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Eine "Flußschlacht" im Budimalande

(Aus Zöller: "Als Journalist und Forscher in Deutschlands großer Kolonialzeit")

Am Wuiflusse sollte ich, begleitet von zwei Seeoffizieren, erproben, durch wie viele der an der Küste bekannter vier Handelsgürtel wir hindurchkommen könnten. Unserem mit 13 Hinterladern und reichlichem Schießbedarf ausgerüsteten großen Boote folgten die Dualakanus, von denen aber, als die Sache brenzlich zu werden begann, nichts mehr gesehen wurde. Schon die hinter den Duala wohnenden Wuri überschütteten uns, als wir ihnen zuriefen, daß wir erst auf der Rückfahrt bei ihnen vorsprechen würden, allenthalben mit Drohungen, schrien beleidigt, daß unser Benehmen einer Kriegserklärung gleichkomme und ließen nachts ihre Kriegstrommeln erschallen. Dann kam am mittleren Flußlauf eine ganze Strecke völlig unbewohnten Urwaldgebietes, wie es allenthalben die kleinen Völkerstämme zu trennen pflegte.

Glücklich waren wir im Bereich des Budimanvolkes, also zum dritten Handelsgürtel gelangt und hatten bereits eine Anzahl Ortschaften hinter uns, als die kriegerischen Vorbereitungen einen immer ernsthafteren Charakter anzunehmen begannen. Die scharenweise besonders das linke Ufer besetzt haltenden Krieger würden uns wenig bekümmert haben, wenn nicht die viel gefährlicheren Kriegskanus gewesen wären, die stark bemannt uns an Schnelligkeit übertrafen. Als schließlich eine ganze Flotte von ihnen die Fahrstraße absperrte und der König des Landes sich, was unter Afrikanern eine große Seltenheit ist, allen Geschenkanerbietungen gegenüber durchaus ablehnend verhielt, entstand der vorausgesehene und weder durch Geschenke noch durch Drohungen zu überwindende Streit unserer Ruderer, die uns vorrechneten, wie viele Dualaleute schon im Budimalande getötet worden seien.

Während der Bergauffahrt hatten wir im unbewohnten Gebiete die Mündung eines größeren Zuflusses des Dibamba und auch eines Sees wahrgenommen, der von mir "Hippopotamussee" getauft wurde. Als wir nach längerer Beratung uns dorthin zurückzogen, verkündeten die ganze Nacht hindurch, laut Angabe unserer eigenen, auf dieses Verständigungsmittel eingeschulten schwarzen Mannschaft, die Trommeln sowohl des Buri- als auch des Budimalandes, daß wir die uns angebotene "Flußschlacht" nicht hätten annehmen wollen. Angesichts des Abenteuerlichen und Interessanten, das uns zum Entgelt die nunmehr aufgesuchte Wildnis bieten sollte, haben wir uns nicht einmal geärgert. Denn von den vielen Nächten, die ich im afrikanischen Urwald zubrachte, haben mich wenig andere in solch enge Nachbarschaft mit den riesigsten unter seinen Bewohnern gebracht.

Wir mußten allerdings im Boote übernachten, wobei wir durch das Los die schlechten und noch schlechteren Plätze verteilten. Aber ein glücklicher Zufall hatte es gewollt, daß wir mit dem Ankerplatz unseres Bootes, was in völlig unbekannter Gegenden eine große Seltenheit ist, gerade den nächtlichen Wechsel großer Elefanten- und Flußpferdfamilien erwischt hatten. Wie zahlreich diese waren, konnten wir am folgenden Morgen durch die vielen, als breite Gassen zu bezeichneten Elefantenwege und die der Fortbewegung der Flußpferde dienenden Doppelrinnen feststellen, die vom Waldesrand der Seeinseln zum Wasser hinabführten. Den Anfang unserer nächtlichen Erlebnisse machte, als wir die Gewehre in Händen, für Kanus gehaltene Massen mit leisem Plätschern herannahen sahen, ein vermeintlicher Überfall. Erst ein lautes Schnauben, das sich bei den nachfolgenden verliebten Szenen nächtlicher Rendezvous in ein furchtbares Grunzen verwandelte, belehrte uns, daß wir es mit Flußpferden zu tun hatten. Es folgte das Trompeten der im Gänsemarsch - die alten voran, die jungen hinterdrein - mit hocherhobenen Rüsseln zur Tränke hinabsteigenden Elefantenfamilien, die wir dann, als das Tageslicht kam, am Ufer weiden sahen.

Quelle: Unsere Kolonien, 1938, von rado jadu 2001




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