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Raubwild und Dickhäuter
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Flußpferde (Hippopotamus amphibius L.)
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Viele Reisende berichten aus Afrika, daß Flußpferde harmlose Tiere wären, die niemand etwas zuleide täten und den Menschen aus dem Wege gingen. Sie verurteilten auch die Jagd auf Flußpferde, erklären den Abschluß für unweidmännisch und möchten die Flußpferde von der Liste der zur Jagd erlaubten Tiere gestrichen wissen. Ohne Zweifel haben sie teilweise recht. Es gab Leute, die sich Jäger nennen, sich an einen Wassertümpel setzten, in dem sich Flußpferde befanden, und die dann auf eins schossen, worauf die übrigen untertauchen. Vorsichtig kommt wieder ein Kopf aus dem Wasser, um Luft zu schöpfen; puff, wird auch er beschossen, das erste könnte ja nicht tödlich getroffen sein, und so geht's weiter. Am nächsten Morgen schwimmen dann zwanzig und mehr Leichen auf dem Wasser, der Rest ist ausgewandert. Ich spreche hier von häufig vorgekommenen Tatsachen. Solche "Jäger" haben aber gewöhnlich in Afrika zum erstenmal ein Gewehr in der Hand gehabt und halten sich nun für geübt, wenn sie eine Kugel aus dem Lauf lösen und einigermaßen richtig ans Ziel bringen können; Liebe und Interesse für Wild fehlt ihnen; die Natur selbst ist ihnen fremd. Sie gleichen den Engländern, die das Tontaubenschießen von Monaco und Ostende auf das Wild übertragen und mit ihrer Rekordwut die Kreatur zugrunde richten. Durch das neue Jagdgesetz, das für einzelne Bezirke eine Einschränkung vorsah, ist ihnen das Handwerk gelegt worden. Die Erlegung von Flußpferden kann dem Jäger aber auch reine weidmännische Freuden bescheren. In den gebieten, wo sich dieses riesige Wasserschwein mit der Kultur trifft und seines Feldschadens wegen häufig verfolgt wird, werden auch namentlich die älteren Bullen äußerst angriffslustig. Wer an der Wehrhaftigkeit zweifelt, braucht sich nur einmal einen alten Bullenschädel mit seinen gewaltigen Stoßzähnen und Hauern im Unterkiefer genau anzusehen. Wie mancher Eingeborener hat im Rufidji schon seinen Tod gefunden, weil ein bösartiger Bulle ein harmloses Kanu umstieß oder zerbiß. Mancher mir bekannte Europäer geriet durch Flußpferde, ohne daß er sie beschoß, infolge Kenterns seines Bootes in die Gefahr des Ertrinkens oder des Todes durch den Angriff eines Krokodils und wurde nur mit mühe gerettet. Aber nicht nur im Wasser können Flußpferde unangenehm werden, wie aus folgendem hervorgeht. Im März 1912 kehrten in Kissaki eines Abends zwei Eingeborene von der Arbeit zurück. Es war gegen neun Uhr und ziemlich dunkel, wie meist in der Regenzeit. Kurz vor ihrem Dorfe sahen sie ein großes schwarzes Tier an der Straße stehen. Der eine der Männer klopft mit dem Stiele seiner Hacke an einen Baum, und im Augenblick werden beide angegriffen. Der eine entkommt, der zweite fällt auf dem schlüpfrigen Boden hin und streckt die Beine in die Luft. Schon hat ihn das Flußpferd erreicht und zermalmt ihm gänzlich den Unterschenkel. Es wurde erst durch das Geschrei der Dorfbewohner vertrieben. Da alle Wege tief voll Wasser standen, war eine Verfolgung durch Aufnahme der Fährte am nächsten Morgen ausgeschlossen. Beim zweiten Falle erschien im Juli desselben Jahres ein alter Bulle mittags um 12 Uhr in einem Dorfe. Die Leute hörten das Laufen und glaubten, ein Europäer sei geritten gekommen. Als sie zu seiner Begrüßung aus ihren Hütten heraustraten, sahen sie ein Flußpferd laufen. Eine alte, schwerfällige Frau lief ihm in den Weg und erhielt einen solchen Hieb mit den Hauen, daß die Rippenpartie der linken Seite samt der Rippenknochen aufgerissen wurde. Da ich dringend verreisen mußte, hatte ich selbst keine zeit, die Verfolgung aufzunehmen, und schickte deshalb fünf Leute mit Gewehren ab, um das bösartige Tier, das sich seit längerem eine halbe Stunde abseits des Flusses in den Maisfeldern aufhielt, deren Hüter abgriff und nur schwer zu verjagen war, unschädlich machen zu lassen. Angeblich hatten es die Leute beschossen. Es habe auch schwer vom Blatt geschweißt, trotzdem sei es entkommen. Den Mgetafluß habe es durchschwommen und sich stets auf dem trockenen Lande in Sicherheit zu bringen gesucht. Ich konnte diese Behauptungen wegen meiner dazwischenliegenden Abwesenheit nicht nachprüfen. Einige Zeit später, als das Flußpferd wieder gemeldet wurde, brachte es der Baumeister S., der die Station Kissaki baute, zur Strecke. Quelle: Raubwild und Dickhäuter in Deutsch-Ostafrika,Hans Besser, Kosmos Gesellschaft der Naturfreunde 1916, Franckh'sche Verlagsbuchhandlung, von rado, © Jadu 2000. |
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