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Beim Gouverneur von Deutsch-Ostafrika
Bilder
Dar-es-Salaam - "DAHR ehs suh LAHM"- Hafen des Friedens

Generalmajor von Liebert, der Gouverneur von Ostafrika, weilt seit kurzer Zeit in Berlin und ist bereits vom Kaiser in längerer Audienz empfangen worden. Herr von Liebert ist mit seiner Gemahlin nach Europa gekommen, um den üblichen Tropenurlaub im milderen Klima des südlichen Europa zu verbringen. Vorerst aber hat der Generalmajor die Rückkehr des Reichskanzlers, Fürsten Hohenlohe, abgewartet, und es dürfte von den Ergebnissen der Besprechungen im Reichskanzleramt abhängen, ob Herr von Liebert nach seiner bisherigen Wirkungsstätte in Dar-es-Salaam zurückkehrt oder wieder in die Armee eintritt.

Als Endpunkt der Karawanenstraßen aus dem südwestlichen Innern der Kolonie ist Dar-es-Salaam nach Bagamojo der bedeutendste Handelsplatz Deutschostafrikas geworden, der Ausgangspunkt jener energischen und vielversprechenden Kolonisierung des Innern. Als völlig moderne Stadt mit geraden, breiten Straßen, mit Plätzen und 173 Steinhäusern erhebt sich das deutsche Dar-es-Salaam über dem blauen Meer im Halbkreis um den weitgedehnten Hafen. Der östliche Teil des inneren Hafens, der noch vor wenigen Jahren in einen großen Mangrovensumpf verlief, dessen verpestende Ausdüstungen die Stadt mit Fieberluft erfüllten, ist durch Abzugsgraben und Schleusenwerk ausgebaggert worden, und in reger Arbeit entwickelt sich die Stadt von Jahr zu Jahr.

Gegenüber der Hafeneinfahrt, am südwestlichen Ende des Bogens, den die Stadt bildet, sind die ansehnlichen Gebäude der Magazine und des Hauptzollamts aufgerichtet worden. Außerhalb der Stadt, ausblickend auf den Indischen Ozean, erhebt sich das Gouvernementsgebäude, und auf der dazu gehörigen Schamba sind zweieinhalb Hektar als Versuchsgarten hergerichtet worden.

Die Residenz des Gouverneurs von Ostafrika ist als Tropengebäude musterültig, wenn auch einfach hergerichtet, als Pfahlbau mit der das Haus umfassenden, vom vorspringenden Dach überdeckten Galerie. Seit der Jahrhundertfeier am 22. März 1897 ziert ein Denkmal Kaiser Wilhelms I., das sich am Wilhelmufer (mit der Front nach dem Meer) erhebt, die Anlagen der Stadt.

Alle Einrichtungen einer regelrechten europäischen Stadt sind in Dar-es-Salaam getroffen. Ein Amtsgericht, ein kaiserliches Postamt, Fort und Kaserne für die Schutztruppen, ein Krankenhaus, eine deutsche Schule und die Bauten der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft, Wohnhäuser und Speicher zeigen die mächtige Kulturarbeit, die hier in kurzer Frist geleistet wurde. Auch die christlichen Missionen haben sich in Dar-es-Salaam mit zwei katholischen Klöstern und einer evangelischen Mission niedergelaasen.

Gouverneur
Denkmal

 

Bei den gegenwärtigen Verhandlungen in Berlin soll ein Einverständnis über die weiteren Maßnahmen in Ostafrika erzielt werden. Herr von Liebert schätzt das deutschostafrikanische Gebiet als überaus hoffnungsreich, sowohl als Absatzgebiet für die Industrie als auch für Kolonisierung. Die bisher angelegten Plantagen und Unternehmungen weisen stetig steigende Erträge au. Der vollen Entwicklung der Kolonie stehen nur die Schwiierigkeiten entgegen, die sich den großen Verkehrsanlagen und sonstigen Neueinrichtungen gegenüberstellen. Das deutsche Kapital hält sich bislang zu diesen Unternehmungen sehr reserviert und verlangt für den Bahnbau, der eben deshalb vielfach in Stocken geraten ist, eine vierprozentige Zinsgarantie.

Da diese Gewährleistung aber nur vom Staat übernommen werden kann, so dürfte es wohl vorteilhafter erscheinen und schließlich auch dazu kommen, daß das Reich selbst die erforderlichen Bahnen baut und deren Betrieb übernimmt. Diese Fragen dürften den Inhalt der Besprechungen des Gouverneurs mit dem Reichskanzler gebildet haben. Jedenfalls wäre es zu wünschen, daß eine so ausgezeichnete Kraft, wie Herr von Liebert, der ostafrikanischen Kolonie erhalten bleibe.

Der Generalgouverneur hat sich während seiner vierjähringen Wirksamkeit in Deutschostafrika das Vertrauen der gesammten Kolonie in vollstem Maß errungen. Seine unbedingte Wahrhaftigkeit und der Zuverlässigkeit seines Charakters haben ihm zahlreiche Freunde erworben. Frau von Liebert, die zur Zeit im Süden weilt, hat sich gleichfalls an das Tropenklima gewöhnt.

Frau Gemahlin
Der Gouverneur

 

Unsere Bilder zeigen Herrn und Frau von Liebert zu Pferde im "Safary" (Reiseanzug), dann das Ehepaar von Liebert und den Adjutanten, Oberleutnant von Stuemer, auf der veranda des Gouverneurhauses in Dar-es-Salaam.

Quelle: Die Woche 1900, von rado jadu 2001



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