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Ein Dampfer für den Viktoria - Nyanza

Pinasse

Es ist schon eine ganze Reihe von Jahren her, daß Major von Wissmann, von Ostafrika zurückkehrend, als ein dringendes Erfordernis der wirtschaftlichen Kolonialpolitik die Sicherung der westlichen Küsten Ostafrikas, die Herstellung von Dampfern für die großen Seen empfahl. Er selbst ging mit großer Tatkraft daran, unterstützt durch die sogenannte Antisklavereilotterie, die Gelder für einen Dampfer zusammenzubringen, den "Hermann v. Wissmann", der heute auf dem Nyassasee schwimmt und vorzügliche Dienste leistet. Dieser erfolg war der Ansporn zu neuen Bestrebungen, eben dasselbe für den Tanganjika zu leisten — wieder springt eine Wohltätigkeitslotterie für die deutschen Schutzgebiete helfend ein — und der Dampfer "Hedwig von Wissmann" wird bald auf den blauen Fluten des Tanganjika schwimmen.

Mit dem Dampfer für den Viktoria-Nyanza hatte es dagegen eine besondere Bewandtnis. Dr. Peters hatte nämlich ungefähr zu derselben Zeit wie Wissmann für einen Dampfer auf dem Viktoriasee plädiert, und seine Freunde hatten sich beeilt, Gelder für den Petersdampfer zu sammeln. Die Antisklavereilotterie übernahm schließlich seine Beförderung, konnte sie jedoch nicht durchführen, und von dem Dampfer, der zum Teil in Bagamoyo, zum Teil am Viktoriasee lagerte, ward nichts mehr gehört. Auf Veranlassung des Fürsten zu Wied wurde nun aus den Restgeldern der Antisklavereilotterie eine Aluminiumpinasse "Ukerewe" von der Firma Escher, Wyß & Co. in Zürich erbaut, die kürzlich von der ostafrikanischen Küste ins Innere geschleppt worden ist. Die Pinasse ist in neun Teile zerlegt. Dazu kommen noch zwei Lasten für die Maschinen (es sind zwei Maschinen und zwei Schrauben an der Pinasse), eine für den Schornstein und eine für das Beiboot. Die Lasten werden von je 6, 8 bis 12 Trägern getragen. Für jede Last sind außerdem Reserveträger da, so daß sich die trägerpaare im Tragen ablösen. Für den Transport der Pinasse sind 473 Träger notwendig, das Endziel der Karawane ist Bissisi bei Muanza, wo Hauptmann Langheld bereits einen Schuppen für den Dampferbau errichtet hat.

In den letzten Jahren ist, wie man sieht, außerordentlich viel für die Nutzbarmachung der Wasserwege Ostafrikas geschehen. Auch auf den ostafrikanischen Flüssen schwimmen jetzt mehrere Dampfer, der Regierungsdampfer "Ulanga" und eine Pinasse der Ruhijigesellschaft auf dem Ruhiji, und der Dampfer "Gustav Meinecke" der Panganigesellschaft auf dem Pangani.

Quelle: G.M., Die Woche 1899, von rado jadu 2001

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Hermann von Wißmann

Hermann von Wissmann und seine Begegnung mit den Bena Riamba