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Städtebilder aus Deutschostafrika

(Aus H. Maier Stuttgart: "Städtebilder aus Deutschostafrika")

Daressalam: Zu deutsch "Hafen des Friedens". Die Perle der Kolonie an einer Bucht,die, wie man sagen hört, die ganze ehemalige Kriegsflotte hätte aufnehmen können. Mit seinen zwei Kirchen, dem Sultanspalast, den stattlichen Geschäfts- und Regierungsgebäuden, seinen Akazienstraßen, dem weithin bekannten Kulturgarten, seiner großen Strandpromenade, seinen oft villenartigen Einzelhäusern, seiner großen Ordnung und Sauberkeit, machte es gerade auch auf Ausländer einen ganz vorzüglichen Eindruck.

Ich betrat den Boden Daressalams im Jahre 1902, um ihn Anfang 1919 als Zivilgefangener zu verlassen, konnte also die Entwicklung der Stadt beobachten. Uns alten Afrikanern hat es ja wohl in seinem Früheren Stadium besser gefallen als später, wo es sich mehr und mehr europäisierte. Aber das war ja lediglich Geschmackssache.

Tanga: Ein unter Palmen liegender Edelstein an einer als Hafenplatz ausgezeichneten Bucht. Inmitten der Bucht eine mit Wildnis bewachsene Insel, auf der sich auch die Quarantänestation befindet sowie der Friedhof, auf dem die ersten Kulturpioniere ihre ewige Ruhestätte fanden. Am Eingang der Bucht der gegen das blaue Meer und die dunkelgrünen Mangrovenwälder sich in blendender Weise abhebende Leuchtturm und eine Erholungsstation, wo wir manchen Sonntag zubrachten. Stets weht hier eine erfrischende Seebrise und es donnern die Wogen gegen die Korallenriffe ihr ewiges Lied von der Vergänglichkeit aller Dinge, aber auch deren Unendlichkeit.

Wie oft saßen wir Tanganesen und Usambaraleute auf unseren Veranden, vor uns die im Abendglanze ruhende Bucht. In regelmäßigen Intervallen blitzte das Leuchturmfeuer auf, weit vom Meere her klangen melodisch die Signalhörner der nächtlichen Fischer, die sich auf diese Weise verständigten.

Wie oft ruhte das Auge auf den fernen blauen Höhenzügen des fruchtbaren Usambaragebirges, auf der von flinken weißen Segeln erfüllte Bucht und den in wunderbarer Pracht blühenden Akazien.

Hoch türmten sich im Zoll die zur Ausfuhr bestimmten Bazumwoll -und Sisalballen, Kautschuk- und Kaffeesäcke, Felle und Häute, Usambarahölzer.

Mit der Bahn Fahrten in das einzig schöne Usambaragebirge; mit dem Boot Fahrten den in die Bucht mündenden Sigifluß hinauf bis fast an die malerischen Sigifälle; mancher Schuß auf ein Krokodil, eine Wildente, eine Rieseneidechse oder einen Edelreiher.

In Tanga war gut leben. Von der Kulturstation Quai kamen Butter und Würste aller Art, von den Missionsstationen frisches Gemüse und Pfirsiche. In Tanga pflanzte ich selbst in meinem Hausgarten Gemüse mit gutem Erfolg.

In der Nähe von Tanga die schönen Buchten Kwale, Muansa und Moa. In der Nähe von Moa die großen Palmen- und Sisalpflanzung Totohovu.

Bagamoyo: Wie weiße Paläste grüßen die Gebäude der Behörden aus den grünen Palmenhainen. Hier war, ehe die Zentralbahn den Verkehr an sich zog, der große Karawanenplatz der Küste. Hier war es, wo Wißmann seine Truppen zusammenstellte, mit der er den Araberaufstand niederwarf.

Wie Kilwa liegt Bagamoyo an einer offenen Reede, in der die Dampfer weit draußen ankern müssen. Die Araber hatten solche Plätze bevorzugt, um ihren Sklavenhandel leichter treiben zu können, denn hier hatten sie, im Falle einer Kontrolle durch die englischen und später die deutschen Kriegsschiffe, Zeit, die Sklaven verschwinden zu lassen, da man ihren Segelschiffen nicht mit den tiefgehenden Kriegsschiffen folgen konnte.

Weit bekannt und beliebt war die katholische Mission bei Bagamoyo. Als besonders angenehm wurde immer das gesellige Zusammenleben der deutschen in Bagamoyo gerühmt.

Pangani: Malerisch an der Mündung des Panganiflusses. In der Nähe die großen Sisalpflanzungen Kikwetu und Baschirihof. Flußaufwärts Palmenwälder und Zuckerrohrfelder, bis das Pori kam. Noch weiter oben die prachtvollen majestätischen Panganifälle. Pangani war ein Idyll. Wer einmal dort war, sehnte sich nicht mehr fort.

Wie herrlich war es, am frühen Morgen am Flußufer zu wandeln, wenn in den Palmen die Vögel flöteten, und die Nächte, wenn der Schmiedevogel sein silbernes Ping-Ping erklingen ließ!

Quelle: Unsere Kolonien, 1938, von rado jadu 2001




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