zurück

Jesu

Mein Koch war ein kleiner "Yambingaboy" als "Tellerlecker" zugeteilt. Dieser war in einer Mission auferzogen, wurde von den Arbeitern "Moanna na Zambi", d.h. Gotteskind, genannt und galt als sehr gottesfürchtig und gelehrig. Eines Abends ließ ich ihn zu mir kommen und befragte ihn: "Auf welche Weise wurde Christ geboren?"

Offenbar war niemals eine derartige Frage an ihn gestellt worden. Sie setzte ihn daher sichtlich in Verwirrung. Als ich keine Antwort erhielt, forschte ich weiter:
"Wurde Christ wie alle Menschen von einer Mutter geboren?"
Antwort: "Nein, Christ ist ein zu großer König, um wie alle gewöhnliche Menschen geboren zu Werden."
"Nun, wie wurde er denn geboren? Kam er durch den Mund?"
"O nein, der Mund eines Menschen spricht so viel Unreines, daß ein König ohne Sünden nicht daraus hervorkommen konnte."
"Kam er durch das Auge?"
"Nein, das Auge des Mensch sieht so viel Blut und Grausamkeiten, daß solch ein liebevoller König nicht darin seinen Ursprung finden konnte."
"Kam er durch die Nase?"
"Diese enthält soviel Unreines, daß Christ nicht daraus hervorkommen konnte."
"Kam er durch die Ohren?"
"O nein, der Mensch ist schlecht, und durch die Ohren hört er so viel Sünde und Schlechtes, daß solch ein reiner König nicht daraus hervorkommen konnte."
"Nun endlich, woher kam denn Christ? Aus einem Menschen ist er doch herausgekommen."
Plötzlich kam es wie eine Offenbarung über den Jungen. In seinem Gedächtnis hatte er endlich die richtige Antwort gefunden: "Ach Mundele, das weißt du doch selbst am besten. Er kam durch den einzig reinem Teil des Menschen — er kam durch den kleinen Finger der Unschuld."
"Und auf welche Weise?"
"Nun, der kleine Finger wurde dicker und dicker, bis er platzte und daraus der große König hervorging."


Man kann aus diesem Beispiel ersehen, welche naive Vorstellung die jungen Christen noch von der Religion haben; alles, was man ihnen nicht auf das genaueste erklärt, veranschaulichen sie sich mit dem Mitteln ihrer eigenen, kindlichen Phantasie.

Quelle: Kongo Erinnerungen, Konsul Paul Landbeck, 1923, August Scherl G.m.b.H., von rado jadu 2000.

webmaster