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Schulwesen.

In den Städten Dar es Salam, Tanga und Bagamoyo, in welchen schon seit einer Reihe von Jahren Regierungsschulen mit gutem Erfolge tätig sind, gelangt es durch Anwendung eines gelinden Druckes auf die ortsansässigen, wohlhabende und auch intelligente Suahelibevölkerung, eine bedeutende Vermehrung des Schulbesuches zu erreichen. Die rein mohammedanischen, von arabischen Lehrern geleiteten Koranschulen gehen langsam aber stetig zurück, nicht zum wenigsten infolge der wachsenden Beliebtheit der Regierungsschulen.

Die Hauptaufgabe der Schulen ist die Heranbildung von Beamten für den Verwaltungsdienst des Gouvernements und der Kommunalverbände. Ihre Erfolge sind nicht unbefriedigend. Erwähnenswert ist die überraschende Schnelligkeit, mit welcher eine Reihe von dem Kommando der Schutztruppe überwiesenen Schülern den Heliohgraphendienst erfaßte und sich in demselben bewährte. —

Die Fortschritte in der deutschen Sprache gehen naturgemäß langsamer von statten. Die Regierung wendet diesem Unterrichtszweige rege Aufmerksamkeit zu, um allmählich auch das weiße Kanzleipersonal durch farbiges ersetzen zu können und insbesondere auch die Zollverwaltung durch vermehrte Einstellung von Farbigen zu verbilligen.

Die Zahl der Missionsschulen ist beträchtlich; bei ihnen tritt natürlich der Unterricht in der Religion und die Ausbildung von Farbigen zu Religionslehrern vor allen anderen Unterrichtsfächern sehr in den Vordergrund. Jedoch haben sich schon einige der Missionsschulen den Lehrplan der Regierungsschulen zu eigen gemacht.

Eine Reihe von Missionen haben auch den den deutschen Sprachunterricht in ihren Lehrplan aufgenommen, andere wieder ziehen es vor, die Eingeborenen in ihrer eigenen Volkssprache zu unterrichten. Zur Förderung des deutschen Unterrichts ist es in Aussicht genommen, den Missionsschulen, die im Deutschen Gutes leisten, Prämien zu gewähren.

Um dem immer noch vorhandenen Mangel an farbigen Handwerkern abzuhelfen, wirken drei von europäischen Lehrern geleitete Handwerksschulen in Dar es Salam. Kilwa und Lindi, meist in Tischler und Schmiedearbeiten. Auch in Tanga ist eine Handwerkerschule mit der Regierungsschule verbunden, in welcher die Schüler feinere Handfertigkeiten erlernen. Außerdem hat fast jede Kommunalverwaltung eine Werkstätte eingerichtet, in welcher Lehrlinge ausgebildet werden. Auch die Missionen beteiligen sich eifrig an der Ausbildung von Handwerkern.

Die in Dar es Salam bestehende sogenannte Landwirtschaftsschule, richtiger Jumbenschule genannt, hat es sich zur Aufgabe gemacht, aus dem Bezirke stammende Jumbensöhne zu erziehen. Neben dem Unterricht in der Regierungsschule erhalten dieselben eine Ausbildung als Handwerker und Unterweisung in rationeller Kultur der einheimischen Nutzpflanzen.

Über die Produktions - und Absatzverhältnisse im allgemeinen sagen die amtlichen Berichte:
Obwohl noch immer die Küstendistrikte, aus denen allein der Export der meisten Landesprodukte bei dem heutigen Stand der Verkehrsmittel gewinnbringend ist, infolge der früheren Araber - Sklavenwirtschaft an Zahl und Arbeitswilligkeit der Bewohner am ungünstigsten gestellt sind, so macht sich doch infolge das von der Schutzgebietsverwaltung geförderten Zuzuges eine erfreuliche Vermehrung der landwirtschaftlichen Produktion bemerkbar. In der Ausfuhr trat die vermehrte Produktion allerdings nicht voll in Erscheinung, da der Bevölkerungszuwachs einen vermehrten inländischen Verbrauch herbeiführte und anscheinend auch die gesamte Lebenshaltung der Küstenbevölkerung allmählich eine bessere wird.

In den Innenbezirken wurde an Feldfrüchten nur so viel produziert, als das Land verbraucht. Abnehmer sind nur die kaiserlichen Stationen, die Missionen und die Europäer an den großen Karawanenstraßen. Eine größere Produktion wird so lange nicht eintreten, als keine bessere Absatzgelegenheit geschaffen wird.

Die Versuche, durch Fuhrwerksverkehr bessere Absatzverhältnisse zu schaffen, sind bisher nicht gelungen, da die Wege meist nicht fahrbar waren und die Zugtiere dem Texasfieber und den Stichen der Tsetsefliege erlagen.

Ein Versuch, einheimische Esel zum Tragen vom Lasten ins Innere der Kolonie zu benutzen, zeigte zwar die Möglichkeit derartiger Transporte. Das sich damit befassende Unternehmen konnte jedoch aus Mangel an Kapital und dementsprechend an gutem Aufsichtspersonal trotz der tatkräftigen Unterstützung der Behörden nicht reüssieren.

Da das Gedeihen der einzelnen Feldfrüchte von den stark schwankenden Einflüssen der Witterung abhängig ist und die Ernten bei Auftreten von Schädlingen häufig der gänzlichen Vernichtung anheimfallen, war es das Bestreben der Verwaltungsbehörden, die Eingeborenen zur Verhütung von Hungersnöten zum Anpflanzen verschiedenartiger Sorten von Feldfrüchten anzuhalten. Insbesondere sollen dabei Ölfrüchte bevorzugt werden, weil sie dem Heuschreckenfraß weniger ausgesetzt sind und sich ihr Export besser lohnt . — Land zur Vergrößerung der Anbauflächen steht auch in den Küstendistrikten reichlich zur Verfügung.

Es ist ein allgemein beobachteter Mißstand, daß die Werkzeuge — Hacken usw. — mit denen die Eingeborenen ihre Felder bestellen, zu schwach und zu klein sind, und damit eine ordnungsmäßige Beackerung und Bestellung des Bodens ausführen zu können. Die ungenügende Bearbeitung kann die Überwucherung der Nutzpflanzen durch Unkraut nicht verhindern und führt mangels jeglicher Düngung zur baldigen Erschöpfung des Bodens. Die Einführung europäischer Pflüge ist bis jetzt gescheitert, doch scheint es möglich zu sein, einfachere indische Pflüge usw. bei den intelligenteren indischen und arabischen Ackerbauern einzuführen.

Von den Landesprodukten sind als hauptsächlich in Frage kommend zu nennen: Bananen, Reis, Zuckerrohr, Baumwolle, Kokospalmen, Kopra und Kaffee.

Bananen gedeihen überall, besonders in etwas höheren Lagen. Der Ernteertrag wird im Lande teils unmittelbar verzehrt, teils zu Mehl verarbeitet. Eine Ausfuhr ist noch nicht versucht worden, obwohl die enormen Quantitäten, die in den letzten Jahren in Europa, namentlich in England ihren Absatz fanden, zum Export auch aus Afrika anregen sollen. Auch die sogenannte Kazstachelbeere, sowie die Guava - und Mangofrüchte, die neuerdings in anderen tropischen Ländern ausgedehnte Verwertung zur Herstellung von Fruchtkonserven finden und hier mühelos zu kultivieren sind, haben noch keine kapitalkräftigen Interessenten gefunden. Der Anbau von Reis vermehrt sich offensichtlich. Bei weiterer Erschließung durch Verkehrswege wird das Schutzgebiet nicht nur seinen eigenen Bedarf an Reis decken, sondern auch erhebliche Mengen für die Ausfuhr erzeugen können.

Der Anbau von Zuckerrohr ist im Panganital beträchtlich. Auch im Überschwemmungsgebiet des Rufiji nimmt er allmählich zu. Baumwolle wächst überall; Kulturen, deren Produkt zu Geweben verarbeitet wird, sind nur im Innern, z. B. Unyamwezi vorhanden. Das Gouvernement beabsichtigt Versuche im größeren Maßstabe zu machen und Experten aus Amerika heranzuziehen. Kokospalmen-Plantagen, von europäischen Unternehmern neu angelegt, finden sich im Bezirk Tangar. Die Zahl der dort ausgepflanzten Kokospalmen beträgt circa 300.000. Der Ertrag ist erst noch zu erwarten. Die den Kommunalverbänden gehörigen Kokospalmen- Plantagen dienen mehr zur Abgabe von Saatgut an die Eingeborenen und als Anregung zur Nacheiferung, als den Zwecken eines eigenen Reingewinnes.

Auch das Vorkommen von Mineralien im Schutzgebiet ist nicht unbeträchtlich und harrt nur einer rationellen Schurftätigkeit. Es handelt sich hauptsächlich um Glimmer, dessen Qualitäten sehr gerühmt werden (besonders im Uluguru-Gebirge zu finden), Granaten, Kohlen, Kalkstein in unbegrenzter Menge und — Gold sogar. Von sachkundigen Bergingenieuren sind hier goldhaltige Alluvien und eine Anzahl von Quarzgängen mit teilweise beträchtlichem Goldgehalt aufgefunden worden. Vielleicht ist, wie so oft, das Gold dazu berufen, die Europäer in größerer Anzahl ins Land zu ziehen und den Verkehr zu beleben, denn leider kann nicht geleugnet werden, daß bislang in manchen Stücken die Kolonie nach der Seite der Prosperität aus Boden-Erzeugnissen und Handelsverkehr nicht die Entwicklung genommen, die man erhoffte.

Man erhoffte Ansiedelungen und Handelsbelebung im großen Stil, man sah im Geiste schon die Hügelgelände und Berglandschaften, die ein gesundes Klima haben (kein Fieberklima, wie Schwarzseher in pessimistischer Befürchtung glauben) von vielen Tausenden fleißiger deutscher Farmer gebaut, und das weite Gebiet von Schienenwegen durchzogen, die Landesprodukte an die Küste bringend und europäische Waren ins Land.

Der Erklärungen, warum man noch nicht weiter und über das Anfangsstadium noch nicht hinauskommen, gibt es viele. Sievers, ein Kenner Afrikas, zählt hauptsächlich drei Hindernisse auf, welche der raschen Ausbreitung des deutschen Einflusses auf diese immerhin wertvollen Ländern entgegenstehen: erstens den Einfuß der Araber und des Islams, zweitens das Klima und drittens den Mangel an Kapital in Deutschland. Diese drei Hemmnisse haben sich in den wenigen Jahren der deutschen Besitzergreifung bereits im schärfstem Maße geltend gemacht.

Der Mangel an größeren Geldbeträgen ist wohl der Hauptgrund für das Scheitern der Bemühungen der Privatgesellschaften. Lange Zeit haben die kapitalkräftigsten Kreise des Reiches, die Hansastädte, sich nicht an der Kolonialbewegung beteiligt, und was in den Kolonialvereinen an Geldsummen aufgebracht wird, ist verschwindend im Verhältnis zu den erforderlichen Mitteln.

Das zweite, dem deutschen Einflusse entgegenstehende Element, die Araber und mit ihnen der Islam, hat Deutschland in den letzten Jahren zu seinem Schaden als ein mächtiges kennen gelernt, und wenn auch die arabischen Vorherrschaft jetzt gebrochen zu sein scheint, so wird man sich doch immer noch von Zeit zu Zeit auf Rückschläge gefaßt machen müssen. Auch das dritte Hindernis deutscher Kolonisation, das schlecht Klima, hat sich namentlich während der ersten Jahre in seiner ganzen Gefährlichkeit gezeigt und den Tod einer großen Reihe tüchtiger Beamten verursacht. Neuerdings aber ist eine auffallende Abnahme der durch das Klima verursachten Sterbefälle zu verzeichnen, vermutlich weil seitens der Europäer größere Vorsicht und mäßigere Lebensweise beachtet wird. Und so wird auch ein viertes, geringeres Hindernis mit der Zeit abgeschwächt werden, die bei vielen hinausgesandten Beamten vorhandene Unkenntnis der Verhältnisse Ostafrikas, denn es scheint, daß zur Zeit der Wahl der Beamten Kenner der Landesnatur und der Einheimische bevorzugt werden, und daß auch von Staatswegen etwas für die wissenschaftliche Erforschung des Landes getan wird, die mit einer gründlichen Kolonisation immer Hand in Hand gehen muß.

Der Wert der Kolonie wird einmal doch erkannt werden, wenn in Deutschland das Verständnis für Kolonialbesitz und dessen Ausnutzung soweit gediehen sein wird wie in England und vor allem der Vorteil der Verkehrswege. Ein einziger Schienenweg existiert im Schutzgebiet, ein kurzer, der zudem seinen natürlichen Abschluß über Korogwe hinaus noch nicht gefunden — die Usambara-Eisenbahn, deren Verkehrsziffern leider noch sehr niedrige sind: im letzten Berichtsjahre wurden 1278 Weiße und 12851 Farbige befördert.

Der von Küstenplätzen des Schutzgebietes ausgehende Handel nach dem Innern ist immer noch ausschließlich Karawanenhandel; die Güter werden auf dem Kopf der Träger durch die ganze Ausdehnung des Landes transportiert. Ein Güterverkehr der Achse ließ sich noch nicht ermöglichen.

Was den Gesamthandel anlangt, so beziffert sich nach dem letzten Bericht, die Einfuhr auf 9 511 000 Mark. Die Ausfuhr, die zumeist Kaffee, Kautschuk, Kopra, Sesam, Vieh, Mineralien und Faserstoffe umfaßt, auf 4 623 000 Mark. Die Zu- und Abfuhr der Waren besorgen, außer dem Gouvernementsdampfern, in der Hauptsachen die Dampfer der Deutsch-Ostafrikalinie mit 14 täg- bzw. vierwöchentlicher Fahrgelegenheiten von und nach Europa und Indien und die einheimischen Segelfahrzeuge, die sogenannten Dhaus. Es wird vielleicht weitere Kreise interessieren, die im Schutzgebiete wirkenden Plantagen- und Handelsgesellschaften kenne zu lernen.

An Plantagen-Gesellschaften sind vorhanden. Im Bezirk Tanga: Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft, Westdeutsche Handels- und Plantagen-Gesellschaft, Usambara-Kaffeebau-Gesellschaft, Rheinische Handei-Plantagen-Gesellschaft, Prinz-Albrecht-Plantagen, Sigi-Plantagen-Gesellschaft Gebr. Wismahl, A. Brunhoff; im Bezirk Wilhelmstal: Wilkins & Wiese, Deustch-Ostafrikanische-Plantagen-Gesellschaft, Jllich, jetzt Aktiengesellschaft, Gouvernement; im Bezirk Pangani: Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft, Fr.Hoffmann, Pangani-Gesellschaft; im Bezirk Bagamono: L & D. Hansing (Merimo-Land- und Plantagen-Gesellschaft); Im Bezirk Dar-es-Salam: Rheinische-Handei-Plantagen-Gesellschaft; im Bezirk Mikindani: v. Quast; im Bezirk Lindi: Lindi-Hinterland-Gesellschaft; im Bezirk Kisaki: Moritz; im Bezirk Kilwa: Gouvernement und Kommune Kilwa.

Handelfirmen und Erwerbsgesellschaften: Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft; Kilimandscharo-Handels- und Landwirtschafts-Gesellschaft m.b.H.; Ostafrikanische Berwerks-Industrie-Gesellschaft m.b.H.; Pangani-Gesellschaft; Rusini-Industrie-Gesellschaft m.b.H.; Westdeutsche-Handels-und Plantagengesellschaft; Hansing & Co; Prediger & Co; Franz G. Steffens & Co; e. Müller & Devers (Prins & Stürken in Hamburg); Brettschneider & Hasche; Karl Perrot & Co.:Deutsche Lindi-Handels- und Plantagen-Gesellschaft m.b.H.; Deutsch-Ostafrikanische Handels- und Plantagen-Gesellschaft; A. Brunnhoff; I: Hedde; Georg Zuganotta; Niklaus Jevar; B. Gouza Machoda; Scheffmann, Züre & Co.: Aug. Scheffmann; L.M.J: Deuz; Herrnhuuter Brüdergemeinde; Constantin Chilius; Nikolai Chilius; F. G. C. Michahelles & Co.

Quelle: Reise um die Erde, 1905, Karl Tanera, Internationaler Welt Verlag, von rado by Jadu

 


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