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Wenn Nxou (das heißt in der Buschmannsprache: "Hölzerne
Speiseschüssel") in Liebe entbrannt ist zu Xhooxham (auf deutsch
"Lippen von feinstem Fett"), dann schnitzt er sich einen kleinen
Bogen aus Knochen der Oryx-Antilope und ganz kleine Pfeile aus den harten
Gräsern, die an den Ufern des Wassertümpels wachsen. Die steckt
er in einen Köcher aus dem Federkiel der Riesentrappe, des größten
Flugvogels der Kalahariwüste. Die Pfeilspitzen färbt er mit
einer besonderen Flüssigkeit.
Amor in der Wüste
Dann beschleicht er Xhooxham, und wenn er sie aufgespürt hat,
dann schießt er ihr einen Pfeil ins Hinterteil! Nun wartet er
er, im Busch versteckt und ganz schön aufgeregt: entweder die Angebetete
entfernt den Pfeil und betrachtet ihn mit Wohlgefallen, oder sie zerbricht
ihn. Im ersten Fall hat Nxou gewonnen: Xhooxham nimmt seine Werbung
günstig an, im zweiten Fall hat er verloren: Xhooxham verschmäht
nicht nur den Liebespfeil, sondern auch seinen Absender.
So überliefert von einem Kenner und warmherziger Freund der Buschmännner.
Die Geschichte erinnert an den antiken Gott Amor, der, im Auftrag seiner
Mutter Venus, mit Pfeil und Bogen in der Weltgeschichte herumschießt.
Aber natürlich haben die Buschmänner nichts mit den alten
Römern und Griechen zu tun, ja, sie können nicht einmal eine
Verwandtschaft zu den umwohnenden Bantu-Stämmen aufweisen: klein,
niemand über 1,60 m hoch. Die Körperfarbe der Buschmänner
ist nicht schwarz, sondern gelblich. Ihre Backenknochen stehen weit
hervor, dazu sind auch noch die Augen geschlitzt, was den holländischen
Siedlern des Kaplandes genügte, sie mit Chinesen gleichzusetzen
und eines der Siedlungsgebiete der rätselhaften Rasse als "Chinafeld"
zu bezeichnen.
Verwandtschaftsprobleme
Selbst die Buschmänner wissen nicht genau woher sie stammen: irgendwo
aus dem Norden, und die sie umgebenden Bantus sagen, sie hätten
bei ihrer Einwanderung die Buschmänner schon im Lande vorgefunden.
Denn auch die Bantus wanderten erst vor einigen Jahrhunderten in das
Land südlich von Kunene und Sambesi ein. Sie trieben die Buschmänner
in die unfruchtbaren Gebiete zurück, bis sie nur noch im dürren
Land der Kalahari Unterschlupf finden konnten.
Vielleicht gehören die Buschmänner gar zur Urrasse der Afrikaner?
Selbst die Wissenschaftler wissen es nicht genau, auch nicht, ob zwischen
Buschmännern und Hottentotten, die viele ähnliche Züge
im Aussehen und in den Lebensgewohnheiten haben, irgendein völkerkundlicher
Zusammenhang besteht.
Jedenfalls sticht ein Unterschied besonders ins Auge: die Hottentotten
sind stolz auf ihr Eigentum, besonders auf ihre umfangreichen Schafherden.
Nicht so die Buschmänner: sie halten keine Haustiere, sie sind
heute noch wie vor tausenden von Jahren Jäger und Nomaden. Nicht
einmal Häuser haben die Buschmänner, es sei denn, man bezeichnet
Steinringe auf Hügelkuppen um eine regelmäßige betriebene
Feuerstelle als "Unterkünfte".
Dafür sind die Buschmänner mit der Natur verwachsen, die sie
umgibt, mehr als die Bantus und Weißen. In der weite der Kalahari
sind Menschen so rar gesät, daß man Kameradschaft auch mit
Tieren schließen muß: Die Buschmänner lassen sich daher
von Tieren sogar bei der Jagd auf andere Tiere helfen: Sie jagen einen
hungrigen Löwen los, um ihn auf das Wild zu hetzen. Hat es der
Löwe gerissen und hat sich daran gütlich getan, dann vertreiben
sie ihn und nehmen sich den Rest. Merkwürdigerweise reagieren die
Löwen darauf nicht mit brüllenden Überfall, sondern überlassen
den Menschen ohne weiteres ihren Anteil. Früher, so erzählten
die alten Farmer aus Botswana, war das Land wegen der unaufhörlichen
Kriege derart von menschlichen Leichen übersät, daß
die Löwen sich an den Geschmack von Menschenfleisch gewöhnten.
Den Buschmann aber ließen sie ungeschoren - vielleicht auch, weil
er wirklich sehr stark roch. Nicht nur weil Waschen für ihn kein
besonderer Wert war, sondern weil er sich den Körper auch mit ausgesuchten
Kräutersalben einrieb. Denn er war ein raffinierter Botaniker,
der mehrere Gifte und eine Menge Arzneien herzustellen wußte.
Die Künstler der Wüste
Aber Buschmänner sind mehr als nur steinzeitliche Wüstenbewohner,
die noch nicht den urtümlichen Zusammenhang zwischen Mensch und
Natur durchbrochen haben: sie sind auch Künstler mit einer großen
Zahl von selbstgefertigten Musikinstrumenten, die sie zu ihren nächtlichen,
ekstatischen Tanzfesten erklingen lassen, und mit Felsmalereien, die
schon ungefähr um 1000 n. Chr. entstanden sind. Ein Buschmann wurde
von den Weißen erschossen, der trug Beutel mit 10 verschiedenen
Farben in einem Gürtel um den Bauch - unterwegs zur Schaffung eines
neuen Kunstwerks....
50 000 sind die nach vorsichtiger Schätzungen noch, die älteste
Rasse Afrikas, versteckt in den Eingeborenenreservaten Namibias, Botswanas
und Südafrikas.
Bald werden sie verschwunden sein durch den gleichmachenden Einfluß
der modernen Zivilisation. Sie standen nie in der menschlichen Geschichte,
sondern waren verwachsen mit der afrikanischen Natur, und so wird es
die menschliche Geschichte auch nur am Rande zur Kenntnis nehmen, wenn
sie in absehbarer Zeit überhaupt nicht mehr vorhanden sind.
Quelle:
G-geschichte mit pfiff 7/81, Sailer Verlag Nürnberg, von rado jadu
2000
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