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Das Ovambovolk

Von Dr. E. Th. Förster

Es hat allen Anschein, als ob man sich in den maßgebenden Kreisen unserer Regierung entschlossen habe, in Deutsch-Südwestafrika gründlich aufzuräumen mit allen Hindernissen, die sich bislang noch der wirtschaftlichen Erschließung und Entwicklung des Landes entgegenstellten.

Ganz anders wird sich aber dieser Gestalten nördlich des eigentlichen Hererolandes. Da wohnen jenseits der großen Salzpfannen und getrennt von den Herero durch unwirksame Sand- und Durststrecken deren Vettern, die Ovambo. Sie stehen noch heute, nach zwanzigjähriger sogenannter deutscher Oberherrschaft, vollständig unter der Regierung eigener, gestrenger Häuptlinge, kaum beeinflußt von unserm Handel und gar nicht von unserer Verwaltung, denn daß man seit ungefähr 6 Jahren die vielleicht vorhandenen mineralischen Bodenschätze ihres Landes an eine deutschenglische Gesellschaft in Berlin vergeben hat, wird sie wenig berührt haben. Nur die Mission, und zwar die mit der Rheinischen befreundeten Finnische Missionsgesellschaft hat seit 1870 dort einigen Halt gewonnen.

Entgegen dem Hereroland ist das Ovamboland eine ausgedehnte große Ebene, zwischen den immer Wasser führenden mächtigen Strömen gelegen, die unter dem Namen des Kunene und Okawango bekannt sind. Der Charakter der Landschaft ist recht gut ersichtlich aus dem einen Bild, in dessen Vordergrund einige anmutig gekleidete Missionsschülerinnen mit aufgenommen sind. Klima und Pflanzenwuchs haben mehr tropischen Charakter. Steine im Ovamboland sind seltene Dinge. Zahlreiche Flußarme der beiden Hauptströme, z. T. einige Monate des Jahres mit Wasser gefüllt, erstrecken sich über die bewohnten Strecken. Das Malariafieber wird infolgedessen häufiger angetroffen, und damit wird die eingeborene Arbeitskraft ein recht wertvolles, wirtschaftliches Mittel zur Hebung des Landes. Ovamboland ist im Gegensatz zu den Wohnsitzen der Herero mehr eine Stätte für Ackerbau. Man erwartet denn auch zurzeit, daß es uns gelingen möge, die Baumwollkultur als Volkskultur dort heimisch zu machen. — Vorläufig freilich hat es damit noch gute Wege. Wir haben noch keinerlei Militärstationen im Land; die Ovambo aber sind bewaffnet bis an die Zähne dank der ungehinderten Waffen- und Pulverzufuhr aus dem Gebiet unserer freundlichen Nachbarn im Norden. Die Portugiesen, die überdies einen Teil des ungefähr 100 000 Menschen starken Ovambovolks, das auf einer Gesamtfläche von 140 000 Quadratkilometer wohnt, beherrschen, haben von jeher allerhand neuste Waffen in das Land gebracht. Einen Krieg gegen unsere Ovamboeingeborenen werden wir hoffentlich vermeiden können, denn sie aus dem Land zu treiben, wäre ein wirtschaftlich unverzeihlicher Fehler, aber starke Militär- und Zollstationen sind unbedingt erforderlich und tunlichst bald die gleichzeitige Entwaffnung der Eingeborenen.


Schutztruppe

Familie

Postboten

Bekannt ist, daß die mit uns Krieg führenden Herero sich alle Mühe gegeben haben sollen, auch die Ovambo zu bewegen, die Waffen gegen uns zu richten. Boten sollen nach Aussage der finnischen Missionare dringende Aufforderungen der Hererokapitäne an die Häuptlinge des ihnen verwandten Volkes überbracht haben. Aber es ist, wohl aus den verschiedensten Gründen, bei einem schwachen Aufstandsversuche nur eines Stammes der Ovambo geblieben, der jenseits der Salzpfanne seinen Sitz hat. Er soll unsere Militärstation, die im Südosten dieses Etoschapfanne genannten alten ausgetrockneten Sees gelegen ist, angegriffen haben, offenbar um zu räubern. Die aus sechs Mann bestehende Besatzung des Postens — Amutoni geheißen — hat jedoch den feind ohne eigenen Verlust mit 60 Toten heimgeschickt, darauf aber sich von diesem nördlichsten besetzten Posten zurückgezogen. Erwähnt sei, daß Amutoni selbst noch nicht im Ovamboland liegt, wo wir, wie gesagt, gar keinen festen Haltepunkt haben. Was sonst noch von Übergriffen der Ovambo in dem letzten halben Jahr die Presse berichtet hat, kommt gar nicht auf deren Rechnung, sondern dessen haben sich andere Stämme schuldig gemacht, die jenseits des deutschen Machtbereichs liegen. Hierher gehörten die Ermordung einiger Händler und ein Angriff auf katholische Missionare.

Die so bekannt gewordene Besatzung von Amutoni hat unser Reisender abgebildet, und zwar mit ihren Haushälterinnen, oder sagen wir zutreffender Hüttengenossinnen, die offenbar Hereromädchen sind. Man hat in letzter Zeit mit Recht sich auf das schärfste gegen die Unsitte gewandt, daß sich ledige deutsche Ansiedler, Kaufleute und Schutztruppler derartige junge Hereromädchen als häusliche Hilfe nehmen oder wohl gar in wilder Ehe mit ihnen leben. Der Krieg wird auch in dieser Hinsicht reinigend wirken, und es wird fernerhin eine derartige Rassenvermischung als die Schmach empfunden werden, die sie ist. —


kornb

Familie

Gruppe

Es scheint, als ob die Auseinandersetzung mit den Ovambo ihre Hauptschwierigkeit in der bei diesem Volk ziemlich unbegrenzten Macht der Häuptlinge finden wird. Diese sind Herren über Leben und Tod ihrer Untertanen und halten sie in weitestgehender Abhängigkeit. Es wird also viel auf eine von vornherein abschreckende Machtentfaltung unserseits und kluge Unterhandlungen ankommen. Das Volk selbst, das Ackerbau treibt und auch Viehzucht, soweit die Großen des Landes ihm das gestatten, wird von seinen Kennern sehr gelobt als fleißig, anstellig und nicht im entferntesten von der Auffälligkeit der Herero. Auch ein gewisser Gewerbefleiß wird ihm nachgerühmt. Als Töpfer, Schmiede, Korbflechter und Handelsbeflissene sind sie allen ihren Nachbarn bekannt, besonders auch den Herero, mit denen sie von jeher in regem Verkehr standen. Sie pflegten ihnen gegen Salz und Kupfererze allerhand eigene Erzeugnisse zu liefern. Als Boten, ausgerüstet mit Eß- und Trinkbedarf für mehrere Tage, befördern sie noch heute die Post der Mission und sonstigen Briefschaften nach dem entfernten Süden. Einige unserer Bilder zeigen sie von der eben beschriebenen Seite.

Die Hauptsache bleibt aber der Körnerbau, den sie nun freilich zum größten Teil den Frauen überlassen, deren jeder Ovambo zwei hat, wenn er es irgendwie mit seinen Mitteln vereinigen kann. Will er um ein Mädchen werben, so sendet er den zukünftigen Schwiegereltern Geschenke, und zwar einige eiserne Feldhacken der Mutter der Auserkorenen, dem Vater aber ein junges Rind. Willig fügt sich die Tochter der Entscheidung der Eltern. Sie ist im allgemeinen die arbeitende Dienerin des Mannes. Ihr liegt neben der Feldarbeit namentlich auch die weitere Zubereitung des Korns ob, zu Speisebrei oder zu einem sehr beliebten, , wenig berauschenden Getränk, dem Kaffernbier. Dies genießen die Ovambo tagtäglich in Mengen, und darum sind die Kornkörbe wichtige Vorratsbehälter im Kaffernhaushalt.


Kunenevambo

Paar

Schüler

Quelle: Die weite Welt, Vom Fels zum Meer, Mai 1904, von rado jadu 2000.

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