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Kamerun

Weithin schaut die gewaltige Landmarke des 4070 m hohen Kamerungebirges über den innersten Winkel des Golfes von Guinea bildende Biafrabucht. Seit den siebziger Jahren schon saßen Hamburger Kaufleute am Fuße des Götterberges, des Mongo ma Loba und trieben von ihren Hulks, den im Flusse verankerten angetakelten Seglern, aus einen schwungvollen Handel mit den Dualas. Im Beginne unserer kolonialen Bewegung erwarben nun die Vertreter der Firmen Woermann und Jantzen & Thormählen Besitzrechte in den Gebieten von Kamerun, Bimbia, Malimba, Batanga und Kribi. Noch ehe der Britische, von seinen landsleuten spottende Weise the to late consul genannte Konsul Hewitt mit einem Kriegsschiff zur Okkupation dieser Gebiete herankam, war die "Möwe" mit dem Generalkonsul Dr. Nachtigal erschienen und hißte die deutsche Flage an der Kamerunküste. Durch englische Hetzereien aus dem noch einige Zeit im britischen Besitz verbliebenen Städtchen Viktoria an der Ambasbai entstand am Kamerunflusse in den Städten der Häuptlinge Yoß, Aqua und Deido ein Aufstand, der durch unser westafrikanisches Geschwader unter Admiral Knorr rasch unterdrückt wurde.

Allmählich wurde durch verschiedene Abkommen mit England und Frankreich das Schutzgebiet auf seinen heutigen Umfang ausgedehnt. Es ist mit 495 000 qkm nicht ganz so groß wie das deutsche Reich. auf dieser gewaltigen Fläche wohnen aber nur etwa 4 000 000 Einwohner, darunter 581 Europäer, wovon 494 Deutsche, die dort als Kaufleute, Pflanzer, Regiersbeamte und missionare tätig sind. Die Ausdehnung der deutschen Herrschaft in das Innere hat langwierige und zum Teil bedeutende Feldzüge erfordert; trotzdem ist das Land noch nicht einmal völlig unterworfen, ja, es gibt dort noch Gegenden, die eines Weißen Fuß noch nicht betreten hat.

Der Mangel an schiffbaren Flüssen in dem terassenförmig zur innerafrikanischen Hochebene aufsteigenden Gebiete, sowie ein mehrere Tagereisen breiter Urwaldgürtel erschwerten das Eindringen in das Innere außerordentlich. Den kühnen Vorstößen von Männern wie Zintgraf, Kund und Tappenbeck, Major Morgen u.a. gelang es, im Innern Fuß zu fassen und die Handelswege unter Durchbrechung des Zwischenhandels zu eröffnen. Im Norden wurde die Station Baliburg geründet, im Süden bildete die Jaundestation den Stützpunkt für die erst in diesem Jahre vollendete Eroberung der kraftvoll organiesierten muhamedanischen Staten, die dem im britischen Jola residirenden Emir von Adanaua unterstanden. Mit verhältnismäßig geringen Streitkräften wurden diese Staaten von den deutschen überrannt; zahlreiche bevölkerte Stäfte, wie Ngila, Yoko, Tibati, Banyo, Ngaumdere, Bubandjidda, Garua und Marrua, von denen z.B. Ngaumdere über
30 000 Einwohner zählt, mit tausenden von Kriegern, wurden von einzelnen Kompagnien mit stürmender Hand genommen. Bei Marrua erfocht im Jahre 1902 Oberleutnant Dominik mit wenigen Europäern, einem Maschinengewehr und 80 Soldaten einen glänzenden Sieg über 5000 mit fanatischer Todesverachtung unter Führung des vor den Engländern geflüchteten Emirs Siberu von Yola heranstürmende Marruaner.

Da ganze große Schutzgebiet ist mit einer Truppe erobert, die bei ihrem jetzigen höchsten Stande doch nur einen Kommandeur, 30 Offiziere, 9 Ärzte, 60 Unteroffiziere und 900 Farbige zählt. Ob diese geringe Zahl genügen wird, auf die Dauer die deutsche Herrschaft aufrecht zu erhalten, ist bei dem kriegerischen Charakter der Bevölkerung schwer zu sagen. Hand in Hand mit den kriegerischen Eroberung ging die wissenschaftliche Erforschung und wirtschaftliche Erschließung des Landes. So sind wir heute über die Bevölkerung, Bodengestalt und die Flüsse des Landes durch zahlreiche Expeditionen hinreichend aufgeklärt.

Am Kamerunflusse selbst wohnen die Dualaleute, ein handeltreibendes Volk, das den Handel monopolisiert hatte; kein Europäer durfte mit den Stämmen des Hinterlandes verkehren; aller Handel ging durch ihre Hände, bis endlich dies Monopol nicht ohne heftigen Widerstand von der Regierung gebrochen wurde. Weit verbreitet ist bei ihnen wie bei anderen Stämmen Westafrikas die Kenntnis der trommelsprache, die ihnen den Fernsprecher ersetzt. Den Kammerunberg bewohnen die Bakwiri, denen sich weiter nach dem Innern die Bamboko, Bakundu, Ngolo, Banyang,Bangwa, Bali und Bafut anschließen. In der Mitte sitzen die Malimba, Babimbi, Bakoko, Mabea, Buli, Yaunde, Bane und Yengone, sowie die Fanng. Vom Oberlauf des Sannaga zieht sich durch das schutzgebiet die Grenze zwischen diesen Bantu und den Stämmen des Sudan, den Batta, Tikar, Baia, Domme und Wute, welche bisher die Herrschaft der muhamedanischen Fulbe oder Fulani unterwprfen waren. Diese sind ein aus dem Norden eingedrungener kriegerischer Hirtenstamm, der es verstanden hat, große Staatswesen zu gründen und die zersplitterten Bantustämme zu unterwerfen und auszusaugen, deren Tribut in Sklaven und Elfenbein bestand. Auch hier hat mit der Begründung der deutschen herrschaft Sklavenhandel und Sklavenraub ein jähes Ende genommen. Zu erwähnen sind noch die muhamedanischen Haussa, die als handeltreibende Leute überallhin den erobenden Fulani folgten; ihre Sprache wird überall im wsetlichen Sudan verstanden. Sie sind in neuester Zeit bis zur Kamerunküste gekommen, dank der Bemühungen des Gouverneurs von Puttkammer; damit ist der Handel Adamauas, der bisher durch die Wüste Sahara bis nach Tripolis und über das britische Nigergebiet ging, zum größten Teil unserem Schutzgebiet gewonnen.

Der Handel vollzieht sich bei dem Mangel an schiffbaren Flüssen immer noch auf den Köpfen von Trägern; voraussichtlich werden jedoch die Haussa ihre Tragtiere, vor allem Esel, auch nach der Küste einführen. Der terrassenförmige Aufbau des Landes hat den Nachteil, das die zahlreichen Flüsse stets nur auf kürzere Strecken schiffbar sind. die Grenze gegen das britische Nigeriagebiet bildet der Rio del Rey und der Kroßfluß; in das Kamerunästuarium mündet der Mungo, Dibamba und Wuri. Der quaqua stellt eine schiffbare Verbindung zu dem bedeutendsten Flusse des Schutzgebiets, dem Sannaga her, dessen Schiffbarkeit jedoch bereits bei den edeafällen aufhört, sein größter nebemfluß ist der Mbam Nach Süden zu folgen der Njong, Lokundje, Kribi und Kampo. In Adamaua fließt der größte Nebemfluß des Niger, der Benue, die Ostgrenze bildet nach Norden zu der Schari, der sich in den Tschadsee ergießt, und im Süden teilweise der zum Kongo fließende Ganga.

Das Klima an der Küste und im Waldlande ist ungesund; das Grasland im Innern und das Hochland von Adamaua sind dagegen sehr gesund. Hier fehlen Malaria und Schwarzwasserfieber, der Schrecken der Küste, fast völlig. Der Februar ist mit 27,10° C im Durchschnitt der wärmste, der Juli mit 23,48° C der kühlste Monat. Das Küstengebiet am Kamerunberge gehört zu den regenreichsten Gegenden der erde; bei Kap Debundscha mißt man jährlich 9000 mm Regenfall.

Im Innern wird das Land von den Militärstationen aus verwaltet; an der Küste befinden sich Bezirksämter in Viktoria, Duala, Edea, Kribi und auch in Yaunde im Graslande. Der Gouverneur Jesko von Puttkamer, der Nachfolger der Herren Zimmerer und von Soden, sitzt in dem gesunden Buea am Abhange des Kamerunberges. Hier ist auch das Obergericht; Bezirksgerichte befinden sich in Viktoria und Kribi. An den wichtigsten Plätzen befinden sich Postagenturen. Zahlreiche Wege sind angelegt, um Handel und Verkehr zu fördern. Neuerdings wirde der Bau einer bahn von Viktoria über Mundame nach Bali in Angriff genommen. Die wirtschaftliche Erschließung des Kandes ist weit vorgeschritten, kein Wunder bei der üppigen Vegetation und den großen natürlichen Reichtümer des Landes. Zahlreiche Firmen erhandeln die Erzeugnisse des Landes, Palmkerne, Palmöl, Rohgummi, Elfenbein, Nutzhölzer, Kolanüsse, Kopal, Rinden; zahlreiche Pflanzungen bauen Kakao, Tabak, Gummi.

Die Ausfuhr belief sich im Jahre 1901 auf 5 984 576 Mk., der wert der einfuhr betrug 9 251 151 Mk. Dabei steht das Lamnd erst im Anfang seiner Entwickelung. Es ist die fruchtbarste und zur Zeit reichste deutsche Kolonie, die unerschöpfliche Reichtümer in der gesegneten Fruchtbarkeit des Bodens und in der bisher ungenutzten Arbeitskraft ihrer Bewohner birgt.

Quelle: Illustrierte Länder- und Völkerkunde, von M Reymond, Deutsche Volksbibliothek, von rado jadu 2000

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