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Der Verteidiger Ostafrikas

 

General von Lettow-Vorbeck wird 75 Jahre alt.

Was unbeusamer Wille zu erreichen vermag zeigt das Beispiel des ruhmreichen Heldenkampfes, den General von Lettow-Vorbeck, der am 20. März seinen 75. Geburtstag begeht, mit den deitschen Kolonialtruppen, während des ersten Weltkrieges in Ostafrika durchfocht. Etwa 14 000 Mann, darunter 3000 Weiße und 11 000 Farbige, standen damals einer mehr als hundertfachen Übermacht gegenüber , die mit allen modernen Kampfmitteln, mit Kraftfahrzeugen, Flugzeugen und Nachrichtenapparaten ausgerüstet war. Der deutschen Kolonialtruppe dagegen fehlt es an Kriegsmaterial. Denn im vetrauen auf die von den afrikanischen Kolonialmächten vereinbarte Kongoakte, die besagte, daß die mittelafrikanischen Gebiete im Falle eines zwischen England, Frankreich, Deutschland oder Portugal ausbrechenden Krieges als neutral erklärt würden, hatte man keine Verteidigungsmaßnahmen getroffen.

Ein knappes halbes Jahr vor Kriegsausbruch war Paul von Lettow-Vorbeck nach Ostafrika gekommen. Mit ihm war ein vorbildlicher Soldat und ein Kenner kolonialer Verhältnisse an die Spitze der Schutztruppe gerückt. Er hatte die Chinaexpedition mitgemacht und sich während der Kämpfe in Südwest-Afrika mehrfach bewährt. Obwohl die Welt über den Widerstand der verschwindend klienen Truppe den Kopf schüttelte, war er fest entschlossen, Ostafrika, die größte und wertvollste deutsche Kolonie, bis aufs letzte zu verteidigen.

Schon in der ersten Schlacht bei Tanga bewies er, was Mut und Entschlossenheit vermögen. Unter dem Schutz mehrerer Kriegsschiffe war am 2. November 1914 ein 8 000 Mann starkes englisches Expeditionskorps gelandet. Lettow-Vorbeck hatte nur die nächstliegenden Truppen sammeln können. Mit diesen 1000 Mann wagte er am 4. November einen Vorstoß gegen die Engländer und trieb sie nach dreistündigem Kampf, der sie ein Viertel ihrer Truppen lostete, auf das Meer zurück. Wie er in seinen Erinnerungen schreibt, richtete später einmal ein englischer General die Frage an ihn, ob er in jener Schlacht dressierte Bienen eingesetzt habe. Lettow-Vorbeck mußte lächeln, er wußte sehr wohl, was der Engländer meinte. Durch das Geschützfeuer der englischen Schiffsartillerie waren ganze Schwärme wilder Bienen heruntergeschossen worden und die aufgeregten Tiere hatten sich auf die anmarschierenden Soldaten gestürzt.

Nach dem Mißerfolg von Tanga kam es erst 1916 wieder zu größeren Kämpfen. Die Lage der deutschen Truppen hatte sich inzwischen beträchtlich verschlechtert. Dennoch lehnte Lettow-Vorbeck ein Kapitulationsangebot, das "höchst ehrenvolle Bedingungen" stellte, ab. Er war entschlossen bis zum äußersten zu kämpfen, obwohl auf Hilfe von außen nicht mehr zu rechnen war. Immer knapper wurde die Munition. Elefanten und Flußpferde bildeten die Nahrung. Maismehl wurde jedem grammweise zugeteilt. Weitaus schlimmer aber war, daß die Medikamente zur Neige gingen. Um dem gefährlichen Wechselfieber beizukommen, nahm man Zuflucht zur Chinarinde. Ihrem Kommandeur zuliebe schluckten die Askaris dieses scheußlich schmeckende aber sehr wirksame Gebräu, das sie "Lettow-Schnaps" getauft hatten.

Kreuz und quer hatte Lettow-Vorbeck das Gebiet Ostafrikas durchzogen. Seine kleine Heldenschar, die mit ihm durch dick und dünn ging, war bis auf 1200 Mann zusammengeschmolzen. Und doch standen diese Zwölfhundert bei Kriegsende unbesiegt da. Hatte auch ihr heldenmütiger Widerstand das Land nicht für Deutschland zu retten vermocht, eines hatte Lettow-Vorbeck dennoch erreicht: Er hatte einen Teil der englischen Kräfte auf diesen Kriegsschauplatz konzentriert.

Route

Ein Zepp fliegt Lettow-Vorbeck entgegen


Quelle: Morgenpost 18.03.1945, von rado jadu 2000.

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