die vorhergesehenen.

Motunde ist in höchster Aufregung, er zittert und schnauft geradezu vor Jagdleidenschaft. Er hat natürlich längst weg, daß es sich um einen starken Bullen handelt, und wimmert fast vor Aufregung, daß ich nicht schieße. "Man! Big dent (Zahn)! Mann! Großer Zahn! Schießen!" so drängt er unablässig in mich. Doch ich will selbst sehen, was ich vor mir habe, ich bin ein zu alter Jäger, um meiner Begleitung ohne weiteres zu glauben. Endlich sehe ich für einen Augenblick einen Zahn. Der Augenblick genügt. Unzweifelhaft ein jagdbarer Bulle! Nun gibt es kein Besinnen mehr, die Büchse soll sprechen. Ich suche für meine Kugel die tödliche Stelle. Da dreht der Elefant sich, und in langsamen Schritte kommt er mit schlenkerndem Rüssel auf uns los, nicht ahnend, daß hinter den Lianen für ihn der Tod lauert. Schon 20 Schritte ist der Gewaltige an uns heran

Rasch entschlossen steige ich auf ein am Boden liegendes Stammstück, um bessere Aussicht zu haben, und genau 16 Schritte waren es, als ich von meiner erhöhten Warte aus dem Riesen die Kugel auf die Stirn knapp über den Rüsselansatz setze. In meiner Jagdleidenschaft hatte ich mit dem gewaltigen Rückstoß der schweren Doppelbüchse nicht gerechnet. Mein unsicherer Stand vermochte diesem starken Rückstoß nicht zu trotzen, und im Schusse wirft er mich rückwärts von meinem Stand herab, platt auf den Rücken, daß mir die Knochen krachen. Schade darum, daß ich auf diese Weise das schönste "Schußzeichen" in meinem langen Jägerleben, das blitzartige Zusammenbrechen des starken Riesen, nicht sah. Ewig schade darum!

Als ich mich mühsam mit Hilfe Motundes von dem schweren Sturze erhob, da war meine erste stürmische Frage: "Wo ist der Elefant?" "Finish dort!" grinste Motunde.

Ich hätte den schmutzigen schwarzen Kerl vor Freude umarmen können und habe es vielleicht auch getan, so glücklich war ich in diesem Augenblicke. Der erste Schuß auf Elefanten gleich ein tödlicher Treffer, das hätte ich in mein kühnsten Träumen nicht zu hoffen gewagt!

Quelle: Unsere Kolonien, 1938, von rado jadu 2001




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