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Raubwild und Dickhäuter in
Deutsch-Ostafrika

von
Hans Besser


Raubwild

Bild               Leoparden ( Felis pardus nimr H.E.).

Die seltener als den Löwen bekommt man den Leoparden in freier Wildbahn zu Gesicht. Mir war es sehr selten vergönnt, einem zubegegnen, und wenn es geschah, so war die Begegnung so flüchtig, daß ich meist nicht zum Schuß kam. Im Hochgebirge traf ich am Tage einige Male auf Leoparden. Sie waren aber so rasch im Gebüsch verschwunden, daß ich kaum die Gestalt ordentlich mit dem Auge erfassen können.

Einmal, als ich nur mit dem Stock in der Hand meiner Karawane vorauslief - es war in Anyika am Mloboflusse - sah ich erst ein paar Wildenten im Wasser und dann auf einem überhängenden Stamme am anderen Ufer einen Leoparden liegen, der die Wildenten scharf beobachtete. Es war gegen ein Uhr nachmittags. Wahrgenommen hatte mich der Leopard, denn ich bemerkte deutlich , wie die Spitze seines Schwanzes zitterte, sonst lag er bewegungslos. Ganz langsam drehte ich mich halb zurück, den Leoparden nicht aus dem Auge lassend, um meinen Boy, wenn er sichtbar werden sollte, gleich zuwinken zu können, daß er mir das Gewehr vorsichtig bringe. Einige Zeit hatte ich so gestanden. Gegen die Enten war ich gedeckt, und der Leopard blieb auf seinem Platze. Da sehe ich meinen Boy stehen. Er hat mich bemerkt und beobachtet, daß irgend etwas los war. Vorsichtig kommt er näher. Als er fast bei mir ist, macht der Leopard einen gewaltigen Satz über den Fluß weg an das Ufer, wo ich stand, landete im hohen Grase und war verschwunden.

Ab und zu traf ich Leoparden im Gras, wenn ich auf anderes Wild pirschte. Ein scharfes Krallen an der Rinde eines Baumes ließ mich aufsehen, und der Leopard hockte am Stamm etwa wie eine Hauskatze, die im ersten Sprung vor Hunden flüchtet. Schneller als es sich beschreiben läßt, war der Leopard wieder im Gras verschwunden. Manchmal fand ich dann unter solchem Baum ein gerissenes Schwein, oft war der Leopard wohl noch selbst auf der Jagd und wollte nur Ausblick haben.

Einen wunderschönen Anblick hatte ich in der Nähe der Ortschaft Mbuiga (Mgunda) zwischen Kissaki und Kidoti. Ich pirschte in einer dicht mit Schilf bewachsenen Niederung auf Büffel. Als ich die Niederung umschreite, um am Rande zu lesen, ob Büffel in das Schilf eingewechselt wären, höre ich plötzlich links von mir einen lauten Ton. Es konnte ein wilder Hund, ein Buschbock gewesen sein, möglicherweise auch ein Elefant, genau ließ sich der Ton nicht einer bestimmten Tierart zuschreiben. Mein Begleiter und ich stehen still. Einen Mann lasse ich auf ein Baum klettern, um zu sehen, ob etwa Elefanten im Schilf wären, da ich auf diese am ehesten schloß. Nichts konnte der Mann sehen. Plötzlich sagt einer meiner Begleiter: "Ein Leopard!" Ich sah mich um und brachte die Sache gar nicht mit dem vorher gehörten Ton in Zusammenhang. Da zeigten alle Leute auf einen etwa dreißig Meter über das Schilf herausragenden Baum, der zurzeit blattlos war, und nun entdeckte ich auch den Leoparden auf der äußersten Spitze eines Astes, in den dürrsten Zweigen zur Kugel geballt, liegen. Er war von mir etwa hundert Meter entfernt. Schießen wollte ich auf keinen Fall, da Büffel das begehrte Ziel waren. Trotz der nicht sehr großen Entfernung und trotzdem der Leopard so ganz frei sichtbar auf dem kahlen Baum saß. Hätte ihm wohl kaum einer von uns Beachtung geschenkt. Er sah so der Umgebung angepaßt aus, daß man bei oberflächlichen Sehen weit mehr auf einen Raubvogelhorst im dünnen Gezweig geschlossen hätte.

Rasch hatte ich mein Glas zur Hand. Der Leopard mußte unsere Beobachtung bemerkt haben. Er richtete sich auf, lief vorsichtig über das schwankende Gezweig, dann schnürrte (bei Raubwild eine "Spur" (Tritt) vor die andere setzen) er auf einem dicken Ast bis zur ersten Gabelung des Baumes, machte noch einige schnelle Schritte hinunter und war dann mit mächtigem Satze im Schilf verschwunden.

Wenn man sich in einer Gegend befindet, wo es Hundsaffen, Meerkatzen und braunrückige Paviane gibt, und diese sind in Deutsch-Ostafrika fast überall, wo Wald und Wasser zu finden sind, so wird der Leopard fast immer von den Affen gemeldet. Er ist ihr schlimmster Feind, und sie folgen seinem Weg auf dem Boden oben im Gezweig unter fortwährenden lautem Geschrei. Durch Affen aufmerksam gemacht, schoß ich meinen ersten Leoparden. Der ganze Wald hallte von dem Geschrei der Affen - es waren Hundsaffen (Cynocephalus (Papio) langheldi Mtsch.(?) oder Papio cynocephalus L. (? C. iberanus Thos.) -, die in einer Richtung weiterzogen. Ich zu den Affen parallel vorwärts, bis ich an eine Stelle kam, wo es kein Unterholz und infolge dichten Blätterdachs nur spärlich Graswuchs gab. Eine ganze Zeit stand ich hier unter einem Baum in Deckung, ohne etwas zu sehen. Plötzlich stand der Leopard mitten auf der kahlen Stelle. Er äugte zu mir herüber, nahm mich aber nicht wahr. Als er seinen Kopf in entgegengesetzten Richtung bewegte, strich ich am Stamme an und kam aufs Blatt ab. Ein fauchendes Miauen, dann ein plötzliches Wenden, und er war dort verschwunden, wo er hergekommen war. Hunde hatte ich nicht bei mir. Ich nahm zwar an, daß ich gut getroffen hatte, wollte aber lieber noch einige Zeit warten, ehe ich ihm nachging, Meine farbigen Begleiter wollten mich ganz davon abhalten, weil ein kranker Leopard "furchtbar böse" sei.

Die Affen tobten inzwischen auf derselben Stelle weiter, der Leopard mußte also noch dort stehen, wo er eingewechselt war. Um ihm Zeit zu geben, drehte ich mir eine Zigarette, die ich bis zu Ende rauchte. Nun ging ich Schritt für Schritt, die Umgebung abspähend, weiter, zunächst zum Anschuß. Ich fand vereinzelte Schnitthaare und dann große Spritzer Schweiß. Zwei Meter davon entfernt fand ich einen ganzen Klumpen Haare, an dem noch Haut festsaß, also der Ausschuß. Nur war mir nicht mehr bange. Zwei Schritte brauchte ich nur ins Gebüsch einzutreten, da schimmerte es mir schwarz-weiß entgegen. Der Leopard lag auf dem Rücken und war schon verendet, wie die verglasten Lichter (Augen) zeigten. Obwohl ich gern den ganzen Leoparden mitgenommen hätte, um ihn zu photographieren, war es doch im Hinblick auf meine beiden nicht sehr kräftigen Begleiter besser, ich schlug ihn an Ort und Stelle aus der decke und nahm nur diese und den Schädel mit. Es war ein prächtiger alter Kater und der Fang (das Gebiß des Raubzeugs und der Hunde) ganz vollständig. Groß war meine Freude, und mit Sorgfalt weichte ich zu Hause die Decke persönlich in gesättigte Salz- und Alaunlösung ein, knetete sie eine halbe Stunde lang durch und hing sie zum Trocknen auf.

Später, als ich eine große Hundemeute hatte, wurde es mir leichter, Leoparden zu erlegen. Mit meinen Hunden hatte ich insofern Glück gehabt, als die Stammeltern, zwei blutsfremde deutsche Doggen, sehr schneidige Tiere waren. Der Nachwuchs lernte es ohne mein Zutun, mit System, d.h. mit gegenseitiger Unterstützung, zu hetzen und wehrhaftes Raubwild zu stellen.

Wurde mir aus einem Dorfe gemeldet, daß die Leoparden dreist würden und Hunde und Ziegen holten, so brach ich, wenn ich Zeit hatte oder es sich sonst mit meinen Obliegenheiten vereinigen ließ, mit meinen Hunden auf und bezog in dem Dorf Lager.

Nachts verbellten dann meine Hunde den Leoparden. Meine Träger kannten den Rummel schon. Rasch hatte jeder ein paar ordentliche Hände voll trockenes Gras aus den Dächern der Hütten gezogen und sie als Fackeln angebrannt. Kamen wir zu den Hunden, so hatten diese den Leoparden zum Aufbäumen gezwungen, und ich schoß, indem ich einen Mann mit seiner Fackel hinter mich treten ließ. Nach dem Schuß stand ich zwar stets im Finstern, denn die Fackelträger waren ausgerückt. Es schadet aber nichts, denn wenn der Leopard nicht tödlich getroffen war, was bei der nächtlichen Schießerei häufig vorkam, so beschäftigten sich sofort die Hunde mit ihm und hatten ihn, falls er noch konnte, sofort wieder auf einen Baum getrieben. Selten verlor ich dabei einen Hund. Größere Wunden durch Prankenschläge nähte ich, worauf rasch Heilung eintrat. Übler waren kleinere Wunden, wo die Krallen eingeschlagen worden waren und nur ein kleines Stückchen Fleisch heraushing. Diese Wunden heilten äußerlich rasch zu, innen bildete sich aber meist ein langwieriger Eiterprozeß und Zellgewebsentzündung.

Ganz übel benehmen sich Leoparden, wenn es ihnen gelingt, in einen Ziegenstall oder Kral einzubrechen. Solange noch eine Ziege am Leben ist, wird gemordet. Es kommt vor, daß ein Leopard 30-50 Ziegen tötet und keine davon frißt. Die Dreistigkeit der Leoparden ist außerordentlich groß. Ziegen werden am Tage vor den Augen der Hirten, Hunde vor den Türen weggefangen. Dabei läßt der Leopard seinen Raub nicht oder nur sehr schwer im Stich, wenn er auch sofort angegriffen wird. Als Beispiel der Dreistigkeit erwähne ich folgendes kleine Erlebnis.

Auf dem Tanganjikaplateau hatte ich ein Europäer getroffen. Da wir gut bekannt waren, stellten wir unsere Zelte zusammen und brachten in dem einen die Betten unter, während uns das zweite als Eßzimmer diente. Vor dem Abendbrot saßen wir beide auf einem Bett, und mein bekannter spielte Ziehharmonika. Plötzlich gab es während des Spiels lautes Geheul von meines Bekannten Foxterrier, der unter dem Bett geschlafen hatte. Das Bett wurde unter uns hochgehoben, und ehe wir zur Besinnung kamen, sprang ein Leopard mit dem Terrier zum Zelt hinaus. Draußen war es dunkel, und wir konnten nichts gegen den Leoparden tun. Der Hund war sowieso verloren.

Am nächsten Morgen brachten Eingeborene den angefressenen Hund und behaupteten, der Leopard säße unweit unseres Lagers in einem Gebüsch dürren Grases, das beim letzten Steppenbrand noch zu grün gewesen wäre und deshalb stehen geblieben sei.

Wir besahen uns die Lage. Das Grasfleck war nur etwa drei Hektar groß, aber brennen wollte das Gras von 1,20 Meter Höhe auch heute noch nicht. Es blieb also nur die Möglichkeit eines Durchtriebes. Was wir an Eingeborenen auftreiben konnten, machten wir als Treiber mobil. Zwischen je 10 Mann stellten wir einen Soldaten. Schießen wollten nur wir Europäer, damit kein Unglück geschah. Ich stand auf jener Seite, wo wir vermuteten, daß der Leopard herauskäme, mein Bekannter ging mit den Treibern. Nachdem mehr als die Hälfte des Grases durchgetrieben war, schoß mein Bekannter zum ersten Male, wie er mir zurief, "daneben". Gleich darauf sprang der Leopard einen Soldaten an, und zwar so, daß er seine Hinterpranken dem Mann in die Oberschenkel schlug und mit den Vorderpranken Lappen in die Kopfhaut riß. Der Mann fiel natürlich hintenüber, aber ehe er lag, war der Leopard schon wieder zurück ins Gras gesprungen. Dieses Manöver wiederholte der Leopard mehre Male und stets so unverhofft und blitzschnell, daß die mit Stöcken zuspringenden anderen Treiber nicht dazukamen, einen Schlag zu führen. Wir hatten insgesamt sieben Verwundete mit mehr oder minder schweren Verletzungen.

Nur ein ganz schmaler Grasstreifen deckte den Leoparden noch, und ich hoffte, daß er jeden Augenblick flüchten und mir die Gelegenheit zum Schusse geben würde. Statt dessen versuchte er immer wieder, die Treiberlinie zu durchbrechen. Jetzt schloß Herr H. zum zweiten Male, und das gleich darauf einsetzende Freudengeheul der Treiber verkündete mir, daß der Schuß tödlich war. Der Leopard hatte die Kugel spitz von erhalten, und sie war durch den ganzen Körper gegangen mit dem Ausschuß neben den Weidloch (After).

Bei genauerer Betrachtung des toten Leoparden wurde uns auch klar, warum er bei seinem Anspringen der Treiber niemals den Fang gebrauchte. H.s. erster Schuß hatte ihm beide Kaumuskeln und die Pfannen der Unterkiefer durchschlage. Lange haben übrigens unsere Verletzten an ihren Wunden nicht laboriert, sie hatten ausnahmsweise gesundes Blut, was man von den wenigsten Afrikanern behaupten kann.

In eine recht mißliche Lage brachte mich ein Leopard im August 1908 in Kongo in Ussangu. Zur Reparatur einer Baumwollspinnerei wohnte ein ehemaliger Fremdenlegionär B. bei mi, der früher Techniker war. Als wir nachts die Löwen brüllen hörten, erzählte er mir, er hätte im Atlas schon Löwen geschossen, und fragte dann, ob ich ihm nicht zu einem Löwen verhelfen könnte, er möchte gern ein Fell als Waffenschmuck haben. Ich stand kurz vor einer Europareise, um mich von einem Gelenkrheumatismus zu erholen, den ich mir im letzten
Eingeborenenaufstand zugezogen hatte. Vier Monate hatte ich festgelegen, und seit zwei Monaten konnte ich wieder langsam gehen, war also mehr als klapprig, so daß ich eine Suche auf Löwen nicht wagen konnte.

Um B. aber eine Freude zu machen, da er mir die Maschinen rasch und gut in Ordnung brachte und auch ein sächsischer Landsmann von mir war, ließ ich einen Selbstschuß herstellen.

Nach dem Rezept meines Freundes L., eines Schweden, der schon mit Livingstone Afrika durchquert hatte und damals als Zivilkommissionär in Rhodesien (Zimbabwe) amtierte, baute ich eine Schußwaffe, die fast nie versagt und in die das Raubwild - und wäre es noch so schlau - leicht hineintappt. L. s System bestand in einem auf zwei eingegrabenen Astgabeln waagrecht gebundenen Gewehr in Blatthöhe über der Erde. Ein dünner, aber fester Bindfaden wird am Abzug befestigt, durch die untere Gewehrriemenöse gezogen, am Gewehr entlang geführt und dann quer über den Weg gespannt, den das Raubwild mutmaßlich durchquert. Man darf den Faden nicht zu fest spannen, da der nächtliche Tau ein Nachspannen besorgt. Mit der Hand drückt man dann den Faden in der Richtung des mutmaßlich vorbeikommenden Tieres. Wird das Gewehr ausgelöst, wenn man den Faden etwa 40 Zentimeter aus seiner Ruhe drückt, so ist die Aufstellung richtig, und man kann die Patrone einschieben.

Über den Weg führen wollte ich den Selbstschuß nicht. Ich benützte für solche Fälle immer ein ausrangiertes Gewehr Mod. 71, und ein solches Geschoß können des Weges kommende Eingeborenenbeine nicht gut vertragen. Ein eingeschlagener Pfahl, an den ich ein zwei Monate altes Kalb band, war das Zentrum eines dreiviertel geschlossenen Kreises aus Dornenästen. Quer über die Öffnung war dann das Gewehr gerichtet und der Fadenabzug gespannt. Um das Kalb noch besser zu schützen, ließ ich noch eine Reihe Pfähle mit handbreiten Abstand quer durch den Dornenkreis rammen, so daß der Löwe das Kalb bequem vom Eingang her sehen konnte. Damit er gezwungen war, den Eingang gehend und nicht springend zu durchschreiten, hing ich einige kleine Dornenäste an einer Stange in 1,20 Meter Höhe über den Eingang.

Der Löwe mußte dann den eigentlich nie beachteten Faden mit der Brust abziehen; nahm er ihn doch wahr und versuchte, darunter wegzukriechen, so spannte der daruntergezwängte Rücken den Faden bis zur Lösung des Schusses. Die Hauptsache war, daß das Gewehr richtig eingestellt wurde; dann mußte der Löwe mit Blattschuß liegen. Es geschah nie, daß Löwe oder Leopard bei dieser Art Selbstschuß weiter als zehn Schritt von der Falle verendet lagen. Nur zweimal gerieten mir Servale hinein, die infolge geringerer Körpergröße den Schuß auslösten, ohne getroffen zu werden. Die Hauptsache ist, daß man bei längerem Aufstellen täglich ein anderes Kalb nimmt, das die ganze Nacht infolge der ungewohnten Umgebung nach der Mutter blökt und dadurch die Aufmerksamkeit des Raubwildes auf sich lenkt. Ein zum zweiten Male benütztes Kalb ist die Sache gewöhnt und rührt sich nicht. Vorteilhaft ist es auch, die Falle in Hörweite des Dorfes aufzustellen, in dem die Kuh im Stall steht. Es entwickelt sich dann zwischen Kalb und Kuh ein fortwährendes Blöken, daß das Raubwild leicht anlockt.

Nach Einbruch der Dunkelheit erwarteten wir ständig den Selbstschuß zu hören, denn die Löwen brüllten ganz in der Nähe. Wir hatten uns verrechnet, auch die Nacht hindurch fiel der Schuß nicht. In solchem Falle hätten wir gleich hingemußt, da sonst ein zweiter Löwe an das Kalb gekonnt hätte. Am nächsten Morgen, als ich gerade fortgehen wollte, das Gewehr zu entladen, und nur noch auf den Eigentümer des Kalbes wartete, damit es losgebunden wurde und wieder zur Mutter kam, fiel der Schuß. Ein wildes Aufrohren sagte mir, daß ein Löwe getroffen war.

B., ich und zwei Eingeborene machten uns auf den Weg. Als wir unterwegs waren, bemerkte ich, daß sich meine beste und schönste Hündin Lady mitsamt der Kette losgemacht hatte und mir folgte. Ich drohte ihr, sie solle zurückkehren, sie legte sich aber nur und kroch dann mit schlechtem Gewissen hinter mir her. Nun tat sie mir leid, und die Erziehungsgrundsätze vergessend, winkte ich ihr und nahm ihr die Kette ab.

Mit schußbereitem Gewehr näherten wir uns nun der Falle. Doch nichts Gelbes war zu sehen. Sollte der Löwe entkommen sein? Nun näherte ich mich dem Eingang des Dornenkreises. Da lag statt des erwarteten Löwen ein recht starker Leopard zwischen Abzug und den das Kalb sicherden Pfählen. Der Schweiß tropfte noch aus dem Ausschuß am Hals, tot war er noch nicht. Als er mich sah, zog er die Lefzen (Lippe) hoch und ließ die Zähne sehen. Vier Meter stand ich von ihm entfernt. Ich legte an, um ihn den Fangschuß zu geben - Versager! noch einer und noch einer. Jetzt zog der Leopard die Muskeln zum Sprung an. Mit meinen noch vom Rheuma gelähmten Hüften konnte ich nicht zurückspringen, da landete er auch schon direkt vor mir, volle Kraft hatte er nicht mehr zum Sprunge gehabt.

B., der zehn Meter davon entfernt stand, rief ich zu, doch zu schießen, er tat es nicht. Im Augenblick des Landens sprang meine Hündin Lady vor und packte unglücklicherweise den Leoparden am Oberkiefer. Beide Tiere bissen zu, es krachte und knirschte. Diesmal ging zum Glück der Schuß aus meinem Gewehr, und der Leopard verendete. Mit einem Standhauer hebelte ich dem Leoparden den Fang auf, um meine Hündin loszubekommen. Anfangs glaubte ich, nur der eine Fangzahn hätte Zunge und Weichteile des Unterkiefers durchbohrt, leider mußte ich mich aber bald überzeugen, daß der Unterkiefer in der Naht gebrochen war. B. stand bleich wie eine Wand und zitterte dabei, so daß ich ihm auf den Kopf zusagte, er hätte noch keinen Löwen geschossen; er gestand dann, er wäre nur mit dabei gewesen, wie ein französischer Offizier der Legion Löwen geschossen hätte. Ich hoffte, Lady durchzubringen, und band die Kieferhälften fest. Alles heilte auch sehr schön. Nach vier Wochen ging ich aber nach Europa und gab sie bei einem befreundeten Missionar in Pension. Trotz meiner Anweisung, ihr nur breiige Nahrung zu geben und sie nicht von der Kette zu lassen, damit sie keine Knochen aufnehmen könnte, scheint dagegen gefehlt worden zu sein. Kaum in Deutschland angekommen, erhielt ich einen Brief, der mir meldete, Ladys Kiefer wäre wieder gebrochen, hätte dann geeitert, und sie wäre zu ihren Vätern versammelt. Selten habe ich so um ein Hund getrauert, als wie um dieses treue, schöne Tier.

Quelle: Kosmos Gesellschaft der Naturfreunde 1916, Franckh'sche Verlagsbuchhandlung, von rado, © Jadu 2000

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Leoparden

Durch ein Dickhäuter-Eldorado

 

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