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Kamelritt in die Kalahari

(Aus Hauptmann Artur Schmitt: "Jambo Watu").

... Nachdem die Sattelung und die Verpackung und die Verpackung nachgeprüft ist, trabt die Patrouille auf der zunächst noch sichtbaren "Pad" von der Station gen Osten. Für einige Tage sind wir auf uns allein gestellt, ohne jegliche Verbindung mit der übrigen Welt.... Der günstigste Weg in dem von Wühlmäusen, Erdeichhörnchen, Stachelschweinen, Erdfarken unterwühlten Boden wird ausgesucht. Die Pad, unter der man sich keine europäische Straße vorstellen darf, ist nämlich bald verschwunden. In den Dünentälern wird getrabt, bergauf wird in Schritt übergangen. Langsam und bedächtig schreitet das Kamel den Dünenkamm hinan, um, auf der Höhe angelangt, den Kopf erst neugierig rechts und links zu drehen.

Je weiter unsere Patrouille nach Osten vordringt, um so mehr ist Vorsicht angebracht. Mit dem spurenkundigen Buschmann Fritzi, der sich aber mit Händen und Füßen dagegen wehrt, ein Buschmann zu sein, und mit Isaak, den Khauas Hottentotten, meinem treuen Bambusen, trabe ich voraus. Mit Dünenabstand folgt der Rest der Patrouille. Die Augen der Eingeborenen sind scharf und unverbraucht. Es entgeht ihnen kaum etwas, was in der weiten Steppe sich ereignet. Erst mit dem Prismenglas vermag ich ihre Sehleistung zu erreichen. Es ist erstaunlich, zu welchen Leistungen im Spurenlesen es die Eingeborenen bringen, so daß es den Anschein haben könnte, als sei Karl May bei den Buschleuten in der Kalahari in die Lehre gegangen. Die geringsten Merkmale der Spur geben ihnen wichtige Aufschlüsse. Zwar kann auch der weiße durch ständige Übung im Spurenlesen Fortschritte erzielen, allein die Meisterschaft des Buschmanns wird er nie erreichen....

Unter einzelne Bäume verteilt, die uns in der Gluthitze des Mittags Schatten spenden, satteln wir ab. Kaum ist die Patrouille aus dem Sattel, so brennen schon die Feuer und das Wasser für Kaffee oder Tee brodelt im Kochgeschirr. Die Kamele werden auf die Weide getrieben. Eine Weidewache wird eingeteilt. Falls gewohnheitsmäßige "Ausreißer" unter den Kamelen sind, so legt man ihnen an den Vorderbeinen Spannfesseln an, die so kurz bemessen sind, daß die Tiere nur Schritt gehen können; denn es gehört zu den unangenehmsten Überraschungen, wenn die Reittiere von der Weide weg den Heimweg zur Station allein antreten und den Reiter hilflos in der Steppe zurücklassen.

Nun geht es an das Aufbrechen und Zerwirken der erlegten Antilope. Bald schmort der Braten, dessen Größe den Anstrengungen des Rittes durchaus angemessen ist, im Kochtopf. Was zunächst an Fleisch übrigbleibt, wird zu " Fleckfleich" verarbeitet. Das Fleisch wird dazu in Streifen geschnitten, mit Salz eingerieben und im Schatten eines Baumes zum Austrocknen aufgehängt. Bald werden diese Stücke infolge der feuchtigkeitsarmen Luft hart und schinkenähnlich. Für einige Tage müssen wir sie nach dem Absatteln zum Trocknen aufhängen; nach einer Woche etwa sind sie vor dem Verderben geschützt. Diese "Bulltong" (Biltong) sind sehr schmackhaft und lassen sich gut in den Satteltaschen mitführen.

Unvergeßlich sind jedem Kalaharireiter die Stunden am Lagerfeuer unter dem afrikanischen Sternenhimmel, der infolge der Reinheit der Luft ganz nahe zu sein scheint. Von besonderer Schönheit sind die Mondhellen Nächte. Dies empfanden wir auf Patrouille immer wieder aufs neue. Nachdem wir bis zum Nachmittag gerastet haben, werden die Kamele von der Weide hereingeholt und gesattelt. Wie am Vormittag legen wir in der Regel 20 bis 30 km zurück; dann suchen wir uns gegen Abend einen geeigneten Lagerplatz, der jetzt nicht durch die Weide, sondern durch die Holzverhältnisse bestimmt wird. In der kalten Zeit meiden wir die Dünentäler, welche Feuchtigkeit anziehen. Die Kamele werden niedergelegt und mit Spannfesseln versehen. Die Zeltbahnen werden ausgebreitet, nachdem der Boden geglättet worden ist. Darüber kommen 2 oder 3 Woilachs, die zum Satteln der Kamele benötigt sind, und das "Bett" ist fertig. Hoch flammt der Holzstoß auf, um den sich die Patrouille herumgruppiert. Über uns strahlt das Kreuz des Südens, das Kennzeichen des südlichen Sternenhimmels. Der Wegweiser für die Patrouille in der Nacht.

Hinter uns liegen, mit langausgestrecktem Hals, gespensterhaft umrissen, unsere Dromedare. In der Nähe heulen und bellen Schakale, die das Wildbret im Lager wittern und ihren Anteil heischen. Knisternd brennt das Feuer. Ein kühler Wind läßt des Tages Hitze vergessen. Behaglich liegen wir um das Feuer herum und ruhen von den Anstrengungen des Rittes aus. Ein, zwei Becher Tee, vielleicht sogar mit einem Schluck Rum, stehen jedem Reiter zu. Da kommt dann von selbst die richtige Stimmung, die die Zungen löst und die Herzen öffnet.

Manch feines Garn wird da gesponnen. Alle kommen sie zu Wort: der Ostpreuße und der Rheinländer, der Märker und der Bayer, der Schwabe und der Sachse. Wenn die afrikanischen "Stories" erschöpft sind, dann erzählen sie sich von der Heimat, in der "es ein Wiedersehen gibt". Alle lernen sich verstehen und sich ergänzen, wo ihnen Gelegenheit dazu gegeben ist. Jeder weiß, daß er sich auf den anderen verlassen kann. Das war eine Erkenntnis, die jeder Schutztruppenreiter mit sich in die deutsche Heimat nahm.

Quelle: Unsere Kolonien, Hase und Koehler 1938, von rado jadu 2001