zurück

Deutsch-Südwestafrika

Deutsch Südwestafrika wird im Westen vom Atlantischen Ozean, im Norden von dem Kumeneflusse und der portugiesischen Besitzung Angola bengrenzt. Im Osten stößt es an die englischen Interessensphäre und Kronkolonie Betschuanaland, im Süden bildet der Oranjestrom seine grenze.
An der Küste flach, steigt das Land allmälig zu der Hochebene Naarib empor, um sich aus dieser zu einem wilden und zerklüfteten Randgebirge zu erheben, das von Norden nach Süden geht, und in den Etendekaberge, dem Numibaghebirge und dem Hanamiplateau seine höchste Spitze erreicht. Im Norden zieht sich die große Kalahariwüste hin.

Von den Häfen haben eigentlich nur zwei einige Bedeutung, die Walfischbai und die Swakopmündung.
Die Walfischbai, in englischem besitze, befindet sich im Zustand allmäliger Versandung und erfreut sich auch sonst keiner günstigen Verhältnisse. Besser ist es um die Swakopmündung bestellt, wo es doch wenigstens Trinkwasser gibt und die Umgebung von zahlreichen Rinder- und Schafherden belebt wird, die zum Export aus dem Innern kommen und hier reichliches Futter finden. Außerdem führen von hier aus auch ganz erträgliche Wege nach dem Binnenlande. Angra Pequena, das den Seeschiffen in der Lüderitzbucht eine sehr gute Einfahrt bietet, könnte die vorgenannten Häfen an Wichtigkeit weit überholen, wenn es Verbindungen nach dem Innern besäße; hinter diesem Platze dehnt sich aber landeinwärts eine endlose Sandwüste ohne Weg und Steg aus, in der das Wasser versiegt und Baum und Blume verdorrt. Alle vor Angra Pequena nördlich und südlich gelegenen Inseln sind in Britischem Besitze.

Die Gegend um Angra Pequena ist wasser- und regenarm. Von den verschiedenen Strömen, die zur Küste eilen, überdauert auch nicht einer die Trockenperiode. Sie versiegen, sobald die Zeit der großen Dürre kommt, und ihre Bette und Rinnsale werden als Straßen nach dem Innern benutzt. Nur der Fischfluß, ein Nebenstrom desOranje, macht eine Ausnahme. Die eigentliche Sommerzeit beginnt mit dem September, sie bringt eine fast unerträgliche Glut, und ihre heißen Winde lassen alles, was blüht und grünt, vertrocken; nur hin und wieder bringt ein Gewitter mit kühlendem Regen der verschmachteten Natur Erfrischung. Der Winter ist dagegen ganz trocken. Infolge dieser Verhältnisse ist das Klima gesund, die Pflanzenwelt dagegen ist infolge der beständigen Trockenheit außerordentlich schwach entwickelt. Nur das Dorngebüsch und die Euphorbie gedeihen. Einige Fettpflanzen überdauern die Trockenzeit, die meisten Gewächse gehen jedoch ein. Auch die Tierwelt ist nur spärlich vertreten; selten findet der Jäger einen vereinzelten Strauß, nur die Gazelle und die Antilope tritt in größeren Heerden auf. Desto höher entwickelt ist die Viehzucht.

Im Norden des Gebietes, dem sogenannten Damaraland, sitzen die Herero, das mächtigste Volk des Schutzgebietes, von dem sich die Kolonisatoren den besten Einfluß auf den Fortschritt der Zivilisation versprechen. Bei diesem Volke steht die Schaf- und Rinderzucht in höchster Blüte, und sie verfügen über ungeheure Heerden. Dabei benutzten sie diesem Reichtum nicht einmal zu Handelszwecken. Gleich den Matabele scheuen sie sich, ein Stück Vieh zu schlachten oder zu verkaufen. Sie lassen ihre Rinder lieber an Altersschwäche eingehen, als das sie sich von einem derselben freiwillig trennen. In der letzten Zeit hat die Rinderpest unter ihren beständen gewaltig aufgeräumt, und es ist heute noch nicht abzusehen, wann und wie diese Kalamität enden, beziehungsweise ob ihr die Wissenschaft ein dauerndes Ende bereiten wird.

Obgleich von Charakter ziemlich schlau und berechnend, hält der Herero doch treu an seinen altererbten Sitten und Gebräuchen fest. Ganz originell ist die Tracht der Hererofrauen, unter denen sich viele von ganz angenehmen Äußern finden. Um beide Unterschenkel trägt das Hereroweib Ketten von schweren Eisenperlen, die zusammen ein stattliches Gewicht repräsentieren. Je nach dem Reichtum der Besitzerin steigt ihre Zahl auf zwanzig und darüber. Die Hüften deckt ein Schurz, während ein etwa 50 cm breites, mit Straußeneierschalen und wohlriechenden Wurzelknollen verziertes Mieder die Taille umschließt. Eine Art Mantel fällt über den Rücken und wird vorn zugeknüft. Obgleich das Christentum schon lange bei den Herero Eingang gefunden hat, sind doch bis jetzt nur sehr wenige ihrer Leute dafür gewonnen worden.

Hottentotten Kral

Von anderen, weniger bedeutenden Stämmen sind die Owambo (Ovambo), Bergdamara, Hottentotten und Buschleute zu erwähnen. Auch finden sich zahlreiche Mischlinge. Die Owambo wie die Herero zählen zu den Bantunegern; die Hottentotten, die sich selber einfach "Menschen" (Khoikhoin) nennen, bilden mit den Buschmännern zusammen eine besondere Rasse, der auch die Bergdamara angehören. Sie sind von schmutziggelber oder fahlgrauer Hautfarbe, der Schädel ist niedrig und mit dicht verfilzten Wollhaar bedeckt, die platte Nase und die weit vorstehenden Backenknochen erinnern an die mongolische Rasse -- ihre Sprache enthält eigentümliche Schnalzlaute. Die Hottentotten sind in Deutsch-Südwestafrika teils seit unvordenklicher Zeit ansässig, teils aus dem Kaplande hier eingewandert.

Buschleute

Die Buschleute sind höchstwahrscheinlich die Ureinwohner des Landes und erst von den Hottentotten unterworfen worden. Sie leben in Familien gesondert und vereinigen sich nur zu Krieg- und Raubzügen. Von Natur Nomaden, sind sie zugleich auch tüchtige Jäger; ihre Bewaffnung besteht indessen nur aus einem Bogen und vergifteten Pfeilen. der Kulturstufe, auf der sie stehen, ist noch sehr niedrig, namentlich sind ihre Zahlenbegriffe sehr wenig entwickelt.

Die Mischlinge leben -- etwa 2000 an der Zahl -- in dem von den Hottentotten bewohnten Gebiete, das sich südlich an dasjenige der Herero anschließt, und sind Abkömmlinge von Weißen und Hottentottenweibern.

Hauptort des ganzen Gebietes ist Windhoek, d.h. "Windecke". Ungefähr an der Grenze des Hottentotten- und Hererogebietes gelegen, war der Platz fortwährend Angriffen der nachbarlichen Stämme ausgesetzt, bis die deutsche Verwaltung endlich den strategisch wichtigen Platz an sich nahm und ihm zum Hauptort des Landes erhob. In der Nähe von Windhoek entspringen mehrere heiße Quellen. Der Handel hat sich unter der deutschen Verwaltung bedeutend entwickelt.

Ungefähr eine halbe Stunde von Windhoek entfernt liegt Kleinwindhoek, früher der Sitz der Rheinischen Missionsgesellschaft, die 18 Stationen im Lande hat. Ihre Niederlassungen in Kleinwindhoek sind zwar eingegangen, aber einige wagehalsige Deutsche haben sich an ihrer Stelle angesiedelt und hoffen, von hier aus der Kultur einen Weg zu bahnen.

Groß-Barmen

Ein dritter wichtiger Ort ist Otjikango oder Großbarmen, das schon 1884 Nebenstation der Missionsgesellschaft war und neuerdings ein stattliches Stationshaus erhalten hat. In seiner Nähe findet sich eine ganze Reihe von Schwefelthermen, die sich bei Flechtenleiden äußerst heilsam erwiesen haben.

Ein Wohnhaus

Als weniger bedeutend, aber doch ganz gut sich entwickelnde Ansiedlungen mögen noch Otjimbingwe und Okahandja am Swakop erwähnt werden; ebenso Rehoboth, Gibeon, Hoakhanas, Bethanien, Keetmanshoop und Warmbad. Keiner von allen hier genannten Orten kann jedoch Anspruch auf die Bedeutung eines größeren Gemeinwesens oder gar einer Stadt erheben; es sind eben nur Stationen, aus denen sich Ansiedlungen und Ortschaften erst entwickeln sollen. An der Walfischbai liegt eine britische Station.

Hauptausfuhr des Handels sind Rinder, Felle; Wolle und ein kleiner Ertrag an Straußenfedern. Diesen Export und überhaupt die Einnahmequellen des Landes zu heben und nutzbar zu machen, sind augenblicklich sechs Gesellschaften bemüht; ob sie Erfolg haben werden, wird die Zukunft lehren. Zur Zeit zahlt das Deutsche Reich noch einen jährlichen Zuschuß zu den Kosten des Schutzgebietes, der für 1894/95 eine Million betrug.

Quelle: M. Reymond, Illustrierte Länder und Völkerkunde, Deutsche Volkbibliothek, von rado jadu 2000

Karte
Rohstoffe

Namibia Travel Online

Welwitschia mirabilis eine sonderbare Wunderbare im Botanischen Garten

webmaster