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Beim Häuptling Msinga von Ruanda

(Aus Adolf Friedrich Herzog zu Mecklenburg: "Ins innerste Afrika ")

Trommelwirbel ertönten aus dem Palast. Und nun erlebten wir ein Schauspiel so voll echter Ursprünglichkeit und Originalität, wie man es noch hier, fernab vom allgemeinen Pfad der reisenden, erleben konnte. Paarweise, in feierlicher Ruhe, schritten die Prachtgestalten der Ruandafürsten mit ihren Söhnen voran. Die Sänfte Msingas, die eben das Tor der Residenz verließ, folgte langsam. Alle trugen Festtracht. Der Körper ist nackt. Nur die Hüften umschlingt ein schmaler, in zwei Querfalten gelegter Schurz aus gegerbter Rindshaut, von der viele Schnüre aus Otter- oder Rinderfell bis zu den mit vielen Drahtringen geschmückten Knöcheln herabhängen. Über den Kopf läuft ein Haarkamm von Ohr zu Ohr, in dem eine dünne Perlenkette glänzt. Um den Hals hängt, bis auf die Brust herab, eine Fülle gelber Schnüre aus Bananenbast, an denen Perlenschmuck verschiedenster Größe, Mitako genannt, befestigt ist. Armbänder aus Kupferdraht und bunten Perlen umschließen die Handgelenke. So bewegte sich der Zug gemessenen Schrittes in vornehmer Ruhe auf mein Zelt zu. Die dem Sultan zustehende Wache der Expeditionstruppe, ein Schauch (Unteroffizier) und zwei Mann, trat ins Gewehr. Des Sultans Sänfte, ein langer, einfacher Korb, dessen Bambusstangen auf den Schultern von Batwaleuten ruhten, wurde vorsichtig herabgelassen, und mit den deutschen Worten: "Guten Morgen, Euer Hoheit!" reichte mir Msinga die Hand....

Die landesüblichen Geschenke erregten die Aufmerksamkeit des Herrschers nicht sonderlich; sie wurden ziemlich achtlos fortgetan oder gleich unter die Großen verteilt. Das Rasseln einer Weckeruhr, die bis in alle Details erklärt werden mußte, befriedigte den Msinga aber schon mehr; diese Befriedigung steigerte sich zum Entzücken bei der Überreichung meines Jagdmessers und der mit Munition gefüllten Patronentasche, welche zu der ihm verliehenen Jägerbüchse Modell 71 paßte. Den Höhepunkt aber erreichte seine Begeisterung, als ich ihm feierlich eine Säge überreichte, um die er besonders gebeten hatte. Nach einigen mißglückten Versuchen gelang es ihm bald, die Beine meines Stuhles und alles nur sonst Erreichbare mit bestem Erfolge an- und abzusägen. Auch das Ministerium beobachtete die Versuche mit lebhaftem Interesse. Zufriedenheit erregte auch die Askaritruppe, die ich exerzieren ließ, und auch die Wirkung einer scharf geschlossenen Salve verfehlte den gewünschten Eindruck nicht.

Die folgenden Tage waren sportlichen Wettspielen gewidmet, von denen das Hochspringen der jungen Watussi wohl das Erwähnenswerteste ist.

Zwischen zwei dünnen Bäumen wurde eine Schnur gespannt, die sich beliebig erhöhen ließ. Diese mußte auf einer schräg aufwärtsführenden Fläche angelaufen werden; zum Absprung diente ein kleiner , fußhoher Termitenhaufen. Und trotz dieser ungünstigen Bedingungen wurden Leistungen erreicht, die alle europäischen weit in den Schatten stellen. Die besten Springer, prachtvolle, überschlanke Gestalten mit fast indianerhaftem Profil, erreichten die unglaubliche Höhe von 2,50 m. (Der in Amerika erzielte Weltrekord betrug 2,07 m).

Höchst seltsam war es, daß wir während des Aufenthaltes in Njassa und in ganz Ruanda überhaupt niemals eines Watussiweibes ansichtig wurden. Sie wurden, wie es hieß, auf Befehl des "Mami" vor den Augen der weißen ängstlich behütet und in den Hütten bewacht.

Als wir vom Sultan Abschied nahmen, taten wir dies mit einem Gefühl ganz besonderer Befriedigung. Es war uns ein Einblick vergönnt gewesen in die Hofhaltung eines Negerfürsten, wie ihn in solcher Machtentfaltung noch niemand gesehen hatte.

 

Quelle: Unsere Kolonien, 1938, von rado jadu 2001




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