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Deutsch Ostafrika
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von
August Leue
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II. Die Kolonisierung von
Deutschostafrika.
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II. Die Kolonisierung von Deutschostafrika.
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Unterdessen hatte sich die Deutsch Ostafrikanische Gesellschaft, in deren Direktorium noch die Herren Banquier Karl von der Heydt zu Elberfeld und der Hofmarschall Baron le Tanneux von St. Paul Illaire auf Schloß Fischbach eigetreten waren, in Deutschland mehr und mehr konsolidiert, so daß die Gesellschaft daran denken konnte, allmählich auch mit den eigentlichen Kolonisierungsarbeiten in Deutsch Ostafrika zu beginnen. Die Station Simaberg in Usagara war unter der Leitung des Gartentechnikers Karl Schmidt prächtig gediehen. Auf einer Anhöhe am Ufer des brausenden Gebirgsstromes, der Sima, erhob sich bald ein stattliches Wohnhaus, dem sich eine Anzahl von Stallungen und Vorratsräumen anreihte. Über der Mitte des von einer Pallisadenwand, der sogenannten Boma, umgebenen, von Hühnern, Tauben und Perlhühnern belebten Gehöftes weht an einem hohen Maste die schwarz-weiß-rote Sternenflagge, unter deren Schutz sich außerhalb der Boma ein Dorf von Negerhütten, das von den schwarzen Arbeitern bewohnt wird, gebildet hat Für romantisch angelegte Naturen kann der Aufenthalt ein idyllischer genannt werden. Das Klima ist angenehm. Erfrischende Winde wehen von den Bergen herab. Um die gewaltigen Baumriesen flattern Hornvögel und Papageien, und in dem Laubwerk wimmelt es von zierlichen Äffchen. Allerdings schleichen auch häufig die Panther dumpf murrend um die Station. Wenngleich das Raubwild den Menschen selten gefährlich wird, so gilt es doch, die Haustiere von den Angriffen der mächtigen Katzen zu sichern. Und oftmals war es nötig, durch Schüsse die unheimlichen Gäste zu verscheuchen. Waren dieselben doch frech genug, einige Male über die Einzäunung zu setzen und die braven Paviane, die zum Schutz der Vorräte gegen die Naschhaftigkeit der Afrikaner als Wächter vor den Türen der Magazine angekettet waren, auf ihren Posten zu erwürgen. Jagd und Fischfang bringt reiche Beute und der große Versuchsgarten versieht die Station mit allen Arten europäischen Gemüses und tropischer Früchte. Nach einer kurzen Zeit emsiger Arbeit sah sich Karl Schmidt in der Lage, sieben Proben von selbstgezogenem Tabak nach Deutschland schicken zu können, und er hatte auch die Freude zu vernehmen, daß der Tabak teilweise von vorzüglicher Qualität sei, ja, daß sogar zwei Sorten dem besten Sumatratabak gleichgeschätzt wurden. Es mag hier gleich Erwähnung finden, daß sich auf Grund dieser Feststellung eine Deutsch Ostafrikanische Plantagengesellschaft gebildet hat, die in Deutschostafrika hauptsächlich sich mit Tabaksbau beschäftigen wird. Der segenbringenden Wirksamkeit des tüchtigen Mannes sollte indes ein frühes Ende gemacht werden. Im August vorigen Jahres begab sich Schmidt, der sich übrigens stets der besten Gesundheit erfreut und in Simaberg außerordentlich wohl gefühlt hatte, zum Ankauf von Gerätschaften, Sämereien und persönlichen Bedürfnissen nach Sansibar. Nach Erledigung seiner Geschäfte machte er sich wieder frisch und mutig auf den Weg nach Usagara, und in kurzer Zeit erreichte er auch die Station. Leider aber erkrankte er gleich nach seiner Ankunft am Gallenfieber, und wenige Tage darauf hauchte er seine Seele aus. An einer lauschigen Stelle am Fuße des Hügels ist er von seinen Gefährten gebettet worden, und die Wellen der Sima singen ihm einen wehmütigen Grabgesang. Seit dem Tode seines Erbauers waltet ein Unstern über dem Gehöft. In Abwesenheit des aufsichtsführenden Beamten brach durch die Unvorsichtigkeit einer Afrikanerin in der Küche Feuer aus, und trotz aller Löschversuche der schwarzen Arbeiter brannten die angrenzenden Baulichkeiten bis auf das massive Wohnhaus nieder. Heute ist ein Beamter der Deutsch Ostafrikanischen Gesellschaft beschäftigt, die Stallungen wieder aufzurichten und die Station im größeren Stile auszubauen. Die Nachbarstation von Simaberg, die Faktorei Kiara, an der Karawanenstraße von Tabora nach der Küste gelegen, besteht aus Wohnhaus und Stallung. Von dieser Anlage ist besonders hervorzuheben, daß dort gewachsene Baumwolle an der Börse von Hamburg bei der Schätzung einen Preis erzielte, der den Durchschnittswert der Baumwolle überhaupt bedeutend übersteigt. Inzwischen war die Deutsch Ostafrikanische Gesellschaft auch in der Nähe der Küste, in Usaramo mit Kolonisierungsversuchen vorgegangen. Nicht ohne Bedenken hatte man die wackeren Pioniere zu diesem Unternehmen hinausziehen sehen. Waren doch die Küstenlandschaften durch das ewige Gerede der Sansibarkaufleute, die kaum jemals das Festland betraten, als Fiebergegenden so verschrieen, daß die Forschungsreisenden, welche von Bagamoyo oder Saadane, oder umgekehrt marschierten, sich nicht ohne geheimes Grauen den "Sumpfmiasmen" aussetzten und, sozusagen die Hand vor dem Mund, die Küstendistrikte in größter Beschleunigung durcheilten. Um so höher war die Genugtuung der Deutsch Ostafrikanischen Gesellschaft, als einige ihrer Beamten feststellten, daß das Klima in Usaramo ein vorzügliches sei, daß die Landschaft von einer friedlichen, arbeitsamen Bevölkerung bewohnt wurde, und sich durch eine außerordentliche Fruchtbarkeit auszeichne. Sofort marschierte der Lieutnant Krenzler mit einer kleinen Expedition ins Land hinein und legte in dem herrlichen Tale des breiten, schiffbaren Kingani das Fort Dunda an. Täglich arbeiten 50 bis 60 Arbeiter an der Herstellung der Erdwerke, und schnell blühte die Station empor. Alle die Gerüchte von der unsterblichen Trägheit der Afrikaner, der Bösartigkeit des Klimas und dem Vorkommen tödlicher giftiger Insekten erwiesen sich als Märchen. In hellen Scharen boten sich die Eingeborenen für einen minimalen Lohnsatz zur Arbeit an. Bodenbeschaffenheit und Klima waren vorzüglich, und von der fabelhaften Tsetsefliege hat noch kein Beamter der Deutsch Ostafrikanischen Gesellschaft eine Spur gesehen. Wohin die Explorateure der Gesellschaft abseits der Heeresstraßen auch gekommen sein mögen, überall fanden sie Haustiere, wie Kühe, Esel, Schafe, Ziegen und Geflügel von allen Sorten, ganz abgesehen von Antilopen und Zebras, die in Herden die Ebenen durchstreifen. Das Rätsel ist sehr einfach zu lösen. Die Afrikareisenden hatten bis dahin nur die beiden Karawanenstraßen betreten, die von der Küste zu den großen Binnenseen führen, und dort nur durch den arabischen Einfluß körperlich und geistig verdorbene Eingeborene und kümmerliche Verhältnisse gefunden. Wie soll auch in diesen Dörfern Wohlstand existieren, wenn täglich gewalttätige Horden von arabischem Händler dieselben durchziehen, die Einwohner mißhandelten oder als Sklaven mit sich schleppten, und Vieh und Früchte rauben, wo sie sie finden. Kein Wunder, wenn im Lauf der Zeit beide Seiten der Straßen öde und leer geworden sind, und der Fluch des Himmels auf den unglücklichen Afrikanern zu ruhen scheint. Ist doch das Arabertum den herrlichen Landgebieten von Ostafrika wie historisch nachweisbar, wirklich zum Fluch geworden. Auf der Station Dunda sind jetzt mehrere hundert Morgen Landes mit Tabak, Baumwolle, Reis, Mais, Mhogo(manioc/cassava plant n, mhogo.), Erdnüssen und sonstigen tropischen Nutzpflanzen bebaut; der Viehstand besteht aus Zug- und Reiteseln, Rindvieh, Herden von Schafen und Ziegen, und unzähligem Geflügel. Schon konnte der Chef der Station Dunda eine Herde von 50 Ziegen an die französischen Missionäre von Bagamoyo verkaufen. Das Verhältnis zu den eingeborenen ist das denkbar beste. Die Schwarzen haben bald eingesehen, zu welch großen Vorteilen ihnen die gute Beziehung zu den Weißen gereichen. Sie haben sich voll Vertrauen unter dem Schutz der Deutschen gestellt und sind des Gedankens froh, sich von den Angriffen der arabischen Sklavenjäger sicher zu wissen. Der Chef der Station betrachteten sie als Schutzherrn und Schiedsrichter, und alle um Dunda herumliegende Dörfer regeln ihr Tagewerk nach den Kanonenschlägen, die abends und morgens um 6 Uhr vom Fort herab ertönen. Die kleine Ansiedlung Barkenfelde bei Dunda, angelegt von einem ostpreußischen Kolonisten, der mit Weib und Kind hinausgezogen ist, entwickelt sich aufs beste. Kurz, alles steht im Flor. Gleichen Schritt mit Dunda in Bezug auf das Gedeihen halten die Stationen Madimola und Usugala, welche in den Zwischenräumen von zwei Tagesreisen stromaufwärts am Kingani, beziehungsweise von den Herren Lieutnant von St Paul Illaire und Premierlieutnant von Zelewski erbaut sind. Auch dort hat man außerordentlich günstige Bedingungen, für Viehzucht sowohl wie für Garten- und Plantagenbau, gefunden. Zur Verbindung mit dem Absatzmarkt und Hauptdepot von Sansibar ist in dem Küstenorte Bagamoyo von dem Lieutnant Baron von Bülow ein Zwischendepot eigerichtet worden. In Zukunft wird allerdings der Verkehr der Usaramostation unter sich und mit der Insel Sansibar durch Dampfbarkassen auf dem Kingani vermittelt, von denen augenblicklich sich schon die erste auf dem Transport von Hamburg nach Sansibar befindet. Außerdem sind im Verlauf des vergangenen Jahres die Stationen Petershöhe bei Mbusine in Useguha, Korogwe am Pangani in Usambara, und Tanganijko am Kilesi in Giriyama errichtet, welche sämtlich in jeder Beziehung die größten Fortschritte machen. Die Stationen Halule in Somaliland und Hohenzollernhafen an der Benadirküste sind noch unvollendet. Der Ausbau derselben ist jedoch schon in Angriff genommen. Leider hat die Anlage der Station Hohenzollernhafen und einer projektierten Niederlassung am Jubafluß mehrere Menschenleben gekostet. Bei der Forcierung der Jubmündung Ende November vorigen Jahres durch ein Ruderboot des von der Deutsch Ostafrikanischen Gesellschaft gecharterten Dampfers "Isolde" fand der wackere Lieutnant Güntter vom württembergischem Feldartillerieregiment Nr. 13 nebst zwei Matrosen den Tod durch Ertrinken. Und wenige Tage darauf wurde der Dr. Karl Jühlke infolge von Aufreizungen durch den Livali des Sultans von Sansibar in Kismaju erschlagen. Momentan befindet sich der Graf Joachim von Pfeil in Begleitung von vier Beamten unterwegs, um an Jühlkes Stelle zu treten und den Ausbau der Somalistationen ins Werk zu setzen. Es möge noch Erwähnung finden, daß die Deutsch Ostafrikagesellschaft auf Großkomoro vertragsmäßig die Ostseite der Insel, außerdem aber 1000 Morgen Land als Privateigentum zur Anlage eines Sanatoriums erworben hat. Bekanntlich gehört das Klima auf dem Komoren zu den gesundesten der Welt. Nachdem durch die diplomatischen Verhandlungen in London das ganze Ländergebiet zwischen der Küste und den Binnenseen einerseits und dem Rovumastrom und den Schneebergen des Kilimandscharo andererseits, abgesehen von dem 2½ geographische Meilen breiten sansibarischen Küstenstriche, als deutsch ostafrikanisch unter den Schutz des Reiches gestellt, und die Häfen Pangani und Daressalam als deutsche Vertragshäfen anerkannt sind, kann man die Besitzverhältnisse der Gesellschaft in Suaheliland als geregelt betrachten. Dasselbe gilt von der Somali- und Benadirküste. Fremdländischen Einfluß sind nur die Gebiete zwischen dem Umba und dem Tana ausgesetzt; aber auch hier wird die Gesellschaft rechtsgültige Ansprüche auf die erworbenen Ländereien voll und ganz, und voraussichtlich unbestritten, aufrecht halten. In nächster Zeit wird der Präsident der deutsch Ostafrikanischen Gesellschaft, Dr. Karl Peters, mit einem Gefolge von zwanzig tüchtigen Fachleuten aus allen Branchen der wirtschaftlichen Erschließung einer Kolonie sich nach Deutsch Ostafrika begeben, um die Leitung der Dinge daselbst persönlich zu übernehmen. Den letzten Nachrichten zufolge ist übrigens von der Station Korogwe aus durch den Chef derselben, dem Jäger Braun, ein Vorstoß gegen Massailand unternommen und an der grenze jener Länderstrecken die Station Mafi angelegt. Die Beziehungen, welche Braun zu den Massais unterhält, sind die freundlichsten, und es steht zu erwarten, daß sich auch dort ein sehr lukrativer Handelsverkehr entwickeln wird. Schon jetzt ist es ihm gelungen, eine Partie Elfenbein billig aufzukaufen und nach Korogwe zu schaffen. Quelle: Vom Fels zum Meer, Verlag Spemann, Stuttgart, 1887, von rado jadu 2001 |
Namen von Orten in Tanzania (die beiden Anfangsbuchstaben eingeben, dann erscheint eine Karte und der Ort.)
| Nach FAO-Angaben sind
37 afrikanische Länder, ein Drittel Afrikas, von der Tsetsefliege
betroffen. Rund 300 000 Menschen leiden in Zentralafrika an der von der Fliege übertragenen Schlafkrankheit, die Fieber und Kopfschmerzen verursacht und meistens tödlich endet. Werden Tiere von infizierten Tsetsefliegen gestochen, erkranken sie an Trypanosomiasis. Quelle: Agrar de |