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25 Jahre deutsche Kolonie


Das Jubiläum Südwestafrikas

Im Jahre 1882 hatte Herr Adolf Lüderitz, in Firma F.A.G. Lüderitz in Bremen den Plan gefaßt, an der Westküste Afrikas eine deutsche Kolonie zu gründen. Die Ausführung des Unternehmens legte er in die Hände Heinrich Vogelsangs, eines jungen Bremenser Kaufmannes.Vogelsangs Vorschläge, Togo oder Ostarfika zuerwerben, lehnte Lüderitz ab, da beide zu ungesund seien, und eine deutsche Kolonie nur Zweck habe, wenn Deutsche dort leben könnten. Nachdem Lüderitz im Auswärtigen Amt in Berlin die Zusage erhalten hatte, daß wenn es Vogelsang gelingen würde, Landanwerbungen in Afrika zu machen, dieselben unter dem Schutz des Reiches gestellt würden, wurde ein Schiff, die Brigg "Tilly" angekauft, mit Gewehren, Munition, Proviant usw. beladen und zunächst nach Kapstadt entsandt, wohin Vogelsang mit einem Dampfer vorausfuhr.

Es handelte sich außer anderen Erkundigungen hauptsächlich um die Frage, wo man landen sollte, da auf den meisten Seekarten sowohl Walwich Bay (Wakfischbai) als auch Angra Pequena (jetzt Lüderitzbucht) als englisch bezeichnet, andere Häfen aber nicht verzeichnet waren. In Kapstadt, wo Vogelsang Anfang Januar 1883 eintraf, erfuhr er durch Dr.Hahn, einen in Groß_Namaqualand geborenen Missionssohn, der in Deutschland studiert hatte, daß Angra Pequena nicht englisch, wohl aber ein freier und schöner Hafen sei.

Vogelsang teilte darauf sofort an Lüderitz mit, daß er in Angra Pequena landen werde, und segelte am 5. April mit der "Tilly" ab. Der wahre Bestimmungsort des Schiffes mußte den englischen Hafenbehörden verschwiegen werden, was mit Hilfe der Firma Poppe, Russo und Co., welche die Vertretung von Lüderitz übernahm, auch glücklich gelang. Am 8. April ging die "Tilly" in der Shearwater Bay genannten äußeren Bucht von Angra Pequena vor Anker. Am folgenden Tage landete Vogelsang auf dem südwestafrikanischen Festland, und mit Hilfe englischer Guanoarbeiter von den Pinguin-Inseln gelang es ihm, durch einen Buschmann einen Brief an den Missionar in Bethanien zu befördern, in welchem er mitteilte, er habe die absicht, in Bethanien eine Faktorei zu gründen und bat, ihm durch den Kapitän von Bethanien sechs Pferde zu senden. Während die "Tilly" zu entladen begann, Zelte aufgeschlagen, ein Hausbau begonnen wurde, trafen am 25. April die Pferde mit zwei Hottentotten ein, und am 26. april trat Vogelsang in Begleitung der Herren v. Pestalozzi und de Jongh die Reise an. nach viertägigem, zunächst äußerst beschwerlichem Ritt durch die Wanderdünen trafen sie am 30. früh in der Missionsstaion von Bethanien ein, von der Frau des Missionars Bam -ihn selber hatte man mit seinem Ochsenwagen auf der Fahrt nach Angra Pequena getroffen -gastlich empfangen.

Am Nachmittag wurde dem Kapitän ein Antrittsbesuch gemacht und sein Vertrauen durch das Geschenk einer Jagdflinte gewonnen. Am 1. Mai 1883 begannen vormittags die Verhandlungen. Die drei europäer, der Kapitän und die Richter saßen auf Stühlen, die übrigen Hottentotten, etwa 40 hockten im Kreise herum. Wunderliche Kostüme bildeten ihre Bekleidung - Tierfelle, alte Röcke, leinene Kittel, Lederhosen und dergleichen - die Tabakspfeife ging von Mund zu Mund. Vogelsang trug in holländischer Sprache sein Anliegen vor, das von Christian Goliath, dem späteren Häuptlin von Bersea, ins hottentottische übersetzt wuurde. Trotz lebhafter Verhandlungen konnten sich die Hottentotten anscheinend nicht einigen, und erst am Nachmittag erklärte sich der Kapitän damit einverstanden, den Hafen von Angra Pequena sowie das angrenzende Land in einer Entfernung von fünf Meilen nach allen Richtungen für den Betrag von 100 pfund Sterling in Gold und 200 gewehre nebst Zubehör an die Firma F.A.G.Lüderitz zu verkaufen. Ein entsprehender Vertrag, in holländischer Sprache abgefaßt, wurde vom Kapitän, den richtern und den Vertretern von Lüderitz unterzeichnet.

Durch einen zweiten Vertrag erwarb Vogelsang dann am 25. August 1884 die ganze Küste von der Mündung des Oranje bis zum 22. Grad südlicher Breite für einen Kaufpreis von 500 Pfund Sterling in Gold und 60 Gewehren.

Von dem Erfolg in Kenntnis gesetzt, beeilte sich Lüderitz, für die neien Erwerbungen den Schutz des Reiches zu erbitten. Der Konsul in Kapstadt wurde angewiesen, der Lüderitzschen Niederlassung dem Schutz des Reiches angedeihen zu lassen, soweit nicht engliche Ansprüche damit kollidierten. Zwar meldeten sofort eine Anzahl englischer Kaufleute angeblich ältere Rechte an, doch wurden diese Ansprüche von einer gemischten Prüfungskommission zurückgewiesen.

Am 24. April 1884 erklärte der Reichskanzler in einer Depeche an die Kapregierung, daß das Deutsche Reich sämtliche Lüderitzschen Erwerbungen nördlich vom Oranjefluß unter seinen Schutz gestellt habe, und im August wurde durch die deutschen Kriegsschiffe "Elisabeth" und "leipzig" das ganze Küstengebiet von Oranje zum Sunene mit Ausnahme von Walfischbai offiziel unter deutschen Schutz übernommen.

Am 7. Oktober 1884 traf mit der "Möve" der neuernannte generalkonsol Dr. Nachtigal ein und begab sich mit Vogelsang und Leutnant zur See Graf Spee nach Bethanien. Nach langen, mühsamen Verhandlungen gelang es Vogelsang, den Kapitän Josef Frederiks zu veranlassen, Dr. Nachtigal um den Schutz des Deutschen Reiches zu bitten. Ein Vertrag hierüber wurde am 28. Oktober in feierlicher Ratssitzung von Dr. Nachtigal und dem Häuptling unterzeichnet - Es ist das besondere Verdienst Vogelsangs und zeugt von dem hohen Vertrauen, das die Hottentotten zu ihm hatten, daß es ihm gelang, den mißtrauischen Kapitän zu diesen Schritt zu bewegen.

Quelle: Köhler's Kolonial Kalender 1909, von rado jadu 2000

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