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Die drei gebrechlichen Europäer

 

Eines schönen Tages treffen sich im Busch drei alte Afrikaner, die von den langen Tropenjahren schon einigermaßen angenagt sind. Nach geräuschvoller Begrüßung schlagen sie ihre Zelte nahe beieinander auf und gehen dann zum gemeinsamen Whisky-Soda über. Sie gehörten alle drei der ehrenwerten Kategorie der sogenannten "Rundbrenner", an, d.h. solcher Auserwählten, die mindestens "einmal um die Uhr herum" Whisky-Soda trinken konnten. Es braucht auch nicht erwähnt zu werden, daß sie der Whisky-Oberstufe angehörten. (Unterstufe: Whiskyzusatz so hoch wie eine flache Streichholzschachtelseite; Mittelstufe: wie die Mittelseite der Schachtel; Oberstufe: Schachtel hochkant gestellt. Es gibt auch noch eine Kategorie, die den Whisky-Soda ohne Soda trinkt, doch pflegen diese Leutchen das nicht sehr lange zu machen.)

Also, unsere drei Freunde haben sich um den Tisch mit dem Getränk gesetzt; um den Tisch herum hocken unten auf der Erde die Eingeborenen des nahen Dorfes, die ehrfurchtsvoll dem Gehaben unserer weißen Freunde zusehen.

Plötzlich greift einer der Europäer nach seinem Auge, nimmt es heraus und legt es auf den Tisch.- Den Mohren imponiert das gewaltig; sie ziehen und ziehen an ihren Augen, aber das Kunststück läßt sich nicht nachmachen.

Eine Weile vergeht. Auf einmal greift der andere in den Mund, nimmt seine Zähne heraus und legt sie ebenfalls höchst gemütlich auf den Tisch.- Den Mohren wird bei dieser Zauberkunst allmählich etwas bedenklich. Sie zerren wieder nach Kräften an ihren Zähnen, aber auch dies Kunststück läßt sich nicht nachmachen.

Plötzlich springt der Dritte auf, sieht sich mit wildrollenden Augen im Kreise um, faßt sich in seinen Schopf, reißt sich seinen ganzen Skalp ab und wirft ihn auf den Tisch.

Das ist den Mohren zu viel; von grauem Entsetzen gepackt, verschwinden sie mit Hechtsätzen im Busch.

Quelle: Schwarze Schwänke, Dr. Ernst Nigmann, 1922 Safari Verlag, von rado jadu 2000

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