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Raubwild Gefleckte Hyänen ( Hyaena erocut Erxl.) Widerliche Gesellen! Diese Empfindung hat jeder unwillkürlich, wenn er mit Hyänen in Berührung kommt. Der dicke Kopf und Nacken mit daranschließenden, stark abfallenden Rücken machen das Tier unschön. Der wiegende Gang nimmt von dieser Vorstellung nichts. Hört man nun gar nachts das Heulen und Lachen der Hyänen, so ist die dauernde Abneigung besiegelt. Ahnungslos liegt der Neuling im Lande in seinem Zelt und ist bestürzt, wenn am nächsten Morgen der Sattel oder die Schuhe fehlen. Froh muß er sein, wenn er sie in stark beschädigtem Zustande wiederfindet. Nicht nur Leder, sondern auch Stoffe, die durch Körperausdünstung menschlichen Geruch angenommen haben, sind vor Hyänen nicht sicher. So wurden mehrfach Boten der Relaispost, die im Innern Afrikas, wo es an anderen Verbindungen fehlt, die Briefpost befördert, nachts die Postsäcke verschleppt und häufig nicht wieder gefunden. Der Geruch, der den Säcken durch das Tragen auf dem schwitzenden Eingeborenenkopf anhaftet, genügt, um sie Hyänen begehrenswert erscheinen zu lassen. Hyäne zeigen eine unglaubliche Dreistigkeit. So saß ich eines Abends, ehe die Dunkelheit völlig hereingebrochen war, mit einem andren Europäer vor dem Zelt im langen Stuhl. Die Unterhaltung war ins Stocken geraten, und jeder hing seinen eigenen Gedanken nach. Mit einem leichten Aufschrei fährt mein Gegenüber hoch, und ich sehe eine gefleckte Hyäne sich im Trabe entfernen. Sie hatte den Betreffenden in die schlaff herabhängende Hand gebissen. Obwohl die Wunden nur in einigen Hautabschürfungen bestanden, eiterte sie doch längere Zeit. In Unyika bezog ich ein neuerbautes Lehmhaus, ehe noch die Türen fertiggestellt waren. Eines Morgens machte mich der weckende Boy darauf aufmerksam, daß Hyänen nachts im Hause gewesen wären. Auf dem noch nicht gestampften und zurzeit staubigen Fußboden zeigten sich deutlich die Fährten von einer oder mehreren Hyänen, die mich auch längere Zeit im Schlafe beobachtet haben mußten, denn die Spuren um die zwei freistehenden Seiten meines Feldbettes waren besonders zahlreich. Gestreifte Hyänen sind verhältnismäßig selten, dagegen ist die gefleckte Hyäne, die größer und stärker ist, bis auf die Hochgebirge, überall vertreten. Hyänen sind keineswegs nur Aasvertilger. Lämmer und Kälber holen sie sich ziemlich häufig zum Schmaus. Vor erwachsenen Menschen ergreifen Hyänen regelmäßig die Flucht, hingegen sind Kinder vor ihnen nicht sicher. Als ich im Januar 1902 durch den Ort Lindi kam, erzählten mir die dort wirkenden Benedikter Mönche, daß gefleckte Hyänen in wiederholten Fällen fünf- bis siebenjährige Eingeborenenkinder von den Veranden ihrer Hütten geholt und verspeist hätten. Zum Schuß auf Hyänen gelangte ich verhältnismäßig selten. Nur in ganz menschenleeren Steppen läuft die Hyäne in den Tagesstunden, wo die Sonne nicht heiß scheint. In bewohnten Gegenden ist sie ausschließlich Nachttier. Ihr Witterungsvermögen ist außerordentlich stark. Stets, wenn ich geschossenes Wildbret im Lager hatte, war schon gegen 6 Uhr abends das sich nähernde Geheul zu vernehmen. Im Dezember 1903 lagerte ich mehrere Tage beim Sultan Mkoma in Unyamanga. Zu dieser Zeit besaß ich an Hunden nur drei Foxterriers. In der zweiten Nacht erschienen die Hyänen so aufdringlich, daß ich kaum schlafen konnte. Die Terriers kläfften ununterbrochen, und wenn ich einen Blick aus dem Zelt in die mondhelle Nacht hinauswarf, sah ich, wie entweder die Terriers hinter Hyänen, oder diese hinter den Terriers herjagten. Die Hyänen schienen dieses Jagen als Gesellschaftspiel zu betrachten, denn ernstlich gingen sie den kleinen Hunden nicht zu Leibe, sonst wären diese rasch geliefert gewesen. Die Jagd ging ums Zelt, über die schlafenden Träger hinweg und um die verglimmenden Lagerfeuer herum. Nachdem ich eine Hyäne geschossen hatte, trieben sie ihr Spiel zwar bis zum Morgen weiter, verschwanden jedoch sofort im hohen Gras, sobald sie mich wahrnahmen. Aus Ärger über die gestörte Nachtruhe beschloß ich, Rache zu nehmen. Da ich mir sagte, das die Hyänen den Tod durch eine ehrliche Kugel nicht wert seien, ließ ich meine Doppelfeder "Löwenfalle" in Tätigkeit treten. Diese führte eigentlich ihren Namen zu Unrecht. Anfangs, als es mir nicht gelingen wollte, Löwen in freier Wildbahn zu sichten, stellte ich eifrig meine Löwenfalle auf, sobald sich Löwen irgendwo bemerkbar gemacht hatten. Obwohl ich in meiner Jugend auf Iltis, Marder und Fuchs ein guter Fallensteller war, ging mir niemals ein Löwe in die gut verblendete Falle. Nach einjährigem Gebrauch fing ich damit statt des Löwen einen Hasen, dann noch einen, dem drei Bügeldornen durch die Löffel gegangen waren. Sonst blieb dieses in Afrika nicht sehr häufige Wild, das etwa die Größe eines wilden Karnickels hat, unversehrt am Leben. Mehrfach hatte ich gelesen, daß Hyänen infolge ihrer feinen Witterung nur sehr schwer in die Falle gehen. Deshalb versuchte ich ein neues Verfahren. Von einem Ast ließ ich 1 1/2 Meter über dem Boden eine in Zersetzung übergegangene Ziegenkeule herunterhängen und stellte das Eisen ganz frei darunter, ohne es irgendwie zu bedecken oder einzugraben. Dabei rechnete ich, daß sich nähernde Hyänen nach Umkreisung des weitduftenden Schlegels mit erhobener Nase nähern und danach springen würden. Beim Landen müßten sie dann mit den Läufen die Falle zum Abzug bringen. Meine Mutmaßung erwies sich als richtig. Eine Stunde nach dem ersten Aufstellen war eine Hyäne im Eisen. Mit einer Kugel machte ich ihr ein Ende. Dann unterwies ich einen intelligenten Eingeborenen, wie er den Schraubenschlüssel zur Federspannung handhaben müßte, und legte mich schlafen. Meine Terriers hatte ich am Bett angekettet, damit sie mir nicht ins Eisen gingen, und das nächtliche Gekläff unterblieb. Am Morgen waren im ganzen sieben Hyänen zur Strecke gebracht, sechs Stück hatte der Fallensteller mit Speer und Knüppel erledigt. Bei sämtlichen Hyänen war das Gebiß stark beschädigt, fast alle Zähne waren durch heftiges Beißen ins Eisen ausgebrochen. Die Falle selbst war von einer Hyäne verschleppt. Da der Anker der Falle eine starke Schleifspur hinterließ, fanden wir sie nach zehn Minuten - ohne Hyäne. Der Anker war an einer Wurzel haften geblieben, und die Hyäne hatte so stark mit ihr herumgearbeitet, daß der eine Bügel mit der Niete ausgesprungen war. Andere Jäger bestätigen mir, daß weder Löwe noch Leopard die Fallen so beschädigten wie Hyänen. Das Ausbeißen sämtlicher Zähne soll bei Hyänen typisch sein, während es bei Löwen oder Leopard als seltene Ausnahme gilt. Ich selbst konnte keine Vergleiche darüber anstellen, da ich mit meiner Falle keine Löwen oder Leoparden fing. Offen gestanden behagt mir auch die Art, mit der Fallen zu fangen, nicht recht. Selbstverständlich lasse ich Fälle gelten, wo es sich darum handelt, gefährliche oder schädliche Tiere, die man beseitigen muß und deren man sonst nur schwer habhaft werden kann, zu vernichten. Sonst kommt mir die Fallenjagd nicht recht weidmännisch vor. Wenn es durchaus sein muß, so ziehe ich eher den Selbstschuß vor, den ich bei den Leoparden näher beschrieben habe. Aber auch da empfinde ich immer ein etwas fades Gefühl, im Gegensatz zu der stolzen Befriedung, die man beim Erfolg seiner geschickt gehandhabten Büchse am erlegten Wild hat. Quelle:
Kosmos Gesellschaft der Naturfreunde 1916, Franckh'sche Verlagsbuchhandlung,
von rado, © Jadu 2000
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Wildbiologen erforschen Hyänen in der Serengeti
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