Ein Zepp fliegt Lettow-Vorbeck entgegen
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In dem bulgarischen Grenzstädtchen
Jambol lief am 2. Juli 1916 folgendes Telegramm ein: Hügelan
an der Tundscha lag der Luftschiffhafen eines Zeppelins, und das Luftschiff
SLX tat Dienst in Kleinasien und über dem Schwarzen Meer, wurde
betreut durch Richtstrahlen in Jambol und Konstantinopel, wohinter sich
die Station Osmanie verbarg, in Damaskus, Bukarest, Konstantza, Uesküp
und Sofia. Diese Tromben,
örtliche Unwetter mitten auf dem Schwarzen Meer, von der Küste
aus überhaupt meist gar nicht wahrnehmbar, den Taifuns der Südsee
vergleichbar, wirbelten mit einer Windgeschwindigkeit von 45 Meter je
sekunde vom Unwetter überraschte Schiffe in den Tod. Um wieviel
mehr mußten sie einem Zeppelin verhängnisvoll werden. Mit Kapitän
Bockholdt als Kommandeur und 23 Mann Besatzung, darunter den Steuermann
Grußendorf und den 49jährigen Dr. Zupitzka als geistigen
Urheber der Idee, der fernen Lettow-Truppe mittels Luftschiff Hilfe
zu bringen. Und von
Jambol aus erfolgte der Start nach Afrika. Es war ein erstaunliches
Luftschiff, dieser L59. Ein Teil der Baumwollhüllen, die sein Gerippe
umschloß, war aus Mullbinden hergestellt, den Lettow-Leuten Verbandsstoff
zuzuführen. Die Haut des Schiffes konnte man zu Zelten und Tropenanzügen
verwenden. Die Gaszellen waren für den späteren Gebrauch als
wasserdichte Schlafsäcke gedacht. Aus dem Duraluminiumgerippe konnte
man einen Funkturm bauen, Tragbahren und Barracken herstellen. Die Maybachmotoren
sollten mitgeführte Dynamos und damit eine Funkstation betreiben. An diesem
selben 21. November verließ die letzte Schützenkompanie Lettow-Vorbecks
das Makondehochland im Süden von Deutsch-Ostafrika, um den geplanten
und dann mit so großem Erfolg durchgeführten Vorstoß
nach Portugiesisch-Ostafrika den Rücken zu decken. Eintönig rauschten
die Wasserwogen des Mittelmeeres bei nächtlicher Fahrt, und der
Zepp fuhr in Wolkenberge hinein, die massiv schienen wie Felsen und
wie Wattebausche auseinanderwichen, sobald die Propellergewalt sie erfaßte.
Fahle Blitze zuckten auf, L 59 war ohne jede Wetterorientierung und
vermochte dem Gewitter nicht mehr auszuweichen. Das gewaltige
Aluminiumgerippe war durch die Luftelektrizität so stark aufgeladen
worden, daß aus allen Metallteilen bläuliche Sankt Elmsfeuer
in magischen Lichtbündeln über das Schiff tanzten, ein das
Blut zum Erstarren bringender Anblick, denn jeden Augenblick konnte
das immer noch aus den Ventilen entweichende Gas Feuer fangen. Allein
das nächtliche Geisterschiff zog weiter seine Bahn. Es war Morgen,
der Himmel blitzbank reingemacht. Die Maschinen sangen ohne trüben
Ton. Die herbstliche europäische Kühle wich tropischer Wüstenglut,
Sonnenboen rüttelten das Schiff. Weit östlich glühte
weiß ein Band auf. "Der Nil", sagte jemand an Bord.
Das Wort lief weiter, packte alle. "Wir sind über dem Nil!
oder doch beinahe...
Ein Meer,
so groß, fast ganz Bayern darein zu tauchen, so wartete, silberglänzend
im Tropenlicht, der Viktoriasee auf die Deutschen. Südlich
von Khartum tastete der erschöpfte Bordfunker immer wieder die
Sendewellen ab. War der Apparat nicht in Ordnung? Die Fahrtgeschwindigkeit war gut, betrug über 100 Stundenkilometer im Durchschnitt. Wetternachrichten, die gab es freilich nicht. Aber die Atmosphäre war ruhig. Nirgens eine verdächtige Wolkenbank. Der afrikanische Himmel wartete offenbar noch mit dem Beginn der fälligen Regenzeit. Keine Blitze zuckten, kein Draht begann im Wind zu singen. Die Fahrt nach Ostafrika, diese einmalige herrliche Leistung, mußte gelingen. Sie war schon über die Hälfte gelungen. Vorwärts, zu Lettow-Vorbeck war bereits näher als zurück nach dem Heimathafen Jambol. Mit einem
Blatt in der Hand trat der Bordfunker aus seiner schalldichten Kabine. Allein Bockholdt folgte dem Befehl seines Gewissens. Die Heimat gab Order, die Heimat mußte wissen warum! Er gehorchte dieser Order. Und L 59 wendete und zog heimwärts unter mancherlei Fährnissen und erreichte nach insgesamt 96stündiger Fahrt und über 6757 Kilometer zurückgelegter Wegestrecke den Heimathafen Jambol. Erreichte
ihn an dem Tag, da die Truppe Lettow-Vorbecks bei Ngomano eine portugiesische
Festung stürmte und all das eroberte und erbeutete und mehr dazu,
was der Zepp hätte bringen können. Wichtige Informationen hatten die Heimat veranlaßt, das Unternehmen in dem Augenblick abzublasen, als es schon so gut wie gelungen schien. Die "verläßliche Information" aber, welche die Zurückberufung des Zeppelins veranlaßt hatte, stellte sich kurz darauf als eine Falschmeldung des Feindes heraus. Wenn L 59 schon nicht nach Ostafrika durfte, zu neuer Operation über dem Mittelmeer durfte er. Über der Otrantostraße wurde er vom Feinde angeschossen. Mit dem brennenden Schiff stürzte auch Bockholdt in die Unendlichkeit. Quelle:
Ein Kontinent rückt Näher, Josef Viera, Verlag Hugendubel
1942, von rado jadu 2000
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Kolonialkrieg: 1917 hieß es "Luftschiff marsch!" gen Deutsch-Ostafrika im Zeppelin Museum