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Die Farmersfrau

 

 

Was eine Farmersfrau in unseren Kolonien alles können muß

Von den Hausfrauenfertigkeiten früherer Jahrzehnte oder Jahrhunderte haben unsere Frauen, wenigstens so weit sie in Städten wohnen, ein gut Teil eingebüßt, in den Kolonien aber werden diese wirtschaftlichen Tugenden wieder nach ihrem echten Wert geschätzt. Die Farmersfrau muß nicht nur kochen und backen, waschen und nähen, sie muß auch vom Gartenbau, von der Geflügelzucht, ja womöglich von Vieh -und Schweinezucht etwas verstehen und in der Krankenpflege geübt sein. Dabei ist in Betracht zu ziehen, daß die eingeborenen Dienstboten, die man zur Verfügung hat, von Haus aus von all dem keine Ahnung haben und meist sich auch in der Folge wenig Verständnis für Reinlichkeit und Ordnung aneignen, so daß die Hausfrau beständig bei der Hand sein und sich um jede Kleinigkeit selbst kümmern muß.

Kochen und waschen versteht sich im Haushalte schließlich von selbst, auch das Backen und Schneidern ist zu lernen, aber nun kommen Geflügelzucht, Gartenbau und derl. Wer je auf dem Lande gelebt hat, der weiß, was für eine Last von Arbeit ein Hühnerhof oder ein Schweinestall mit sich bringt, auch wenn die Hausfrau nicht mit zufaßt, sondern nur das Ganze beaufsichtigt. Auch ist es gar nicht so leicht, sich in diese Zweige südwestafrikanischer Landarbeit so einzuarbeiten, daß man etwas damit erreicht.

Man muß den Gartenbau in der Heimat schon gründlich beherrschen, wenn man mit den kolonialen Nutzpflanzen fertig werden will. Ein Neuling steht ratlos da. Dasselbe gilt von der Geflügelzucht. Es handelt sich draußen eben nicht darum im Ziergarten sich ein wenig angenehm die Zeit zu vertreiben oder Luxusgeflügel zu füttern, sondern der Garten und der Geflügelhof dienen dort dem recht realen Zwecke des "Geldmachens". Zum mindesten sollen sie den Tisch des Farmers versorgen und diesen von den unerschwinglich teuren Konserven unabhängig machen. Dabei hat man mit allerlei tropischen Überraschungen, Ungeziefer sonder Zahl und Raubzeug, einen steten Kampf zu führen, ganz anders als in der Heimat. Kurz und gut, die Hausfrau muß den ganzen Tag auf den Beinen sein, um ihr ausgedehntes Reich in Ordnung zu halten. Denn von dem eingeborenen Gesinde gilt als Regel mit sehr geringen Ausnahmen, daß es nicht arbeitet, sobald man ihm den Rücken kehrt. Man möchte wirklich oftmals wünschen, es machen zu können wie jener Pflanzer, der sein Glasauge herausnahm und es auf dem einen Feld auf einen Tisch legte, wenn er auf dem anderen nach dem Rechten sehen mußte, um die abergläubischen Eingeborenen glauben zu mache, daß das Auge des Herrn wache. Alles in allem ist der Hausfrauenberuf in den Kolonien keine Lustbarkeit. Er macht nur der Frau Freude, die mit Leib und Seele bei der Sache ist, er wird aber kaum eine Frau befriedigen, die die Verheiratung nach den Kolonien als bequeme Versorgung betrachtet.

Quelle: Kolonial-Kalender Wilhelm Köhler 1912, von rado jadu 2000

 

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