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Der Sisalhanfanbau

(Aus Hanisch, Schmidt und Wallenberg Pachaly: "Ostafrikanische Landschaft ")

Der Sisalagavenanbau hat sich bis jetzt als aussichtsreichste Kultur in Deutschostafrika erwiesen. Der Sisalhanf findet immer steigende Verwendung in der Seil- und Kabelindustrie, besonders benötigt ihn auch die Landwirtschaft als Bindegarn in den in den selbstbindenden Mähmaschinen in ständig zunehmenden Mengen.

Die Sisalagave stammt aus Mexiko. Besonders in den Bezirken Pangani, Tanga, Wilhelmstal, Lindi und Kilwa wird sie angebaut. Der Wert steckt in den seidenartigen, glänzenden Fasern der bis zu 1½ m langen, 2 cm dicken fleischigen Blätter.

Die Sisalagave ist eine ausgesprochene Steppenpflanze, die äußerst widerstandsfähig gegen alle Unbilden der Witterung ist, der tierische und pflanzliche Feinde nur wenig anhaben können. Sie kommt auch auf weniger guten Böden, wenn sie nicht an stauender Nässe leiden, noch gut fort; längere Dürreperioden übersteht sie ausgezeichnet. Die Kultur ist sehr einfach.

Man pflanzt, nachdem der Busch gerodet und das Land von Wurzeln und Unkraut gereinigt ist, zu Beginn der Regenzeit bei 2 bis 2 ½ m Reihenentfernung und demselben Abstand innerhalb der Reihe entweder Wurzelschößlinge, die bereits im zweiten Jahr an der Mutterpflanze ausschlagen, oder die aus Brutzwiebeln in Pflanzbeeten getriebenen kleinen Sisalpflänzchen. Nach dem Aussetzen ist lediglich ein Reinhalten des Bodens erforderlich, das wegen des üppig wuchernden Unkrautes mehrmals im Jahre vorgenommen werden muß.

Die Pflanze hat schon nach 2 ½ Jahren die ersten schnittreifen Blätter entwickelt, kann mit 3 Jahren abgeerntet werden und bleibt dann noch gegen 3 Jahre schnittreif. Nach 6 Jahren stirbt sie gewöhnlich ab, nachdem sie einen Blütestengel getrieben hat, der Tausende von Brutzwiebeln ansetzt.

Man rechnet gewöhnlich im ersten Erntejahr mit einem Ertrag von etwa 40 bis 50 Blättern von einer Pflanze und kann demnach — ungefähr 3 Jahre lang — alle Vierteljahre ungefähr 10 Blätter ernten.

Die Sisalpflanzungen werden ohne große Unkosten stets dadurch ergänzt, daß man zwischen die Reihen im zweiten Jahre der Ernte junge Pflanzen in gleicher Entfernung aussetzt, die dann beim Absterben der älteren Pflanzen soweit herangewachsen sind, daß sie schnittreife Blätter liefern. In Bündeln zu 60 Pfund schafft man, in größeren Pflanzungen meist auf Feldbahnen, die Blätter zur Fabriksanlage.

Die Entfaserung erfolgt in eigens dazu konstruierten Maschinen, die das Fleisch der Blätter von den Fasern abquetschen.

Man ist mit der Entfaserung wirtschaftlich und technisch bedeutend vorwärts gekommen durch die Einführung der von der Firma Krupp, Magdeburg-Buckau, gebauten Neu-Corona-Maschine, die täglich rund 150 000 Blätter entfasern kann, was eine Leistung von 2 Tonnen Hanf entspricht.

Nachdem der Hanf die Maschine verlassen hat, wird er in kleine Bündel zusammengeschnürt und in fließendem Wasser oder in gemauerten Tanks gewässert, dann getrocknet und gebleicht. Um die Faser gänzlich zu reinigen und zu glätten, geht der Hanf darnach durch Bürstmaschinen. Der Abfall wird beim Flachs gehechelt und zur Anfertigung einfacher Hanfstricke benutzt.

Mit Pressen aller Art bringt man den Hanf schließlich auf eine möglichst geringes Volumen, meist in 5 Zentner Ballen, näht ihn in Jutetücher ein und umgibt ihn mit Eisenbändern

Quelle: Unsere Kolonien, 1938, von rado jadu 2001




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