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Die Kokostrinknuß

(Aus D. Pentzelt: "Heimat Ostafrika")

Hein hielt Marschpause und dehnte sich behaglich im Mangobaumschatten auf einer Eingeborenenbettstelle, obgleich er wußte, daß bei solcher Ruhegelegenheit seine neue Afrikazeit unfehlbar mit Wanzenstichen anheben würde.

Wohlig blinzelte er dem Hüttenbesitzer nach, der mit aufgeknüpftem Lendenschurz eine Kokospalme erkletterte, oder besser gesagt, an ihr mit Händen und Füßen hinauflief, um dem fremden Bwana (Herrn) Trinknüsse abzuschneiden. Breit klatschten die Klumpen aus der Höhe in den Sand, der Schwarze glitt behend hinterher und machte sich daran, an einem angespitzten Pfahl die Faserhülle abzuschleißen. Darnach holte er ein Messer aus dem Lendenschurz hervor, wo es in hinterster Rückengegend, vereint mit einem zum Holzpinsel zurechtgekauten Zahnbürstenzweig, seinen durch die Sitte unweigerlich angewiesenen Platz hatte. Diesem Messer war eine andere Scheide als Lendentuch und schweißige Rückenhaut nie zuteil geworden, und mit ihm bohrte sein Besitzer kunstgerecht zwei Löcher in die weichen Sämlingsstellen der Nuß und reichte diese dann dem Europäer, damit er daran saugen möge.

"Appetitlich ist das gerade nicht," dachte Hein, "aber der Appetitlichkeit halber geht keiner nach Afrika — genug, daß hier der Sekt auf Bäumen wächst!"

Wer in Deutschland meint, der dürftigen seifigen Kokonußbrühe aus abgestandener Jahrmarktsware Geschmack abgewinnen zu müssen, der glaubt nicht, wieviel prickelnde Süße eine wirkliche Trinknuß zu spenden vermag. Nicht umsonst unterscheidet die Wasuaheli alle leisen Abstufungen im Übergang des Fruchtwassers zum Nußfleisch, jeden Zwischenzustand schätzt ihre Zunge kritisch ein, und für jeden fand ihre Kultur des Gaumens ein besonderes Wort.

Quelle: Unsere Kolonien, 1938, von rado jadu 2001




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