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Allerlei von Unterwegs

Vor der zukunftsreichsten Gegend Deutschostafrika

Das aussichtsreichste Gebiet ist wahrscheinlich das Dschaggaland am Kilimandscharo. Von ihm schreibt Dr. Hans Meyer ("Ostafrikanische Gletscherfahrten"): "Der Kilimandscharo stellt sich als ein Gebirge dar, auf welchem alle klimatischen Regionen der Erde vereinigt sind. Trotzdem hat er nur eine einzige begünstigte Besiedlungszone, das Dchaggaland auf der Südhälfte des Gebirges zwischen 1100 und 1900 m Höhe und mit einem Flächeninhalt von rund 800 qkm (ohne die Farnzone).

Unter dem Dschaggagürtel schränkt die Unfruchtbarkeit der Steppe das bewohnbare Gebiet auf die an Flußläufen liegenden Waldlandschaften Tawate, Kahe, Aruscha ein, über dem Dschaggagürtel herrschen die ewigen Nebel und Regen, die den Urwald erzeugen und erhalten und über diesem die Niederschläge und Kälte der alpinen Region. Die ganze Nordhälfte des Gebirges aber ist wegen ihrer Wasserarmut nicht von Ackerbauern bewohnbar, sondern bietet nur den viehzüchtenden Massainomaden ausgiebige Weidegründe.

In dieser Beschränkung ist indes die Dschaggazone ein herrliches Land. Es könnte ein einziger großer Garten sein, wenn die Streitigkeiten der Eingeborenen, die gegenseitigen Befehdungen der vielen kleinen Städtchen nicht wären. Schon aus diesem Grunde wäre dem beginnenden Prozeß der Aufsaugung aller kleiner Städtchen durch einen oder zwei der größeren, kräftig regierten ein schneller Fortgang und bestand zu wünschen. Bisher hat der Kilimandscharo allerdings noch nichts hervorgebracht, was im Sinne der europäischen Zivilisation wertvoll wäre; die Hölzer des Urwaldes sind schwammig, kautschukführende Gewäsche sind selten, Orseilleflechten nicht sehr häufig, mineralische Schätze führt das basaltische Gestein gar keine.

Aber die Grundlagen zu wertvollen Produktionen sind auf der Südseite die besten. Der vulkanische, zerfetzte Boden ist außerordentlich fruchtbar, der Wasserreichtum enorm, das Klima in jeder der verschiedenen Zonen gleichmäßig. Kaffee, Kakao, Tee, Vanille und auch Zimmet, müssen da so gut gedeihen, wie in jeder bevorzugten Tropenkolonie. Und zudem ist das Dschaggaland bewohnt von einer freundlichen Bevölkerung, in welcher nicht nur die Weiber, wie bei den meisten anderen Afrikanerstämmen, sondern auch die Männer daran gewöhnt sind, in regelmäßiger Arbeit das Feld zu bestellen und den Befehlen ihrer Häuptlinge gehorsam zu sein.

Verglichen mit den anderen Gebirgsländern Ostafrikas, deren nach allgemeiner Ansicht wertvollstes Usambara, mir ganz besonders gut bekannt ist, ist der mittlere Kilimandscharo das einzige ostafrikanische Gebiet, das an Fruchtbarkeit und Schönheit den tropischen Höhen von Südindien, Ceylon (Srilanka), Java und Philippinen, wo ich Monate zugebracht habe, nahekommt und an Üppigkeit den freilich schmalen und des Bergklimas entbehrenden Küstenstrich der deutschen Interessensphäre übertrifft."

Quelle: Reise um die Erde, 1905, Karl Tanera, Internationaler Welt Verlag, von rado by Jadu

Orseille